Studie: Masken schützen wohl auch vor Putin-Propaganda

Studie: Masken schützen wohl auch vor Putin-Propaganda

Studie: Masken schützen wohl auch vor Putin-Propaganda

Ein Artikel von: Tobias Riegel

Dass Coronaleugner eher auf russische Desinformation zur Sanktionspolitik reinfallen als verantwortungsbewusste Bürger, ist bekannt. Findige Forscher staunten aber nicht schlecht, als sie nun weitere Überschneidungen zwischen Corona und Ukrainekrieg herausgefunden haben – dieses Mal aber in einer ganz anderen Richtung. Hier folgt eine satirische Agenturmeldung. Von Tobias Riegel.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Aktuell schießen die Zahlen rasant in die Höhe, wie diverse Regierungsstellen am Wochenende betonten. Um welche Zahlen es sich genau handelt und was sie für die Gesellschaft bedeuten, wurde noch nicht untersucht: Wegen der Dringlichkeit der Situation habe man für zögerliches Gerede keine Zeit. Es sei aber „höchste Eisenbahn“ und der Herbst drohe „katastrophal“ zu werden. In welcher Hinsicht, das solle in den kommenden Wochen spezifiziert werden. Darauf könne aber nicht gewartet werden, Grundrechte müssten jetzt „eben im Blindflug gemanagt“ werden: „Wir fahren auf Sicht“, so ein Sprecher.

Angesichts der Bedrohungen durch rasant in die Höhe schießende Zahlen kann aber eine andere Meldung Hoffnung machen. Laut einer neuen Studie können Masken wohl vergleichbar wirksam vor Putin-Propaganda schützen wie sie das vor dem neuartigen Coronavirus tun. Über die Methodik der Studie ist bisher nur wenig nach außen gedrungen: Basis waren wohl unter anderem Abwasseruntersuchungen beim Parteitag der Grünen und verschiedene Versuche an einer maskierten Maus. Laut Faktencheckern gilt der Maskenzwang als milder, aber wirksamer Eingriff.

Die Wissenschaft gegen die Feinde der Demokratie

Genaueres über die Datengrundlage der Studie wird wohl zunächst nicht bekannt werden: Ein Sprecher der beteiligten Hans-Jopkins-Universität (HJU) betont, „dass wir prinzipiell keine Grundlagen für unsere Behauptungen herausgeben“. Experten ordnen dieses Verhalten zwar als fragwürdig, angesichts der drängenden Gefahr durch rasant in die Höhe schießende Zahlen aber als akzeptabel ein – die Ergebnisse der Studie könne man schließlich nicht einfach ignorieren, egal, wie sie hergeleitet worden seien. Zu der Ergebnissen sagt der Sprecher der HJU:

„Wir fanden nicht nur Bestätigungen für die alte Annahme, dass Bürger, die andere im Freien auffordern, Masken zu tragen, viel weniger empfänglich für russische Desinformation sind. Unsere Forschungsfrage war zusätzlich: Kann man diese Wirkung auch auf Putin-Trolle und die Feinde der Demokratie ‚umdrehen‘, indem man sie noch stärker als bisher hinter Masken zwingt? Wir behaupten: Ja, auch wenn die Daten das vielleicht nicht direkt hergeben. Unsere Studie könnte der Politik dadurch ganz neue Handlungsspielräume für Zwangsmaßnahmen öffnen, diesmal mit einer ‚politischen‘ Begründung.“

Die Wissenschaft hat positiv auf die Studie reagiert und auf weitere Prüfungen der Datengrundlage vorerst verzichtet: Die Ergebnisse seien zu wichtig, um jetzt Zeit mit Misstrauen zu verschwenden. Die Maske werde mit der Untersuchung der HJU als nützliches Instrument gestützt, allein das zähle in diesen politisch umkämpften Zeiten – gleichzeitig sei die Maske nur ein milder Eingriff, so die Wissenschaft.

Putin-Trolle kochen trübes Süppchen

Auch die politischen Experten sind sich einig, dass nun jedes Instrument genutzt werden müsse, um die Feinde der Demokratie zurückzudrängen. Dass extremistischen „Demokraten“ wohl jedes Thema recht sei, um ihr trübes Süppchen zu kochen, ist von Faktencheckern belegt worden: seien es die „Grundrechte“ bei der Pandemie, sei es die durch den russischen Angriffskrieg ausgelöste Energiekrise oder seien es die Bemühungen der Bundesregierung, einer Situation Herr zu werden, für die sie nichts kann und von der sie hinterrücks überrascht wurde.

So streuen Putin-Trolle in sozialen Netzwerken etwa die Behauptung, die Regierung würde hektisch die Folgen der eigenen Fehlentscheidungen abmildern, die Krise sei hausgemacht und darum nicht Folge höherer Gewalt. „Im Schatten von Entlastungspaketen“, so eine andere Verschwörungserzählung, „werden langfristige Schäden angerichtet, irreversible geopolitische Weichen gestellt und vollendete Tatsachen zugunsten der USA geschaffen“. Ein Politologe der unabhängigen zivilgesellschaftlichen Initiative „Zentrum Transatlantische Moderne“ (ZTM) analysiert die Situation dagegen folgendermaßen:

„Das Handeln der Politik mag teils ungelenk erscheinen – aber es gibt nun mal keine Blaupause für eine Situation, in der erst ein neuartiges Virus wütet, dann ein faschistischer Diktator aus dem Nichts und ohne jeden Grund einen Nachbarn überfällt und dann auch noch Zahlen rasant in die Höhe schießen. Dazu kommt der eigene Wirtschaftskrieg. All das ist kein Pappenstiel für die Politik. Die fahren auf Sicht, einige haben schon Tinnitus. Wir Bürger sollten da mehr Solidarität üben. Dass Querdenker und Putinversteher die aktuelle Politik in einer üblen Verdrehung als Handeln gegen die eigenen Bürger bezeichnen, um dann ihr trübes Süppchen zu kochen, das belegt nur einmal mehr ihre Wohlstandsverwahrlosung.“

Politischer Maskenzwang in Ostdeutschland

Laut anonymen Stimmen aus dem Innenministerium wird derzeit geprüft, ob man die Studie trotz der nicht vorliegenden Daten bereits als Basis für Maßnahmen heranziehen kann. So fordern wohl einzelne Politiker hinter den Kulissen einen sogenannten politischen Maskenzwang für Putin-Trolle und Verteidiger eines Angriffskriegs – zunächst aber nur in Ostdeutschland. Auch verpflichtende Masken in ukrainischen Nationalfarben sind im Gespräch, wohl für die Prangerwirkung. Der Sprecher der Hans-Jopkins-Universität, die eine bedeutende Stellung auf dem kommerziellen Maskenmarkt einnimmt, führt aus:

„Begründen kann man einen solchen Zwang immer irgendwie, da brauchen wir keine belastbaren wissenschaftlichen Daten, das sehen wir ja bei den aktuellen Maskenzwängen zu Corona. Wichtig ist vor allem, dass der Zwang gut kommuniziert wird, also dass die Journalisten wieder ordentlich Panik schüren. Nur jetzt eben nicht nur vor der Übertragung des neuartigen Virus, sondern zusätzlich vor ‚schlechten Gedanken‘ und Putin-Propaganda.“

„Wir müssen die Kinder schützen!“

Einige Lehrerverbände nahmen die Studie zum Anlass, um ihre Forderung nach Maskenzwängen für Kinder und Jugendliche zu unterstreichen:

„Wer jetzt immer noch dagegen ist, Kinder stundenlang zu maskieren, lenkt nur Wasser auf die Mühlen der Putin-Propaganda. Wir haben schon vorher gesagt: Angesichts der Gefahr, die die kleinen Virusträger*Innen für die Lehrkräfte bedeuten, ist die Maske bei Kindern nur ein milder Eingriff. Das mit der Sprachentwicklung wird sich dann später schon einrenken. Nun kommt noch das Argument mit der Desinformation hinzu. Wir müssen die Kinder schützen!“

Laut Hans-Jopkins-Universität wurde im Laufe der Studie eher zufällig ein weiterer überraschender Zusammenhang entdeckt, der diesen Winter noch Bedeutung erlangen könnte: Erwachsene No-Covid-Anhänger glauben demnach viel eher an den Weihnachtsmann als Coronaleugner und Putin-Trolle. Das nehme teils drastische Formen an. Für betroffene Familien solcher „Weihnachtstheoretiker“ wurde eine Hotline eingerichtet.

Hinweis: Dieser Text kommt aus unserer Satire-Redaktion.

Titelbild: Shutterstock / Stokkete / Montage: NDS

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