Eine Regierung, die sich von einem Botschafter unentwegt beschimpfen lässt, ist nicht autonom
Eine Regierung, die sich von einem Botschafter unentwegt beschimpfen lässt, ist nicht autonom

Eine Regierung, die sich von einem Botschafter unentwegt beschimpfen lässt, ist nicht autonom

Albrecht Müller
Ein Artikel von: Albrecht Müller

Seit längerem schon kritisiert der Ukraine-Botschafter Melnyk die deutsche Bundesregierung. So am 24. Februar auch bei Lanz. Er warf Mitgliedern der Bundesregierung Kälte und Gleichgültigkeit vor. Das ist kein neuer Auftritt dieses Botschafters. Das hat Tradition. Genauso Tradition hat die Untätigkeit der Bundesregierung. Normalerweise wird ein Botschafter, der die Regierung seines Gastlandes so maßlos kritisiert, wie Botschafter Melnyk das tut, umgehend des Landes verwiesen. Ich habe in 14 Jahren Tätigkeit im Dienste von Kanzleramt und Bundesregierung keinen einzigen Fall erlebt, der auch nur annähernd die Dimension des unfreundlichen Auftritts des Botschafters Melnyk hatte. Man kann das Schweigen des Bundeskanzlers und der Bundesregierung nur so erklären, dass andere Mächte ihre Hand über diesem Botschafter halten. Albrecht Müller.

Wie im letzten Beitrag „Hohe Zeit für transatlantische Dumpfbacken“ schon geschrieben, ist unsere Regierung und unser Land nicht autonom. Das wird immer deutlicher und ist eines unserer größten Probleme.

Hier noch ein paar nähere Angaben zu den letzten und verschiedenen anderen Äußerungen des ukrainischen Botschafters:

  1. Lanz vom 24.2.2022 – Auszüge aus der Veröffentlichung des ZDF

    “Ich habe heute geweint”

    Der ukrainische Botschafter Melnyk kritisiert die Reaktion der Bundesregierung auf Russlands Einmarsch in die Ukraine als “kaltherzig”. Die Ukraine sei das “Opferlamm”.

    “Also, ich muss Ihnen sagen, dass ich schon viele Jahre nicht mehr geweint habe”, begann der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk am Donnerstagabend bei Markus Lanz. “Heute war dieser Tag und wir haben geweint.” Allerdings nicht nur wegen des “perfiden Vernichtungskrieges”, der gegen die Ukraine gestartet worden sei.

    “Ich habe tatsächlich heute geweint wegen der Kälte und der Gleichgültigkeit, die mir heute im Laufe des Tages in Berlin entgegenschlagen hat”, kritisierte Melnyk auch die Bundesregierung.

    Melnyk: “Wirklich sprachlos”

    Er habe sich mit vielen Regierungsmitgliedern der Ampel-Koalition getroffen. Auf seine Bitte sei der ukrainische Botschafter von “einigen Ministern” empfangen worden, die er um “Kraftstoffe und Ausrüstung für die Armee” gebeten habe. Deren Antwort habe Melnyk “wirklich sprachlos” gemacht:

    “Nach unserer Einschätzung bleiben Ihnen, den Ukrainern, vielleicht wenige Stunden. Das macht jetzt keinen Sinn, euch überhaupt zu helfen.”

    zdf.de/nachrichten/politik/lanz-melnyk-konflikt-ukraine-100.html

    Will sich die Bundesregierung diese bösartige Kritik und wollen sich das die betroffenen Bundesminister weiter bieten lassen? Das wird den Botschafter ermuntern, genauso und noch schlimmer weiterzumachen.

  2. Hier noch etwas zu den Vorläufern. Auch bei „Lanz“ am 16.2.2022:

    Ukrainischer Botschafter macht Olaf Scholz Vorwürfe

    Bei Lanz ging es um den Ukraine-Russland-Konflikt. Deutsche Waffen würden nicht helfen, so Lanz. Der ukrainische Botschafter sah das anders.

  3. rbb – Rundfunk Berlin-Brandenburg: Kontraste: Ukrainischer Botschafter kritisiert Aussagen der Bundesregierung als …

    Veröffentlicht 18. Februar 2022

    „Der Botschafter der Ukraine, Andrij Melnyk, fordert angesichts der Kosten der russischen Aggression ein “milliardenschweres Hilfspaket” von der Bundesregierung.

    Im ARD-Politikmagazin Kontraste kritisierte er: “Dass die Ampel-Regierung sich gerne zum Hauptretter der Ukraine hochstilisiert, ist nichts anderes als ein schönes Märchen”.

    Zwar sei man dankbar für die Zusagen von Bundeskanzler Scholz in Höhe von 150 Millionen Euro ungebundener Kreditgarantien. “Wenn man aber vor Augen führt, wie riesig schon jetzt unsere Verluste wegen des seit 8 Jahren andauernden russischen Kriegs sind”, so der Botschafter, sei die Zusage von Scholz “zwar nicht ganz symbolisch – aber eher überschaubar”.

    Wie Kontraste berichtet, sollen dem Land seit Beginn der russischen Annexion der Krim im Jahr 2014 bis 2020 eine Wirtschaftsleistung von insgesamt 280 Milliarden Euro entgangen sein. Das Magazin bezieht sich dabei auf eine Studie des in London ansässigen Centre for Economics and Business Research im Auftrag der ukrainischen Regierung.

    Die aktuelle Krise verschlechtere die Lage zusätzlich, sagte Melnyk gegenüber Kontraste: So werde der Zugang der Ukraine zu den Finanzmärkten schwieriger und die Zinsen stiegen für das Land. Allein um den Luftverkehr angesichts “des drohenden großen Krieges aufrechtzuerhalten”, habe die Regierung dieser Tage über eine halbe Milliarde Euro für die Versicherer von Fluggesellschaften ausgegeben. Ein Hilfspaket der Bundesregierung sei notwendig, “um die ukrainische Wirtschaft zu stabilisieren, einschließlich politischer Garantien für Investitionen”, so Melnyk.

    Soweit das Zitat aus der Meldung von rbb. Und wir deutschen Steuerzahler sollen einen Ausgleich leisten? Das ist schon beachtlich dreist. Schlimm aber auch ist, wie viele deutsche Medien dem Botschafter ein Forum bieten.

  4. Spiegel berichtet am 26.1.2002

    Konflikt mit Russland

    Ukrainischer Botschafter kritisiert deutsche Helm-Lieferung als »reine Symbolpolitik«

    Deutschland liefert der Ukraine 5000 militärische Schutzhelme. Kiews Botschafter reagiert angesichts der Bedrohung durch Russland enttäuscht: »Das ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.«

    26.01.2022, 16.07 Uhr

Soll das so weitergehen?

Titelbild: Der ukrainische Botschafter kritisiert die Bundesregierung – auf allen Kanälen – Screenshot ZDF

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