Medien als Waffen im Krieg um die Köpfe

Medien als Waffen im Krieg um die Köpfe

Medien als Waffen im Krieg um die Köpfe

Ein Artikel von Éva Péli

Das Nachrichtenmagazin Hintergrund ist nun bereits mit der vierten Ausgabe nach der etwa dreijährigen Pause erschienen. Diese ist dem Schwerpunktthema „Medien & Manipulation“ gewidmet, dessen verschiedene Aspekte beleuchtet werden. Éva Péli hat sie sich angeschaut und durchgelesen.

„Unzählige Menschen weisen eine besorgniserregende Anfälligkeit für tiefgreifende Manipulation auf, lange bevor sich schwerwiegendere Symptome wie Depressionen oder Alzheimer zeigen. Sie sind Indoktrinationsversuchen schutzlos ausgeliefert und drohen einen schleichenden und nachhaltigen Persönlichkeitswandel zu erleiden.“

Wir können uns laut dem Mediziner und Molekulargenetiker Michael Nehls von diesem umfassenden Angriff nur erholen und zukünftig davor schützen, wenn wir verstehen, woher er kam und wo genau er uns getroffen hat.

Dazu leistet auch die aktuelle Ausgabe des Nachrichtenmagazins Hintergrund einen Beitrag mit den Schwerpunktthemen „Medien & Manipulation“. Nehls schreibt darin über den „Globalen Krieg gegen das mentale Immunsystem der Menschen“. Er weist auf ein zentrales Organ im Gehirn hin, den Hippocampus. Er nennt ihn „unsere autobiografische Gedächtniszentrale“, weil er für unsere Identitätsbildung maßgeblich ist.

Laut Nehls steht dieses Organ im Fadenkreuz der Forschungen. Seine Bedeutung ist in Zusammenhang mit „Great Reset“ zu verstehen. Mit diesem „Reset“ ist dem Mediziner nach weit mehr geplant als die Wiederherstellung eines imaginären Urzustandes der Wirtschaft. Der stille, dennoch psychisch schmerzhafte „Great Mental Reset“ soll die Menschheit in den mentalen Zustand versetzen, das neue totalitäre Betriebssystem des vom Weltwirtschaftsforum WEF propagierten „Great Reset“ nicht nur „willig“ zu akzeptieren. Sie soll es zudem als eine (Er)Lösung von den permanenten Kriegen gegen die menschliche Psyche betrachten und bejahen, so Nehls. Die Auslöschung der individuellen und damit auch der kulturellen Identität seien die schwerwiegenden Folgen dieses Prozesses.

Neue Form der Kriegsführung

Infolge der quasi-kriegerischen Maßnahmen der Corona-Inszenierung kam es aus seiner Sicht zu einer Übersterblichkeit, die sich nicht durch Infektionen erklären lässt, aber auch zu einem nie dagewesenen massiven Verlust an geistiger und seelischer Leistungsfähigkeit vieler Menschen. Doch es gebe eine Chance, diesen Prozess umzukehren und „unsere Kreativität, Denkfähigkeit und ein menschenwürdiges System zu bewahren“. Auch die beschreibt der Mediziner in dem Heft.

Der Propagandaforscher Jonas Tögel zeigt in einem Interview wirkungsvolle Mittel und Wege auf, wie sich Menschen selbst vor Manipulation schützen und ihre Resilienz stärken können. Mit einer ganz neuen Art der Kriegsführung nehme die NATO jeden einzelnen Menschen ins Visier, warnt er in seinem Buch über die „Kognitive Kriegsführung“. Die Unterstützung der Bevölkerung für militärische „Einsätze“ oder Kriege sei für die NATO nämlich genauso wichtig wie die Überlegenheit auf dem Schlachtfeld selbst – Hard und Soft Power seien gleich wichtig, daher werde auf dem Schlachtfeld der öffentlichen Meinung mit allen Mitteln gekämpft, so der Buchautor.

Laut dem Wissenschaftler wird Soft Power in den Strategiepapieren der NATO als der neue „Game Changer“ bezeichnet, welcher einen „finalen Sieg über den militärischen Erfolg auf dem Schlachtfeld hinaus erwirken kann“. Er schreibt von einer Bedeutungsverschiebung weg von Hard Power, die es nach wie vor gibt, hin zu Soft Power. Diese sei so essenziell, dass die NATO für sich eine neuartige Form der Kriegsführung festgelegt habe, die sogenannte „Kognitive Kriegsführung“. Die wird laut Tögel auch als die „modernste Form der Manipulation, die es heute gibt“ bezeichnet, deren Ziel es ist, den Menschen wie einen Computer „hacken“ zu können.

Die NATO plane sogar bereits, so der Propagandaforscher, einen neuen, sechsten Kriegsschauplatz festzulegen: Neben den bisherigen fünf Kriegsschauplätzen zu Wasser, zu Lande, in der Luft, im Internet und im Weltall soll ein neuer definiert werden, der Mensch selbst. (Human Domain oder Cognitive Domain). Somit stehe jeder Mensch zu jeder Zeit im Zentrum einer hochmodernen Form psychologischer Kriegsführung. Um der Propaganda zu entkommen, rät er zu „bewusster Stärkung zwischenmenschlicher Beziehungen“ und dazu, Verbündete zu suchen, welche die Manipulation und Gewalt ebenfalls hinterfragen.

Die Rolle der Leitmedien

Der Historiker und Friedensforscher Daniele Ganser betont die Rolle der sogenannten alternativen Medien, die eine größere Auswahl an Perspektiven ermöglichen. „Wir erleben gerade eine Medienrevolution. Neue Produkte, neue Akteure kommen auf den Markt“, so der Historiker. Er sagt im Interview mit Hintergrund:

„Die alternativen Medien lassen Menschen zu Wort kommen, die sagen, es ist grundsätzlich falsch, Waffen in die Ukraine zu liefern. Oder die Bundeskanzlerin sagt, man muss sich impfen. Dann überbieten sich ARD und ZDF zu sagen: Wer sich nicht impfen lässt, ist ein Schädling für die Gesellschaft. Und die alternativen Medien sagen: Nein, schaut, man kann sich impfen lassen, aber man muss nicht. Es gibt Argumente dafür und dagegen.“

Aus seiner Sicht haben die Leitmedien in erster Linie nicht die Aufgabe, die Bürger zu informieren, sondern zu lenken. Lenken bedeute immer lenken im Sinne der Regierung. Das heißt, wenn die Regierung sagt, Waffen in die Ukraine liefern ist eine tolle Idee, dann lenken die Leitmedien jeden Tag mit ihrer Berichterstattung genau in diese Richtung, und dann wird eben der Kontext weggelassen. „Und wenn die Leute das merken und auf die Straße gehen und demonstrieren, werden sie beschimpft und gesagt, das sind alles Nazis“, so der Friedensforscher.

Er warnt zudem vor der Gefahr des übermäßigen Medienkonsums auf die Gesundheit und rät zu Mediendiät. Das andauernde Schüren von Angst und die vielen negativen Nachrichten – das Publikum wird seit Jahren immer in Angst gehalten – würden das Nervensystem belasten.

Medien im Krieg

Jacques Baud, ehemaliger Oberst der Schweizer Armee und Mitglied des strategischen Nachrichtendienstes der Schweiz, geht noch weiter: „Die Ukrainer sind Opfer unserer Medien.“ Er spricht in seinem Beitrag von ukrainischen Soldaten, die erzählen, „dass sie von unseren Medien getäuscht wurden und in die Schlacht zogen, weil sie dachten, die Russen würden fliehen, sie wüssten nicht, wie man kämpft, und sie hätten keine Munition mehr.“

Die Politik der westlichen etablierten Medien bestand aus Bauds Sicht darin, die Wahrnehmung des Konflikts zu polarisieren, indem sie den Hass auf die Russen maximierten. „Das ging so weit, dass alles, was russisch war, ausgegrenzt und stigmatisiert wurde: Künstler, Kunstwerke, Sportler, Katzen, Bäume …“

Der Journalist und Buchautor von „Auf beiden Seiten der Front“, Patrik Baab, schreibt in dem Heft über Realitätsverlust beziehungsweise -verweigerung der Leitmedien in Bezug auf den Ukraine-Krieg und gibt dafür zehn Beispiele: die zehn Blindheiten – militärische, moralisch-ethische, soziale, ethnisch-kulturelle und andere. Er weist auf den Zerfall der öffentlichen Debattenkultur und des journalistischen Handwerks hin. Dass er dafür zwei Lehraufträge verloren hat, zeigt aus seiner Sicht die Gleichstellung der Universitäten und ihre Unterwerfung unter die Propaganda-Narrative der NATO.

Der Kommunikationswissenschaftler Michael Meyen inszeniert in einem Lehrstück aus dem „umgekehrten Totalitarismus“ das Zusammenspiel von politscher und wirtschaftlicher Macht auf dem Feld der öffentlichen Kommunikation. Die Hauptdarsteller sind die Gesetzgeber und die Meinungsfabriken. Mit dem Schwerpunktthema setzen sich außerdem ein Text des verstorbenen Eckart Spoo sowie Beiträge von Christian Hardinghaus, Andreas Peter, Hannes Hofbauer und Helge Buttkereit auseinander.

Hintergründe zu weiteren Themen

Die aktuelle Ausgabe von Hintergrund bietet auch Informationen und Analysen zu dem bis heute nicht gelösten und wieder verschärften Palästina-Israel-Konflikt. Aus Sicht des israelisch-deutschen Soziologen und Philosophen Mosche Zuckermann „stecken wir in der gegenwärtigen historischen Phase in einer Sackgasse, deren Überwindung leider nicht nur eine Sache des guten Willens ist, sondern ein strukturelles Problem darstellt“.

Karin Kulow analysiert in einem Beitrag die Chancen auf eine Lösung der Palästina-Frage und zeigt mögliche Auswege auf – „ein sehr schwieriges Unterfangen“, so die Arabistin und Islamwissenschaftlerin. Nahost-Korrespondentin Karin Leukefeld blickt auf die Ursachen und Hintergründe des neu entfachten Konflikts. Zudem erinnert der Politikwissenschaftler Peter Gärtner an „200 Jahre Monroe-Doktrin“, die bis heute die US-Außenpolitik bestimmt. Interviews mit Gregor Gysi und Dietmar Koschmieder von der Tageszeitung junge Welt sind ebenfalls im Heft zu finden.

Der Friedensforscher Ganser nutzt nach eigenen Worten den „Medien-Navigator“ von Swiss Policy Research, um die Ereignisse möglichst von mehreren Seiten zu beleuchten. Dabei unterscheide er grob zwischen Pro-NATO- und NATO-kritischen Medien, ohne sie zu werten. Gerade bei wichtigen Entscheidungen wie jetzt – „Stellt man sich an die Seite von Israel oder stellt man sich an die Seite der Palästinenser?“ – sollte man sich verschiedene Medienmarken anhören und ansehen, betont er.

Diese Ausgabe von Hintergrund soll laut dem Editorial auch dabei helfen, zukünftig Medien besser zu nutzen, Manipulationsversuche leichter zu erkennen oder ignorieren zu können – und so mit Gansers Worten „sich einfach auf die Seite des Friedens stellen“.

Hintergrund 1/2-24 „Medien & Manipulation“, erscheint zweimonatlich. Heftpreis 8,80 Euro:

An allen Kiosken und im Abo, mehr Infos unter hintergrund.de

Titelbild: Coverbild von hintergrund.de/allgemein/medien-manipulation/

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