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Erich Fromm: Zur Theorie und Strategie des Friedens plus Nachtrag Leserbriefe „Auge um Auge…“

Veröffentlicht in: Aktuelles, Aufbau Gegenöffentlichkeit, Friedenspolitik, Leserbriefe, Militäreinsätze/Kriege

Wir möchten die Leser der NachDenkSeiten heute auf einen ca. 30-minütigen Vortrag des Psychologen Erich Fromm mit dem Titel „Zur Theorie und Strategie des Friedens“ aus dem Jahr 1969 hinweisen, der bei youtube nachzuhören ist (Teil 1 und Teil 2).

Der Vortrag setzt mit seiner Gedankenführung zwar bei der damaligen Konstellation der gegenseitigen atomaren Bedrohung des kalten Krieges („balance of terror“) an, ist in seiner Darstellung der Erkenntnisse Fromms über die Herkunft und Motive menschlicher Aggression aber auch und gerade für die aktuelle Lage höchst relevant. Danke für den Hinweis an C.W. Albrecht Müller.

Unter anderem widerlegt Fromm bereits damals die auch heute noch oft vorgebrachte Auffassung, dass die zu beobachtende Aggression in Form und Ausmaß „natürlich“ sei und einem Destruktionstrieb entspringe, und er führt aus, worin die wahren Gründe liegen.

Auszug: “Die Behauptung vom Destruktionstrieb hat heute eine im wesentlichen verschleiernde Funktion. Sie verschleiert die Untersuchung all derjenigen Faktoren, die in Wirklichkeit die menschliche Aggressivität vermehren. Die wirklichen psychologischen Probleme sind hier glaube ich: Das Problem der Abhängigkeit des Menschen von seinen Götzen, der Mangel an kritischer Haltung, die Überredbarkeit, die Suggestibilität, die Abhängigkeit. Und alles das ist verknüpft mit dem Mangel der vollen seelischen Entwicklung des Menschen. Und was diese volle seelische Entwicklung des Menschen ist? Für mich ist sie die volle Entwicklung zur Liebe und zur Vernunft. Aber ich weiss, dass für eine Reihe von anderen, die vielleicht, die in mancher Hinsicht mit mir zu den sogenannten Utopisten gehören, diese Vorstellung von der vollständigen Entwicklung des Menschen eine ganz irreale und unzeitgemäße ist.”

Wir hoffen, den Lesern vielleicht eine neue, wissenschaftliche Perspektive zu eröffnen für die Betrachtung der aktuellen Eskalationen der Gewalt sowie der Erklärungs- und Rechtfertigungsversuche der Beteiligten.

Weil es zum Thema passt, werden auch noch zwei weitere Leserbriefe zu den Leserbriefen zu „Auge um Auge,…“ vom 11.7.2014 auf den Artikel vom 9.7. angefügt:

Sie beklagen, ich hätte die Interpretation des „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ anderer Leserbriefschreiber zu schnell übernommen. Wir stellen diese beiden Leserbriefe auch ein, weil es nicht schadet, die verschiedenen Interpretationen nebeneinander zu sehen und vor allem die Konsequenzen für heute zu bedenken:

C.W.:

Lieber Herr Müller,

Nachdem Sie dank so vieler Kritiker nun aufgeklärt sind, wie es sich mit dem “Auge um Auge, Zahn um Zahn” nun theologisch richtig verhält, auch wenn es dem allgemeinen Sprachgebrauch so überhaupt nicht entspricht, will ich mich auch zu Wort melden.

Es scheint, als ob die Menschen das Thema, über das Sie in Ihrem Beitrag geschrieben hatten, weitgehend sprachlos hinterlässt.
Wie sonst ließe es sich erklären, dass die (veröffentlichten) Reaktionen sich in erster Linie mit der theoretisch-theologischen Verbesserwisserung des angeführten Bibelspruchs beschäftigen, zu der realen, von Ihnen thematisierten und beklagten Gewalteskalation aber meist höchstens im Nebensatz Stellung nehmen.
Nehmen wir zu ihren (der Kritiker) Gunsten einfach an, dass sie die eigene Verunsicherung und Sprachlosigkeit angesichts der Kriegstreibereien so sehr irritiert, dass die Möglichkeit zur Belehrung über die ursprüngliche Bedeutung eines sprachlich längst umgewidmeten Bibelwortes einen freudig willkommenen Anlass zur Ableitung der Unbehaglichkeit bietet.

D.B.:

Sehr geehrter Herr Müller,

es spricht für Sie, dass Sie jederzeit bereit sind, die Position anderer zu respektieren und eigene Auffassungen in Frage zustellen.

Hinsichtlich der Wertung des  von Ihnen zitierten und kritisierten  alttestamentarischen Grundsatzes „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ aber haben Sie nach meiner Auffassung die Argumentation eines Großteils der Briefschreiber zu schnell übernommen.

Dieser Grundsatz mag zum Zeitpunkt seiner Niederschrift vor 5.000 Jahren ein Fortschritt zur damaligen Rechtslage gewesen sein.

In der heutigen Zeit aber erscheint diese Forderung eine primitive und blinde Form der Rechtsanwendung, die aus meiner Sicht für ein gedeihliches Zusammenleben zwischen verschiedenen Völkern absolut ungeeignet ist.

Und das ist das, was ich bei den Ihr Zitat kritisierenden Briefschreibern vermisse, nämlich dass sie bei all deren geschichtsträchtiger Auslegung, sich anschließend von diesem Jahrtausende alten, überholten Rechtsgrundsatz zumindest im Zusammenhang mit dem Völkerrecht distanzieren, Dauerbombardierungen palästinensischer Wohngebiete verurteilen und sich zudem für einen „gerechten“ Ausgleich mit den palästinensischen Nachbarn einsetzen.

Im Übrigen möchte ich Ihnen für Ihr unermüdliches Bemühen um die Aufrechterhaltung bzw. Wiedererlangung des Friedens danken.

Ihre Stimme im Kreis der nach mehr militärischer „Verantwortung“ lechzenden Politschwätzer und Mediengauckler war nie wichtiger.

Herzliche Grüße
D. B.

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