Chile: USA sollen ihre Rolle beim Putsch gegen Salvador Allende offenlegen

Chile: USA sollen ihre Rolle beim Putsch gegen Salvador Allende offenlegen

Chile: USA sollen ihre Rolle beim Putsch gegen Salvador Allende offenlegen

Ein Artikel von amerika21

Gefragt sind die Akten ohne Schwärzungen. Tiefe Feindseligkeit Richard Nixons und seiner rechten Hand Henry Kissinger gegenüber Allende. Kurz vor dem 50. Jahrestag des Putsches gegen die sozialistische Regierung von Salvador Allende sollen die USA neue Dokumente freigeben, die Fragen über die Verwicklung des Weißen Hauses klären würden. Dies fordert Chiles Botschafter in den USA, Juan Gabriel Valdés, von der Regierung von Präsident Joe Biden. Von Pagina12.

“Wir wissen immer noch nicht, was Präsident Richard Nixon am Morgen des Militärputsches auf seinem Schreibtisch liegen hatte und wie er über den Putsch informiert wurde”, sagte er im Interview mit der spanischen Nachrichtenagentur EFE.

Valdés, ehemaliger Außenminister und zweimaliger Botschafter in den USA, hat die Regierung Biden formell aufgefordert, Unterlagen aus den Jahren 1973 und 1974 darüber freizugeben, was im Oval Office vor und nach dem Putsch gesagt wurde. “Es gibt Details, die uns interessieren. Sie sind wichtig, um unsere eigene Geschichte zu rekonstruieren”, betonte der Diplomat. Die derzeitige US-Regierung sollte auf das Gesuch reagieren, wie auch andere Regierungen zuvor, etwa die von Barack Obama.

Dieser hatte die Deklassifizierung von CIA-Dokumenten zum Putsch in Chile angeordnet. Dazu gehörten auch Hunderte von “President’s Daily Briefs” (PDB), mit denen der Auslandsgeheimdienst den Präsidenten täglich direkt informiert. Der Abschnitt des PDB vom 11. September 1973 über Chile wurde jedoch vollständig zensiert ebenso wie eine ganze Seite über Chile, die Nixon am 8. September 1973 vorgelegt wurde.

Kurz nach dem Militärputsch gratulierten sich Nixon und Kissinger gegenseitig. “Zu Eisenhowers Zeiten wären wir wie Helden behandelt worden”, merkte Kissinger an.

Die Abschrift dieses Gesprächs, das jahrzehntelang unter Verschluss gehalten wurde, ist eines von mehr als 25.000 US-Dokumenten über Chile, die dank der Arbeit des US-Historikers Peter Kornbluh zugänglich wurden. Er gilt international als einer der Experten für die US-chilenischen Beziehungen und arbeitet am Washingtoner Universitätsinstitut “Nationales Sicherheitsarchiv”, das sich auf die Erforschung ehemaliger Geheimdokumente aus den US-Archiven spezialisiert hat.

Die Dokumente wurden 2010 dem “Museum der Erinnerung und Menschenrechte” in der chilenischen Hauptstadt Santiago ausgehändigt (amerika21 berichtete). Sie belegten eindeutig, dass der damalige US-Außenminister Henry Kissinger die Pläne Washingtons gegen die Allende-Regierung entwickelt hat, so Kornbluh. Kissinger sei auch dafür verantwortlich gewesen, dass die USA der Diktatur (1973-1990) wirtschaftliche und militärische Hilfe zukommen ließen.

Es gibt keine Beweise für eine direkte Beteiligung Nixons am Staatsstreich von General Augusto Pinochet. Tausende freigegebene Dokumente zeigen jedoch die tiefe Feindseligkeit Nixons und seiner rechten Hand Kissinger gegenüber Allende, noch bevor dieser sein Amt antrat. Bewiesen ist zudem, dass die CIA Gruppen zur Destabilisierung der Regierung Allende unterstützte und finanzierte.

Viele Fragen bleiben indes offen. Einige veröffentlichte Dokumente, die im “Museo de la Memoria” ausgestellt sind, enthalten geschwärzte Fragmente, andere weisen offensichtliche Auslassungen auf. “Wir wollen sie sehen und lesen können, um genau zu wissen, was in den Köpfen derjenigen vorging, die damals die USA regierten”, sagte Valdés über die zensierten Teile der Dokumente etwa vom 11. September.

Valdés fordert von Washington keine Entschuldigung, sondern eine größere Anerkennung seiner Rolle: “Die USA sollten so deutlich wie möglich erklären, dass sie für die Schwächung der chilenischen Demokratie schon vor Allende verantwortlich waren”, betonte er.

Für den Diplomaten war die Intervention in Chile während der Ära Nixon und Kissinger “genau geplant und zielte ganz klar darauf ab, die Wahl von Salvador Allende zum Präsidenten zu verhindern”. Die bisher vorliegenden Unterlagen belegten, wie die USA “den Widerstand förderten und die Rechten gegen Allende unterstützten”, etwa durch die Finanzierung von Streiks und Sabotageakten.

Valdés hat den Terror der chilenischen Diktatur selbst erlebt: Er arbeitete für den ehemaligen Allende-Minister Orlando Letelier im Exil, als dieser und seine Assistentin Ronni Karpen Moffitt am 21. September 1976 vom chilenischen Geheimdienst in Washington mit einer Autobombe ermordet wurden.

40 Jahre später kehrte er als Botschafter der Regierung von Michelle Bachelet nach Washington zurück. Es gelang Valdés, die USA zur Freigabe der Unterlagen über den Bombenanschlag und die Beziehungen Washingtons zur Diktatur zu bewegen.

Zu diesen Dokumenten, die dann an Chile übergeben wurden, gehört auch die Mitschrift eines Gespräches zwischen Pinochet und dem Chef der Geheimdienstbehörde DINA, Manuel Contreras, über die geplante Ermordung Leteliers.

Der Artikel erschien zuerst auf Amerika21.

Titelbild: MINISTERIO DE RELACIONES EXTERIORES DE CHILE/CC BY 2.0 CL

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