Der allgegenwärtige Pieks – auch im Kinder TV bei „ZDF LOGO“
Der allgegenwärtige Pieks – auch im Kinder TV bei „ZDF LOGO“

Der allgegenwärtige Pieks – auch im Kinder TV bei „ZDF LOGO“

Ein Artikel von Frank Blenz | Verantwortlicher: Redaktion

Der öffentlich-rechtliche Kinderfernsehsender KIKA hat in seiner Sendung „Logo“ einen Beitrag zum Thema Impfen von Kindern und Jugendlichen veröffentlicht, der in Summe das nach wie vor vorherrschende Narrativ, „das Pro zur Coronaimpfung überwiegt das Contra“, erzählt. Während in den Redaktionsstuben der Erwachsenensendungen von ARD und ZDF indes mehr und mehr auf einen anderen, kritischeren Kurs eingeschwenkt wird, bleibt dem kleinen und großen Zuschauer bei LOGO von KIKA letztlich der Eindruck: Kurs halten, bis es piekst. Von Frank Blenz.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Der Nachrichtenbeitrag von LOGO beginnt. Klingeln hier, Klingeln da, Telefone stehen nicht still, als akustische Einleitung. „Hört ihr das? So hört sich das seit gestern in ganz, ganz vielen Arztpraxen in Deutschland an. Denn seit gestern dürfen sich hier bei uns alle Menschen ab zwölf Jahren für eine Coronaimpfung anmelden“, sagt Nachrichtensprecher und Moderator Sharif.

Es folgt eine Kurzreportage über eine Impfaktion eines Mainzer Gymnasiums, bei der die Schülerschaft ab 12 Jahren aufgerufen war, sich impfen zu lassen. Der Moderator sagte: „Jeder Zweite hat dabei auch mitgemacht.“ 150 Schüler.

„Lisa ist heute ziemlich aufgeregt, erst vor kurzem hat sie von der Impfaktion ihrer Schule, dem Mainzer Gymnasium Theresianum erfahren. Lisa sagt: Ich finde es super toll, weil, ich habe schon lange gewartet, um die Möglichkeit zu bekommen, mich impfen zu lassen, weil ich halt wieder ‘n bisschen Normalität in meinem Leben haben will, ich möchte Freunde treffen, ich möchte wieder meinen Sport richtig machen können. Und es gibt so ‘ne Möglichkeit…“

Die Möglichkeit ist die Impfung in der Schule.

Etwas fehlt bei diesem Vor-Ort-Beitrag, der von der Aktion, dem Ablauf der Aktion berichtet und O-Töne der beteiligten Schüler bereithält: Was ist mit den anderen Schülern, wo sind die Wortmeldungen derer, die Bedenken haben, die andere Vorschläge haben, andere Wege gehen wollen?

Im zweiten Beitrag zum Thema in Form einer Comic-Animation werden die Bedingungen aufgezählt, die bei der Entscheidungsfindung für Kinder und Jugendliche notwendig sind und ob Kind, Eltern und Ärzte einer Impfung zustimmen wollen oder eben nicht. Es wird ebenso festgestellt, dass sich ein Kind, ein Jugendlicher sogar entgegen dem Willen der Eltern für eine Impfung entscheiden könnte. Dabei wird die Rolle der Ärzte hervorgehoben, die im Patientengespräch herausfinden sollen, ob der junge Patient „sich informiert hat und bereit zum Impfen ist“. Diese Bereitschaftsfeststellung, dieser Informationsstand des Patienten kann dem behandelnden Arzt dazu dienen, zu sagen: Lasst uns zur Impfung schreiten. Im Beitrag werden Aussagen und Bedenken von den 150 anderen Schülern nicht genannt. Das Fazit könnte lauten: Es sei alles nicht schlimm, die Nadeln sehr dünn und es tue auch nicht weh.

In einem Kommentar hier auf NachDenkSeiten sagte am Mittwoch Tobias Riegel: „Das ZDF stellt nun (viel zu spät) Fragen zu Corona-Daten, für die man gestern noch in die „rechte“ Verschwörungsecke gestellt wurde. Einmal mehr muss man zu dem Schluss kommen, dass das offizielle angebliche „Nichtwissen“ bezüglich der zentralen Frage der Corona-Daten politisch gewollt ist.“

In dem Nachrichtenbeitrag werden derlei Fragen nicht gestellt, obschon die Sendung als Nachrichtensendung, als regelmäßiger Beitrag gesellschaftlicher Bildung für Kinder und Jugendliche angelegt ist. Auf der Internetseite von LOGO stehen weiterführende Informationen. Diese fehlten in dem Beitrag aus Mainz.

Bei LOGOs Nachbarsender MDR wurde am Mittwoch vermittelt:

„Die Ständige Impfkommission spricht keine generelle Corona-Impfempfehlung für 12- bis 17-Jährige aus. In einem Entwurf empfiehlt die Stiko, nur Kinder und Jugendliche mit bestimmten schweren Vorerkrankungen zu impfen. Eine generelle Impfempfehlung wird in dem Entwurf u.a. wegen “großer Wissenslücken” hinsichtlich der Sicherheit der Covid-19-Impfstoffe abgelehnt. Eine finale Fassung wird für Donnerstag erwartet.“

Und noch ein MDR-Beitrag:

„Kinderarzt rät abzuwarten

Mit dieser Meinung folgt die Praxisschwester nicht der Ansicht ihres Chefs. Kinderarzt Hofmann, der sonst das Impfen befürwortet und gute Erfahrungen damit gemacht hat, rät bei Corona-Impfungen zur Zurückhaltung: “Das muss wissenschaftlich begründet sein, vorher würde ich persönlich nicht impfen, weil im Prinzip diese Abklärung überhaupt noch nicht da ist, ob es bei Kindern und Jugendlichen irgendwelche Nebenwirkungen gibt. Das muss sauber abgeklärt werden und dafür ist die Stiko da.” Die Entscheidung sollte nicht die Politik treffen, findet Hofmann.“

Auf der Internetseite von ZDF-Logo erscheint im Gegensatz zu KiKA dieser Beitrag.

Richtig ins Schimpfen kommt Olaf Lemcke vom ÖRR-Sender SWR, der seinen Kommentar mit der Überschrift beginnt:

„Impfaktion am Mainzer Theresianum ist schamlos“.

Die Empörung, die Argumentation des Autors indes folgt der nach wie vor geltenden Richtung, dass ausschließlich Impfen das Mittel der Pandemie sei. Auch Lemcke zieht nicht mit einem Satz in Betracht, ob es überhaupt erforderlich ist, alle Kinder und Jugendliche zu impfen, die Menschen also, die nicht zu den Gefährdeten zählen, und ob es zielführend ist, nach der umfassenden Kampagne, die eher einen Impfauftakt darstellt, schon die angekündigten etwaigen Wiederholungen und Auffrischungen zum Alltag werden zu lassen. Geschweige, dass bei LOGO oder dem MDR oder dem SWR über die Vielfalt von Möglichkeiten für gesunde Lebensführung, gesellschaftlichen Umbau in allen Bereichen von Gesundheitswesen bis soziale Gerechtigkeit diskutiert, beraten, entschieden und gehandelt wird. Im Grunde geht alles Reden, Schreiben und auch das kindgerechte Vermitteln bei Logo in eine Richtung: Pieksen – alles andere hilft nicht. Und wer das nicht begreift …?

Titelbild: Screenshot KiKa

Die NachDenkSeiten sind für eine kritische Meinungsbildung wichtig, das sagen uns sehr, sehr viele - aber sie kosten auch Geld und deshalb bitten wir Sie, liebe LeserInnen, um Ihre Unterstützung.
Herzlichen Dank!