NachDenkSeiten-Herausgeber Müller und Redakteur Berger zu Gast bei Präsident Putins Wiederwahlfeier im Kreml

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Für Gründonnerstag hatte der russische Präsident zu einem Empfang im Kreml eingeladen. Nur wenige Gäste aus dem Westen waren geladen, mit dabei Albrecht Müller und Jens Berger von den NachDenkSeiten.

In seiner Begrüßung erwähnte Präsident Putin ausdrücklich die NachDenkSeiten. Sie seien ein Leuchtturm der Aufklärung und vor allem der Verständigung und Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Russland. Das Medium sei zwar klein, habe aber wegen seiner gut recherchierten Medienkritik eine große Bedeutung für die öffentliche Debatte in Deutschland. Dass ein solches Medium wie auch andere irgendwelchen Einfluss auf die russischen Wahlen gehabt haben könnten, halte er, Putin, für eine Schnapsidee. Richtig sei, dass die Arbeit der NDS gegen den Aufbau neuer Feindbilder enorm wichtig ist. Für Russland und für Deutschland.

Der Herausgeber der NachDenkSeiten hatte dann die Gelegenheit für eine kurze Entgegnung. Er bedankte sich für die Einladung. Damit setze Präsident Putin die Pflege der Kontakte zu Menschen fort, die nichts von einer Konfrontation zwischen dem Westen und Russland halten und dagegen angehen. Müller erinnerte an den Besuch von Willy Wimmer bei Präsident Putin. Wörtlich erklärte Albrecht Müller:

„Ich möchte noch eine Bitte äußern: Die Angriffe westlicher Medien und Politiker sind zur Zeit wirklich kaum auszuhalten. Es ist auch deutlich zu erkennen, dass sie auf Eskalation zielen. Bitte lassen Sie sich davon nicht provozieren. Bleiben Sie bitte trotzdem bei Ihrer Politik der ausgestreckten Hand. In Ihrer Rede im Deutschen Bundestag haben Sie schon 2001 das Angebot für eine enge und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Deutschland und dem Westen gemacht. Das war wichtig und richtig. Ich weiß, dass diese ausgestreckte Hand vom Westen und auch innerhalb Russlands als Schwäche ausgelegt werden kann. Das sollte Sie nicht irritieren und schon gar nicht zu einer Korrektur des erklärten Willens zum Sichvertragen verleiten. Achten Sie bitte darauf, dass nicht auch noch in Russland geistig aufgerüstet wird. Wir müssen eine friedliche Atmosphäre erhalten. Was die NachDenkSeiten und uns nahestehende politische Kräfte dafür tun können, werden wir tun. Betrachten auch Sie, Herr Präsident, Ihre Wiederwahl vom 18. März dieses Jahres als eine Ermunterung zur Verständigung – trotz der augenblicklichen Aggression des Westens. Lassen Sie uns alles dafür tun, einen Dritten Weltkrieg zu verhindern.“

Anschließend gab es dann noch die Möglichkeit zum persönlichen Gespräch. Jens Berger beschrieb die Aufklärungsarbeit der NachDenkSeiten im konkreten Fall des Giftanschlages von Salisbury. Albrecht Müller berichtete von den Pleisweiler Gesprächen. Dort wurde mindestens schon vier mal über den Frieden zwischen West und Ost gesprochen – mit Andreas von Bülow schon in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts, mit Willy Wimmer, mit Dr. Johannes Posth, der viele Jahre in Moskau und in Kiew gearbeitet hat, und mit dem US-amerikanischen Professor Norman Birnbaum. Die Ironie der Geschichte sei nun, dass dieses friedliche Pleisweiler-Oberhofen vermutlich eines der ersten Opfer eines Atomkriegs sein würde. Denn nur 2 km vom Veranstaltungsort entfernt stehe eine wichtige NATO-Kommunikationseinrichtung, eine weiße Kugel verborgen im Wald, aber natürlich nicht verborgen vor der russischen Aufklärung. Präsident Putin merkte an, dass er diese Einrichtung aus seiner Zeit als Mitarbeiter des russischen Geheimdienstes und stationiert in Deutschland, kenne. Die Zerstörung dieser Kommunikationseinrichtung und damit auch von Pleisweiler-Oberhofen sei aber vermutlich nur vermeidbar, wenn wir den Krieg vermeiden. Dafür sollten wir arbeiten. So wie das auch die NachDenkSeiten tun. „Grüßen Sie Ihre Leserinnen und Leser zum Osterfest!“

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