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Weitere Leserbriefe zu „Lasst uns Sachsenversteher werden!“ und „Chemnitz: Bürger-Beschimpfung durch die SPD geht weiter“

Veröffentlicht in: Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Innere Sicherheit, Leserbriefe, Rechte Gefahr, Strategien der Meinungsmache

Zu den Artikeln „Lasst uns Sachsenversteher werden!“ und „Chemnitz: Bürger-Beschimpfung durch die SPD geht weiter” erreichten uns diverse Zuschriften, von denen wir einige hier veröffentlichen. Bei diesem Thema und den Leserbriefen dazu zeigt sich einmal mehr, wie gespalten die deutsche Gesellschaft mittlerweile ist. Umso nötiger ist es jetzt, auch unangenehme Themen oder solche, die von der Politik ausgeklammert werden, offen anzusprechen und miteinander sachlich darüber zu reden. Die heutigen Zustände sind Folgen von gemachter Politik und der Reaktion der Menschen auf diese Politik. Es ist sicher wichtig, dies im Rückblick einmal genauer zu betrachten und dann zu überlegen, wie es weitergehen kann. Zusammengestellt von Moritz Müller.

Re: Lasst uns Sachsenversteher werden!

1. Leserbrief

Sehr geehrte Redaktion der Nachdenkseiten,

ich bin irritiert bis schockiert, was medial über Chemnitz und Sachsen verbreitet wird. Diese verlogene Propaganda macht mich fassungslos. Und nun stelle ich fest, dass auch Sie Probleme mit einer objektiveren Berichterstattung diesbezüglich haben. Obwohl J. Berger um Objektivität bemüht war und gemäßigt über die Situation schrieb, zeigten einige Leserbriefe, dass die „Mainstream-Propaganda“ sehr tief sitz. Linientreu wird vor dem rechten Sumpf aus Sachsen gewarnt.

Aufgescheucht durch die hetzerische Berichterstattung, gesellen sich nun die Systemtreuen von überall dazu und demonstrieren ihre politisch korrekte moralische Überlegenheit…kämpfen gemeinsam mit der Antifa gegen die braunen „Dumpfbacken“ aus Chemnitz und sorgen für eine weitere Zuspitzung.

Solikonzerte gegen Rechts, Schwesig spricht sinngemäß von der bedrohlichsten Gefahr für die Demokratie in der Bundesrepublik und ist entschlossen, deren Übernahme durch Neonazis aus Chemnitz und Sachsen, die nebenbei bemerkt natürlich pathologische arme Kleingeister sind, zu bekämpfen.

Anscheinend ist einigen nicht bekannt, dass es so etwas wie einen „tiefen Staat“ gibt, der in Form des Verfassungsschutzes rechte und linke Gruppierungen aufbaut, um sie zu kontrollieren. Geo-politische Zusammenhänge (Destabilisierung des Nahen Ostens, Migration als Waffe) scheinen überhaupt nicht einbezogen zu werden.

Alle Medien arbeiten mit den Bildern dieser seltsamen „Vorzeigenazis“, die sich offensichtlich der Demo angeschlossen haben, um sie zu diskreditieren – nicht umgekehrt.

Die braune „Sachsensuppe“, die sich zusammenrottete, wie es auch die Herren Patzelt oder Schorlemmer formulierten, betreibe Hetzjagden auf Flüchtlinge. Dass es keine Hetzjagden gab und nur ein einziges Video existiert, das zeigt wie ein Deutscher einen Migranten verfolgt, interessiert nicht. Auch nicht wie es dazu kam.

Es geht nicht mehr darum, dass sich die „Nazis“ mit einem Deutsch-Kubaner solidarisierten und zwei Russlanddeutsche diesem voraussichtlich zu Hilfe eilten;
dass der eine mit 5 Messerstichen „totgeschlagen“ und die anderen schwer verletz wurden; „Flüchtlinge“ sich den Gegendemonstrationen anschlossen und die Chemnitzer beschimpften;
es bereits sehr viele Gewaltdelikte gegen Deutsche gab und diese systematisch von Politik und Medien vertuscht und heruntergespielt wurden und werden;
dass es bereits monatelang ein Sicherheitsproblem in Chemnitz gibt und die Unsicherheitsfaktoren eindeutig als „Nichtdeutsche“ identifiziert werden konnten.

Der Staat macht mobil gegen seine eigenen Bürger, die nicht seine, EU und UNO verordnete Migrationsagenda unterstützen. Und die Political Correctness bringt die Menschen zum Schweigen oder Schwurbeln.
Was hier passiert ist fatal, unabhängig vom politischen Lager und dient dazu uns noch weiter voneinander zu trennen.

Ich bitte Sie herzlich darum hier weiter zu machen – aufzuklären größere Zusammenhänge zu verdeutlichen und nicht davor zurück zu schrecken auch die Einwanderungspolitik zu kritisieren. Es kann so nicht weiter gehen.

Mit freundlichen Grüßen
J.Kraft


2. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Berger,

Gewalt gibt es nicht erst seit Chemnitz. Sie kommt immer wieder vor. Bei Demos gegen den Nato-Doppelbeschluss, bei anti Atomkraft Demos, Rammstein, Stuttgart 21, Fußball usw.. Gewalt ist Gewalt und es ist egal, ob sie allein oder in der Gruppe ausgeübt wird. Der entscheidende Unterschied ist, was die Medien daraus machen. Jetzt wird gerne Zivilcourage gefordert. Was ist das aber für eine Zivilcourage, die rechte und linke Gruppen aufeinander hetzt und Polizisten als Prügelknaben ausliefert und Steuergelder verschwendet. Was alle vergessen, ist, niemand kommt als Nazi auf die Welt. Kinder sind absolut unvoreingenommen. Wenn sie später gewaltbereit sind, suchen wir den Fehler im Elternhaus. Da liegt er aber nicht allein. Geformt werden die Kinder vor allem in Kindergarten und Schule, also von gesellschaftlich vorgegebenen Rahmenbedingungen. Wenn Kinder gesellschaftlich ausgegrenzt werden, indem man zulässt, dass sie an der Armutsgrenze leben, muss man sich nicht wundern, wenn sie keine wertvollen Mitglieder der Gesellschaft werden. Man schafft diesen Kindern keine Zukunftsperspektive, indem man ihnen die Lüge vom Fachkräftemangel vorbetet. Das, was sie sehen wenn sie groß sind, ist, dass es keine sinnvolle Tätigkeit für sie gibt und jetzt noch Ausländer dazukommen, mit denen sie konkurrieren müssen. Wen wundert es, wenn Schikanen einer Behörde, die über die Gewährung von Sozialleistungen entscheidet, ob ein Kind zur Klassenfahrt kann oder nicht, einen Menschen prägen. Das, was der Heranwachsende hier lernt, ist ganz bestimmt nicht Dankbarkeit. Niemand kommt als „Glatze“ auf die Welt und Zivilcourage gegen sie läuft in die falsche Richtung. Wenn Zivilcourage nötig ist, dann dafür, dass es das Wort „unterprivilegiert“ nicht mehr gibt. Jeder soll die gleichen Chancen haben, auch Afrikaner. Es gibt keine zwei Klassen. Dass sie entstanden sind, ist Politik. Wenn es also einen Konflikt gibt, dann nicht zwischen Rechts und Links, oder Moslem und Christ, sondern zwischen Bürger und Politik.

Mit freundlichen Grüßen
Andreas Teichmann


3. Leserbrief

zu Jens Berger; Debatte #Chemnitz

Für saubere Begriffsnutzung, gegen Selbstgerechtigkeit

An den Beginn der Diskussion sollte die begriffliche Klarstellung gehören, dass Rassismus und Fremdenfurcht zwei GRUNDLEGEND VERSCHIEDENE Dinge sind. Rassismus ist, wie selbst ein kurzer Blick in Wikipedia zeigt, die Überzeugung von der Überlegenheit der eigenen Rasse. Es ist eine DOMINANZ-Einstellung, ein ideologisches Wertungssystem. Was wir derzeit finden, ist das Gegenteil, nämlich Fremdenfurcht, eine DEFENSIVE Abwehrreaktion. Furcht vor Fremdem – das können auch Menschen sein – ist ein in allen Wirbeltieren vorfindlicher wichtiger Reflex zum Schutz der eigenen Identität oder der eigenen Gruppe. Jeder hat ihn, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß. Das kann, in die Ecke gedrängt (oder sich so fühlend), auch zu aggressiven Reaktionen führen. Wer bei uns gegen Fremde ist, hat typischerweise nichts gegen Fremde als solche, sondern nur gegen Fremde HIER. Diesen Unterschied zu erkennen ist zentral. „Deutschland den Deutschen“ ist, so unangenehm er gegrölt wird, ein letztlich defensiver Spruch. „Ich bin nicht Rassist, aber diese Leute machen mir Angst“, man muss nur richtig zuhören.

Gegen Selbstschutz-Ängste kann man nicht mit Beschimpfung angehen Wer die Leute in ihrer Angst als „Pack“ (Gabriel), „Dunkeldeutschland“ (Gauck) oder „verachtenswert“ (Berger) verunglimpft, wir sind die moralisch Guten, die anderen verachtenswert, verstärkt nur die Angst der Betroffenen und treibt sie in die Arme derer, die sie zu verstehen scheinen, von AfD bis Rechtsaußen. Je mehr diese Leute als moralisch minderwertig niedergemacht werden, je weniger sie sich von ihrem Staat geschützt fühlen, desto größer wird die Zahl der AfD-Wähler und die Toleranz für Rechtsaußen, auch wenn man die Gewalt nicht für gut heißt.

Prof. Andreas Elepfandt


4. Leserbrief

Liebe Nachdenkseiten,

Das Thema des Rechtsradikalismus und der Ausländerfeindlichkeit kocht wieder hoch. Ich habe den Artikel von Jens Berger gelesen und kann seine Argumente nachvollziehen. Doch das eine schließt doch das andere nicht aus und natürlich hat jeder Bürger eine Verantwortung, auch wenn ihn die Politik noch so schlecht behandelt.

Die Tendenz zum Fremdenhass wird in der Kindheit angelegt und schlummert solange,  wie es dem Menschen einigermaßen gut geht. Deshalb halte ich eine andere Politik  für unabdingbar, denn man kann diese Tendenzen im nachhinein nicht mehr ändern. Es ist aber auch eine Neigung ganz allgemein im Menschen,  den Lautesten und Mächtigsten hinterherzurennen. Genau diejenigen, die da stehen und meinen: ich habe ja eigentlich nichts gegen Ausländer und ich bin ja gar kein Nazi, die sind es, die zu den Rechten überlaufen, sobald sie das Gefühl haben, dass diese (AFD, Rechte)  jetzt das Sagen und die Macht haben. So war es auch im Dritten Reich. Viele waren anfangs einfach unkritische Mitläufer, die einfach unzufrieden waren und das hat die Nazis mit an die Macht gebracht.

Darum finde ich schon , dass man ein  lautes „ Nein“  sagen muß zu diesen Tendenzen, denn dann wissen diese vermeintlich noch neutralen und nur besorgten Bürger, dass es einfach ein No Go ist, mit Nazis zu demonstrieren.

Ein Konzert gegen rechts löst keine Probleme und es reicht bei weitem nicht aus, aber trotzdem muß auch das sein. Ich kann nur immer wieder auf Arno Gruen verweisen, der dieses Thema ausführlich bearbeitet und erforscht hat.
 
Zum Thema Bürgerbeschimpfung möchte ich noch sagen: was Herrn Mass angeht, so stimme ich zu. Man kann nur den Kopf schütteln über so viel „Feingefühl“ und Ignoranz. Aber Herr Thierse war bei Anne Will in meinen Augen sehr ausgewogen und wohltuend. Vielleicht ist er nicht intensiv genug auf die falsche Politik der letzten 2 Jahrzehnte eingegangen. Er hat aber sehr wohl die speziellen Probleme im Osten angesprochen und von Bürgerbeschimpfung kann in seinem Fall keine Rede sein.
 
Ich bin auch nicht einverstanden mit dem ewigen Thematisieren (durch die Medien)  von Merkels berühmten Satz.“ Wir schaffen das.“ Dieser eine Satz kann doch nicht das Problem sein, auch wenn er zweifellos eine negative psychologische Wirkung hatte.

Ja, Merkel macht eine knallharte Flüchtlingspolitik, schon vor 2015 und erst recht danach. Aber die Situation 2015 war so katastrophal, dass ich und viele andere sehr froh waren, dass zu diesem Zeitpunkt die Grenzen geöffnet wurden. Es war eine Ausnahmesituation und von da her fast ein Notfall, die Lage war unerträglich und daher war das Handeln von Frau Merkel zu diesem Zeitpunkt in meinen Augen gerechtfertig.  Ich bin  absolut kein Merkelfan ,  und ich glaube auch, dass sie es nur deshalb gewagt hatte, weil die deutsche Wirtschaft hinter ihr stand. Aber ich verstehe nicht, dass diejenigen, die damals  erleichtert waren, dass die Grenzen geöffnet wurden,  heute  sagen, das war Merkels größter Fehler.

Der größte Fehler war, dass danach keine konsequente und  langfristige Politik gefolgt ist, die diese Probleme, die wir jetzt haben, verhindert hätte.  Leider wird dies nicht  so schnell geschehen und wahrscheinlich gar nicht, deshalb müssen alle und jeder Einzelne, Verantwortung tragen und ein klares Nein zu  Rechtsextremismus und zu Fremdenfeindlichkeit sagen, auch wenn man den Frust der Ostdeutschen und der  Sachsen  noch so gut versteht.  

Das Thema ist sehr komplex und vielschichtig und es gibt keine einfache Lösung. Deshalb diese lange Mail.

Mit freundlichen Grüßen und mit Dankbarkeit für Ihre unermüdliche Aufklärung,
Maria McCray


5. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Berger,

vielen Dank für ihren klaren Worte und die Kritik an den „Salon-Linken“. Lange dachte ich auch mit sozioökonomischen Schieflagen politisches Gedankengut erklären zu können. Doch was Sie sich ansehen sollten ist diese Studie aus dem SOEP. Das ist ein hervorragend geführtes Panel aus allen Statuslagen, und aus diesem kommt nun folgendes heraus: Titel: „AfD-Unterstützer sind nicht abgehängt, sondern ausländerfeindlich.“ […] „Dieser Artikel untersucht mit Daten des SOEP 2016 (n=24.339) das von Holger Lengfeld gefundene Ergebnis, wonach Unterstützung für die AfD nicht mit niedrigen Statuslagen zu erklären ist. […] AFD-Unterstützer kommen somit aus allen gesellschaftlichen Schichten und Milieus und unterscheiden sich fast ausschließlich durch ihre Einstellungen zu Flüchtlingen und Zuwanderung.“

Das ist irritierend, weil das Status-Syndrom (Michael Marmot) so eine schöne Erklärung abgibt, hier müssen wir wohl komplizierter denken. Oder ich werde zu kompliziert, das ist für mich noch nicht entschieden.

Vielleicht finden Sie ja Zeit dieses paper anzusehen, und es werden dadurch noch bessere Ansätze gegen den Rechtsruck (der ja eigentlich schon da ist, sich nur an der Urne noch nicht zeigt, vgl. hier) verhindert werden kann.

Ich bin selbst ein suchender, derzeit ohne Antwort, bis auf die Idee den Kapitalismus aufzuheben.

Beste Grüße aus Linz
Martin Scheuringer


Re: Chemnitz: Bürger-Beschimpfung durch die SPD geht weiter

6. Leserbrief

Liebe Nachdenkseiten,
 
zugegeben, ich bin jemand, der nicht gerade unkritisch vielen Ihrer Beiträge gegenübersteht. Daher mag meine Kritik jetzt ein wenig überzogen klingen. Doch wenn das, was Herr Riegert in seinem Beitrag heute von Heiko Maas zitiert, bereits Bürgerbeschimpfung darstellen soll, dann bin ich auch einer dieser oberflächlichen Linken, die ihr so harsch kritisiert.

Was überhaupt sagt denn Maas eigentlich mit “Da müssen wir dann auch mal vom Sofa hochkommen und den Mund aufmachen. Die Jahre des diskursiven Wachkomas müssen ein Ende haben”? An wen richtet er sich? Wen oder was hat er im Blick? Und wo steckt da überhaupt die Beleidigung?

Für mich ist es klar, was Maas hier formuliert: den “kleinsten gemeinsamen Nenner der Linken”, so würde es Jens Berger formulieren. Und pardon, wenn ich hier so harsch bin, aber wer sich von solchen Aussagen angegriffen fühlt, hat entweder die Füße unter dem Boden verloren oder steckt schon mitten drin im blau-braunen Sumpf. Oder noch böswilliger: Er will manipulieren, indem er Aussage und Botschaft bewusst in verzerrender Weise verbreitet. Ich kenne nämlich solche Kurzschlüsse in diversen anderen Diskussionen. Zu letzt bei MeTwo, wo die Kritik am Alltagsrassimsus in Deutschland als “Deutschland ist Rassistisch” fehlinterpretiert wurde. Eine Seite, die sich dem Nachdenken verschrieben hat, sollte dem vielleicht ein bisschen widmen, bevor sie sich wieder dem instinktiven SPD- und Mainstreambashing hingibt. Ihre Botschaft, dass wir bitte gefälligst die sozioökonomischen Situation mal analysieren sollten, werden sie auf diese Weise jedenfalls nicht an den Mann bringen. 
 
Noch eine Anmerkung zur Verantwortung des Einzelnen: Wer Bürger als mündige Menschen ansehen will – eine Voraussetzung, um mit ihnen von Auge zu Auge zu diskutieren – muss sie auch für ihre Entscheidungen verantwortlich machen können und sie dafür kritisieren dürfen. Ferner gilt, dass der Staat so viel ins Gemeinwesen investieren kann, wie er will. Von Wohlstand allein verschwinden keine rechtsextremistischen Strukturen oder rassistisches Gedankengut in der Gesellschaft. Da benötigt es tatsächliches zivilstaatliches Engagement, das letztendlich aus der Summe von einzelnen ergibt. Klar, kann auch hier der Staat die Muskeln spielen lassen, aber ohne Bürgerschaft, die das auch will, halte ich Hopfen und Malz weiterhin für verloren.
 
beste Grüße, 
T.H. 


7. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Riegel,

danke für diesen Artikel. Auch jenen „Sachsenversteher“ Beitrag von Herrn Berger fand ich hervorragend. Nach dem ich nun seit mehreren Tagen Sendungen etwa auf „HR Info“, ZDF und ARD und ähnlicher Sender sehe und höre, die sich um den eigentlichen Vorfall, der den Auslöser für die „Chemnitzer Krawalle“ darstellte, in der Analyse nicht wirklich oder nur am Rande kümmern, freue ich mich um jeden Gedanken, der mehr Substanz hat, als einfach nur „Gegen Rechts“ zu sein.

Hört man heute den „Spitzen-“ (nicht nur) SPD Politikern zu, welche sich immer wieder zu Worte melden, meint man, sie lebten in einem gesonderten Universum. Anders ist es mir nicht zu erklären, dass diese und auch die ihnen nahen Medienanstalten im ständig gleichen Reflex Beiträge leisten, die Wähler verprellen und als ganz klarer Versuch bestenfalls einer Ablenkung, schlimmstenfalls Indoktrination, klar zu erkennen sind.

„Gegen Rechts“ zu sein ist ja als private Haltung ganz hübsch. Tragfähig und für mich als Wähler entscheidend ist allerdings, zu was sich jemand bekennt. Ausformuliert, greifbar, notfalls einklagbar (hiermit ist nicht der Gerichtsweg gemeint).

Statt dessen erlebt man eine völlig widersinnig gestaltete Politik, die nur den Mächtigen nutzt. Sich berauschend an Nebenthemen, in oft infantiler Weise. Entscheidende Fragen werden ausgelassen oder so oberflächlich angegangen, dass sie als nicht beantwortet gelten müssen. Wer weiter fragt den versucht man, etwa durch das Netzwerkdurchsetzungsgesetz, mundtot zu machen. Und hier ist es dann völlig egal, wo der dann steht: links, rechts oder mitten drin. Ich denke es ist dieses Verhalten, das Menschen aufbringt. Auch die sogenannten „Abgehängten“, oder im Klartext die dumme Masse, begreifen, wenn sie verschaukelt werden.

Danke noch einmal und freundliche Grüße
Ralph Möller-Domke


8. Leserbrief

Liebe Nachdenkseiten-Redaktion,

in diesem Artikel steht ein Satz, den ich bis eben genauso dachte. Sinngemäß sagt er aus, dass wir die SPD für Veränderungen brauchen.

Da hatte ich einen Out-of-the-Box Gedanken (also außerhakb des aktuellen Systems/Settings).

Was wäre, wenn die SPD auf 7-8 Prozent schrumpfte und so klein würde, dass sie eben nur noch Beiwerk ist? Analog erginge es dem PS in Frankreich und der PvdA in den Niederlanden. Könnte man nicht dieses Szenario verbunden mit einer Sammlung denken, um endlich Politik jenseites der neoliberalen H-IV und Sanktions Sozialdemokratie zu machen?

Nicht, dass ich dieses Szenario aktiv anstrebe, aber ich möchte mich aus5 der grauseligen Fixierung und die damit einhergehende psyscho-pathologische Bezogenheit auf die SPD lösen und einen neuen positiven Aufbruch finden.

Ist nicht das die große Chance von #aufstehen und fürchtet die SPD nicht deshalb zurecht den Erfolg dieser Bewegung?

Viele Grüße und Vergnügen beim Nachdenken.

J. N.


9. Leserbrief

Zuerst machten die Parteien eine Politik bei der die Bürger das Interresse verloren weil es egal war wen man wählte, es gab ohnehin nur das gleiche Ergebnis und die Parteien waren froh wenn sie iin Ruhe gelassen wurden. Jetzt läuft die Situation aus dem Ruder und aus Politikverdrossenheit wird eine Mischung aus Protest und Extremismus. Nun werden die Leute beschimpft deren Meinung zur Politik vorher unerwünscht war.

Uwe Schwinn


10. Leserbrief

Liebe NDS-Redaktion,
den sozialen Frieden im Land wahrt man nicht durch wohlfeile Appelle, sondern durch einen umfassend ausgebauten Sozialstaat. Es waren aber Teile der SPD und Grünen (Schröder/Fischer), die das als Fehlentwicklung betrachteten. Sie bauten den Sozialstaat massiv zurück, setzten damit die Menschen in Konkurrenz zueinander und schufen somit die Grundlage für die feindlichen Stimmungen, die sie nun allseits beklagen. Die Herren Maas und Thierse sollten vielleicht nochmal einen Blick ins Godesberger Programm (zu Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität) werfen.

LG Michael Wrazidlo


11. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Riegel,
 
ich möchte Ihrem o.g. Artikel widersprechen.

Eigentlich schauen mein Mann und ich uns keine Talkshows mehr an, aber gestern Abend stießen wir beim Durchzappen auf Anne Wills Talkshow. Da wir das Gefühl hatten, dass da einigermaßen vernünftige Leute saßen, blieben wir dabei.

Und wir fanden, dass sich das, was Wolfgang Thierse sagte, angenehm von dem üblichen Gefasel abhob.

Und natürlich muss ich als “normaler” Bürger wissen, dass ich mich nicht einer Pegidfa-, AfD- oder ProSachsen-Demo anschließen darf!

Und den Vorschlag, als Bürger im Gespräch mit anderen die politische Situation anzusprechen, führe ich schon lange aus.

Und Herr Thierse machte auch darauf aufmerksam, dass es im Grunde nicht nur um Flüchtlinge geht, sondern um die unsichere soziale Lage.

Wo also war da das Problem?
 
Viele Grüße
Brigitte Schultz

Replik: Tobias Riegel

Sehr geehrte Frau Schultz,

Ich danke Ihnen für Ihren Brief. Ich bin allerdings anderer Ansicht. Etwa die Hinweise von Somuncu auf die sozialen Vorbedingungen der Demonstrationen in Chemnitz wurden von Thierse vehement vom Tisch gewischt. Er hat das dann noch relativiert. Aber mit echter Verve hat er den Punkt von der Selbstverantwortung des einzelnen Bürgers vertreten. 

Für mich ist es auch selbstverständlich, dass man nicht mit Pegida demonstriert – egal, was einem widerfahren ist. Wenn man sich aber um die Menschen bemühen möchte, die sich zu dieser Gruppe verirrt haben (und das sollte die SPD!), dann sollte man sich Lektionen wie jene von Maas oder Thierse verkneifen. Dazu kommt der Aspekt der Heuchelei, den Thierse und Maas als Vertreter der Hartz-IV-Partei erfüllen.

Viele Grüße, Tobias Riegel

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