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Hinweise des Tages

Veröffentlicht in: Hinweise des Tages

Heute unter anderem zu folgenden Themen: Frank Schirrmacher – „Ich beginne zu glauben, dass die Linke recht hat“; Heiner Flassbeck – Warum die Ökonomen die Welt nicht verstehen; Eurokrise; Paul Krugman – Es geht um Jobs, Dummerchen; Steuerabkommen mit der Schweiz; Hedge funds buying massive tracts of African farmland; Schweizer Nationalbank prüft wohl festes Wechselkursziel; Minilöhne für Leiharbeiter: Klagewelle rollt an; Nachtrag zu unserem Hinweis #10 vom 12. August; Krawalle in London und Finanzkrise: Wir und die Gier; Jugendproteste in Europa – Steht auf, wenn ihr eine Zukunft wollt; Fußball als Täuschung: Profi wirft das Handtuch; Am Tisch mit Jean Ziegler, „UN-Botschafter“; Rösler will gelassen bleiben; PR vs. Journalismus – Im Körper des Feindes; Crash im Mediensystem? – Die Panik-Berichterstattung zum Auf und Ab an der Börse; Zu den „Empörten“ kommen die „Bestürzten“; Der Gralshüther – eine Replik auf Michael Hüthers „Schuldenbremse für alle!“; zu guter Letzt: Die Banken sind wieder unterwegs! (WL/JB)

Hier die Übersicht; Sie können mit einem Klick aufrufen, was Sie interessiert:

  1. Frank Schirrmacher – „Ich beginne zu glauben, dass die Linke recht hat“
  2. Heiner Flassbeck – Warum die Ökonomen die Welt nicht verstehen
  3. Eurokrise
  4. Finanzkrise
  5. Paul Krugman – Es geht um Jobs, Dummerchen
  6. Steuerabkommen mit der Schweiz
  7. Hedge funds buying massive tracts of African farmland
  8. Schweizer Nationalbank prüft wohl festes Wechselkursziel
  9. Minilöhne für Leiharbeiter: Klagewelle rollt an
  10. Nachtrag zu unserem Hinweis #10 vom 12. August
  11. Krawalle in London und Finanzkrise: Wir und die Gier
  12. Jugendproteste in Europa – Steht auf, wenn ihr eine Zukunft wollt
  13. Fußball als Täuschung: Profi wirft das Handtuch
  14. Am Tisch mit Jean Ziegler, „UN-Botschafter“
  15. Rösler will gelassen bleiben
  16. PR vs. Journalismus – Im Körper des Feindes
  17. Crash im Mediensystem? – Die Panik-Berichterstattung zum Auf und Ab an der Börse
  18. Zu den „Empörten“ kommen die „Bestürzten“
  19. Der Gralshüther – eine Replik auf Michael Hüthers „Schuldenbremse für alle!“
  20. Zu guter Letzt: Die Banken sind wieder unterwegs!

Vorbemerkung: Wir kommentieren, wenn wir das für nötig halten. Selbstverständlich bedeutet die Aufnahme in unsere Übersicht nicht in jedem Fall, dass wir mit allen Aussagen der jeweiligen Texte einverstanden sind. Wenn Sie diese Übersicht für hilfreich halten, dann weisen Sie doch bitte Ihre Bekannten auf diese Möglichkeit der schnellen Information hin.

  1. Frank Schirrmacher – „Ich beginne zu glauben, dass die Linke recht hat“
    Im bürgerlichen Lager werden die Zweifel immer größer, ob man richtig gelegen hat, ein ganzes Leben lang. Gerade zeigt sich in Echtzeit, dass die Annahmen der größten Gegner zuzutreffen scheinen.
    Ein Jahrzehnt enthemmter Finanzmarktökonomie entpuppt sich als das erfolgreichste Resozialisierungsprogramm linker Gesellschaftskritik. So abgewirtschaftet sie schien, sie ist nicht nur wieder da, sie wird auch gebraucht. Die Krise der sogenannten bürgerlichen Politik, einer Politik, die das Wort Bürgertum so gekidnappt hat wie einst der Kommunismus den Proletarier, entwickelt sich zur Selbstbewusstseinskrise des politischen Konservatismus. […]
    Das politische System dient nur den Reichen? Das ist so ein linker Satz, der immer falsch schien, in England vielleicht etwas weniger falsch als im Deutschland Ludwig Erhards. Ein falscher Satz, so Moore, der nun plötzlich ein richtiger ist. „Denn wenn die Banken, die sich um unser Geld kümmern sollen, uns das Geld wegnehmen, es verlieren und aufgrund staatlicher Garantien dafür nicht bestraft werden, passiert etwas Schlimmes. Es zeigt sich – wie die Linke immer behauptet hat –, dass ein System, das angetreten ist, das Vorankommen von vielen zu ermöglichen, sich zu einem System pervertiert hat, das die wenigen bereichert.“ […]Angela Merkel war bisher nicht in der Lage, die moralischen Folgen der Krise in der Eurozone zu thematisieren. Das ist schlimm genug. Undenkbar, dass zu Zeiten Erhards nicht ein Selbstverständigungsprozess eingesetzt hätte. Dafür fehlt der Partei augenscheinlich das Personal. Denn die Macht dazu fehlt ihr keinesfalls. Über das Wort „Monster“ ist die politische Positionierung der Konservativen bis heute nicht hinausgekommen – und das las man früher und besser auf den „Nachdenkseiten“ des unverzichtbaren Albrecht Müller, einst Vordenker von Willy Brandt. […]
    Schließlich: Der geradezu verantwortungslose Umgang mit dem demographischen Wandel – der endgültige Abschied von Ludwig Erhards aufstiegswilligen Mehrheiten – macht in seiner gespenstischen Abgebrühtheit einfach nur noch sprachlos. Ein Bürgertum, das seine Werte und Lebensvorstellungen von den „gierigen Wenigen“ (Moore) missbraucht sieht, muss in sich selbst die Fähigkeit zu bürgerlicher Gesellschaftskritik wiederfinden. Charles Moores Intervention zeigt, wie sie aussehen könnte.
    Quelle: FAZ

    Anmerkung Jens Berger: Chapeau Herr Schirrmacher, da ist Ihnen ein bemerkenswerter Artikel gelungen. Uns ist bekannt, dass Frank Schirrmacher die NachDenkSeiten seit längerer Zeit regelmäßig verfolgt. Um so erfreulicher finden wir es, dass er die NachDenkSeiten und namentlich Albrecht Müller lobend erwähnt.
    Der Kommentar von Charles Moore, auf den Schirrmacher sich bezieht, ist übrigens auch sehr lesenswert.

  2. Heiner Flassbeck – Warum die Ökonomen die Welt nicht verstehen
    Die Mehrheit macht Staatsschulden und Inflationsängste für die Krise verantwortlich. Weit gefehlt! Ursache sind zu niedrige Löhne und zu wenig privater Konsum.
    In diesen Tagen der Angst an den Börsen kann man es wieder im Detail verfolgen: das Phänomen, dass die Mehrheit der Ökonomen die Welt überhaupt nicht mehr versteht. Statt für Aufklärung zu sorgen, verstärken sie lediglich die allgemeine Kakofonie dramatisch und verunsichern die ökonomischen Laien, die üblicherweise als Wirtschaftspolitiker agieren, noch mehr.Warum gibt es schon wieder einen Crash an den Aktien- und Rohstoffmärkten, so kurz nach der Jahrhundertkrise des Jahres 2008? Offensichtlich, weil die Weltwirtschaft zu stagnieren oder einzubrechen droht. Aber warum? Hatten nicht fast alle „Experten“ erwartet, dass nach der Krise ein langer Aufschwung in Gang kommt, der für solide Gewinne und Einkommenszuwächse über steigende Beschäftigung sorgt? Warum kommt trotz der damals groß geschnittenen Anregungsprogramme und einer historisch einmalig expansiven Geldpolitik kein sich selbst tragender Aufschwung in Gang?
    Quelle: FTD
  3. Eurokrise
    1. Flassbeck/Spiecker: The Euro – a Story of Misunderstanding
      From the very beginning of the European Monetary Union the crucial institutions, the European Commission and the European Central Bank, led by mainstream economic thinking, were not up to their task of controlling the core of the system effectively. A huge gap in competitiveness among the member states has arisen due to German wage-dumping policy on the one hand and, on the other, wage growth in Southern Europe which is above the growth of productivity plus the infl ation target of 2%. A European-wide coordination of wage policy is the only promising way to close this gap. However, as wages and competitiveness are not high on the agenda of the politicians responsible and their advisers, time to save the euro is running out.
      Quelle: Intereconomics 2011 [PDF – 135 KB]
    2. George Soros – Halbherziges Europa
      Finanzinvestor George Soros warnt in seinem Gastbeitrag für das Handelsblatt vor den Folgen einer unkalkulierbaren Bankenkrise. […]
      Die Euro-Krise hatte ihren Ursprung in der Entscheidung von Bundeskanzlerin Angela Merkel, für Zahlungsausfälle nicht die Europäische Union, sondern jeweils die einzelnen Länder bürgen zu lassen. Und es war das deutsche Zögern, das die Griechenland-Krise verstärkte und zu der Ansteckung führte, die sie in eine Existenzkrise für Europa verwandelte. Nur Deutschland kann die Dynamik des europäischen Zerfalls umkehren. […]
      Der einzige Weg, wie Europa dieser Falle entgehen kann, besteht darin, die Reaktionen der Finanzmärkte vorwegzunehmen, statt ihrem Druck im Nachhinein stattzugeben. Dies würde eine intensive Debatte erfordern, insbesondere in Deutschland, das als größte und mit dem höchsten Rating bewertete Volkswirtschaft der EU in die Lage gedrängt wurde, über die Zukunft Europas entscheiden zu müssen.
      Quelle: Handelsblatt

      Anmerkung Jens Berger: Aus der Sicht eines „Finanzinvestors“ (eine freundliche Umschreibung für „Spekulant“) hat Soros sicherlich Recht. Er negiert jedoch sowohl die volkswirtschaftlichen Gründe, die die Euro-Krise ermöglicht haben, als auch die Auswirkungen der Finanzkrise, die erst zu der horrenden Schieflage in den öffentlichen Haushalten geführt haben.

  4. Finanzkrise
    1. Spekulanten wetten auf den Weltuntergang
      Angesichts der Finanzmarktspekulationen gegen Frankreich und Deutschland fordert der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, ein verbot des Handels mit Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps, kurz: CDS). Die einzig rationale Motivation der Anbieter und Käufer von CDS könne gegenwärtig nur deren gewinnträchtiger Weiterverkauf an Gutgläubige sein. „Das aber ist kein produktiver Handel, sondern ein mieses Wettspiel, das schlicht verboten gehört“, sagte Horn Handelsblatt Online. Unter Investoren geht nicht nur die Angst um, dass die Euro-Schuldenkrise weitere Länder erfasst und in den Abwärtsstrudel reißt. Zudem bezweifeln immer mehr Anleger, dass europäische Politiker die Krise in den Griff kriegen. Verschärft wird die Krise durch spekulative Investoren, die auf den Kollaps von Staaten und Banken wetten. „Wenn Panik herrscht, setzt der Verstand aus, denn diese CDS sind gleichsam Wetten auf den Weltuntergang“, sagte IMK-Chef Horn dazu. Wenn sowohl die Bundesregierung als auch die französische Regierung in die Verlegenheit kämen, ihre Schulden nicht mehr bedienen zu können, dann seien die meisten Regierungen inklusive der USA und Japan schon längst zahlungsunfähig. „Es gehört nicht viel Phantasie dazu vorherzusagen, dass dann die Finanzmärkte insgesamt zusammengebrochen sein werden“, so Horn. „Daher würden die Besitzer einer CDS in dieser Situation mit hoher Wahrscheinlichkeit völlig leer ausgehen, weil diejenigen, die die CDS begeben haben, selbst pleite sind.“
      Quelle: Handelsblatt
    2. Paul Krugman – The Hijacked Crisis
      Has market turmoil left you feeling afraid? Well, it should. Clearly, the economic crisis that began in 2008 is by no means over. But there’s another emotion you should feel: anger. For what we’re seeing now is what happens when influential people exploit a crisis rather than try to solve it.
      Quelle: New York Times
  5. Paul Krugman – Es geht um Jobs, Dummerchen
    Bislang ging es in den USA sowohl den Republikanern als auch den Demokraten immer um den Schuldenabbau. Das muss sich jetzt allerdings unbedingt ändern. […]
    Der Anstieg der dauerhaften Arbeitslosigkeit wird die zukünftigen Einkünfte des Staates reduzieren; wir handeln also noch nicht einmal finanzpolitisch gesehen vernünftig. Weitaus wichtiger ist jedoch: Es ist eine Katastrophe für die betroffenen Menschen.
    Warum sollten wir von dieser Katastrophe überrascht sein? Woher soll denn das Wachstum kommen? Verbraucher, die immer noch die während der Immobilienblase angehäuften Schulden abtragen, sind nicht bereit, Geld auszugeben. Unternehmen sehen angesichts der mangelnden Nachfrage keinen Grund zu expandieren. Und dank der Defizitbesessenheit hat die Regierung sich zurückgezogen.
    Quelle: Frankfurter Rundschau
  6. Steuerabkommen mit der Schweiz
    1. Abkommen mit der Schweiz schützt Steuersünder
      Das Abkommen mit der bisherigen Steueroase Schweiz über Schwarzgeldkonten sorgt für Ärger. Nach SPIEGEL-Informationen unterbindet es im Moment der Unterzeichnung die Fahndung nach deutschen Steuerhinterziehern. SPD-Finanzexperte Joachim Poß hält den Passus für inakzeptabel.
      Quelle: SPIEGEL Online
    2. Rudolf Elmer – Brandbrief aus der Zelle
      Er hat Steuersünder auffliegen lassen, mit Wikileaks zusammengearbeitet – und kam dafür in Untersuchungshaft. Jetzt keilt der berüchtigtste Schweizer Bankenkritiker gegen das Steuerabkommen mit Deutschland. Die Vorschriften ließen sich leicht umgehen – und trieben Steuerflüchtlinge erst recht in die Arme „der Verschleierungs- und Verdunkelungsoasen“. […]
      Elmer rügte den Ablasshandel in einem Aufsatz als „Fata Morgana für das Volk und Befreiungsschlag für die Mächtigen“. Als er sein zehnseitiges Schriftstück aber verschicken wollte, stoppte ihn die Staatsanwaltschaft, da sie ihre Ermittlungen gefährdet sah.
      Jetzt hat Elmers Beitrag die Süddeutsche Zeitung erreicht. Der frühere leitende Angestellte der Bank Julius Bär, der einst lange in der Steueroase der Cayman-Inseln arbeitete, warnt davor, wie leicht Schwarzgeldbesitzer auch die neuen Regeln umgehen könnten. Das jüngste Steuerabkommen zwischen Bern und Berlin greift nämlich nur, wenn der Inhaber eines Vermögens klar identifiziert werden kann und Deutscher ist.
      Gleichzeitig aber stellen die Steueroasen in aller Welt Trusts, Aktiengesellschaften, Stiftungen, Hedge-Fonds bereit – lauter windige Rechtsformen, mit denen Vermögende sich dem Fiskus entziehen können. „Damit kennen Schweizer Banken die Identität der wahren Begünstigten in vielen Fällen nicht“, moniert Elmer. Er vermutet, dass die Abgeltungssteuer nicht zu einer gerechteren, umfassenden Besteuerung führen werde, „sondern eher eine weitere Flucht in die Konstrukte der Verschleierungs- und Verdunkelungsoasen bewirken wird“. Dafür haben Interessierte bis 2013 Zeit. Wer sich rechtzeitig vermummt, kann sich auch die neueste Steuer sparen.
      Quelle: Süddeutsche Zeitung

      dazu: Rudolf Elmer – Aus Untersuchungshaft entlassen
      Bankenkritiker und Whistleblower auf freiem Fuss.
      Nach 187 Tagen in Untersuchungshaft ist der Bankenkritiker und Whistleblower Rudolf Elmer wieder auf freiem Fuss. Corinne Bouvard, Sprecherin der Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich, bestätigt die Recherchen der Zeitung „Der Sonntag“. Elmer konnte das Bezirksgefängnis Winterthur schon am 25. Juli verlassen.
      Quelle: Persoenlich.com

    3. Protest gegen Steueramnestie-Abkommen mit der Schweiz
      Aktivisten des Kampagnennetzwerkes Campact protestierten heute vor dem Brandenburger Tor gegen das geplante Steueramnestie-Abkommen mit der Schweiz. Eine Darstellerin mit überlebensgroßer Merkel-Maske verteilte gegen Centbeträge „Freibriefe“ für schlangestehende Steuersünder. Auf einem großen Transparent war zu lesen: „Steuerflucht war noch nie so günstig. Die Bundesregierung“. Dahinter demonstrierten Bürger lautstark mit Schildern. Die Aktion wurde vom Netzwerk Steuergerechtigkeit (Tax Justice Network) unterstützt.
      Durch das neue Doppelbesteuerungsabkommen mit der Schweiz kommen Steuerbetrüger mit einem geringen Abschlag straffrei davon, und ihre Identität bleibt für die deutschen Behörden weiter verborgen“, sagte Susanne Jacoby von Campact. „Steuersünder erhalten so einen Freibrief, während die ehrlichen Steuerzahler mal wieder die Dummen sind.“ Jacoby kritisierte zudem, dass Bundesfinanzminister Schäuble (CDU) durch die bilateral vereinbarte Abgeltungssteuer ein gemeinsames Vorgehen der EU gegen die Steuerflucht unmöglich mache. „Statt dieses Amnestie-Abkommens brauchen wir einen automatischen Informationsaustausch zwischen der Schweiz und allen EU-Staaten. Nur so kann Steuerbetrug wirksam verfolgt werden“, sagte Jacoby.
      Quelle: tax justice network
  7. Hedge funds buying massive tracts of African farmland
    Over 148 million acres of farmland in Africa have been purchased by Western hedge funds in the last three years.
    Quelle: Public Radio International
  8. Schweizer Nationalbank prüft wohl festes Wechselkursziel
    Die Schweiz ächzt unter dem starken Franken, der zum Euro fast die Parität erreicht hat. Die Nationalbank steht angeblich kurz davor, ein festes Wechselkursziel auszugeben. Zwischen der Zentralbank und der Regierung in Bern glühen die Telefondrähte.
    Quelle: FTD
  9. Minilöhne für Leiharbeiter: Klagewelle rollt an
    Jahrelang haben Leiharbeitsfirmen Mitarbeiter nach Tarifen der „Christlichen Gewerkschaft für Zeitarbeit und Personalserviceagenturen“ (CGZP) mit Minilöhnen abgespeist. Nachdem das Bundesarbeitsgericht (BAG) der CGZP Ende 2010 die Tariffähigkeit abgesprochen hat, erstreiten sich jetzt immer mehr betroffene Beschäftigte vor Gericht satte Nachzahlungen. Daraus könnte sich eine wahre Klagewelle entwickeln.
    Quelle: T-Online-News

    Anmerkung unseres Lesers H.H.: Dass ein „C“ im Namen nicht unbedingt Nächstenliebe verspricht, kennen wir auch von unseren goßen Volksparteien, wobei die Bezeichnung „Voks“-Partei vielleicht auch mal hinterfragt werden sollte.

  10. Nachtrag zu unserem Hinweis #10 vom 12. August
    Zitat aus: taz – Dank dem Kinderknick

    „Entscheidend für das gute Abschneiden aber ist die viel bejammerte demografische Entwicklung in der Bundesrepublik. Denn die Länder mit vielen jungen Leuten ohne Arbeit haben eben auch sehr viele junge Leute: In Spanien sind rund 20 Prozent unter 25 Jahren, in Deutschland gerade mal 11 Prozent. Nachdem Deutschland das kinderärmste Land Europas ist, dürfte sich an dieser Verteilung auch nicht so schnell etwas ändern.“

  11. Krawalle in London und Finanzkrise: Wir und die Gier
    Die Randalierer in London sind Verbrecher: Sie nehmen sich, was sie kriegen können. Aber haben sie nicht Vorbilder im unkontrollierten Kapitalismus?
    Quelle: Stern
  12. Jugendproteste in Europa – Steht auf, wenn ihr eine Zukunft wollt
    Immer mehr junge Menschen gehen in ganz Europa auf die Straßen. Meist läuft das friedlicher ab als vor kurzem in Großbritannien. Aber eines eint die britischen Ausschreitungen mit den überall in Europa aufflammenden Protestbewegungen: das Gefühl, hoffnungslos abgehängt zu sein.
    Quelle: Süddeutsche Zeitung

    Anmerkung Jens Berger: Stellt sich nur die Frage, warum die deutsche Jugend es nicht für nötig hält, aufzubegehren.

  13. Fußball als Täuschung: Profi wirft das Handtuch
    Ein Fußballspieler als Kapitalismuskritiker. Die Aussagen des spanischen Profis Javi Poves über Korruption, Geldgier im Fußball und seine bildungsfaulen Kollegen haben in seinem Heimatland viel Staub aufgewirbelt.
    Quelle: Web.de
  14. Am Tisch mit Jean Ziegler, „UN-Botschafter“
    Der Schweizer Soziologieprofessor Jean Ziegler ist im wahrsten Sinne des Wortes ein „zorniger alter Mann“. Im „Doppel-Kopf“- Gespräch beschreibt er seinen erbitterten Kampf gegen den Hunger in der Welt, die Ausbeutung und das Kapital, den er seit 50 Jahren.
    Quelle 1: hr2/Kultur (Programmhinweis)
    Quelle 2: hr2/Kultur (Audio-Podcast, mp3, ca. 20 MB, ca. 43 Minuten)
  15. Rösler will gelassen bleiben
    Über 14 Prozent bei der Bundestagswahl, heute ziemlich unten: Die Liberalen. Der neue FDP-Chef Philipp Rösler trat mit dem Versprechen an: „Ab heute werden wir liefern.“ Dieses und weitere Ansagen der Parteichefs im Sommerinterview-Faktencheck.
    Quelle: ZDF

    Anmerkung WL: Das ZDF Sommerinterview mit Rösler war ein typisches Beispiel für einen Journalismus der heftig bellt, aber nicht beißt. Das einzig Kritische, das der doch immer so forsch auftretende Thomas Walde Rösler entgegenhielt, das waren pauschale kritische Vorwürfe aus den eigenen Reihe, etwa von Röslers Parteifreund Wolfgang Kubicki oder von Seiten des FDP-nahen Bundesverbandes der Industrie. So blieb Walde einmal mehr die Rolle des Stichwortgebers dafür, dass Rösler inhaltsleer irgendwelche Überschriften von politischen Vorhaben aufsagen konnte: Das „Terrorismusbekämpfungsergänzungsgesetz“, innere Sicherheit, ärztliche Versorgung auf dem Lande, in der Wirtschaftspolitik seien viele Vorschläge geliefert worden, zur Unsicherheit der Märkte habe man gute Beschlüsse gefasst etc.. Keine einzige Nachfrage in der Sache. So als wisse Walde gar nicht, um was es dabei inhaltlich geht. So als brauche man diese Vorhaben in der Sache gar nicht kritisieren. So konnte sich Rösler ohne sachlichen Einwand selbst belobigen.
    Wenn Walde überhaupt in der Sache nachhakte, dann in der Frage der Euro-Krise. Da vertrat Walde die dogmatische monetaristische Position der Bundesbank und schwadronierte von der „Transfer- und der Haftungsunion“, er griff also eher von rechts an. Aber auch da entließ er Rösler mit dem Hinweis, dass die EZB unabhängig und ihre Politik von ihm nicht zu bewerten sei. Die Systemstabilisierung sei mit den Beschlüssen vom Juli gut gelungen. Und das, obwohl wie bei einem Schwelbrand im Moor jeden Tag an einer anderen Stelle ein neues Feuer aufflammt.
    Auch bei der Steuersenkungsdiskussion hat Walde nur auf Meinungsunterschiede zwischen dem Finanzminister und der FDP verwiesen; selbst die banale Frage warum man Steuersenkungen über Kredite finanzieren soll, fiel ihm nicht ein. Rösler konnte mit der wahnwitzigen Behauptung entkommen: Wir können beides: Wachstum und Steuersenkungen.
    Für Rösler ist alles in Europa wieder in Ordnung, wenn nur durchgesetzt wird, dass jeder Staat der EU eine „Schuldenbremse“ einführt. So schlicht ist die Weltsicht des Vizekanzlers.

  16. PR vs. Journalismus – Im Körper des Feindes
    Wie sich bekannte Journalisten vor den Karren der privaten PR-Hochschule Quadriga spannen lassen. Und darüber eher einsilbig Auskunft geben.
    Quelle: taz
  17. Crash im Mediensystem? – Die Panik-Berichterstattung zum Auf und Ab an der Börse
    Das Auf und Ab an den Börsen führte auch in der deutschen Berichterstattung zu einem emotionalen Auf und Ab, das so schon lange nicht mehr in dieser Weise zu beobachten war. Leser, Hörer und Zuschauer blieben einmal mehr ratlos zurück, was das denn nun alles mit ihnen persönlich zu tun habe.
    Quelle: Deutschlandfunk
  18. Zu den „Empörten“ kommen die „Bestürzten“
    Das Manifest bestürzter Ökonomen ist in Frankreich inzwischen zum Bestseller geworden
    Mit den Turbulenzen an den Finanzmärkten, in die immer stärker auch Frankreich hineingezogen wird, ist auch ein kleines Büchlein beim Nachbarn zum Bestseller geworden. Im „Manifeste d’économistes atterrés“ machen „bestürzte Wirtschaftswissenschaftler“ die Macht der Finanzmärkte und den Neoliberalismus für die Entwicklungen an den Finanzmärkten verantwortlich. Sie weisen darauf hin, dass hier lediglich Glaubenssätze als scheinbare wissenschaftliche Erkenntnisse verkauft werden. Sie sprechen von einer „Unterordnung unter eine Diktatur“ die zur „Beruhigung der Märkte“ dienen soll und räumen mit 10 falschen „offenkundigen Tatsachen“ auf. Sie fordern eine Kontrolle der Finanzmärkte, um eine sozial gerechte Entwicklung zu ermöglichen.
    Quelle: Telepolis
  19. Der Gralshüther – eine Replik auf Michael Hüthers „Schuldenbremse für alle!“
    Zur Hochzeit der Finanz- und Wirtschaftskrise – oder sprechen wir in Anbetracht der gegenwärtigen Ereignisse besser von der vorherigen Finanz- und Wirtschaftskrise – war es still um ihn geworden. Fast hatten wir ihn schon vergessen, immerhin einen der bekanntesten Gralshüter der deutschen Volkswirtschaftsleere (kein Schreibfehler!). Jetzt meldet er sich zurück: Michael Hüther, seines Zeichens Direktor des arbeitgebernahen Instituts bzw. Lobbyvereins der deutschen Wirtschaft in Köln und Honorarprofessor an der European Business School in Oestrich-Winkel. Das Schwert, mit dem sich dieser – um im Bild zu bleiben – schwarze Ritter deutscher Ökonomenzunft gleichsam schützend vor die ganze Welt stellt: Die Schuldenbremse. Sein Schlachtruf: „Schuldenbremse für Alle!“ Sein Anspruch: „Eine genaue Analyse der Ursachen.“ Nichts Geringeres als eine „grundsätzliche Neubewertung der Staatsverschuldung“ verlangt Hüther und sagt einen „Paradigmenwechsel in der Finanzpolitik“ voraus. Sein Paradigma klingt allerdings ziemlich altbacken, und sein Schlachtruf, der seinem Gastbeitrag auf Spiegel-online als Überschrift dient, hat ihn ja auch bereits verraten.
    Quelle: Wirtschaft und Gesellschaft
  20. Zu guter Letzt: Die Banken sind wieder unterwegs!
    Die Banken sind wieder unterwegs!
    Quelle: Stuttmann Karikaturen
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