Corona-Politik – Vorauseilender Gehorsam in der Filmbranche
Corona-Politik – Vorauseilender Gehorsam in der Filmbranche

Corona-Politik – Vorauseilender Gehorsam in der Filmbranche

Ein Artikel von Eugen Zentner

Abstandsgebote, Maskenpflicht und 2/3G-Regeln gelten seit April eigentlich nur noch in medizinischen Einrichtungen und im öffentlichen Nah- wie Fernverkehr. Doch die Filmbranche setzt sich darüber hinweg. Dort herrscht vorauseilender Gehorsam, sagt die Schauspielerin Senta Auth, die in den letzten zwei Jahren viel erlebt hat. Fernsehzuschauer dürften sie aus der Serie «Dahoam is Dahoam» des Bayerischen Rundfunks kennen. Auth spielt darin Veronika «Vroni» Brunner, eine potente Frau, die von Anfang an zu den Hauptfiguren gehört. Die Arbeit am Set bereitete ihr lange Zeit große Freude – bis die Corona-Politik begann. Von Eugen Zentner.

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Die Maßnahmen erschwerten die Dreharbeiten enorm. Es galten die üblichen Hygieneregeln, die alle Beteiligten bis heute umsetzen müssen. Auth weigerte sich jedoch schon recht früh, eine Maske zu tragen. „Ich kann mit ihr einfach nicht arbeiten“, sagt sie. „Ich habe gemerkt, dass sie mir nicht guttut. Ich falle um.“ Wenn das passiert, könne sie auch nicht für die Dreharbeiten zur Verfügung stehen. Die 48-Jährige hat ein ähnliches Temperament wie ihre Figur in «Dahoam is Dahoam». Wie Veronika Brunner nimmt auch Auth kein Blatt vor den Mund. Sie sagt, was sie denkt – und vertritt mit markigen Worten ihre Meinung. Die Maßnahmen erscheinen ihr völlig sinnlos. Die Corona-Politik sei geradezu absurd, sagt sie und machte daraus auch bei den Dreharbeiten keinen Hehl. Während 98 Prozent ihrer Kollegen die Hygieneregeln befolgten, tat sie es nur eingeschränkt. Das hat man 2020 noch mit Missfallen beobachtet, aber toleriert.

In dem nächsten Jahr kippte die Stimmung. Mit der Impfung und den 2G-Regeln wurden die Daumenschrauben noch einmal angezogen. Für Auth stellte der Arbeitsalltag zunehmend eine Belastung dar. Sie gehörte zu den ganz Wenigen, die sich nicht impfen ließen. Als die Verantwortlichen des Bayerischen Rundfunks mitbekamen, dass sie es auch gar nicht vorhatte, trennte man sich von ihr – mit einer Begründung, die aufhorchen lässt. Ihre Figur sei auserzählt, hieß es. „Das ist eine Standardbegründung, wenn man jemanden loswerden will“, sagt Auth. Wochen zuvor erläuterten ihr noch die Serien-Macher in einem Gespräch, was sie zukünftig für ihre Figur planten. Es ging um Charakterentwicklung und Handlungsstränge. Doch Auths Haltung zu der Maßnahmen-Politik verleitete sie dazu, die Pläne zu überdenken.

Der Fall ist symptomatisch für das Klima in der Filmindustrie. Wer sich nicht anpasst, wer nicht mit der Corona-Politik konform geht, sie sogar kritisiert, wird vor die Tür gesetzt. Die Schauspieler arbeiten unter Bedingungen, die vor allem nach dem Wegfall der Maßnahmen im April geradezu erschreckend wirken. Bis heute müsse man in den meisten Produktionen den ganzen Tag mit einer FFP2-Maske herumlaufen, sich vor und während der Dreharbeiten regelmäßig PCR-Testungen unterziehen und Abstand halten, so Auth. Begründet werde das damit, dass der Drehort ein Hotspot sei. Deswegen unternehme man alles, um den Betrieb nicht zu stören. Doch der vorauseilende Gehorsam nimmt autoritäre Formen an. Er zerstört Karrieren, erzeugt Druck und mündet in einer perfiden Technik der Cancel Culture, die sich über Recht und Gesetz hinwegsetzt.

Seitdem der Bayerische Rundfunk sich von Senta Auth getrennt hatte, stand sie nicht mehr vor der Kamera. Ein halbes Jahr ist es jetzt her. Zwar hat sie in dieser Zeit Angebote von anderen Produktionen erhalten, doch in den Anfragen wird stets darauf hingewiesen, dass man nur Schauspieler unter Vertrag nehme, die die 2G-Regeln erfüllen. Einige ihrer Kollegen bestätigen diese Vorgehensweise. Unter solchen Bedingungen will Auth nicht spielen. „Ich bin doch keine Systemhure“, sagt sie. „Wenn man gewisse Überzeugungen hat, geht das nicht.“ Wenn sie sich beuge, unterstütze sie das System. „Und das will ich nicht.“ Deswegen sei es momentan schwierig, für die Sender tätig zu werden. Auth habe Verträge gelesen, in denen sich die Schauspieler verpflichten mussten, Wochen vor und während des Drehs keine Veranstaltungen, Schwimmbäder und Vergleichbares zu besuchen. Das gelte selbst für die Lebenspartner. „Es ist ein Eingriff in die Privatsphäre und Persönlichkeitsrechte“, sagt die Darstellerin. Der Großteil ihrer Kollegen unterschreibe solche Verträge und erkläre sich einverstanden. Sie selber könne es nicht.

Der vertragliche Zwang zu 2G, Abstandsregeln und Maske ist eigentlich nicht rechtens und damit anfechtbar. So sieht es auch Auth, will aber nicht vor Gericht ziehen. Das hat mehrere Gründe. Zunächst ist es sehr kostspielig und nervenaufreibend. Wegen der vielen Klagen im Zuge der Corona-Politik sind die Gerichte überlastet. Das Verfahren würde sich hinziehen, sagt die Schauspielerin. „Bis etwas passiert, muss man sehr lange warten.“ Als einen weitaus gewichtigeren Grund für ihre Zurückhaltung gibt sie jedoch das verlorene Vertrauen in die staatlichen Institutionen an. Auf die Justiz sei kein Verlass mehr. „Die Ereignisse in den letzten zwei Jahren haben gezeigt, dass Recht und Gesetz mit Füßen getreten werden“, beklagt sie sich. „Die Gerichte urteilen nicht frei und unabhängig.“

Anstatt zu klagen, will Auth abwarten, wie sich die Situation entwickelt: „Vielleicht erinnert sich mal jemand daran, dass es da eine Schauspielerin gab, die völlig gesund war und hätte eingesetzt werden können“. Sie, die Ungeimpfte, sei seit Pandemie-Beginn nicht ein einziges Mal krank gewesen. Ihre geboosterten Kollegen können das nicht behaupten. „Alle waren sie erkrankt“, sagt die Darstellerin. „Manche mussten wegen Nebenwirkungen und teilweise schweren Impfschäden für Monate ausfallen.“ Einen Zusammenhang mit dem Vakzin habe man natürlich nicht gesehen. Auth findet die Situation aberwitzig. Während geimpfte Kollegen krankheitsbedingt die Dreharbeiten erschweren, darf sie als „Gesunde“ nicht arbeiten. Das werde sie solange nicht, wie der Betrieb so funktioniere wie momentan: „Die etablierten Sender wirken wie der verlängerte Arm der politischen Institutionen.“ Sie liebe zwar ihren Beruf und habe harte Jahre hinter sich, in denen sie sich ein gewisses Standing erarbeiten musste – aber sie mache es nicht um jeden Preis.

Senta Auths Schicksal ist kein Einzelfall. Schauspieler, Kabarettisten und andere Fernsehprominente landen schnell auf dem Abstellgleis, wenn sie eine Meinung vertreten, die sich nicht mit den offiziellen Narrativen deckt. Lisa Fitz, Uwe Steimle, Michael Wendler – die Liste ist lang. Wie sie sucht nun auch Auth nach neuen Möglichkeiten in den alternativen Medien. Sie will selber Filme produzieren und möglichst selbstbestimmt arbeiten. Gerade entstehen einige Projekte für den unabhängigen Sender AUF1. „Wie sich das entwickelt, wird man sehen“, sagt sie. „Das läuft gerade erst an.“ Dazu gehört unter anderem ein Interview-Format, in dem sie Gespräche mit Menschen führt und sie danach fragt, welche Erfahrungen sie während der Corona-Zeit gemacht haben, welche Ängste sie plagen, welche Wünsche sie antreiben. An ihren Erfolg beim Bayerischen Rundfunk kann sie damit nicht anknüpfen, aber es ist zumindest ein Anfang.

Titelbild: © BR

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