Leserbriefe zu den verschiedenen Lateinamerika-Artikeln der letzten Zeit

Ein Artikel von:

Die Beiträge:

  1. Bolivien in den Medien: Der Putsch, der kein Putsch sein darf
  2. Bolivien – Nach Staatsstreich, Exil von Evo Morales und Selbsternennung der neuen Präsidentin erhebt sich Widerstand gegen rechtsextremen Terror
  3. Bolivien – Der Putsch und die Involvierung des Bolsonaro-Regimes als “Stellvertreter” der USA
  4. Adios, Bolivien
  5. “Wir wollen nicht ein Chile für wenige. Wir wollen ein Chile, das allen gehört!” Das sagten chilenische Nationalspieler.

fanden eine rege Resonanz, welche wir hier nun wiedergeben. Zusammengestellt von Moritz Müller.

1. Leserbrief

Sehr geehrte liebe NachDenkSeiten!

Nun also Bolivien.

Ein progressives lateinamerikanisches Land nach dem anderen fällt rechts-reaktionären bis offen protofaschistischen Putschen zum Opfer; die Demokratie ist nichts mehr wert; der Volkswille wird von einem geifernden kapitalistischen Minderheiten-Mob zu Tode gebracht.

Gestern noch wurden Neuwahlen angekündigt, heute der Rücktritt von Morales.

Das Widerlichste dabei ist – wieder einmal – das Verhalten der deutschen Mainstream-Medien, insbesondere des ÖRR.

Vor allem der Deutschlandfunk tut (wieder) so, als wären die Putschisten irgendwie demokratisch legitimierte „Oppositionelle“. Man hört regelrecht die Freude und Häme heraus, daß sozusagen die „bürgerlichen Demokraten“ jetzt aufräumen mit der „linkssozialistischen Zerstörung“ des Landes.

Von Unregelmäßigkeiten bei den Wahlen ist die Rede; Hetzer kommen zu Wort, die die Neu-Kandidatur von Präsident Morales und seines Stellvertreters um jeden Preis verhindern wollen – heißt: Nach dem Modell Lula.

Dazu paßt auch die pausenlose durchgängige Delegitimierung der DDR und ihre Darstellung als anachronistisches Höllenloch in sämtlichen BRD-Medien. Delegitimiert wird damit nicht nur ein differenziertes Geschichtsbewußtsein, sondern auch das Nachdenken über künftige Alternativen zur inhumanen neoliberalen Raub-Gesellschaft.

Man sollte sich zum Vergleich vor Augen halten, wie selbige Medien die (Fundamental-)Oppositionellen in Frankreich oder Katalonien betiteln, die 5-Sterne-Bewegung oder Syriza.

Der Medienmainstream paktiert offen mit den rechtsreaktionären Kräften und unterstützt die Interessen der Imperialistenklasse. Was haben die eigentlich alle gegen die AfD? Eigentlich gar nichts.

Dazu paßt auch, daß selbiger Dlf einem „Demokraten“ wie Hans-Georg Maaßen von der rechtsreaktionären „Werte-Union“ schon wieder große Plätze für Interviews einräumt, in denen er „den Bolschewismus“ in Thüringen beschwören kann und „alle Mittel“ fordert, um das zu verhindern oder zu rollbacken – auch das Opfern der Demokratie an Höcke & Co. Warum erinnert mich das bloß so fatal an das Verhalten der CDU-Vorgänger DNVP und Zentrum in der Causa Papen bzw. Hitler? Wieviel ANGST müssen diese Kapitalisten vor dem bißchen weichgespülten Versuch von ein bißchen sozialer Gerechtigkeit (oder zumindest Tünche) à la Ramelow oder Morales haben?

Aber wir haben ja keine anderen Probleme als Kunststoffkugelschreiber durch solche aus Sojafasern zu ersetzen, weil die ja soooo „nachhaltig“ und „umweltfreundlich“ sind.

Es geht bergab.

Herzlichst,
Ihr Matthias Jehsert


2. Leserbrief

Liebe Nachdenkseiten-Macher,

Je mehr das Kapital Gesellschaften und Staaten unter seine Logik zwingt, desto einfacher werden Prognosen. Als ich vor einiger Zeit von den enormen Lithium-Vorkommen in Bolivien las und vom Widerstand gegen deren Ausbeutung, da war mir klar, dass ziemlich bald mit einer “demokratischen Opposition” gegen den linken Präsidenten zu rechnen sei. Die Journaille wird keine Mühe haben, ihrer Glaubensgemeinschaft den Blick darauf zu vernebeln und die Außenminister-Attrappe in Berlin wird das ihrige tun. Für die Bevölkerungen machtloser Länder sind begehrte Bodenschätze ein Fluch. In dieser Überschrift der “Deutsche Wirtschaftsnachrichten” vom 11.11.2019 sind sämtliche westlichen Werte (= Dollar, Euro und Yen) aufgehoben: “Nach Morales-Sturz: Lithium-Projekt mit Deutschland könnte wieder aufgenommen werden”.

Viele Grüße
Hagen Kühn


3. Leserbrief

Guten Morgen Redaktion!

Ich hatte einer guten Freundin den obigen Artikel von Frederico Füllgraf weitergeleitet, da sie familiäre Verbindungen nach Bolivien hat. Dieslöste bei Ihr eine von mir nicht erwartete Reaktion aus. Sie bezeichnet den Artikel als schlecht recherchiert und regt sich mächtig auf. Deshalb möchte ich ihre Reaktion an Sie weiterleiten:

“Ich antworte so ausführlich, weil mich das, was da steht absolut schockiert, denn es entspricht wirklich ganz und gar nicht dem, was wirseit Jahren von unseren bolivianischen Freunden hören (die auch aus verschiedenen Schichten kommen) und dem, was wir auf unseren Reisen dort erlebt haben. Das hier spiegelt deutlich besser wieder, was wir von den Freunden und auch mein Vater von den Protestanten jetzt aktuell hören:

sueddeutsche.de/politik/bolivien-morales-ruecktritt-1.4675491

Die Bolivianer sind durch alle Schichten politisch interessiert, was sehr schön ist. Und Morales-Gegner sind nicht automatisch USA-Freunde, die man in Bolivien sowieso eher vergeblich sucht. Es gab leider gerade früher viele Beispiele dafür, dass die USA in Bolivien auf vielfältige Weise eingegriffen und manipuliert haben. Andere Länder weltweit, von Frankreich bis China, wollen an die wenigen Bodenschätze, die Bolivien zum Glück noch nicht ausverkauft hat… doch diesmal haben ausländische Mächte mal nichts mit den Entwicklungen zu tun, sondern das demokratische Verständnis der Bolivianer.

Ich finde es gefährlich, wenn so eine Propaganda rumgeht, die scheinbar schlecht recherchiert ist und auf Vermutungen basiert. Dass dort einfach angenommen wird, die Wahl(auszählung) sei mit rechten Dingen zugegangen, obwohl es viele unterschiedliche Quellen dafür gibt, dass dies eben nicht der Fall war, finde ich schon sehr krass und vor allem einseitig. Die einzige Quelle, die behauptet die Wahl sei korrekt gelaufen ist das Lager Morales’, und Journalisten lernen, immer mindestens zwei unabhängige Quellen zu suchen.

Das Volk hat schon einmal gegen Morales’ Wiederwahl gestimmt, weil es die Verfassung ernst nimmt, doch er hat diesen Willen des Volkes ignoriert. Nun haben sie wiederholt gezeigt, dass sie ihn nicht mehr unterstützen. Ich finde es wie ein Hohn, diesem Volk so die Mündigkeit über ihre eigene Regierung abzusprechen, indem man haltlos eine Verschwörung vermutet und das dann als vermeintlichen Journalismus darstellt.”

Ihr Vater schreibt:

“Einen schönen guten Morgen

Auf Bitten der Bevölkerung und der Polizei hat das Militär eingegriffen, um die Horden zurückzudrängen. Es wurde auch Zeit, denn diese Masistas haben in La Paz gewütet, zerstört, gebrandschatzt und geplündert. Die Busse “Puma Katarina” wurden verbrannt, so wie die Ceibo Schokoladenfabrik. Das Haus von einer Klassenkameradin wurde auch angegriffen mit Steinen.

Evo ist jetzt auf dem Weg nach México samt Linera und einigen Gefolgsleuten.

Jetzt ist wohl der Weg frei, damit ein neuer Präsident ernannt werden kann. Es ist sehr wahrscheinlich, dass es eine Frau wird.

Wir hatten hier sehr viel Glück, die Horden waren schon zwischen Sacaba und Cochabamba. Uns geht es Gut!”

Kommentar von ihr:

“Das mit El Ceibo ist so ein typisches Beispiel dafür, dass es den Anhängern Morales’ nicht um sozial(istisch)e Werte ging, sondern um Krawall und Machterhalt… damit haben sie nämlich eine genossenschaflich aufgebaute Fairtrade-Schokoladenfabrik bis auf die Grundmauern niedergebrannt.”

Da ich selbst keinen Einblick in die Situation und die Verhältnisse vor Ort habe, kann ich obiges nicht beurteilen, halte es aber für sinnvoll, es Sie wissen zu lassen. Vielleicht trägt es dazu bei, weitere Berichterstattung noch besser zu hinterfragen bzw. aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten.

Ansonsten: weiter so!

Viele Grüße,
O. Schmoldt


4. Leserbrief

Liebe NDS-ler,

zu dem Zitat:

“erfährt er von einem Militär mit Verbindungen zum Geheimdienst, dass den Uniformierten von nicht näher genannten Auftraggebern 50.000 Dollar für seine Ermordung und Auslieferung angeboten worden waren.”

fallen mir spontan die kriminellen Methoden der USA, speziell der CIA ein.

Natürlich ist ein Evo Morales weiterhin eine Gefahr für die Putschisten und deren Hintermännern. War er doch einer der wenigen Präsidenten in Südamerika, der die Armut in Bolivien signifikant verringert hat und der dadurch bedingt einen großen Zuspruch bei den kleinen Leuten hat. Denen wird es unter einem neuen Regime höchstwahrscheinlich wieder erheblich schlechter gehen.

Auf jeden Fall gehe ich davon aus, dass die USA wieder ihre dreckigen Finger in dem Putsch haben. Sie sind seit einiger Zeit wieder dabei die Regierungen in ihren Hinterhof (Südamerika) mit ihren Marionetten zu bestücken, um zu gewährleisten, dass die US-Konzerne die Rohstoffe ungebremst weiter plündern können.

Ich denke die nächste “Baustelle” der USA/CIA wird dann wohl Argentinien werden. Es kann einem nur noch schlecht werden ob so viel Schlechtigkeit und schwerstkriminellen Untaten.

Sollte ich noch den Tag erleben an dem die westliche Eliten (speziell aus den USA!!!) aus Politik, Wirtschaft und Medien auf ihr Normalmaß zurückgestutzt werden, werde ich die größte Party meines Lebens feiern. Allerdings glaube ich leider nicht mehr daran, dass dies passiert. Der Neoliberalismus der Plutokraten mit seinen Handlangern hat im Westen wie eine Krake alles fest im Griff. Es ist nur noch widerlich.

Vielen Dank für Ihre unermüdliche Aufklärungsarbeit!

Herzlichen Dank,
Ihre Dagmar Doll


5. Leserbrief

Werte NDS-Redaktion,

die Vorgänge in Bolivien und deren Behandlung unserer doch sonst so völkerrechtlich sensiblen Regierungs-, Wirtschaft- und Medienkreise drehen einem mal wieder den Magen rum. Der heutige Artikel behandelt zwar die aktuellen, unappetitlichen Geschehnisse dort, auf einen besonders widerlichen Aspekt bin ich allerdings erst heute, dank eines Beitrags von Vijay Prashad auf Counterpunch gestoßen. Über die ehemals historisch aufgebretzelte Kolonialausbeutung des Landes wird detailliert berichtet. Das „Involvement“ von China in jüngerer Zeit muß Transatlantik wohl besonders vergrätzt haben.  Nicht nur mir dürfte allerdings die direkte Einmischung von Tesla in die Lithium-Versorgungskämpfe in Bolivien neu sein. 

Wie heißt es dann so schön: “After the coup, Tesla’s stock rose astronomically.“  Und nicht nur das, gleichzeitig kündete Tesla stolz vom Bau einer großen neuen Produktionsstätte.

Und wo soll die hin? Genau: in Berlin! Ein Zufall? Ganz bestimmt!

Beste Grüße
Michael Kohle


6. Leserbrief

Liebe Nachdenkseiten-Macher,

ich muss jetzt verstärkt an meine Zeit in Bolivien denken. Ich war Anfang der 70er für 3 Jahre Entwicklungshelfer in dem Land. Den Putsch von Hugo Banzer gegen General Torres habe ich von den ersten Schüssen in Santa Cruz miterlebt.

In Bolivien wurde zu der Zeit in vielen Wirtschafts- und Handelshäuser Deutsch gesprochen und es war sehr schnell klar, dass hinter Banzer vor allem, starke, Deutsche und Deutsch-stämmige Kräfte standen.

Ich könnte mir gut vorstellen, dass das heute nicht viel besser ist.

Könnte man mal darüber nachdenken – dann ist die Reaktion UNSERER Regierung vielleicht besser zu verstehen.

Vielen Dank an Euere Arbeit und Herzliche Grüße
Bruno Schwarz


7. Leserbrief

Liebes Nachdenkseitenteam,

Morgen kommt eine interessante Sendung um 17.40 in Arte.

(Anm. MM Hier)

Dabei geht’s um die Lithium-Vorräte  in Bolivien.

Wenn das kein Grund ist zum Regierungschange (durch die Amerikaner?!!!).

Liebe Grüße
Klaus Badt


8. Leserbrief

Guten Tag, mit großem Interesse hab ich den Artikel von Füllgraf gelesen. Gut recherchiert.

Bolivien ist ja weit weg von euch, die ihr in Europa lebt. Hier bei uns in Costa Rica sind alle in großer Aufregung, Anhänger und Gegner von Evo Morales gleichermaßen. Es wird viel diskutiert, Informationen ausgetauscht.

Die von einem Militär ! mit Präsidentenschärpe dekorierte neue Präsidentin Boliviens sagte vor einiger Zeit:

“Ich träume von einem Bolivien, frei von satanischen indianischen Riten, die Stadt ist nicht für Indianer, sollen sie doch abhauen zum Altiplano und zum Chaco.”

In ihrer ersten Rede hält sie eine Bibel in der Hand.

Bisher habe ich in den nationalen und internationalen Medien, außer in BBC auf spanisch! nicht auf englisch,  nichts darüber gelesen, daß die Putschisten Pfingstsektenanhänger sind, Fans von Brasiliens Präsidenten Bolsonaro, daß einer ihrer Hauptdrahtzieher (Camacho, der versprochen hat, daß nun endlich wieder Gott /Jesus im Präsidentenpalast herrschen würde. )  aus den Panamá Papers bekannt sein müßte. Von TAZ bis FAZ, Spiegel, NYT alle verbreiten die selbe Version : kein Putsch wars.

In Deutschland dürften einige Leute erleichtert sein. Ein interessantes Detail: Kurz vorm Putsch hatte Morales den Vertrag mit Deutschland (Rechte an 51% des Lithiums in Bolivien) gekündigt. (spiegel.de/wirtschaft/soziales/lithium-projekt-in-bolivien-geplatzt-bundesregierung-irritiert-a-1295249.html)

Saludos
Ursula Hockauf


9. Leserbrief

Sehr geehrte Redaktion,

in dem Artikel von Frederico Füllgraf finden sich neben interessanten Informationen einige, wie ich meine Ungenauigkeiten, die es wert wären zu klären. Einiges entspricht jedenfalls nicht in Details den in anderen mir vertrauenswürdig erscheinenden Publikationen und auch auf den nachdenkseiten zitierten genannten Fakten. Beispielsweise ist TREP das Verfahren der Schnellauszählung aber nicht der Name des “Obersten Wahlgerichts”. Auch wird nicht eindeutig zwischen dem vorläufigen Schnellauszählungsverfahren und dem offiziellen Endergebnis unterschieden.

Um in Diskussionen zu bestehen, bedarf es widerspruchsfreier Fakten.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr
Walther Koehler


10. Leserbrief

Sehr geehrte Macher der Nachdenkseiten,

ich habe mir diese Frage schon oft in Bezug auf den Syrien-Konflikt gestellt, aber heute las ich folgende Schlagzeile und dachte jetzt muss ich doch mal nachhaken: 

Zitat:

Ex-Machthaber Morales aus dem Exil

“Ich bin weiterhin Präsident von Bolivien”

m.spiegel.de/politik/ausland/evo-morales-ich-bin-weiterhin-praesident-von-bolivien-a-1296381.html

Seit wann ist der bolivianische Präsident denn nun ein „Machthaber“?

In Bezug auf Assad habe ich mich oft gefragt wann dieses „wording“ begonnen hatte, aber es lag zu weit in der Vergangenheit als dass ich mich erinnern könnte. Was ist mit Gaddafi? Saddam Hussein?

Dieser Umschwung in der Sprache ist einerseits übel, andererseits hat er doch auch was Gutes. 

Was Gutes? Ja, ich denke das ist doch ein eindeutiger Beleg für die NATO-Konformität gewisser Medien. Und zudem müsste man das doch ziemlich genau nachforschen können, wann das jeweils eingeführt wurde. Ist doch alles (hoffentlich) online nachvollziehbar.

Ich möchte anregen, das mal zu recherchieren, vielleicht auch einfach über Google Trends o.ä. 

Ich würde mich freuen wenn ich Ihr Interesse geweckt hätte, ansonsten: „Weiter so!“ mit ihrer wichtigen und guten Arbeit.

Freundliche Grüße
J. C. 


11. Leserbrief

Wertes Team der Nachdenkseiten!

Danke für die drei aufschlussreichen Beiträge, über die Hintergründe zum Putsch in Bolivien. Welcher nach Meinung unserer Leitmedien, kein Putsch gewesen ist! Angesichts der anhaltenden – mittlerweile seit Jahren – stattfindenden Faktenunterschlagung und -verdrehung, der verkürzenden Darstellung von Sachverhalten in unseren Leitmedien, einer seit Jahren auf sozialen Kahlschlag ausgerichteten Politik zum Wohl einer elitären Minderheit, ist es für mich nur noch beschämend Bürger eines solchen Staates zu sein. Mit Blick auf Bolivien und das was dort geschah, ist es unfassbar wie unsere Medien und die Regierung damit umgehen. Noch viel Schlimmer ist die katastrophal einseitige Berichterstattung der Medien zu dem Thema. Was hier abläuft ist eine bewusste Täuschung und Verdummung der Bürger. Wissen diese Personen in den Redaktionen überhaupt noch, wem sie da zuarbeiten? Ist diesem elitären Kreis von Meinungsmachern die Faktenlage überhaupt bekannt oder gehört es mittlerweile zur abgehobenen Weltsicht in diesen Kreisen, nicht passende Fakten einfach auszublenden?

Bei solch abgehobener Haltung – gegenüber einer ausgewogenen Berichterstattung – muß man sich auch nicht wundern, wenn von diesen Medien nichts zum Umgang mit Julien Assange publiziert wird. Ist den Medienleuten klar was es für sie als “4 Gewalt” bedeutet, sollte Assange verurteilt werden?? Zur Zeit der DDR war ich ja einiges an Meinungsmache gewöhnt, aber dass was aktuell hier abläuft, unverblümte Kriegshetze gegen Russland und China, tägliche Selbstbeweihräucherung und Systemklitterung, Faktenleugnung und – verdrehung, verkürzte Darstellung von Abläufen, an den Pranger stellen von Personen welche sich gegen den Mainstream der Meinungsmacher stellen. Ich weiß nicht wie man das anders benennen soll, als Diktatur! Wir leben in einer Diktatur des Kapitals, welche in unser Denken eine Matrix von Demokratie suggeriert hat.

Mit einem unguten Gefühl, für die Zukunft!
Ralf Matthias, Hannover


12. Leserbrief

Hallo,

zu dem Bolivien-Artikel von Herrn Wetzel sei nur kurz angemerkt, das Max Blumenthal vor nicht langer Zeit zwei Tage lang im Gefängnis saß wegen dubioser Anschuldigungen in Bezug auf seine Berichterstattung vor der venzolanischen Botschaft in Washington.

Gruß

M. Neumann


13. Leserbrief, zum Streik der chilenischen Fussballspieler

Zu Artikel nachdenkseiten.de/?p=56413

Ein ganz großer des Fußballs war Dr. Socrates. Er hat seine Popularität auch politisch genutzt und sich gegen die damals herrschende Militärdiktatur gestellt. Heute wäre er – in unseren “demokratischen” Breitengraden – ein Populist.

Übrigens bin ich schon gespannt, wann die Kampagne gegen den mexikanischen Präsidenten losgeht. Und Portugal? Den neoliberalen Systemerhaltern muss es doch schon in den Fingern jucken.

welt.de/sport/fussball/article13750393/Als-Brasiliens-Goetter-in-Schoenheit-untergingen.html

oder

deutschlandfunk.de/brasiliens-fussballer-und-die-politik-wahlkampfhilfe-fuer.1346.de.html?dram:article_id=437089

Doch es gab in der brasilianischen Geschichte auch Spieler, die sich gegen Machthaber aussprachen: Sócrates zum Beispiel nahm während der Militärdiktatur Anfang der 1980er-Jahre an Demonstrationen und Konzerten teil, erzählt der Kulturschaffende Antônio Leal:

„Sócrates hatte bei seinem Verein Corinthians São Paulo ein System der Selbstverwaltung geprägt. Ob Spieler, Platzwart oder Funktionäre: alle konnten sich einbringen. Die Spieler dieser ‚Democracia Corinthiana‘ setzten sich für freie Wahlen ein. Anstelle von Sponsorenlogos trugen sie auf ihren Trikots Wahlaufrufe. Meine Freunde und ich waren damals Anfang zwanzig – Sócrates hat uns Mut gemacht. Leider ist er 2011 viel zu früh gestorben. Er würde sich heute bestimmt gegen Bolsonaro starkmachen.“

Sócrates gilt als Projektionsfigur gegen Rassismus

SH


14. Leserbrief, zu Kuba

Liebe Nachdenkseiten-Redaktion,

Eigentlicher Anlass dieser Mail ist allerdings ein anderer. Es wundert mich zwar nicht, dass die etablierte Presse und der öffentlich-rechtliche Rundfunk in keiner Weise über völkerrechtswidrige Sanktionen gegen Kuba berichten, aber dass das so etwas auf den Nachdenkseiten bis heute keinerlei Erwähnung gefunden hat, dass hat mich schon gewundert. Ich meine die US-amerikanisch initiierte Blockade von Erdöllieferungen auf die Insel (Quellen eher Linksaußen):

Einziger Lichtblick im Mainstream:

Soweit sonst etwas im Mainstream etwas ankommt, werden die tatsächlichen Embargo-Hintergründe unterschlagen:

In Kuba schlägt diese Blockade bis heute große Wellen. Der öffentliche Nah- und Fernverkehr ist weitläufig zum erliegen gekommen. An den Tankstellen ist der Sprit aus. Neben dem Hiobsbotschaften in Sachen Thomas Cook weitere Probleme, auch und gerade für Touristen, die die Insel bereisen. Denn was nutzt ein (in Kuba überdurchschnittlich teurer) Mietewagen, wenn man den nicht betanken kann?

Auf den Nachdenkseiten dazu bislang nichts? Soll das so sein? Zumal hier ein innerer Zusammenhang mit dem Versuch eines “regime change” in Venezuela besteht, über den ja ansonsten eher tiefgründig und häufig berichtet wird?

Mit freundlich informierenden und genauso freundlich nachfragenden Grüßen,
Stephan Heitbrink

Sehr geehrter Herr Müller,

vielen Dank! Da Thema ist nach wie vor aktuell, auch wenn in Teilen aus Havanna Entwarnung gegeben wurde. Denn trotz der Enwarnung ist die Versorgungslage mit Treibstoff nach wie vor verheerend. Mit allen daraus folgenden Konsequenzen: Die Leute können nicht zur Arbeit fahren, die Regale in den Läden bleiben leer usw.

Spiegel-Online berichtet hin und wieder:

spiegel.de/politik/ausland/kuba-und-venezuela-in-der-krise-im-gleichgewicht-des-mangels-a-1290553.html

Und manchmal auchn die Tagesschau (allerdings mit Fokus “böses Venezuela”):

tagesschau.de/ausland/oelkrise-venezuela-101.html

Es geht in den USA natürlich auch schon wieder weiter:

kubakunde.de/neues/weitere-us-sanktionen-gegen-kuba-191021

Solange Trump Präsident der USA ist, wird es für Kuba und auch Venezuela nicht leichter werden. Immerhin schaffen es die Kubaner die (erdölbasierte) Stromversorgung aufrecht zu erhalten und zumindest die Tourismusbranche als Haupteinnahmequelle am Leben zu erhalten.

Mit freundlich informierenden Grüßen,
Stephan Heitbrink


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