Leserbriefe zu „Kanzler des Niedergangs“

Ein Artikel von:

Oskar Lafontaine stellt in diesem Beitrag die These auf, dass alle Bundeskanzler ihre Besonderheiten gehabt hätten. Bundeskanzler Olaf Scholz stehe „für die Deindustrialisierung Deutschlands, das Wiedererstarken des Militarismus und den Abschied von der Ost- und Entspannungspolitik Willy Brandts“. Wir haben hierzu interessante Leserbriefe erhalten. Danke dafür. Hier nun eine Auswahl, die Christian Reimann für Sie zusammengestellt hat.


1. Leserbrief

Liebes Redaktionsteam,
 
auch Olaf Scholz ist Ausdruck und langfristige Folge eines allmählichen Niedergangs der SPD, der mit dem Godesberger Programm 1959 eingeleitet wurde: man vertrieb Marxisten, Sozialisten sowie Sozialdemokraten aus der SPD und öffnete sich den Kirchen und dem Kleinbürgertum. So fehlen dann sozialdemokratische Positionen und Standpunkte. Dafür zeigt man ‘Haltung’ und kippt bei Gegenwind eben um.
 
Freundliche Grüsse
U.R.

Anmerkung Albrecht Müller: Da ist der Niedergang der SPD aber sehr weit zurückdatiert. Ich erinnere daran, dass die SPD 1969, also zehn Jahre nach Beginn des Niedergangs aus der Sicht von U. R., zum ersten Mal das Kanzleramt erobert hat. Wiederum drei Jahre später, am 19.11.1972 hat sie ihr bis dahin und bisher bestes Ergebnis von 45,8 % der Zweitstimmen erreicht. Offenbar alles Zeichen des Niedergangs, kann ich dazu nur ironisch anmerken.


2. Leserbrief

Liebe NDS-Redaktion,

mit seiner Einschätzung “Kanzler des Niedergangs” (vermutlich wider Willen, Anmerkung von mir) liegt Oskar Lafontaine sicherlich nicht ganz falsch. Ebenso wie für Deutschland ist China der wichtigste Handelspartner Australiens. Befeuert durch die zunehmend aggressive Rhetorik des Westens stimmt auch Australien in das „Kriegsgeheul“ gegen China mit ein. Warum? Weil Australien befürchtet, den Zorn der USA auf sich zu ziehen. Die USA sind fest entschlossen alles dafür zu tun, Weltmacht Nummer 1 zu bleiben. Wer von den westlichen Verbündeten nicht mitmachen will, wird dafür büßen – das ist Teil der “wunderbaren” regelbasierten internationalen Ordnung. Wer gegen die Interessen der USA verstößt, spielt “falsch”und “raubt” den USA, was ihnen “zusteht”. Die EU und insbesondere Deutschland werden als Konkurrent betrachtet. Deutschland wollte als Drehscheibe die EU-Länder mit russischem Gas versorgen – Pustekuchen, von wegen Europäisches Haus von Lissabon bis Wladiwostok und darüber hinaus. Da hätte Deutschland besser militärisch gerüstet sein müssen, um seine Interessen vor allem auch gegen „Verbündete“ durchsetzen zu können.

Mit vielen Grüßen
Michael Wrazidlo


3. Leserbrief

Hallo und guten Abend an die Nachdenkseiten.
 
Was Oskar Lafontaine in diesem Artikel postuliert ist absolut richtig.
 
Wäre Herr Scholz ein Patriot, wäre es seine Pflicht gewesen, den amerikanischen Präsidenten darauf hinzuweisen, dass Freundschaften im politischen Leben einer gemeinsamen Basis bedürfen. Es wäre bei der Drohung des amerikanischen Präsidenten bezgl. der Nordstream Pipelines seine Pflicht gewesen, dass die Spurtreue Deutschlands nicht unendlich dehnbar ist.
 
Er musste wissen, dass es in Sachen Wirtschaft keinen unbedingten Kadavergehorsam geben kann, will man nicht riskieren, die Existenz seiner eigenen Volkswirtschaft zu verspielen.
 
Scholz war gehalten im Augenblick von Bidens Statement sofort zu intervenieren und dem amerikanischen Präsidenten zu bedeuten, dass die Ankündigung eines Anschlags auf die Gasversorgung als feindlicher Angriff, eine Kriegshandlung also, auf die Infrastruktur Deutschlands und der EU betrachtet würde.
Genau hier endet nämlich die Solidarität der freundschaftlichen Beziehungen. Freundschaft ist keine einseitige Befindlichkeit, sondern basiert auf dem Fundament der beidseitigen Achtung und gegenseitigen Respektierung. Wie wir gesehen haben wird dieser Begriff von den USA recht einseitig ausgelegt.
 
Was hierbei besonders zu beachten ist braucht man dem Volkswirtschaftler nicht zu erklären. Wenn es in den Beziehungen nicht sach-, u. fachgerecht zugeht, sprich die Regularien der Beziehungen nicht ordentlich beachtet werden, nehmen die Beziehungen von Staaten untereinander auf Dauer selbstverständlich schweren Schaden. Dies ist nicht sofort erkennbar, zeigt sich aber im Laufe der Zeit dann um so gravierender.
 
Die Bruchlinien der Beziehungen zwischen Deutschland und den USA waren aber mit der Kasteiung der Deutschen Bank in den USA und den weitergehenden Behinderungen der deutschen Wirtschaft, Stichwort „VW“ , Bayer-Monsanto, und etliche vergleichbare Nickeligkeiten sehr plastisch vorhanden. Wer damals nicht „wach „ geworden ist, hat den Anschluss an die kommerzielle Agenda der USA und der Entwicklung sicher nicht hellwach mitbekommen. Aussagekräftig dafür ist selbstverständlich die Entwicklung der Zahlungsbilanz der beiden Länder, wobei Deutschland stets einen gewaltigen Überschuss erzielt hat. Dieser Umstand war den „Freunden“ ein Dorn im Auge und mit ein Grund dem zu eifrigen Schüler in Europa auf die Finger zu hauen.
 
Da wir die Folgen ziemlich stramm beigebracht bekommen, sollten wir sie auf keinen Fall dazu benutzen unseren besten Freunden böse Absichten zu unterstellen, denn wer das bisher nicht bemerkt hat sollte sich auch weiterhin nicht stören lassen.
 
Mit bestem Dank für die tiefschürfenden Erkenntnisse.
Mit freundlichen Grüßen,
W. Schuckmann


4. Leserbrief

Truman hat in einem Interview nach dem Abwurf der Atombombe gelacht. Er hat sich gefreut, dass 100.000e Menschen sofort oder später gestorben sind, weil er mit seinen Waffen die Ausdehnung des Sowjetreichs verhindern wollte. Die Amerikaner haben in Nordkorea nach dem Krieg Weizenfelder verbrannt, große Teile der nordkoreanischen Bevölkerung musste vor Hunger sterben. Die Amerikaner haben den iranischen demokratisch gewählten Präsidenten abgesetzt, weil sie das Öl aus dem Iran für ihre Zwecke einsetzen wollten. Die Amerikaner haben 1973 den demokratisch gewählten Präsidenten abgesetzt und einen Machthaber an die Regierung gelassen, der 10.000e Menschen in Stadien zusammengetrieben und hat erschießen lassen. Die Blutspur der Amerikaner nach dem 2. Weltkrieg ist so breit wie keine andere auf diesem Planeten aber in der offiziellen Version sind immer und grundsätzlich „die anderen“  Schuld, wer auch immer das sein soll. In meinen Augen ist jeder Deutsche und jede Deutsche, die sich mit diesem Lumpenpack aus  den vereinigten Staaten verbrüdert, zusammentut, auf sie hört, ihren Worten folgt, ein Versager oder eine Versagerin. Die Kriegserklärung an Russland von Frau Baerbock, die gedankenlosen Spenden von Herrn Lindner an die Ukrainer mit der gleichzeitigen Forderung, die Menschen in Deutschland länger arbeiten zu lassen trägt die gleichen rücksichtslosen Züge, wie die der amerikanischen Einflussmenschen, wer immer sie auch sein mögen.
 
Deutschland ist Kriegspartei seitdem die NATO aufgerufen hat, im Ausland Einsätze zu erbringen.
 
Die Deutschen haben mit 17 Mio. Soldaten diese Welt in eine Ungleichheit gebracht, die heute noch nachbebt. Dass nun wieder Kriege mit deutschen Soldaten geführt wird, bedeutet, die Lehre aus dem 1. und 2. Weltkrieg hat nicht stattgefunden, die Nacharbeit und Loslösung von den Nazis hat nicht stattgefunden und unsere derzeitige Regierung macht dann noch den Moralaufkleber drauf.
 
Wir, die wir nicht wollen, dass die AfD demnächst erstarkt und einen Kanzlerkandiaten aufstellt, sich womöglich noch wählen lässt, können nur eins hoffen, dass der komplette Regierungsapparat ausgetauscht wird, die Amerikaner dieses Land für immer verlassen, wie Herr Lafontaine bereits mündlich und in seinem letzten Buch gefordert hat, und wir hier in diesem Land, an dem Blut klebt, wie an keinem anderen, aufwachen, den Grünen endlich die Heinrich Böll Stiftung entreißen und endlich erwachsen werden. Das hat die CDU nicht geschafft, die SPD nicht, die ja gar keine SPD mehr ist, unter anderem Herrn Gabriel sei Dank, die Grünen sind offensichtlich durch mit ihrem Gequake über Frieden schaffen ohne Waffen und die FDP möchte niemand mehr ernst nehmen. Frau Strack-Zimmermann als leibliche Nachfolge von Messerschmitt und Kruppstahl mit einem Karma, von dem sich nach einmaligen Genuß einfach nicht mehr erholen kann.
 
Wir verlangen zu viel von einem Kanzler, der sich verleugnen lässt, Geld an Banken verschenkt und sich vor Interviews drückt.
 
Wir müssen von uns viel mehr verlangen und mit erhobenem Haupt zugeben, dass wir als Deutsche in jeder Hinsicht versagt haben, Herrn Brandt, Herrn Gysi und Herrn Bahr ausgenommen.
 
mit freundlichem Gruß
Markus Westbomke


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