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Ohne Manipulation und Irreführung kommen Kampagnenmacher in den Medien nicht aus.

Veröffentlicht in: Demografische Entwicklung, DIE LINKE, Kampagnen / Tarnworte / Neusprech

Das gilt z.B. für die Bewertung der Agenda 2010- und der Hartz-„Reformen“, wo immer wieder behauptet wird, sie seien ein „Segen“ (siehe Hinweis Nr. 3 d von heute), oder für die demographische Debatte oder für die aktuelle Debatte um den Streit bei der Linkspartei. Ich erlebe beispielhaft an NachDenkSeiten-Texten zu diesem Thema, wie manipulativ damit umgegangen wird. Das reizt zu einigen Informationen über die Kanäle manipulativer Durchsteckereien. Albrecht Müller

Am 12. Januar erschien in den NachDenkSeiten ein Beitrag mit dem Titel „Um eine gute Strategie zu streiten lohnt sich. Auch bei der Linken.“
Ich hatte darin sachlich und auf dem Hintergrund meiner Erfahrung mit der SPD-Führung und den dortigen Gruppierungen den Streit in der Linkspartei analysiert und kommentiert und dabei auch mein Motiv für die Beschäftigung mit diesem Thema offen gelegt. Ich wiederhole dieses Motiv:

„Der Hintergrund ist einfach und folgt aus einer Regel der Demokratie: Unser Land braucht eine Alternative zur jetzigen Regierung. Diese ist aus meiner Sicht nur in einer Koalition unter Beteiligung der Linkspartei möglich. Deshalb interessiert mich der entbrannte Streit.“

Die „junge Welt“ hat diesen Beitrag der NachDenkSeiten mit Quellenangabe am 13. Januar abgedruckt, was wir in der Regel jedem Medium und auch Bloggern – nach Rücksprache – erlauben. Im Berliner „Tagesspiegel“ wurde dann von Matthias Meisner aus diesem Beitrag zitiert.
Dabei wurde unterschlagen, dass mein Beitrag original in den NachDenkSeiten erschienen ist und der Eindruck erweckt, als sei der Beitrag für die „junge Welt“ geschrieben worden. Diese wurde auch gleich noch als „linksradikal“ abgewatscht, was letztlich wohl meine Aussagen disqualifizieren sollte. Wörtlich:

„Dagegen griff der frühere SPD-Wahlkämpfer Albrecht Müller – einstmals Planungschef bei den Kanzlern Willy und Helmut Schmidt – Bartsch in der linksradikalen Zeitung „Junge Welt“ heftig an.“

Es wurde damit zugleich unterschlagen, was das Motiv meines Artikels war. Siehe oben. Und mir wurde eine Art persönlicher Fehde mit Dietmar Bartsch unterstellt und gleichzeitig der Eindruck erweckt, als würde ich als verlängerter Arm von Oskar Lafontaine schreiben. Der Kommentator Meisner bezeichnet mich als „Lafontaine-Anhänger“. Der Mann kennt mich nicht, er hat mich nicht gefragt, er ist unfähig zu differenzieren zwischen einer Nähe bei Sachfragen und Anhängertum. Er hat sich selbstverständlich nicht die Mühe gemacht, dem nachzugehen, wo ich Lafontaine kritisch gesehen habe und sehe. Auch meine differenzierten Aussagen zum angeblichen Ost-West-Konflikt in der Linkspartei wurden vergröbert dargestellt.

Ich kenne den Journalisten Meisner persönlich nicht; mir fiel jedoch an einzelnen Artikeln auf, dass er fest in die Kampagne für die so genannten Reformer bei der Linkspartei eingebunden ist, beziehungsweise diese betreibt. Im Netz findet sich die entsprechende Serie. Siehe hier. Wer sich für solche Kampagnen interessiert und sich den Durchblick erhalten will, sollte sich einzelne Beiträge anschauen. Dort werden die typischen Kampagnenelemente gepflegt: die Linken in der Linkspartei seien nicht regierungswillig, es fehle an Programm, Lafontaine sei ein Populist, dort wird schon die Niederlage in NRW herbeigeschrieben, usw.

Man erkennt an diesen Beiträgen von Matthias Meisner auch, dass und wie von Seiten der sogenannten Reformer in der Linkspartei durchgesteckt wird. Das ist ein Geschäft auf Gegenseitigkeit. Der Journalist des Tagesspiegel bekommt aktuelle und interne Informationen, z.B. aus Vorstandssitzungen. Dafür kommen seine Informanten in seinem Blatt gut weg. Ähnliche Durchsteckereien kenne ich aus der Zeit der Regierungen Brandt und Schmidt. Dort gab es immer auch Personen, die vertrauliche Informationen aus Kabinettssitzungen und Vorstandssitzungen an Journalisten weitergaben und dafür dort freundlich gepflegt wurden. (Das zu verfolgen und zu belegen wäre übrigens eine Diplomarbeit wert.)

Dieses Geben und Nehmen ist natürlich nicht auf den Tagesspiegel (den wir ansonsten oft positiv zitieren) beschränkt. Ähnlich funktioniert es zum Thema Linkspartei zum Beispiel

  • mit zwei Spiegelredakteuren, mit Stefan Berg und Markus Deggerich,
  • mit Miriam Hollstein von der „Welt“,
  • und – leider – auch oft mit Jörg Schindler von der „Frankfurter Rundschau“, den ich einmal sehr geschätzt habe.

Wenn Sie sich diese Namen merken, dann hilft Ihnen dies zur Selbstimmunisierung. Wer noch frei denken will und sich davor schützen will, Opfer von Kampagnen der Meinungsmache zu werden, ist leider auf dieses Grundwissen angewiesen.

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