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Münchner Unsicherheitskonferenz 2017 – drinnen Konfrontation und Aufrüstung, draußen kreativer Protest für Frieden

Veröffentlicht in: Aufrüstung, Friedenspolitik

An diesem Wochenende trafen sich wieder einmal namhafte Politiker, Rüstungslobbyisten und meist in transatlantische Netzwerke eingebundene Journalisten in München zur alljährlichen „Sicherheitskonferenz“. Es ging um die vermeintlich „obsolete“ NATO, das „Engagement“ der USA mit ihrem neuen Präsidenten und natürlich die Verteidigungsausgaben. Draußen vor der Tür machten sich derweil ein kriegsgegnerisches Aktionsbündnis Luft und demonstrierte kreativ gegen das Säbelrasseln und die Forderungen nach noch höheren Militärausgaben. Wolfgang Blaschka hat für die NachDenkSeiten die Protestaktionen besucht. Die Fotos zum Bericht stammen von Karim El Nour.

Die Kriegsgegner und Friedensfreunde draußen auf den Straßen Münchens ließen sich nicht vom Treiben der Rüstungslobby infizieren. Zu mehreren Tausend stellten sie dem westlichen Militärbündnis getrost den Totenschein aus und forderten „Frieden statt NATO“. Ihr prinzipielles „Nein zum Krieg“ schloss auch die Forderung mit ein: „Raus aus den EU-Militärstrukturen“ und „Bundeswehr abschaffen“. Und selbstverständlich: „Rüstungsexporte verbieten“. Denn ohne die würde sich die Rüstungsindustrie nicht lohnen; sie könnte zu ziviler Produktion konvertiert werden.

Das hatten die „Feinde des Krieges“ mit einem Papp-Panzer bereits einige Tage vor der Militärtagung direkt vor dem Bayerischen Hof demonstriert mit ihrer Panzerknacker-Aktion. Bei der Protestkette durch die Fußgängerzone wurde dann aus dem Zerstörungsgerät eine farbenfrohe, wenn auch nicht direkt formschöne „Blumenvase“. Aber daran kann ja noch weitergebastelt werden in den Entwicklungs-Etagen von Krauss Maffei. Irgendwas Sinnvolleres wird sich schon finden lassen anstatt wie bisher Tonnen von Stahl in Todesraupen zu gießen, die am Ende selbst zu Hightech-Schrott zusammengeschossen werden. Denn Krieg bringt nur Zerstörung, das ist sein Zweck.

Der von Europäern oft beinahe dünkelhaft vorgetragene Ekel vor dem deutschstämmigen Rabauken im mächtigsten Amt der Erde täuscht die in München demonstrierenden Kriegsgegner nicht darüber hinweg, dass das deutsche Auftrumpfen bei aller gespielten Unterwürfigkeit nicht weniger gefährlich ist als die Eskapaden im Weißen Haus. Das brachten sowohl der Theologe Eugen Drewermann in seiner fulminanten Rede als auch die Bundestags-Abgeordnete der LINKEn Sevim Dagdelen mit ihrer Kritik an der Kungelei Angela Merkels mit dem türkischen Despoten Erdogan zum Ausdruck. Auch Lisa Fitz appellierte an das Publikum zum Auftakt: „Selber denken!“

Nichts wäre unheilvoller, als in europäisch überhöhten Nationalismus zu verfallen, um etwa dem Rechtspopulismus in den USA entgegenzutreten. Als hätten wir in Europa nicht genügend „eigenen“ braunen Schmutz vor der Tür zu kehren. Daher fuhren dem Demonstrationszug vorweg nicht nur die Motorradfahrer von Kuhle Wampe, sondern auch ein Feuerwehr-Drehleiterwagen als passendes Bühnenfahrzeug gegen die Kriegsbrandstifter weltweit, gerade groß genug für die Zwei-Mann-Band „Sleepwalkers Station“ und einen Moderator, der sein Umzingelungs-Gedicht zum „Tanz der Vampire“ vortrug.

Dahinter ging eine Gruppe von 150 Geflüchteten, die gegen die hermetische Abschottung Europas vor jenem Elend protestierten, das „der Westen“ durch Kriege, Waffenexporte und aggressive Handelspolitik anrichtet. Sie wurden ausdrücklich willkommen geheißen, denn sie werden „unsere Kollegen von morgen sein, und Mitkämpfer um einen gerechten Anteil am Reichtum dieses Landes für die Menschen, die diesen Reichtum schaffen“. Ihre Forderung nach legalen Zugangsmöglichkeiten ist nur zu dringlich: Allein im vergangenen Jahr sind 5079 Menschen im Mittelmeer ertrunken, weil die Europäische Union das Wasser zu ihrer Mauer gemacht hat, längst vor Trump.

„Der Kampf um Frieden und gegen Krieg ist seinem Wesen nach international. Kulturelle Ressentiments stehen ihm diametral entgegen“, hieß es in einer klaren Vorab-Distanzierung des Aktionsbündnisses gegen völkisch-nationalistische Ideologien, Antisemitismus und rechtspopulistische Islam-Hetze. Darum wurde auch an die Demonstrant*innen appelliert, auf das Mitführen von Nationalstaats-Fahnen zu verzichten, weil sie von Teilnehmern als Zeichen von Ausgrenzung und Unterdrückung empfunden werden. Umso bunter wehten dann die Regenbogen-Flaggen, Tafeln und Transparente. Zum Schluss spielten noch „Mattia Caroli e Fiore del Male“ aus Italien auf.

In einem von Ludo Vici collagierten Antikriegs-Poem kam neben Schiller, Büchner und Kästner auch Bertolt Brecht zu Wort mit einer Keuner-Geschichte: „Herr K. hielt es nicht für nötig, in einem bestimmten Lande zu leben. Er sagte: „Ich kann überall hungern.“ Eines Tages aber ging er durch eine Stadt, die vom Feind des Landes besetzt war, in dem er lebte. Da kam ihm entgegen ein Offizier dieses Feindes und zwang ihn, vom Bürgersteig herunterzugehen. Herr K. ging herunter und nahm an sich wahr, dass er gegen diesen Mann empört war, und zwar nicht nur gegen diesen Mann, sondern besonders gegen das Land, dem der Mann angehörte, also dass er wünschte, es möchte vom Erdboden vertilgt werden. „Wodurch“, fragte Herr K., „bin ich für diese Minute ein Nationalist geworden? Dadurch, dass ich einem Nationalisten begegnete. Aber darum muss man die Dummheit ja ausrotten, weil sie dumm macht, die ihr begegnen.“

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