Leserbriefe zu „Reaktionen auf den Artikel „Danke Nena!“ – vergifteter Diskurs statt Dialog“

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Auf meinen Kommentar, der sich kritisch mit den Reaktionen – insbesondere in den sogenannten sozialen Netzwerken – auf den Artikel „Danke Nena!“ unseres Autors Marcus Klöckner auseinandersetzt, erhielten wir einige Leserbriefe. Diese Zuschriften fielen jedoch deutlich positiver und differenzierter aus als die kritisierten Kommentare auf Facebook. Diese Beobachtung machen wir übrigens schon lange. Wer sich die Zeit nimmt, eine E-Mail unter seinem echten Namen zu verfassen, gibt sich in der Regel auch die Mühe, ernsthaft zu argumentieren, während viele (nicht alle!) Kommentare auf Facebook bewusst zuspitzen und sich oft überhaupt nicht mit dem Artikel oder dessen Aussagen auseinandersetzen. Nicht nur deshalb sind wir auch sehr stolz auf unsere Leser, die uns immer wieder tolle und lesenswerte Zuschriften mailen. Danke! Zusammengestellt von Jens Berger.


1. Leserbrief

Sehr geehrte Damen und Herren der NachDenkSeiten-Redaktion,

Am 13. März fragte mich unsere Friseuse, die seit Mitte Dezember zum ersten Mal wie­der arbeiten durfte und bereits im Frühjahr 2020 monatelang nicht arbeiten durfte und für diese Zeit keiner­lei finanzielle Unterstützung erhielt, keinerlei Einnahmen hatte, aber die vollen Kosten für Renten- und Krankenversicherung und Berufsgenos­senschaft bezahlen mußte: „Warum gehen die Menschen nicht endlich auf die Straße?“

Ich antwortete: „Weil diejenigen, die auf die Straße gehen, sofort durch Politik und Medien als ‘Ver­schwörungstheoretiker, Rechtsextreme, Corona-Leugner“ (was absichtlich so ähnlich klin­gen soll wie ‘Holocaust-Leugner’) diffamiert werden. Und wer will sich schon gern als ‘Rechts­extremist’ und ‘Corona-Leugner’ beschimpfen lassen.

Und weil fast niemand mehr diese Verbotsmaßnahmen kritisiert, mit denen Menschen psy­chisch krank­gemacht und finanziell ruiniert werden (und zwar ganz unabhängig davon, ob diese Verbotsmaß­nahmen notwendig scheinen oder völlig übertrieben oder – das ge­naue Gegenteil – unzureichend), deshalb nutzen das rechte Gruppierungen aus, für die ist das jetzt eine Steilvorlage.“

Am Sa, dem 20. März, demonstrierten dann in Kassel 20.000 Menschen (nach offiziel­len Angaben), die in den Medien sofort als „Querdenker, Rechtsextremisten, Coro­na-Leugner“ usw. diffamiert wurden.

Genauso haben alle etablierten Parteien und Medien im Sommer 2004, als die Men­schen auf den Montags-Demos gegen die Hartz-Gesetze protestierten, diesen Men­schen vorgeworfen, sie würden „gemeinsam mit den Rechten“ demonstrieren. Also auf subtile Weise (damit das eine um so höhere Wirkung hat) diese Menschen mit Rechtsex­tremen gleichgesetzt.

Wenn man keine inhaltlichen Argumente hat, dann wird jede Kritik an der herrschenden Politik als „rechtsextremis­tisch“, „AfD-nah“… diffamiert (nicht nur bei Corona).

Die finanziell bestens abgesicherte Anne Will, die noch extremere Verbote fordert (In­terview mit Frau Merkel am So, 28. März), weiß in ihrer eigenen Parallel-Welt offenbar über­haupt nichts von den existentiellen Bedrohungen, die diese Verbote z.B. für kleine Fri­seure bedeuten (und nicht nur für die).

Der Kabarettist Volker Pispers kommentierte schon 2010 solche Hofberichterstat­tung und das Anschleimen an die Mächtigen mit den Worten:

„Das einzige, was an dieser Form von Journalismus noch kritisch ist, ist der Geisteszu­stand.“

Mit freundlichen Grüßen
Jörg Fauser, Stadtroda, Thüringen


2. Leserbrief

Liebes Team der Nachdenkseiten,

beim Durchlesen der Reaktionen und Leserbriefe, fiel mir auf, wie unsachlich und diffamierend etliche Zuschriften der Maßnahmenbefürworter sind.

Miteinander auf Augenhöhe diskutieren, sieht anders aus.

Bleiben Sie dran; Sie sind auf dem richtigen Weg!

Herzlich, B. Mahdjub


3. Leserbrief

Liebes Team von den Nachdenkseiten,

lasst Euch von den diskursfeindlichen oder -unfähigen Hetzern nicht niedermachen!

Ihr seid einer der immer seltener werdenden Lichtblicke in der zunehmend von Selbstzensur geprägten Medienlandschaft. Auch das ist wohl eine Form von Gleichschaltung, die man so nicht erwartet hätte. Langsam kommt das Grauen des Nationalsozialismus näher, da die Entstehung des skrupel- und empathielosen Mitläufertums aufhört, ein unvorstellbares, weit entferntes Phänomen zu sein. Nun wird klar, warum der NS- Staat die Deutungshoheit auch über gemässigte, bürgerliche Kreise erlangen konnte, denn genau dasselbe erleben wir heute: Bürger, die sich für freiheitlich und demokratisch halten, bekämpfen die Meinungsfreiheit und dämonisieren Andersdenkende. Es ist nur noch ein kleiner Schritt von der Dämonisierung zur Vernichtung von “gefährlichen Objekten”. Das sollte allen Menschenfreunden über alle Meinungsgrenzen hinaus klar sein!

Man kann die momentane Gereitheit vieler Zeitgenossen angesichts der verbreiteten Ängste verstehen, muss sie aber zum Erhalt von Demokratie und Menschenrechten als ein ernstes Problem begreifen und behandeln.

Zu seiner Lösung ist es nötig, übertriebene Ängste zu nehmen, die durch aufmerksamkeitsheischende Panikmache geschürt wurden. Gleichzeitig muss die Gelassenheit gefördert werden, indem man daran erinnert, dass das Leben an sich immer tödlich ist und die übertriebene Angst die Lebensqualität unnötig erheblich reduziert.

Auch muss man den Ängstliche echte Solidarität beweisen, damit sie keine Angst haben müssen, in einen Abgrund zu fallen, wenn sie z.B. verarmen, ihre Arbeit verlieren oder pleite gehen. Hier ist freilich der Sozialstaat gefragt, der von den neoliberalen Freibeutern seit Jahrzehnten bekämpft wird. Schliesslich kann man das besitz – und schutzlose Prekariat am besten ausbeuten, also muss es immer grösser werden, damit die Millionen Millionäre auch morgen noch “kraftvoll zubeissen” können.

Drittens ist es nötig, die Zusammenhänge zu erklären, die solche zivilisatorischen Entgleisungen ausgelöst haben, also Aufklärung.

Viertens muss Hilfe und Mut zur politischen Emanzipation der stets überhörten “kleinen Bürger” gefördert werden, damit die Entpolitisierung breiter Massen gestoppt werden kann, die ein Sargnagel der Demokratie zu werden scheint. Hierzu ist freilich eine Politik für die Vielen statt für ein paar Wenige nötig.

Diese Zusammenhänge klarzumachen und die Argumente mit sprachlichem Geschick darzustellen, ist die sehr verantwortungsvolle Aufgabe der Journalisten, der leider nur mehr sehr wenige nachkommen.

Vielen Dank daher an Jens Berger, der es immer wieder vorzüglich versteht, die wichtigsten Argumente zum Schutz der Demokratie und Menschenwürde auf den Punkt zu bringen, selbst bei heftigem Gegenwind!

Manfred Becker


4. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Berger,

Ihrem Kommentar habe ich nichts hinzuzufügen. Verwundert bin ich über manche Meinungen, die keine Argumente bringen, sondern nur ein Schwarz-Weiß-Denken pflegen und Schlagworte verwenden. Ich finde es sehr wichtig, dass die NachDenkSeiten verschiedene Meinungen bringen und dadurch einen Diskurs ermöglichen.

Mit freundlichen Grüßen
Alfons Schwarzenböck


5. Leserbrief

Liebe Kollegen von den Nachdenkseiten,

erschreckend, aber nach einem Jahr nicht mehr überraschend sind diese aggressiven Zuschriften gegen Nena und Herrn Klöckner. Wie dünn das liberale Toleranzhäutchen doch ist und wie schnell darunter etwas ganz anderes zu Vorschein kommt. Ich bin 1943 geboren. Als ich in meinen Zwanzigern war, lernte ich Menschen kennen, die im KZ und im Zuchthaus gesessen und/oder in der Emigration überlebt hatten und ich wollte von ihnen wissen, wie sie 1933 erlebt hatten. Es sei eine “unwirkliche” und diffuse Atmosphäre gewesen, sie hätten viele Menschen plötzlich von einer ganz anderen Seite kennengelernt, sie seien von Bekannten oder Freunden gemieden worden, von denen sie das nie gedacht hätten, man hätte zwar nicht gesehen, was kommt, aber dass etwas Schlimmes kommen würde, das habe man gespürt und zugleich nicht wahrhaben wollen. Ich weiß nicht, warum ich mich nach so vielen Jahrzehnten jetzt so häufig an diese Erzählungen von längst verstorbenen Freunden erinnern muss.

Wir sind in den 1960er Jahren gegen die Notstandsgesetze auf die Straße gegangen, weil die Ermächtigungsgesetze, denen alle bürgerlichen Parteien (auch der erste Bundespräsident Heuß) zugestimmt hatten noch gut in Erinnerung waren. Selbst wir kritischen Menschen der Außerparlamentarischen Opposition hätten aber niemandem geglaubt, der uns gesagt hätte, dass es eines Tages dieser Verfassungsänderungen und der Ausrufung des Notstands nicht einmal bedürfe, eine Infektionsschutzverordnung reiche völlig aus, um die Suspendierung der Grundrechte zu legitimieren. Nicht nur das: auch Linke würden das nicht allein dulden, sondern sogar eifernd verfechten und “mehr davon” fordern. Selbst “marxistisch” sich nennende Zeitungen wie die “junge Welt” würden sich dann so weit herabwürdigen, dass sie sich der herrschaftlich vergifteten Verleumdungssprache (“Verschwörungstheoretiker”, “Corona-Leugner” “rechtsoffen” usw.) bedienen, um gegen diejenigen zu hetzen, die sich für die Grundrechte einsetzen.

Was mir ebenfalls einfällt ist das Entsetzen der Forscher des damaligen Frankfurter Instituts für Sozialforschung Anfang der 1930er Jahre, als sie bei der Auswertung ihrer Fragebögen und Interviews erkennen mussten, dass selbst ein unerwartet großer Teil der in der sozialdemokratischen und kommunistischen Arbeiterbewegung organisierten Deutschen unterhalb ihrer Bewusstseins-Oberfläche die gleichen Merkmale einer “autoritären Persönlichkeit” aufwies, wie die Mehrheit ihrer übrigen deutschen Zeitgenossen, d. h. gläubig und devot gegenüber Autorität “von oben” und aggressiv zur Seite und nach “unten”, gegen alles, was nicht mitläuft.

Viele rechtfertigen ihr Eifern mit dem Argument, es gehe doch um die Rettung von Menschenleben. Davon abgesehen, dass auch die weltweiten Opfer der Corona-Maßnahmen ein Menschenleben haben, möchte man an die unendlich vielen Menschen in der Geschichte erinnern, die ihr Leben im Kampf um Grundrechte oder aufgrund fehlender Grundrechte verloren haben und an die vielen, die ihr Leben, ihre Gesundheit und ihr Glück künftig noch verlieren werden, weil Grundrechte nicht gewährleistet sind.

Die Haltung der Nachdenkseiten ist tröstlich und erfreulich. Vielen Dank!

Herzlich

Hagen Kühn


6. Leserbrief

Liebe Nachdenkseiten,

gerne würde ich mit meinem Namen zeichnen, aber sie wissen selbst, was hier gerade abgeht in diesem Land … Ich halte mich für ziemlich links, aber ich bin kein Linker und gedenke auch seit meinem Austritt aus der SPD keiner Partei oder ähnlichen Vereinen mehr beizutreten. Trotzdem möchte ich mich zu Jens Bergers Kommentar betreffend der z. T. sehr unsachlichen Zuschriften zu Nena und ihrem mutigen Bekenntnis zu Wort melden.

Zuvor möchte, nein, MUSS (so weit sind wir schon!) ich vorausschicken, dass ich kein Corona-Leugner bin und durchaus Verständnis für die eine oder andere Maßnahme habe. Aber inzwischen bin ich mir sicher, dass Corona von den Mächtigen und Eliten nicht nur hierzulande genutzt wird, um verfassungsmäßige Rechte der Bürger zu beschneiden, die digitale Überwachung zu intensivieren, aufzurüsten und die schon lange zuvor eingeleitet Verteilung des Reichtums von unten nach oben zu intensivieren. Dafür gibt es genug Belege und nachprüfbare Zahlen.

Darüber hinaus bin ich als Klassik- und Jazzfreund kein Fan von Nena und erst recht nicht von Xavier Naidoo, dessen „Gejammer“, das er Gesang nennt, ich nicht ertragen könnte. Aber das ist natürlich Geschmackssache.

Was indes gesagt werden muss: Das, was dort in Kassel und andernorts geschah/geschieht, nämlich gegen Maßnahmen der Regierenden zu demonstrieren, ist das garantierte verfassungsmäßige Recht der Demonstranten! Sie sind damit die Erfüller des Grundgesetzes, nicht aber diejenigen, die sie verunglimpfen oder verhöhnen und pauschal in die rechte Ecke stellen, auch wenn sie sich Journalisten schimpfen.

Dass Nena es gewagt hat, sich angesichts dieser geballten Meinungs- und Medienmacht aus der Deckung zu begeben, kann man ihr als freiheitsliebender Demokrat gar nicht hoch genug anrechnen. Sie hat damit – salopp gesprochen – bewiesen, dass sie „Eier“ in der Hose hat! Ganz im Gegensatz zu vielen prominenten Kollegen, die vielleicht aus anatomischen Gründen welche besitzen, sich aber lieber wegducken.

Und noch etwas muss man Nena zugutehalten: Sie zeigt Solidarität mit einem Kollegen! Mag er auch noch so verquere Ansichten vertreten – Schon mal was von Kollegialität gehört, geschätzte Kritiker?

Deshalb sage ich an dieser Stelle DANKE, liebe Nachdenkseiten, für eure kritische und ausgewogene Berichterstattung! Und ich sage DANKE an alle Demonstranten in Kassel, die friedlich und rücksichtsvoll für unser aller Rechte demonstriert haben. Nena aber danke ich nicht nur, sie hat meinen aufrichtigen Respekt!!!

N. N.


7. Leserbrief

Hallo Herr Berger,

Ihrem Kommentar „Vergifteter Diskurs statt Dialog“ kann ich nur zustimmen. Ich selbst bin ein ausgleichender Mensch, der versucht, alle Seiten zu verstehen. Lassen Sie mich die beiden folgenden Punkte bemerken:

  1. Ich glaube nicht, dass Querdenker-Demonstrationen primär deswegen kritisiert werden, weil man dort vertretene Meinungen mundtot machen will. Was aber Anlass zu Kritik gibt ist die Tatsache, dass auf den Demonstrationen häufig und teilweise bewusst gegen Regeln verstoßen wird. Die Teilnehmer nehmen sich das Recht heraus, Ordnungswidrigkeiten als Mittel des politischen Diskurses einzusetzen. Das geht mir und sicher vielen anderen zu weit und führt in der Konsequenz zu heftigen Reaktionen. Im Kern ist dieses Verhalten arrogant und respektlos gegenüber den Menschen, die sich an die Regeln halten. Und es macht auch Angst. – Wie stehen Sie denn persönlich dazu? Akzeptieren Sie es als „Notwehr“, wenn Demonstranten keine Maske tragen oder keinen Abstand halten?
  2. Sie wünschen sich, dass auch „Maßnahmen-Befürworter“ in sich gehen und andere Meinungen respektieren sollen. Gleichzeitig veröffentlichen Sie auf den NDS aber immer wieder Leserbriefe, in denen die Befürworter als „Nicht-denkende Masse“, „Von den Mainstream-Medien Verängstigte“ oder “gedankenlose Mitläufer” bezeichnet werden. Wenn die Maßnahmen-Befürworter also andere Meinungen akzeptieren sollen, so mögen doch bitte auch die Kritiker die Vorstellungskraft aufbringen, dass es in der großen Masse Menschen gibt, die selbständig, kritisch und wissenschaftlich korrekt denken können und unter Berücksichtigung aller Aspekte dennoch zu ihrem persönlichen Ergebnis kommen, dass die Regierungsmaßnahmen gerechtfertigt sind. – Lieber Herr Berger, haben Sie denn den Eindruck, dass die Kritiker die Befürworter in stärkerem Maße akzeptieren, als es umgekehrt der Fall ist? – Ich denke, dass sich beide Seiten hier in nichts nachstehen.

Viele Grüße,
Andreas Kunz


8. Leserbrief

Lieber Jens Berger,

Ich möchte nur auf einen Aspekt antworten: Sie nennen ATTAC als eine von mehreren Organisationen, die angeblich die Regierungspolitik gutheissen. Das sehe ich als Attac-Mitglied seit 18 Jahren nicht so.

Nach meiner Erfahrung ist das Meinungsspektrum in Attac sehr unterschiedlich und entspricht der Mitgliederstruktur. Gewiß ist die Haltung gegenüber den Querdenker-Demos und ihren Anliegen von Anfang an zwiespältig, vor allem wegen der Nähe zu den Rechten, von denen sich die Führung (Ballwag u.a.) nie deutlich genug distanziert hat. Aber zu den Grundrechtseinschränkungen hat Attac immer eine deutlich kritische Haltung gezeigt.

Attac bemüht sich, sich nicht allzu sehr in den Clinch um die Demos hineinziehen zu lassen, sondern fokussiert sich, bezogen auf die Corona-Maßnahmen und ihre Folgen, u.a.schwerpunktmäßig auf die Gesundheitspolitik. Dabei kooperiert Attac besonders mit Gemengut in BürgerInnenhand (GiB): Näheres brauche ich an dieser Stelle dazu nicht auszuführen., Sie nehmen ja selbst Teil an der Veranstaltungsreihe “Mut zu Zwischentönen”, die von Freunden von mir organisiert wird.

Die Solidarität mit den von Krankenhausschließungen und dem Pflegedesaster Betroffenen, nicht nur mit Worten, sondern auch ganz prakltisch, steht dabei für uns im Vordergrund. Und Aufklärung über die anhaltenden Privatisierungen und die Folgen des “Klassenkampfes von oben”, seit jeher Selbstverständnis von Attac. Unsere homepage ist voll davon. Auch in schwierigen Zeiten dürfen wir bei dem Bemühen n icht nachlassen. Darüber sind wir/bin ich mit Ihnen ganz d’accord: Ihre letzten Kommentierungen zu den zahlreichen Leserbriefen (nicht nur zu Nenas Aufruf) haben meine volle Unterstützung.

Machen Sie bitte weiter so. Wir sehen und/oder hören uns hoffentlich am 13.4.zur neuen Folge von “Mut zu Zwischentönen” wieder.

Mit besten Grüßen,

Holger Rohrbach, Attac-Hamburg


9. Leserbrief

Liebes Team der Nachdenkseiten,
sehr geehrter Herr Trautvetter,

vielen Dank für die Veröffentlichung von Leserbriefen zu Markus Klöckners Artikel „Danke, Nena!“.

Mein besonderer Dank gilt Ihnen, Herr Berger, für Ihren Kommentar inklusive Ihres Statements zur Meinungsfreiheit, denn der Korridor für unterschiedliche Meinungen ist sehr eng geworden.

Die weitaus meisten Positionen von Ihnen, Herr Trautvetter, teile ich, insbesondere Ihre Ausführungen zur Konkurrenzgesellschaft, bedingt durch und bedingend für den Kapitalismus.

Was ich inhaltlich nicht teile und auch nicht nachvollziehen kann, möchte ich im Folgenden kurz darlegen.

„Es müsste doch zum Beispiel gerade Demokrat*innen auffallen, das so verdiente Organisationen wie die Internationalen Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges und das Notärzte-Komitee Cap Anamur Corona als reale Gefahr einstufen (8). Die hier Aktiven sind Mediziner, die sich täuschen (lassen) können. Sich aber darauf festzulegen, dass sie sich bestimmt auf der falschen Seite der Fakten und Zusammenhänge befinden, ist arrogant. Arroganz hat immer auch etwas von Ignoranz an sich.

Wer Corona sicher als nicht gefährlicher als die Grippe abtut, der kann dann auch keine antikapitalistische Kritik am Impfegoismus der reicheren Staaten auf Kosten der ärmeren Weltregionen üben, er kann auch nicht gegen die kapitalistische Ausrichtung des Patentrechts zugunsten von Konzernen auf Kosten der Menschen protestieren.“ *

Meines Erachtens wird in diesen beiden Absätzen erstens die Gefährlichkeit der Grippe, nicht die grippaler Infekte, unterschätzt. Eine „echte Grippe“ ist ebenfalls eine sehr schwere Erkrankung, an der auch Säuglinge und nicht hoch betagte, multimorbide Menschen versterben. Zweitens ist mir nicht deutlich geworden, weshalb keine antikapitalistische Kritik geäußert werden kann, wenn man die Gesundheitsgefährdung von Grippe und einer Infektion mit SARS-CoV-2 für etwa gleich hoch hält. Gegen das Patentrecht kann doch – auch ohne Corona und Grippe zu bemühen – protestiert werden. Und selbst wenn man nicht vom Nutzen der derzeit verabreichten Impfungen überzeugt ist, kann kritisiert werden, dass ärmere Staaten sich die Impfstoffe oder anderes medizinisch Nützliche kaum leisten können, weil durch die Patentierung die Produktion nicht auch kostengünstig im eigenen Land in Gang gesetzt werden kann. Produkte wie die Impfstoffe wurden mit sehr hohen Beträgen von der Gemeinschaft mitfinanziert, insofern sollten sie auch gemeinnützig eingesetzt und verteilt werden. Dies betrifft jedoch nicht nur die Impfstoffe, dies betrifft viele Produkte, die mit Hilfe staatlicher Unterstützung in die Forschung und Entwicklung auf den Markt gebracht werden. Die Kritik am sich in vielfältiger Weise zeigenden Egoismus reicherer Staaten muss nicht an die Einschätzung der Gefährlichkeit oder Ungefährlichkeit eines Erregers gekoppelt werden.

Des Weiteren kann ich nicht nachvollziehen, weshalb insbesondere demokratisch gesinnte Menschen sich auf die Urteile „verdienter Organisationen“ verlassen bzw. diese sie aufmerken lassen sollten. „Gerade weil“ ist eine Formulierung, die man in Coachings anzuwenden lernt, wenn es darum geht, Argumente von Kritikern zu entkräften oder diese – salopp ausgedrückt – über den Tisch zu ziehen.

„Der Handlungshintergrund, die eskalierten Kasseler Demonstration gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie bringt neben das Thema der Ermutigung rechten Gedankengutes auch noch die Frage nach der Verantwortung für die Menschen und ihre körperliche Unversehrtheit auf.“ *

Die Kasseler Demonstration ist nicht in ihrer Gesamtheit eskaliert, vielmehr war sie in weiten Teilen friedlich, selbst in dem Moment, in dem eine Polizeieinheit von Demonstranten eingekesselt war (Einmündung Oberste Gasse in den Entenanger). Sie wäre weitaus geordneter abgelaufen, wenn nicht die Stadt Kassel gegen die Entscheidung des Verwaltungsgerichtes Einspruch erhoben hätte mit dem Resultat, dass statt der 17500 angemeldeten Teilnehmer in der Karlsaue nur noch 6000 Teilnehmer auf der Schwanenwiese erlaubt wurden.

Was bedeutet es, Verantwortung für Menschen und ihre körperliche Unversehrtheit zu übernehmen? Bedeutet es, andere in Fürsorge zu ersticken oder bedeutet es, ihre persönliche Risikoabwägung zu respektieren? Dies ist eine schwierige Abwägung, die ständig und situationsbedingt vorzunehmen ist und die sich – meiner mehr als zwanzigjährigen Erfahrung gemäß – die im Gesundheitswesen Tätigen nicht leicht machen. Die Erfahrung zeigt aber auch, dass in Stresssituationen im Zweifel „überfürsorglich“ gehandelt wird, nicht selten aus der Angst der Agierenden heraus, aufmerksames Zuwarten könne ihnen als eine Form der unterlassenen Hilfeleistung ausgelegt werden.

Was ich mir wünsche: Dass diese Abwägung auch öffentlich stattfindet und eben nicht nur von Runden wie der der Kanzlerin mit den Ministerpräsidenten mehr oder weniger transparent vorgenommen wird.

Herzlichen Dank für die unermüdliche Arbeit der Nachdenkseiten und herzlichen Dank Herrn Trautvetter für seinen ausführlichen und in weiten Teilen differenzierten Leserbrief.

Mit den besten Grüßen aus Kassel
Rita Krüger


10. Leserbrief

Danke Jens Berger und danke Markus Klöckner!!!

Hoffentlich halten Sie diese “vergiftete Zeit” noch möglichst lange aus. Mir fällt es jetzt schon ziemlich schwer …

Ich wünsche Ihnen trotz aller Verbote schöne Ostertage. Vielleicht scheint ja die Sonne und Sie dürfen auch ohne Maske irgendwo die Natur genießen.

Liebe Grüße
Petra Schubert


11. Leserbrief

Sehr geehrtes Nachdenkseiten Team,

Ihr Artikel Reaktionen auf den Artikel – „Danke Nena!“ – vergifteter Diskurs statt Dialog – und die darin enthaltenen Facebookkommentare haben mir etwas klar gemacht.

Ein rationaler Diskurs findet nirgends mehr statt. Diskussionen werden nur noch auf emotionaler Ebene betrieben und das erschreckende dabei ist, das diese Emotionen ansteckend sind.

Ich habe dazu erst letztes ein sehr gutes Video gesehen, das wissenschaftliche Studien zum Thema Zensur und “Ansteckung” aufbereitet hat.

Kann ich Ihnen nur wärmstens ans Herz legen – das Video.

“Censorship and Contagion : The Psychological Effects of Social Media” von Aydin Paladin

So kann man deutlich besser verstehen was aktuell vor sich geht. Es wird immer darauf abgezielt, die Debatte von anfang an emotional zu führen, da sich die Emotionen auch verbreiten und man emotionalen Menschen in der Regel nicht mehr mit Logik überzeugen kann.

Ob diese Methoden gezielt eingesetzt werden oder ob dies nur zufällig ist kann ich nicht beurteilen. Wichtig ist jedoch eins. Den Mechanismus zu verstehen der hier wirkt und dabei hilft das Video ungemein.

Mit freundlichen Grüßen,
Ronny Dietzsch


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