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Albrecht Müller Wolfgang Lieb
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23. Dezember 2014
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Doppelte Asymmetrie – Warum wehren sich die Linken nicht?

Verantwortlich:

Der frühere Chefredakteur des ZDF, Klaus Bresser hat einmal davon berichtet, dass er vom CDU-Generalsekretär Dr. Geißler regelmäßig beschwerdeführend angerufen worden sei, wenn der CDU ein Sendebeitrag nicht in den Kram passte. Die SPD sei sehr viel zurückhaltender gewesen. Heute ist das nicht viel anders. Davon können die wenigen Journalisten, die bei Monitor, ZAPP, beim Saarländischen Rundfunk und wenigen anderen gelegentlich die Union beziehungsweise den Einfluss wirtschaftlicher Interessen kritisieren, ein Lied singen. Nicht nur die Union, auch die Verbände der Wirtschaft reagieren prompt mit Beschwerden bei den Intendanten und in den Fernsehräten.
Wie früher schon die SPD hält sich heute auch die Linkspartei offensichtlich vornehm zurück. Albrecht Müller

So muss man es verstehen, wenn von Seiten der Linkspartei angesichts der miesen Behandlung ihres Partei- und Fraktionsvorsitzenden Oskar Lafontaine durch das ZDF im Zusammenhang mit dem Sommerinterview durch Peter Frey kein Sterbenswörtchen verlautbart wird.

Weil die Kampagne im Zusammenhang mit dem Sommerinterview beispielhaft ist für die Asymmetrie der Behandlung der verschiedenen politischen Parteien durch unsere Medien und im konkreten Fall auch durch einen öffentlich-rechtlichen Sender hatten wir schon auf die bisherigen Vorgänge hingewiesen. Heute ist noch einmal ein Nachtritt das interviewenden Journalisten und Leiters des Berliner ZDF-Büros Peter Frey hinzugekommen. Wer meint, diese Art von Kampagnen gäbe es nicht, sollte sich vielleicht dieses Bündel anschauen:

Würde dies der CDU-Vorsitzenden oder dem CSU-Vorsitzenden oder auch Herrn Westerwelle passieren, es gäbe schon lange eine heftige Intervention beim Intendanten des ZDF, im Verwaltungsrat und im Fernsehrat. Wo bleibt der Protest der Linkspartei beim ZDF? Hat der Vertreter der Linkspartei im Fernsehrat irgend etwas unternommen? Gibt es einen Brief an den Intendanten oder der Chefredakteur? Was dem Generalsekretär Heiner Geißler recht war, dürfte dem Bundesgeschäftsführer der Linkspartei billig sein.

In den Pressemitteilungen des Parteivorstandes der Linkspartei vom 9. Juli (dem Tag des Erscheinens der Vorschau im ZDF) bis zum 17. Juli, also heute, gibt es keine einzige Zeile zum Thema. Da geht es um das Bombodrom, um die Streitereien in der Union und um Mehdorn zum Beispiel, aber es erscheint kein einziges Wort zur Unterstützung des eigenen Vorsitzenden.

Das erinnert mich ungemein an die Fertigmache und die Umstände des Rücktritts von Willy Brandt im Jahr 1974. Er war damals einer infamen, rücksichtslos ins Persönliche gehenden Kampagne der Bild-Zeitung und anderer Medien ausgesetzt. Die Verteidigung von Seiten seiner Parteifreunde war mit wenigen Ausnahmen ausgesprochen lau. Sie haben teilweise selbst die Stichworte zu seiner Fertigmache geliefert.

Offenbar haben die verantwortlichen Personen bei der Linkspartei nicht verstanden, was hier vorgeht. Hier soll jemand rausgebrochen werden, der dem neoliberalen Mainstream sachlich gefährlich ist. Hier soll Einfluss genommen werden auf die innere Willensbildung der Linken und es sollen selbstverständlich ihre Wahlchancen reduziert werden.

Offenbar erkennt man auch nicht das Zusammenspiel mit anderen Medien. Einige wenige Beispiele dafür werden hier per Link angefügt:

  1. sueddeutsche.de berichtet nur etwas sachlicher…
  2. Verstärkung durch die Bild-Zeitung
  3. Der Westen/WAZ
  4. Welt Online

Wenn man sich das Sommerinterview angeschaut hat, dann wird man nicht mehr verstehen, was diese Berichte und Kommentare mit der Sendung zu tun haben.

Die Linkspartei wird wie die SPD und die Grünen in früheren Zeiten von den Mehrheitsmedien asymmetrisch schlecht behandelt. Sie lässt sich das asymmetrisch, also anders als die rechtskonservativen Parteien, gefallen ohne zu murren. Sie verhält sich hier defensiver und schlimmer, als ich das bei der SPD je erlebt habe. Bei dieser gab es wenigstens immer einige, die sich diese Art von Behandlung nicht haben gefallen lassen.
Übrigens war bei der SPD war früher immer erkennbar: wer zu der einseitigen Behandlung durch die Bild-Zeitung oder die Welt oder andere Medien schwieg, der wurde von diesen Medien hochgelobt und als der bessere Teil der SPD promoviert. Vielleicht spekulieren die Schweiger bei der Linkspartei auf einen ähnlichen Effekt. Das hätte dann die gleiche Wirkung für den Wahlerfolg wie bei der SPD früher und heute auch: die Anpasser werden beliebter und dürfen gelegentlich am Tisch der Herren Platz nehmen, die Partei selbst wird erfolgloser.

Warum interessiert mich das? Warum hat das uns zu interessieren? Unser Volk bräuchte eine politische Alternative. Diese hat es nicht, wenn auch die Parteien auf der Linken, wenn SPD, wenn die Linkspartei und die Grünen von Anpassern geprägt werden.

P.S.:

Zum Schluss noch eine Anmerkung zum Hauptgegenstand der Fragen und Vorwürfe im Interview von Peter Frey mit Oskar Lafontaine. Lafontaine habe hingeschmissen, so die Parole von Frey und gängiges Lernziel. Zum Hinschmeißen habe ich schon 2005 einen Text geschrieben: „Hinweis: Prantl (SZ) interviewt Lafontaine“.

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