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Peter Becker: „Russland stellte man als Angreifer hin“

Veröffentlicht in: Interviews, Medienkritik, Strategien der Meinungsmache, Veranstaltungshinweise / Veranstaltungen

Im Nachgang der Veranstaltung „Krieg und Frieden in den Medien“ (wir berichteten) haben die NachDenkSeiten ein Kurz-Interview mit dem Mitglied der internationalen Juristenorganisation IALANA, Peter Becker, geführt, von dem die Idee zu der Konferenz in Kassel ausgegangen ist. Becker legt darin dar, dass für ihn insbesondere die problematische Berichterstattung deutscher Medien zu Russland den Anstoß zu der Veranstaltung gegeben hat und verrät, dass für 2019 eine weitere Konferenz angedacht ist. Ein Interview von Marcus Klöckner.

Herr Becker, Ende Januar hat in Kassel eine Veranstaltung zum Thema Krieg und Frieden in den Medien stattgefunden. Die Idee kam von Ihnen. Warum überhaupt eine Konferenz zu diesem Thema?

Schon im Vorfeld des ersten Weltkrieges wurde viel gelogen und es gab Propaganda. Karl Kautsky hat in seinem Buch „Wie der Weltkrieg entstand“, das 1919 erschienen und 2014 neu herausgegeben wurde, gezeigt, dass es der Regierung Bethmann-Hollweg gelungen ist, in der Julikrise 1914 ganz Europa der Friedensliebe Deutschlands zu versichern. Dabei hatte man sich mit Österreich und Ungarn längst verschworen, Russland anzugreifen. Russland stellte man als Angreifer hin. Schon damals spielten die Medien eine große Rolle. Heute befinden wir uns in einem ähnlichen Prozess.

Was läuft in der Berichterstattung falsch?

Wieder das Beispiel Russland. Nehmen wir die Arte-Sendung vom 18. Januar „Putin vs. USA“. Dort haben die Verantwortlichen den Staatsbankrott, den der versoffene Jelzin herbeigeführt hat, einfach weggelassen. Genauso ignoriert man in der Berichterstattung den Fakt, dass Putin Russland saniert hat, aber hebt stattdessen immer wieder hervor, dass Putin KGB-Mann in Dresden war, der auch heute noch Russland mit seinen Geheimdiensten beherrscht. Putin-Kritiker wie Nawalny sind die Guten, die von Putin unterdrückt werden.

Auf der Medientagung wurde immer wieder zwischen alternativen Medien und Mainstreammedien unterschieden. Warum nahmen an der Konferenz in Kassel nicht auch Journalisten der großen Medien als Referenten oder Podiumsteilnehmer teil?

Die waren eingeladen, sind aber nicht gekommen. Zum Beispiel war Harald Schumann vom Tagesspiegel, der ein großartiger Journalist ist, eingeladen und hatte auch zugesagt, dann aber kurz vor Weihnachten wieder abgesagt. Über die Gründe diskutieren wir.
Die etablierten Medien haben die Konferenz dann auch totgeschwiegen, es gab von ihnen keine Berichte.

Woran liegt das mangelnde Interesse der von Ihnen angesprochenen Mainstream-Medien? Ist das ein Zeichen dafür, wie tief die Gräben zwischen Medien und Ihren Kritikern sind?

Ja, es gibt wenige Journalisten, die sich als „Grenzgänger“ verstehen. Und selbst die fürchten sich, von den eigenen Kollegen runtergemacht zu werden, so als gäbe es eine „Kontaktschuld“.

Wird es eine weitere Konferenz dieser Art geben?

Ja, das Interesse ist sehr groß. Die nächste Konferenz dieser Art wird es 2019 geben. Aber vorher erscheint ein Ebook und eine Printveröffentlichung mit allen Referaten von der Kasseler Veranstaltung.

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