„2G“: Die gefährliche Maßlosigkeit der Impf-Enthusiasten
„2G“: Die gefährliche Maßlosigkeit der Impf-Enthusiasten

„2G“: Die gefährliche Maßlosigkeit der Impf-Enthusiasten

Ein Artikel von: Tobias Riegel

Die harte Diskriminierung von zahllosen nicht geimpften Bürgern erhält nun einen ganz offiziellen Segen, etwa in Hamburg. Dieses gefährliche Gesellschafts-Experiment sollte zum Scheitern gebracht werden: Wer dabei mitmacht, macht es erst möglich. Von Tobias Riegel.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Der Hamburger Senat hat die Einführung einer „2G-Regelung“ beschlossen, wie Medien berichten. Publikumseinrichtungen wie Restaurants oder Theater erhalten dadurch die Möglichkeit, Angebote ausschließlich für Geimpfte und Genesene anzubieten. Im Gegenzug entfallen dann dort einzelne Beschränkungen. Die neuen Corona-Regeln treten laut Medien ab Sonnabend in Kraft, Veranstalter müssen dann kontrollieren, ob Gäste einen Impf- oder Genesenen-Nachweis plus Ausweis mit sich führen. Für nicht geimpfte Bürger bleibt der Zutritt auch mit Tests vollständig verwehrt.

Sollten „2G“-Betriebe gemieden werden?

Dieses skandalöse Vorhaben, diese Verächtlichmachung aller Grundsätze der Gleichbehandlung kann nur funktionieren, wenn die Betriebe und die Kunden es mitmachen: Wer dabei mitmacht, macht es erst möglich. Um die gesellschaftlich gefährlichen Pläne des Hamburger Senats scheitern zu lassen, sollte moralischer Druck aufgebaut werden. Sollten Betriebe, die das Modell akzeptieren, gemieden werden? Es ist natürlich bedauerlich, wenn Betriebe für politische Abenteuer „büßen“ müssten. Aus diesem Grund ist es auch abzulehnen, dass der Staat zwar die Einführung eines Impfzwangs scheut, aber nun die privaten Betriebe in Stellung bringt, um einen nicht abzustreitenden indirekten Impfzwang zu entfalten. Durch die freiwillige Teilnahme an „2G“ würden Cafés allerdings das politische Abenteuertum auch für sich nutzen – würde dadurch die Aufforderung zu einem Meiden der an „2G“ teilnehmenden Einrichtungen nicht gerechtfertigt? Für die Umsetzung wären dann die Geimpften und Genesenen in der Pflicht.

Auch die Nutzung von hochproblematischen Techniken wie (unter vielen anderen Aspekten) die „Luca-App“ sollte gemieden werden: Solange man es in der individuellen Lebensrealität einrichten kann, sollte man sich nicht durch selbstverständliche und überfällige „Lockerungen“ dazu verleiten lassen, die fragwürdige Massen-Kontroll-Infrastruktur, die momentan unter dem Vorwand der „Impfstatus-Überprüfung“ aufgebaut wird, durch ein Mitmachen erst möglich zu machen.

Die „zurückgegebenen“ Rechte hätten nie entzogen werden dürfen

Zumal die nun angebotenen „Lockerungen“ den Menschen ohnehin zustehen: Das, was die Lockdown-Verteidiger nun gönnerhaft den zweifach Geimpften „zurückgeben“ wollen, hätte man den Menschen niemals wegnehmen dürfen – in ganz besonderer Weise gilt das für Kinder und Schüler, die man nun ebenfalls erst nach einer Impfung aus den offiziell verfügten Schikanen wieder entlassen möchte. Es gibt keine „epidemische Lage von nationaler Tragweite“ in Deutschland (mehr), die man wissenschaftlich belegen könnte. Die Corona-Maßnahmen (vor allem in den Schulen!) sind nach Abwägung aller Belange gesellschaftlich nicht (mehr) zu verantworten und sollten ersatzlos gestrichen werden. Dennoch wird der Bundestag diese nicht (mehr) existente „Notlage“ am heutigen Mittwoch sehr wahrscheinlich erneut verlängern. Die NZZ schreibt dazu:

„Was vor knapp eineinhalb Jahren in einem Umfeld unkalkulierbarer Risiken vertretbar gewesen sein mag, bekommt in diesen Tagen absurde Züge. Die Mehrheit der Abgeordneten gefällt sich darin, die Ausnahme zur Regel zu erklären und die Einschränkung von Grundrechten zur neuen Normalität.“

Zu weiteren Aspekten der Impfdebatte haben die NachDenkSeiten kürzlich geschrieben:

„Das wichtige Prinzip des Impfens soll hier nicht diskreditiert werden, aber: Die Situation bei den neuen und experimentellen Corona-Stoffen ist eine völlig andere als bei angemessen erforschten, „klassischen“ Impfstoffen, deren Entwicklung zu begrüßen ist. Und selbst bei den experimentellen Corona-Impfstoffen wäre ein „Impfangebot“ an Erwachsene(!) meiner Meinung nach akzeptabel – wenn es denn ein Angebot bliebe und nicht durch massive indirekte Zwänge forciert würde, wie es nun zu beobachten ist.

So ein „Impf-Angebot“ hätte von den politisch-medialen Verantwortlichen der destruktiven Corona-Politik auch schon längst als gesichtswahrende Exit-Strategie genutzt werden können – doch der möglichst schnelle Exit aus der Corona-Sackgasse ist anscheinend nicht gewollt. Und anstatt sich mit einem „Impf-Angebot“ zufriedenzugeben, wollen manche Impf-Enthusiasten in Politik und Medien gar die „Totale Impfung“ für alle Bürger und entwickeln dabei im Moment eine Maßlosigkeit in Wort und Tat, die fast schon als Extremismus bezeichnet werden kann.

Werden Bürger ihre Verantwortung gegen einen Kaffee eintauschen?

Kann es wirklich sein, dass bei den Hamburger Plänen viele „geimpfte und genesene“ Menschen mitmachen werden? Also, dass sich Bürger die gesellschaftliche Verantwortung für einen guten Platz im Café abkaufen lassen und damit die offiziell veranlasste Spaltung in einer „Abstimmung mit den Füßen“ absegnen werden? Hoffentlich nicht – aber allein, dass die Politik ganz offiziell diskriminierende Mechanismen in Bewegung setzt, die solche Sorgen erst entstehen lassen, wäre vor 18 Monaten noch unvorstellbar gewesen.

Der Vorfall ist ein (weiteres) Merkmal der Erosion von gesellschaftlichem Verantwortungsgefühl und politisch-medialer Rechtschaffenheit. Merkmale für diese Erosion gibt es zahlreiche in der Corona-Episode. Ein weiteres Merkmal unter vielen ist, dass die Parameter ständig geändert werden, ein Ausstieg aus dem Corona-Irrsinn dadurch immer wieder verhindert wird. So ist etwa das Versprechen, wenn jeder ein «Impfangebot» erhalten habe, gebe es keine Grundlage mehr für massive Freiheitsbeschränkungen, inzwischen einfach vergessen, die meisten „kritischen Journalisten“ fragen auch nicht nach. Weiteres Merkmal ist eine „Einschüchterung der Intelligenz“, die etwa gerade die „Berliner Zeitung“ beschrieben hat. Und Henry Mattheß stellt bei Norbert Häring fest, dass viele gesellschaftliche Stimmen in Deutschland heute „einen erschreckenden Mangel an gesundem Menschenverstand und intellektueller Redlichkeit“ aufweisen würden.

Was ist mit den „Lehren aus der deutschen Vergangenheit“?

Auch angesichts der (zu Recht) oft ins Feld geführten totalitären Vergangenheit Deutschlands erscheint es mir noch immer unglaublich, dass in der aktuellen aus dem Ruder gelaufenen Impfdebatte Millionen Bürger offiziell und von oben als Aussätzige markiert werden. Wird hier nicht in furchtbarer Leichtfertigkeit ein großes Risiko eingegangen, indem einer gesellschaftlichen Feindschaft ein offizieller Segen gegeben wird? Ich habe in meiner Schulbildung kaum einen Satz häufiger gehört als diesen: „Wehret den Anfängen!“ Wenn das, was wir in den vergangenen Monaten in einer konsequenten Zuspitzung erfahren mussten, nicht als ein solcher „Anfang“ einzuordnen ist – man denke allein an den Aspekt der mittlerweile „normalen“ permanenten und massenhaften Kontrolle – werden dann die inflationär zitierten „Lehren aus der deutschen Vergangenheit“ nicht rückwirkend zu leeren Phrasen degradiert?

Auch wenn Gerichte den Hamburger Skandal wieder stoppen sollten – ein großer Schaden ist bereits angerichtet: Das offizielle Signal, dass man einen großen Teil der Bürger stark benachteiligen darf und dass der Staat nicht etwa scharf dagegen vorgeht, sondern die Ungleichbehandlung noch massiv fördert, kann in der Gesellschaft schlimme, auch langfristige, zumindest aber unberechenbare Prozesse auslösen. Politiker, die noch nicht der totalen Verantwortungslosigkeit anheim gefallen sind, würden solche Signale um alles in der Welt vermeiden.

Das „2G“-Konzept leugnet „die Wissenschaft“

Wirken denn die Impfstoffe wie versprochen? Diese momentan heiß diskutierte Frage findet beim „2G“-Konzept überhaupt keinen Niederschlag, dabei steht und fällt es mit dieser Information. Dass das abzulehnende „2G-Konzept“ nicht nur die massiven politisch-moralischen Probleme ignoriert, sondern auch die aktuell aufkommenden Zweifel über die Wirksamkeit der neuen Corona-Impfstoffe einfach ausblendet, ist ein weiterer Akt der Wissenschafts-Leugnung bei den Lockdown-Verteidigern und den Impf-Enthusiasten. Aber um „die Wissenschaft“ scheint es ohnehin längst nicht mehr zu gehen. Das wird auch deutlich angesichts der öffentlichen Ignoranz gegenüber der Tatsache, dass die Säulen der Corona-Panik mittlerweile allesamt ins Wanken geraten sind, wie die NachDenkSeiten kürzlich aufgelistet haben:

„So werden mit unfassbarer Sturheit seit 18 Monaten absolute Zahlen als aussagefähig hingestellt, es werden einfachste Regeln der Statistik glatt ignoriert, es wird (vorsätzlich) eine „Daten-Erhebungs-Katastrophe“ und ein gewollter Zustand des „Nichtwissens“ angerichtet. Zusätzlich werden all die inzwischen gewonnenen Erkenntnisse ignoriert, die allesamt der Corona-Panikmache und dem Prinzip Lockdown entgegenstehen: etwa die unseriöse Zählweise der „an oder mit dem Virus Verstorbenen“ oder die fragwürdigen Aussagen der PCR-Tests oder die unbegründete Angst vor der vernichteten Lebenserwartung oder die unbegründete Angst vor zu wenig Intensivbetten oder die (ausbleibende) Übersterblichkeit oder die „Unwissenheit“ der Regierung zu den konkreten Wirkungen von Lockdowns.

Neben dem durch die Corona-Maßnahmen (nicht durch das Virus) gesteigerten Welthunger muss außerdem auf die Reichtums- und Armuts-Explosion, den Grundrechtsentzug, die Protest-Verbote, die sich anbahnende Massenkontrolle und Überwachung, die eingesperrten Kinder und die zum einsamen Sterben verdammten Alten hingewiesen werden. Und darauf, dass mittlerweile ohne jeden Zweifel festgestellt werden kann, dass die extrem destruktiven Wirkungen der Lockdown-Politik in keinem angemessenen Verhältnis zum Gefahrenpotenzial des realen Corona-Virus stehen.“

Titelbild: Tero Vesalainen / Shutterstock

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