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Warum die Araber uns in Syrien nicht wollen

Veröffentlicht in: Außen- und Sicherheitspolitik, Militäreinsätze/Kriege, Terrorismus
Robert F. Kennedy, Jr.

Auch da mein Vater von einem Araber ermordet wurde, habe ich mir die Mühe gemacht, die Auswirkungen der US-Politik im Nahen Osten und insbesondere die Faktoren zu verstehen, die zu manchmal blutrünstigen Reaktionen der islamischen Welt gegen unser Land führen. Wenn wir uns auf den Aufstieg des Islamischen Staates fokussieren und uns auf die Suche nach dem Ursprung der Gewalt machen, die so vielen Unschuldigen in Paris und San Bernardino das Leben gekostet hat, müssen wir möglicherweise über die einfachen Erklärungen von Religion und Ideologie hinausblicken. Stattdessen sollten wir die komplexeren Gründe in der Geschichte und im Öl untersuchen, die die Schuld – wie so oft – auf uns zurückverweist. Von Robert F. Kennedy, Jr.

Sie hassen uns nicht für „unsere Freiheit“. Sie hassen, dass wir unsere Ideale in ihren Ländern verraten haben – für Öl.

Robert F. Kennedy, Jr. vom 23.02.2016 in „politico.eu

Amerika blickt auf eine unappetitliche Tradition an gewalttätigen Interventionen in Syrien zurück. Dies ist dem amerikanischen Volk wenig bekannt, dafür umso mehr jedoch den Syrern. Diese Ereignisse bereiteten den fruchtbaren Boden für den gewaltsamen Islamischen Dschihad, der jetzt eine wirksame Antwort unserer Regierung auf die Herausforderung von ISIL erschwert. Solange sich die amerikanische Öffentlichkeit und Politiker dieser Vergangenheit nicht bewusst sind, verschärfen weitere Eingriffe nur die Krise. Außenminister John Kerry hat in dieser Woche einen „vorläufigen“ Waffenstillstand für Syrien angekündigt. Aber seit der Einfluss und das Ansehen der USA in Syrien auf eine Minimum gesunken sind – und der Waffenstillstand nicht die wichtigsten Kämpfer wie den Islamischen Staat und Al Nusra einschließt –, ist er bestenfalls auf einen brüchigen Waffenstillstand begrenzt. Ähnlich dürfte die von Präsident Obama zunehmende militärische Intervention in Libyen, wo letzte Woche US-Luftangriffe auf ein Trainingslager des Islamischen Staates zielten – die Radikalen wahrscheinlich mehr stärken als schwächen. Wie die „New York Times“ am 8. Dezember 2015 auf der Titelseite berichtete, arbeiten politische Führer und die strategische Planung des Islamischen Staates daran, eine US-amerikanische militärische Intervention zu provozieren. Sie wissen aus Erfahrung, dass dies ihre Reihen mit freiwilligen Kämpfern überschwemmen, die moderaten Stimmen übertönen und die islamische Welt gegen Amerika vereinigen wird.

Um diese Dynamik verstehen zu können, müssen wir die Geschichte aus der syrischen Perspektive und insbesondere die Wurzeln des aktuellen Konflikts betrachten. Lange bevor unsere Besetzung des Iraks 2003 sunnitische Aufstände auslöste, die die Gestalt des Islamischen Staat annahmen, hatte die CIA den gewaltsamen Djihad als Waffe des Kalten Kriegs genährt und dadurch giftiges Gepäck verschickt, das die Beziehungen zwischen Syrien und der USA belastet.

Dies geschah in den USA nicht ohne Kontroverse. Nach einem gescheiterten Putsch der CIA in Syrien, brachte im Juli 1957 mein Onkel, Senator John F. Kennedy, das Weiße Haus samt Präsident Eisenhower, die Führer der beiden Parteien und unsere europäischen Verbündeten gleichzeitig mit einer historischen Rede auf, in der er das Recht auf Selbstbestimmung in der arabischen Welt und ein Ende der amerikanischen imperialistischen Einmischung in den arabischen Ländern befürwortete. Im Laufe meines Lebens, und besonders während meiner häufigen Reisen in den Nahen Osten, haben mich unzählige Araber liebevoll an diese Rede als die klarste Verkündung eines Idealismus erinnert, den sie von den USA erwarteten. Kennedys Rede war ein Aufruf zur Neuausrichtung Amerikas auf die hohen Werte unseres Landes, die in der Atlantik-Charta festgeschrieben sind; die formelle Zusage, dass alle ehemaligen europäischen Kolonien nach dem Ersten Weltkrieg das Recht auf Selbstbestimmung haben würden. Franklin D. Roosevelt hatte Winston Churchill und die anderen Führer der Alliierten dazu gedrängt, die Atlantik-Charta im Jahre 1941 als Voraussetzung für die US-Unterstützung in dem europäischen Krieg gegen den Faschismus zu unterzeichnen.

Dank Allan Dulles und der CIA, deren außenpolitische Intrigen oftmals im direkten Widerspruch zur erklärten Politik standen, wurde der in der Atlantik-Charta skizzierte idealistische Weg nicht eingeschlagen. Im Jahr 1957 setzte mein Großvater, Botschafter Joseph P. Kennedy, auf einen geheimen Ausschuss zur Untersuchung des illegalen Treibens der CIA im Nahen Osten. Der sogenannte „Bruce-Lovett Report“, dessen Unterzeichner er war, beschrieb CIA-Umsturzpläne in Jordanien, Syrien, Iran, Irak und Ägypten, die alle auf der arabischen Seite allgemein bekannt waren. Den amerikanischen Bürgern blieben sie so gut wie unbekannt und man glaubte auch den Dementis unserer Regierung. Der Bericht machte die CIA für den grassierenden Antiamerikanismus verantwortlich, der auf mysteriöse Weise „heute in vielen Ländern der Welt“ verwurzelt ist. Der Bruce-Lovett Bericht wies darauf hin, dass solche Interventionen konträr zu den amerikanischen Werten stünden und Amerikas internationale Führung und moralische Autorität ohne das Wissen des amerikanischen Volkes kompromittierten. Der Bericht sagte auch, dass die CIA nie darüber nachgedacht habe, wie wir auf solche Eingriffe reagieren würden, wenn ausländische Regierungen sie in unserem Land inszenieren würden.

Das ist diese blutige Geschichte, die moderne Interventionisten wie George W. Bush, Ted Cruz und Marco Rubio auslassen, wenn sie ihren narzisstischen Tropus, dass die Nationalisten des Mittleren Osten „uns für unsere Freiheit hassen“, rezitieren. Der größte Teil tut es nicht, stattdessen hassen – sie uns für die Art, wie wir diese Freiheiten verraten – unsere eigenen Ideale – innerhalb ihrer Grenzen.

* * *

Damit die Amerikaner wirklich verstehen, was vor sich geht, ist es wichtig auf einige Details der schäbigen, aber kaum in Erinnerung gebliebenen Geschichte zurückzublicken. In den 1950er Jahren ließen Präsident Eisenhower und die Dulles-Brüder (CIA-Direktor Allen Dulles und Außenminister John Foster Dulles) Vertragsvorschläge der Sowjets abblitzen, den Nahen Osten in eine neutrale Zone umzuwandeln und Arabien von Arabern regieren zu lassen. Stattdessen starteten sie einen geheimen Krieg gegen den arabischen Nationalismus, den CIA-Direktor Allen Dulles mit dem Kommunismus gleichsetzte; insbesondere dann, wenn die arabische Selbstbestimmung Ölkonzessionen bedrohte. Sie leiteten heimlich amerikanische Militärhilfe zu Tyrannen in Saudi Arabien, Jordanien, Irak und den Libanon; offenbar betrachtete man die konservativ djihadistische Ideologie als zuverlässiges Gegenmittel gegen den sowjetischen Marxismus. Bei einem Treffen im Weißen Haus im September 1957 zwischen dem Planungsdirektor der CIA, Frank Wisner und John Foster Dulles empfahl Eisenhower entsprechend einer Aufzeichnung seines Büroleiters General Andrew J. Goodpaster der Agentur: „Wir sollten alles tun, um den Aspekt des „heiligen Kriegs“ zu betonen“.

Die CIA begann 1949 mit der aktiven Einmischung in Syrien – knapp ein Jahr nachdem die Agentur gegründet worden war. Syrische Patrioten erklärten den Nazis den Krieg, vertrieben das Vichy-Regime und begannen eine fragile säkulare Demokratie nach amerikanischem Vorbild aufzubauen. Aber im März 1949 zögerte der demokratisch gewählte Präsident von Syrien Shukri al-Quwatli die Transarabische Pipeline zu genehmigen – ein amerikanisches Projekt, das die Ölfelder von Saudi-Arabien über Syrien mit den Häfen des Libanon verbinden sollte. In seinem Buch „CIA. Die ganze Geschichte “ erzählt der CIA-Historiker Tim Weiner, dass die CIA als Vergeltung für al-Quwatlis Mangel an Begeisterung für die US-Pipeline einen Putsch anzettelte, um ihn mit einem von der CIA handverlesenen Diktator, einem verurteilten Betrüger namens Husni al Za’im, zu ersetzen. Al-Za’im, hatte, nur viereinhalb Monaten an der Regierung, kaum Zeit, das Parlament aufzulösen und die amerikanische Pipeline zu genehmigen, bevor seine Landsleute ihn abgesetzt haben.

Nach mehreren Gegenputschen des (neu) destabilisierten Landes probte das syrische Volk 1955 erneut die Demokratie und wählte wieder al-Quwatli und seine National-Partei. al-Quwatli wahrte immer noch eine neutrale Position im Kalten Krieg, aber gebrannt durch die amerikanische Einmischung bei seiner Amtsenthebung, wandte er sich dem sowjetischen Lager zu. Diese Haltung brachte den CIA Direktor Dulles dazu, „Syrien reif für einen Putsch“ zu erklären. Er schickte zwei seiner Staatsstreichexperten, Kim Roosevelt und Rocky Stone, nach Damaskus.

Zwei Jahre zuvor hatten Kim Roosevelt und Rocky Stone im Iran einen Putsch gegen den demokratisch gewählten Präsidenten Mohammed Mossadegh geleitet, nachdem dieser versucht hatte, die einseitigen Verträge mit den britischen Ölriesen Anglo-Iranian Oil Company (heute BP) neu zu verhandeln. Mossadegh war der erste gewählte Präsident in der 4.000 Jahre alten Geschichte des Iran und ein populärer Verfechter der Demokratie in den Entwicklungsländern. Er verwies alle britischen Diplomaten des Landes, nachdem ein Putschversuch aufgedeckt wurde, bei dem britische Geheimdienstler mit der BP zusammen arbeiteten. Mossadegh machte den Fehler, nicht den Bitten seiner Ratgeber zu folgen und die CIA ebenfalls des Landes zu verweisen, die, wie sich später herausstellen sollte, in dem britischen Spiel mit verwickelt war. Mossadegh idealisierte die USA als Vorbild für die neue iranische Demokratie und konnte sich nicht vorstellen, dass diese zu solch perfiden Handlungen fähig sein sollte. Obwohl Dulles den Staatsstreich einfädelte, verbot Präsident Harry Truman der CIA den britischen Streich aktiv zu unterstützen, um Mossadegh zu stürzen. Als Eisenhower im Januar 1953 sein Amt antrat, befreite er Dulles sofort von diesem Verbot. Nach dem Sturz Mossadeghs durch die Operation „Ajax“ installierte Eisenhower den Schah Reza Pahlavi, der US-Ölgesellschaften begünstigte. Aber dessen zwei Jahrzehnte dauernde, vom Pfauenthron regierende Herrschaft, die von der CIA gesponserte Brutalität gegenüber seinem eigenen Volk, hat letztendlich 1979 die islamische Revolution entzündet. Das belastet unsere Auslandspolitik seit 35 Jahren.

Wie in „Safe for Democracy: The Secret Wars of the CIA“, von John Prados geschildert, kam Stone mit „Erfolg“ der Operation Ajax im Iran im Rücken mit 3 Millionen Dollar in Damaskus an, um islamische Militante aufzuwiegeln und zu bewaffnen, um das syrische Militär und Politiker zu bestechen sowie die demokratisch gewählte säkulare Regierung von al-Quwatli zu stürzen. Mit der Muslimbruderschaft zusammenarbeitend und Millionen von Dollar in der Tasche, arrangierte Rocky Stone die Ermordung des syrischen Geheimdienstchefs, des Chefs seines Generalstabs und des Chefs der Kommunistischen Partei sowie nationale Verschwörungen und verschiedene starke militärische Provokationen im Irak, Libanon und Jordanien, die den syrischen Baathisten in die Schuhe geschoben werden sollten. Tim Weiner beschreibt in „Die ganze Geschichte“ den Plan der CIA die syrische Regierung zu destabilisieren und einen Vorwand für den Einmarsch in Jordanien und dem Irak zu liefern, deren Regierungen sich schon unter CIA-Kontrolle befanden. Kim Roosevelt prognostizierte, dass sich die neu installierte Marionettenregierung der CIA zunächst auf „repressive Maßnahmen und willkürliche Ausübung der Macht“ verlassen könne, wie die Tageszeitung „der Guardian“ auf Basis der freigegebenen CIA-Dokumente in einem Bericht veröffentlichte.

Aber das ganze Geld reichte nicht, um die syrischen Militäroffiziere zu korrumpieren. Die Soldaten berichteten den Baathisten von den Bestechungsversuchen der CIA. Als Antwort stürmte die syrische Armee die amerikanische Botschaft und nahm Stone gefangen. Nach einem harten Verhör gestand Stone im Fernsehen seine Rolle bei dem iranischen Putsch und dem abgebrochenen Putschversuch in Syrien ein. Die Syrer warfen Stone und zwei weitere Mitarbeiter der US-Botschaft aus dem Land. Es war das erste Mal überhaupt, dass US-Diplomaten aus einem arabischen Land ausgewiesen wurden. Das Weiße Haus unter Eisenhowers Führung wies Stones Geständnis als „fabriziert“ und „Verleumdung“ zurück, ein Dementi, das von der gesamten Presse geschluckt wurde, angeführt von der „New York Times“, geglaubt vom amerikanischen Volk, das die gleiche idealisierte Vorstellung von der US-Regierung hatte, wie Mossadegh. Syrien legte alle politischen Sympathien für die US-Regierung bei und exekutierte für den Verrat alle militärischen Offiziere, die mit dem Putsch in Verbindung standen. Im Gegenzug brachte die US-Regierung ihre 6. Flotte im Mittelmeer in Stellung, drohte mit Krieg und brachte die Türkei dazu in Syrien einzumarschieren. Die Türken stationierten 50.000 Soldaten an der Grenze zu Syrien und machten nur angesichts der vereinten Opposition der arabischen Liga, deren Führer wütend auf die US- Intervention waren, einen Rückzieher. Auch nach der Vertreibung der CIA aus Syrien, setzte dieser seine Bemühungen, die demokratisch gewählte Baath-Regierung zu stürzen, fort. Die CIA verschwor sich mit dem MI6, um ein „Freies Syrisches Komitee“ zu bilden und bewaffnete die Muslimbruderschaft zur Ermordung dreier syrischer Regierungsbeamter, die geholfen hatten, den „amerikanischen Auftrag“ aufzudecken, wie bei Matthew Jones in ‘The Preferred Plan’ veröffentlicht (The Anglo-American Working Group Report on Covert Action in Syria, 1957). Der CIA-Unfug entfernte Syrien noch weiter von den USA und brachte es in eine andauernde Beziehung zu Russland und Ägypten.

Nach dem zweiten syrischen Putschversuch erschütterten anti-amerikanische Unruhen den Nahen Osten vom Libanon bis Algerien. Zum Nachhall gehörte der Putsch vom 14. Juli 1958 angeführt von der neuen Welle anti-amerikanischer Armeeoffiziere, die Iraks pro-amerikanischen Monarchen Nuri al-Said stürzten. Die Putschisten veröffentlichten geheime Regierungsdokumente, die belegten, dass der irakische Monarch eine hochbezahlte CIA-Marionette war. Als Reaktion auf den amerikanischen Verrat lud die neue irakische Regierung sowjetische Diplomaten und Wirtschaftsberater ein und drehte dem Westen den Rücken zu.

Nach der Entfremdung des Iraks und Syriens floh Kim Roosevelt aus dem Mittleren Osten, um als Führungskraft für die Ölindustrie zu arbeiten, der er während seiner CIA-Karriere schon gute Dienste geleistet hatte. Roosevelts Nachfolger versuchte laut Weiner den neuen irakischen Präsidenten mit einem giftigen Schnupftuch zu ermorden, was fehlschlug. Schließlich gelang es der CIA fünf Jahre später den Präsidenten abzusetzen und die Baath-Partei an der Macht zu installieren. Ein charismatischer junger Mörder namens Saddam Hussein war einer der aufstrebenden Führer der CIA-Baath-Partei. Der Parteisekrektär der Baath-Partei, Ali Saleh Sa’adi, der neben Saddam Hussein an die Macht kam, wird später sagen: „Wir kamen auf einem CIA-Zug an die Macht“, (siehe „A Brutal Friendship: The West and the Arab Elite“, von Said Aburish, Journalist and Autor). Aburish berichtete, dass Saddam Hussein und seine Kumpanen eine Todesliste von Personen erhielten, „die sofort beseitigt werden mussten, um den Erfolg zu gewährleisten“. Tim Weiner schreibt, dass Critchfeld später bestätigte, dass Saddam Hussein im Wesentlichen von der CIA „geschaffen“ wurde. In den Jahren der Reagan-Regierung belieferte die CIA Hussein mit Milliarden von Dollar für Ausbildung, Spezialtruppen, Waffen und Gefechtsfeld-Aufklärung, obwohl sie wussten, dass Hussein giftiges Senf- und Nervengas und biologische Waffen – einschließlich dem von der US-Regierung erhaltenen Milzbranderregers Anthrax – für seinen Krieg gegen den Iran einsetzte. Reagan und sein CIA-Direktor Bill Casey betrachteten Saddam Hussein als Freund der US-amerikanischen Ölindustrie und als stabile Barriere gegen die Ausbreitung der islamischen Revolution im Iran. Ihr Abgesandter Donald Rumsfeld präsentierte 1983 auf einer Reise nach Bagdad Saddam Hussein mit goldenen Cowboy-Sporen und einem Menü aus chemisch/biologischen sowie konventionellen Waffen. Zeitgleich unterstützte die CIA illegal Husseins Feind, den Iran, mit tausenden von panzerbrechenden und Flugabwehr- Raketen im Kampf gegen den Irak – ein Verbrechen, das während des Iran-Contra-Skandals berühmt wurde. Djihadisten beider Seiten benutzten die von der CIA gelieferten Waffen später gegen die Amerikaner.

Selbst jetzt, wo Amerika über eine weitere gewalttätige Intervention nachdenkt, wissen die meisten Amerikaner nichts von den vielen Rückwirkungen der vorangegangenen CIA-Fehlgriffe und wie sie zur aktuellen Krise beigetragen haben. Der Nachhall der jahrzehntelangen CIA-Spielereien klingt weiterhin durch den Mittleren Osten, in den Hauptstädten der Staaten, von den Moscheen bis in die Madrassen [Religionsschulen] über der zerstörten Landschaft der Demokratie und des moderaten Islam, den die CIA half, auszulöschen.

Eine Parade iranischer und syrischer Diktatoren, einschließlich Bashar al-Assad und seinem Vater, nahmen die Geschichte der blutigen CIA-Putsche als Vorwand für ihre autoritäre Herrschaft, repressive Taktiken und den Bedarf einer engen Allianz mit Russland. Diese Geschichten sind dem syrischen und iranischen Volk daher sehr gut bekannt und werden natürlich unter diesen Gesichtspunkten betrachtet, wenn von einer US-Intervention die Rede ist.

Während unsere Presse wie Papageien wiederholt, dass unsere militärische Unterstützung für den syrischen Widerstand nur aus humanitären Gründen erfolgt, sehen viele Araber die aktuelle Krise nur als einen weiteren Stellvertreterkrieg um Pipelines und Geopolitik. Es wäre klug von uns, wenn wir die Fakten, die diese Perspektive unterstützen, berücksichtigen würden, bevor wir tiefer in diesen Flächenbrand rauschen.

Ihrer Auffassung nach begann unser Krieg gegen Bashar al-Assad nicht mit den friedlichen Protesten des arabischen Frühlings im Jahr 2011. Vielmehr begann er im Jahr 2000, als Katar vorschlug für 10 Milliarden Dollar eine 1.500 km lange Pipeline durch Saudi-Arabien, Jordanien, Syrien und die Türkei zu bauen. Katar teilt sich mit dem Iran das South Pars/North Dome Gasfeld, das weltweit größte Naturgasvorkommen. Das internationale Handelsembargo gegen den Iran verbot bis vor kurzem den Verkauf von Gas im Ausland. Unterdessen kann Katar sein Gas nur verflüssigt und über den Seeweg auf dem europäischen Markt anbieten – ein Weg, der das Volumen beschränkt und die Kosten dramatisch erhöht. Die geplante Pipeline würde Katar direkt mit dem europäischen Energiemarkt via Transmitterminals in der Türkei verbinden, die reichlich Transitgebühren einbringen würden. Die Katar/Türkei-Pipeline würde den sunnitischen Königshäusern am Persischen Golf maßgebliche Dominanz auf dem Welt-Erdgasmarkt geben und Katar, Amerikas engsten Verbündeten in der arabischen Welt, stärken. Katar beherbergt zwei mächtige amerikanische Militärbasen und das US- Hauptquartier für den Mittleren Osten.

Die EU, die 30% ihres Erdgases aus Russland bezieht, war ebenso erpicht auf diese Pipeline, die ihren Mitgliedern billige Energie und Loslösung von Vladimir Putins drückendem Einfluss auf Wirtschaft und Politik gegeben hätte. Die Türkei, Russlands zweitgrößter Gaskunde, war zuletzt besonders darauf bedacht, ihre Abhängigkeit von dem alten Rivalen zu lösen und sich als lukrative transnationale Drehscheibe von asiatischen Brennstoffen für den EU Markt zu präsentieren. Die konservative sunnitische Monarchie Saudi-Arabiens hätte von der Katar-Pipeline profitiert, da sie dadurch einen Fuß im schiitisch dominierten Syrien gehabt hätte. Das geopolitische Ziel der Saudis ist die wirtschaftliche und politische Macht des Hauptrivalen der Monarchie, dem Iran, einem schiitischem Staat und einem engen Verbündeten von Bashar al-Assad, einzudämmen. Die saudische Monarchie betrachtet die US-gesponserte schiitische Übernahme des Iraks (und in letzter Zeit die Aufhebung des Embargos gegen den Iran) als eine Herabstufung auf ihren regionalen Machtstatus und ist bereits in einen Stellvertreter-Krieg gegen Teheran im Jemen engagiert – hervorzuheben der saudischen Genozid am iranisch unterstützten Huthi-Stamm.

Natürlich betrachten die Russen, die 70% ihres Gasexportes nach Europa verkaufen, die Katar-Pipeline als existenzielle Bedrohung. Aus Putins Sicht, ist die Katar-Pipeline ein NATO-Projekt um den Status Quo zu verändern und Russland seiner einzigen Bastion im Mittleren Osten zu berauben, die russische Wirtschaft zu strangulieren und den russischen Einfluss auf den europäischen Energiemarkt zu beenden. Im Jahr 2009 verkündete Assad seine Weigerung die Vereinbarung zu unterschreiben, die die Erlaubnis enthielt die Pipeline durch Syrien zu führen, um die „Interessen unserer russischen Verbündeten zu schützen“.

Assad erzürnte die sunnitischen Herrscher vom Golf außerdem durch die Befürwortung einer von Russland befürworteten „Islamischen Pipeline“, die von der iranischen Seite des Gasfeldes durch Syrien zu den Häfen im Libanon führen würde. Die „Islamische Pipeline“ würde den schiitischen Iran und nicht das sunnitische Katar zum Hauptlieferanten für den europäischen Energiemarkt machen und Teherans Einfluss im Nahen Osten und der Welt dramatisch erhöhen. Auch Israel war verständlicher Weise dazu entschlossen, die „Islamische Pipeline“ entgleisen zu lassen, da sie den Iran und Syrien reich machen und vermutlich deren Vertreter, Hamas und Hizbollah, stärken würde.

Geheime Depeschen der US-amerikanischen, saudischen und israelischen Geheimdienste weisen darauf hin, dass Militär- und Geheimdienstplaner in dem Moment, als Assad das Katar-Pipeline Projekt verwarf, schnell zu dem Konsens gelangten, dass das Schüren eines sunnitischen Aufstands gegen Assad ein gangbarer Weg wäre, um den unkooperativen Bashar al-Assad zu stürzen und das gemeinsame Ziel der Katar/Türkei Verbindung zu erreichen. Gemäß Wikileaks begann die CIA 2009 kurz nachdem Bashar al-Assad die Katar-Pipeline verwarf, mit der Finanzierung von oppositionellen Gruppen in Syrien. Es ist wichtig zu beachten, dass dies vor dem Aufstand gegen Assad stattfand, der vom „arabischen Frühling“ ausging.

Bashar Assads Familie gehört zu den Alawiten, einer muslimischen Strömung, die gemeinhin dem schiitischen Lager zugerechnet wird. „Bashar al-Assad sollte nie Präsident werden.“, sagte mir der Journalist Seymour Hersh in einem Interview. „Sein Vater holte ihn aus der medizinischen Fakultät in London zurück, als sein älterer Bruder – der Thronfolger – bei einem Autounfall verstorben war.“ Laut Hersh war Assad auf dem Weg, das Land zu liberalisieren, bevor der Krieg begann. „Sie hatten Internet und Zeitungen und Geldautomaten und Assad wollte das Land Richtung Westen öffnen. Nach 9/11 gab er Tausende von Dateien von unschätzbarem Wert über radikale Djihadisten, an die CIA weiter, in denen er einen gemeinsamen Feind sah.“ Das Assad-Regime war bewusst säkular und Syrien beeindruckend vielfältig. Die syrische Regierung und die syrische Armee, zum Beispiel, bestanden zu 80% aus Sunniten. Assad erhielt den Frieden unter seinen verschiedenen Volksgruppen durch eine starke, disziplinierte und zu Assads Familie loyale Armee, eine sichere Gefolgschaft von einem national angesehenen und hoch bezahltem Offizierskorps, einem kühlen effizienten Geheimdienstapparat und einem Hang zur Gewalt, der im Vergleich zu den anderen Herrschern im Mittleren Osten, einschließlich unserer heutigen Verbündeten, vor dem Krieg eher moderat war. Nach Hersh, „ hat [er] mit Sicherheit nicht jeden Mittwoch Enthauptungen durchführen lassen, wie es die Saudis in Mekka tun.“

Ein anderer erfahrener Journalist, Bob Parry, erinnert an die Einschätzung „Niemand in dieser Region hat saubere Hände, aber in den Bereichen Folter, Massentötungen, Unterdrücken bürgerlicher Freiheiten und Unterstützen von Terrorismus ist Assad viel besser als die Saudis.“ Niemand glaubte, dass das Regime verwundbar für die Anarchie wäre, die Ägypten, Libyen, den Jemen und Tunesien zerrissen hat. Im Frühjahr 2011 gab es kleine, friedliche Demonstrationen in Damaskus gegen die Repressionen des Assad-Regimes. Das waren überwiegend die Ausläufer des Arabischen Frühlings, die sich den Sommer zuvor viral über die Staaten der Arabischen Liga verbreiteten. Allerdings zeigen Depeschen auf Wikileaks, dass die CIA bereits vor Ort in Syrien war.

Aber die sunnitischen Königreiche, mit enorm viel Petrodollars im Spiel, wollten eine sehr viel aktivere Rolle Amerikas. Am 4. September 2013 erklärte Außenminister John Kerry bei einer Anhörung im Kongress, dass sich die sunnitischen Königreiche angeboten hätten, die Kosten für eine US-Invasion in Syrien zu übernehmen, um Bashar al-Assad zu stürzen. „Tatsächlich haben einige von ihnen gesagt, dass, wenn die USA bereit wären, den Weg zu gehen und all das zu tun, was sie schon bereits an anderen Orten [im Irak] getan haben, werden sie die Kosten tragen.“ wiederholte Kerry das Angebot vor Rep. Ileana Ros-Lehtinen. (R-Fla.): „In Bezug auf das Angebot der arabischen Länder die Kosten [für eine US-Intervention] zum Sturz Assads zu übernehmen, die Antwort ist grundsätzlich: ja, sie haben. Das Angebot liegt auf dem Tisch.“

Trotz des Drucks der Republikaner scheute sich Barack Obama davor, junge Amerikaner als Söldner zum Sterben an ein Pipeline-Konglomerat zu vermieten. Weise ignorierte Obama das republikanische Getrommel für Bodentruppen in Syrien oder für mehr Mittel für die „moderaten Aufständischen“. Aber Ende 2011 hatten der republikanische Druck und unsere sunnitischen Verbündeten die amerikanische Regierung in den Kampf getrieben.

Im Jahr 2011 schlossen sich die USA mit Frankreich, Katar, Saudi Arabien, der Türkei und Großbritannien zu einer Allianz der „Freunde Syriens“ zusammen, die ausdrücklich den Rücktritt von Präsident Assad forderten. Die CIA stellte dem britischen TV Sender „Barada“ 6 Millionen Dollar für die Produktion von Beiträgen zur Verfügung, die für Assads Vertreibung warben. Auf Wikileaks veröffentlichte Dokumente des saudischen Geheimdienstes zeigen, dass die Türkei, Saudi Arabien und Katar ab 2012 radikale sunnitische Djihadisten aus Syrien, dem Irak und anderen Ländern bewaffneten, trainierten und finanzierten, um einen Sturz von Assads mit den Schiiten verbündeten Regime zu erreichen. Katar, das am meisten zu gewinnen hatte, investierte drei Milliarden Dollar in den Aufbau des Aufstands und lud die USA ein, Aufständische in den US-Militärbasen in Katar zu trainieren. Gemäß eines Artikels von Seymour Hershs aus dem April 2014 wurde die Rattenlinie der CIA für den Waffennachschub von der Türkei, Katar und Saudi Arabien finanziert.

Die Idee, einen sunnitisch-schiitischen Bürgerkrieg zur Schwächung des syrischen und iranischen Regimes zu entfachen, um damit die Kontrolle über die petrochemischen Vorräte der Region zu behaupten, ist kein neuartiger Einfall im Lexikon des Pentagon. Ein vom Pentagon finanziertes, belastendes RAND-Papier aus 2008 lieferte eine präzise Blaupause für das, was bevorstand. Dieses Papier konstatiert, dass die Kontrolle über die Öl- und Gasvorkommen im Persischen Golf für die USA eine „strategische Priorität“ bleiben, die „stark mit dem Betreiben des langen Krieges zusammenhängt“. RAND empfahl „verdeckte Aktionen“, „psychologische und unkonventionelle Kriegsführung“ zu verwenden, um eine Strategie des „Teilens und Herrschens“ anzuwenden. „Die USA und ihre lokalen Verbündeten könnten die nationalistischen Djihadisten benutzen, um eine Proxy-Kampagne zu starten“ und „Die US-Führung könne sich ebenfalls entscheiden, von der anhaltenden sunnitisch-schiitischen Konfliktlinie zu profitieren, sich auf die konservative sunnitische Seite zu schlagen, gegen die Stärkung der schiitischen Bewegung in der muslimischen Welt … möglicherweise autoritäre sunnitische Regierungen gegen einen weiterhin feindlichen Iran unterstützen.“

Wie vorhergesagt, polarisierte Assads Überreaktion auf die im Ausland produzierte Krise – Bombardierung der sunnitischen Hochburgen und das Töten von Zivilisten mit Fassbomben – Syriens sunnitisch/schiitische Teile und erlaubte den US- Politikern, den Kampf um die Pipelines als einen Krieg aus humanitären Gründen zu verkaufen. Als sunnitische Soldaten der syrischen Armee begannen überzulaufen, bewaffnete die westliche Koalition die „Freie Syrische Armee“ um Syrien weiter zu destabilisieren. Die Darstellung der „Freien Syrischen Armee“ in der Presse als zusammenhängende Bataillone der gemäßigten syrischen Aufständischen war eine Wahnidee. Die aufgelösten Einheiten waren in Hunderte von verschiedenen Milizen umgruppiert, meistens von militanten Djihadisten oder ihnen nahestehenden kommandiert, die die engagiertesten und effektivsten Kämpfer waren. Bis dahin hatten die sunnitischen Armeen von Al Qaida im Irak die Grenzen vom Irak nach Syrien überquert und verbündeten sich mit desertierten Einheiten der „Freien Syrischen Armee“ – viele von den USA trainiert und bewaffnet.

Trotz der in den Medien vorherrschenden Darstellung eines gemäßigten arabischen Aufstands gegen den Tyrannen Assad, wussten die Planer im US-Geheimdienst, dass ihre Pipeline-Proxys radikale Djihadisten waren, die sich wohl selbst ein brandneues Islamisches Kalifat aus sunnitischen Regionen im Irak und Syrien zimmern würden. Zwei Jahre bevor die Halsabschneider von ISIL auf der Weltbühne erschienen, hat eine sieben Seiten umfassende Studie des militärischen Abschirmdienstes der USA [DIA] vom 12. August 2012 davor gewarnt. Die Studie, deren Freigabe die Bürgerrechtsgruppe „Judicial Watch“ erwirkt hat, stellt fest, dass dank der durchgängigen Unterstützung der US/Sunni-Koalition für die radikalen sunnitischen Djihadisten, die „Salafisten, die Muslimbruderschaft und AQI“ (jetzt ISIS) die wesentlichen Akteure des Aufstands in Syrien sind“.

Diese von den USA und den Golfstaaten finanzierten Gruppen haben die friedlichen Proteste gegen Assad in eine „klar sektiererische (Schiiten gegen Sunniten) Richtung“ gedreht. In dem Papier stand, dass der Konflikt zu einem sektiererischen Bürgerkrieg, unterstützt durch die „religiösen und politischen Kräfte“ der Sunniten, geworden ist. Der Bericht zeichnet den syrischen Konflikt als globalen Krieg um die Ressourcen der Region, in dem „der Westen, die Golfstaaten und die Türkei die Opposition (gegen Assad) während Russland, China und der Iran das Regime unterstützen.“ Die Pentagon-Autoren des sieben-seitigen Berichts scheinen den vorausgesagten Aufstieg des IS Kalifats zu befürworten: “Wenn sich die Situation klärt, könnte sich eine deklariertes oder undeklariertes salafistisches Fürstentums in Ostsyrien (Hasaka und Der Zor) etablieren und das ist genau das, was die unterstützenden Mächte von der Opposition wollen, um dadurch das syrische Regime zu isolieren.“ Der Pentagon-Bericht warnt davor, dass sich dieses neue Fürstentum über die Grenzen des Iraks nach Mossul und Ramadi ausbreiten und einen „Islamischen Staat durch eine Vereinigung mit anderen Terroristengruppen in Syrien und dem Irak ausrufen“ könnte.

Tatsächlich ist es genau das, was passiert ist. Nicht zufällig wurden durch den Islamischen Staat genau die Regionen besetzt, die die vorgeschlagene Route der Katar-Pipeline umfassen.

Aber dann schockten unsere sunnitischen Stellvertreter 2014 das amerikanische Volk mit Enthauptungen und der Vertreibung von einer Million Flüchtlinge nach Europa. Tim Clemente, der von 2004-2008 die FBI Joint Terrorism Task Force führte und im Irak als Verbindung zwischen dem FBI, der irakischen Nationalpolizei und dem US-Militär diente, sagte: „Strategien, die auf der Idee basieren, dass der Feind meines Feindes mein Freund sei, können eine Form von Verblendung sein.“ In einem Interview sagte Clemente zu mir, dass „wir dieselben Fehler gemacht haben, als wir die Mudschaheddin in Afghanistan trainierten. In dem Moment, als die Russen das Land verließen, begannen unsere vermeintlichen Freunde mit der Zerstörung von Antiquitäten, der Versklavung von Frauen, dem Abtrennen von Körperteilen und auf uns zu schießen.“

Als Djihad-John vom Islamischen Staat vor Fernsehkameras begann, Gefangene zu ermorden, schwenkte das Weiße Haus um. Nun sprach man weniger von Assads Absetzung und mehr von regionaler Stabilität. Die Obama-Regierung begann sich von den Aufständischen, die sie finanziert hatte, zu distanzieren. Das Weiße Haus wies derweil mit den Fingern auf unsere Verbündeten. Am 3. Oktober 2014 sagte der Vize-Präsident Joe Biden vor Studenten im John F. Kennedy Jr. Forum am Institut für Politik in Harvard, dass „unsere Verbündeten in Syrien das größte Problem sind“. Er erklärte, dass die Türkei, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate so „entschlossen seien Assad, zu stürzen“, dass sie einen Stellvertreterkrieg zwischen Schiiten und Sunniten begonnen hätten, um „Hunderte von Millionen Dollar und Zehntausende Tonnen Waffen für diejenigen einzuschleusen, die bereit wären gegen Assad zu kämpfen. Ausgenommen von der Unterstützung waren Al Nusra, und Al Qaida” – die zwei Gruppen, die 2014 verschmolzen und sich zum Islamischen Staat formten. Biden schien verärgert, dass man unseren bewährten „Freunden“ nicht vertrauen konnte, der amerikanischen Agenda zu folgen. Regelmäßig beschuldigen arabische Führer die USA, dass sie den Islamischen Staat kreiert hätten. Für die meisten Amerikaner scheinen die Vorwürfe verrückt zu sein. Für viele Araber jedoch sind Beweise für die US Beteiligung so reichlich vorhanden, dass sie daraus schließen, dass unsere Rolle bei der Entstehung des Islamischen Staates eine bewusst gewählte war.

In der Tat sind viele der Kämpfer und Kommandeure des Islamischen Staates ideologisch und organisatorisch Nachfolger der Djihadisten, die von der CIA seit mehr als 30 Jahren aufgezogen wurden – von Syrien und Ägypten bis Afghanistan und dem Irak.

Vor der amerikanischen Invasion existierte keine Al Qaida in Saddam Husseins Irak. Präsident George W. Bush zerstörte die säkulare Regierung von Saddam Hussein und Paul Bremer schuf in einem Akt von monumentalem Missmanagement eine sunnitische Armee, die jetzt Islamischer Staat genannt wird. Bremer brachte die Schiiten an die Macht und verbot Saddams herrschende Baath-Partei. Vom Minister bis zum Schullehrer entließ Bremer 700.000 zumeist Sunniten aus der Regierung und dem Staatsdienst. Er löste die 380.000 Mann starke Armee auf, die zu 80 % aus Sunniten bestand. Durch Bremers Aktionen verloren eine Million irakische Sunniten Rang, Vermögen, Reichtum und Macht; zurück blieb eine verzweifelte Unterklasse von wütenden, gebildeten, fähigen, trainierten und stark bewaffneten Sunniten, die nur noch wenig zu verlieren hatten. Der sunnitische Widerstand nannte sich selbst „Al Qaida im Irak“. Ab 2011 finanzierten unsere Verbündeten die Invasion der AQI Kämpfer in Syrien. Nach dem Eindringen von AQI nach Syrien im April 2013 änderten sie ihren Namen in ISIL. Gemäß Dexter Filkins vom „NewYorker“ wird „ISIS von einem Rat ehemaliger Generäle des Iraks geleitet. … Viele von ihnen waren Mitglieder Saddam Husseins säkularer Baath-Partei, die in amerikanischen Gefängnissen zum radikalen Islam konvertierten. Die 500 Millionen Dollar Militärhilfe, die Präsident Obama nach Syrien schickte, begünstigten letztlich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Djihadisten. Tim Clemente, der ehemalige Vorsitzende der FBI Joint Task Force, erzählte mir, dass der größte Unterschied zwischen den Konflikten im Irak und in Syrien die Millionen von kampferprobten Männer seien, die vom Schlachtfeld nach Europa fliehen, anstatt zu bleiben und ihre Dörfer zu verteidigen. Die naheliegende Erklärung, warum die nationalen Gemäßigten vor dem Krieg fliehen, ist, dass es nicht ihr Krieg ist. Sie versuchen einfach, nicht zwischen dem Amboss der russisch unterstützten Assad-Tyrannei und dem Hammer der teuflischen sunnitischen Djihadisten zerquetscht zu werden, den wir mit der Hand in einem globalen Kampf um konkurrierende Pipelines schwingen. Sie können dem syrischen Volk nicht die Schuld geben, wenn es nicht die für ihre Nation entweder in Washington oder Moskau erdachten Konzepte mit weiten Armen aufnimmt. Die Supermächte haben keine Optionen für eine idealistische Zukunft gelassen, für die die moderaten Syrer bereit wären zu kämpfen. Für eine Pipeline möchte niemand sterben.

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Was ist die Antwort? Wenn unser Ziel ein langfristiger Frieden im Nahen Osten, eine Selbstverwaltung der arabischen Nationen und die nationale Sicherheit zu Hause ist, dürfen wir jegliche neue Intervention in dieser Region nur mit einem Blick auf die Geschichte führen und einem intensiven Wunsch ihre Lektionen zu lernen. Nur wenn wir Amerikaner den historischen und politischen Kontext verstehen, werden wir die Entscheidungen unserer Politiker angemessen kontrollieren. Unsere Politiker lassen uns mit den gleichen Bildern und der Sprache, die den Krieg gegen Saddam Hussein 2003 unterstützte, glauben, dass es sich bei unserer syrischen Intervention um einen idealistischen Krieg gegen Tyrannei, Terrorismus und religiösem Fanatismus handelt. Wir neigen dazu, aus bloßem Zynismus, die Sicht der Araber abzulehnen, die in der aktuellen Krise die Wiederholung altbekannter Plots um Geopolitik und Pipelines sehen. Wenn wir jedoch eine erfolgreiche Außenpolitik haben wollten, müssten wir anerkennen, dass der syrische Konflikt ein Krieg um die Kontrolle von Ressourcen ist – ununterscheidbar von den unzähligen geheimen und unerklärten Ölkriegen, die wir seit 65 Jahren im Nahen Osten führen. Und erst, wenn wir diesen Konflikt als einen Stellvertreterkrieg um eine Pipeline verstehen, werden die Geschehnisse nachvollziehbar. Es ist das einzige Paradigma, das erklärt, warum die GOP und die Obama-Regierung immer noch auf einen Regime-Wechsel und nicht auf Stabilität in der Region fixiert sind, warum die Obama-Regierung keine moderaten Syrer, die in dem Krieg kämpfen wollen, finden kann, warum ISIL ein russisches Passagierflugzeug explodieren ließ, warum die Saudis einfach einen mächtigen schiitischen Kleriker exekutierten, nur um dann ihre Botschaft in Teheran brennen zu haben, warum Russland nicht-ISIL Kämpfer bombardiert und warum die Türkei ausscherte und einen russischen Jet abschoss. Die Million Flüchtlinge, die jetzt Europa überschwemmen, flüchten vor einem Pipeline-Krieg und der pfuschenden CIA .

Clemente vergleicht ISIL mit Kolumbiens FARC – einem Drogenkartell mit einer revolutionären Ideologie um seine Fußsoldaten zu begeistern. „Sie müssen ISIS als Öl-Kartell betrachten,“ sagte Clemente. „ Am Ende ist das Geld der entscheidende Beweggrund. Die religiöse Ideologie ist ein Werkzeug um die Soldaten zu begeistern, ihr Leben für ein Öl-Kartell zu geben“

Sobald wir diesem Konflikt die humanitäre Patina abstreifen und erkennen, dass es ein Krieg um Öl ist, wird unsere außenpolitische Strategie klar. So wie die Syrer nach Europa fliehen, will kein Amerikaner sein Kind für Pipelines in den Tod schicken. Daher sollte unsere erste, noch nie erwähnte Priorität sein, unsere Tankstelle [wörtlich: „Mideast Oil jones“] im Mittleren Osten loszuwerden – ein erreichbareres Ziel, indem die USA immer unabhängiger im Energiesektor werden. Danach müssen wir unsere Militärpräsenz im Nahen Osten drastisch reduzieren und die Araber Arabien regieren lassen. Abgesehen von der humanitären Hilfe und der Sicherung der israelischen Grenzen, hat die USA keine legitime Rolle in diesem Konflikt. Während die Tatsachen belegen, dass wir eine Rolle bei der Erschaffung dieser Krise gespielt haben, zeigt die Geschichte, dass wir wenig Macht haben, diese zu lösen.

Wenn wir uns der Geschichte stellen, ist es atemberaubend, die erstaunliche Beständigkeit zu betrachten, mit der praktisch jede gewaltsame Intervention seit dem II. Weltkrieg im Nahen Osten von unserem Land in einem kläglichen Scheitern und mit horrenden Kosten endete. Ein Bericht des Verteidigungsministeriums von 1997 stellt fest, dass „die Daten eine starke Korrelation zwischen dem US-Engagement im Ausland und einer Zunahme der Terroranschläge gegen die USA aufzeigen“. Seien wir ehrlich. Was wir „Krieg gegen den Terrorismus“ nennen, ist tatsächlich nur ein weiterer Ölkrieg. Seit der Ölmann Dick Cheney 2001 den „Langen Krieg“ erklärte, haben wir 6 Billionen Dollar für drei Kriege im Ausland und den Aufbau eines Kriegs der nationalen Sicherheit zu Hause verschleudert. Die einzigen Gewinner sind Militärfirmen und Ölgesellschaften, die sich beispiellose Profite in die Taschen steckten, die Geheimdienste, die exponentiell an Macht und Einfluss zu Lasten unserer Freiheiten gewannen und die Djihadisten, für die unsere Interventionen ausnahmslos als Rekrutierungsinstrument diente. Wir haben unsere Werte kompromittiert, unsere eigene Jugend abgeschlachtet, Hunderttausende von unschuldigen Menschen umgebracht, unterminierten unseren Idealismus und verschwendeten unseren nationalen Reichtum in fruchtlosen und teuren Auslandsabenteuern. In dem Prozess haben wir unseren schlimmsten Feinden geholfen und Amerika, einst das Leuchtfeuer für Freiheit in der Welt, in einen Sicherheitsstaat und internationalen Moralapostel verwandelt.

Amerikas Gründerväter warnten einst vor stehenden Heeren, Verstrickungen im Ausland und – um es in John Quincy Adams Worten auszudrücken – davor „im Ausland nach Monstern zu suchen, die man zerstören kann“. Dieser weise Mann wusste, dass Imperialismus im Ausland unvereinbar mit Demokratie und Bürgerrechten zu Hause ist. Jedes Land sollte das Recht auf Selbstbestimmung haben, wiederholte die Atlantik-Charta ihr wegweisendes amerikanisches Ideal. In den letzten sieben Jahrzehnten haben die Dulles Brüder, die Cheney-Gang, die Neocons und ihre Konsorten die fundamentalen Prinzipien des amerikanischen Idealismus fallen gelassen und unser Militär und den Geheimdienstapparat eingesetzt, um den merkantilen Interessen der großen Konzerne zu dienen, insbesondere die Mineralölgesellschaften und die Militärfirmen haben wirklich einen enormen Reibach gemacht.

Für die Amerikaner ist es Zeit Amerika vom neuen Imperialismus weg und zurück zum alten Weg des Idealismus und der Demokratie zu drehen. Wir sollten die Araber Arabien regieren lassen und unsere Energie auf die große Herausforderung des Aufbaus der Nation zu Hause verwenden. Wir müssen mit diesem Prozess beginnen, nicht mit einer Invasion in Syrien, sondern durch die Beendigung der ruinösen Abhängigkeit vom Öl, die die US-Außenpolitik seit einem halben Jahrhundert verzerrt hat.

Übersetzung: Nadja S. für die Facebook-Gruppe „Ein Friedensappell

Dieser Artikel wurde ergänzt, um Robert Kennedy als Justizminister kenntlich zu machen.

Robert F. Kennedy, Jr. ist Rechtsanwalt, Umweltaktivist und Autor. Der dritte Sohn von Robert F. „Bobby“ Kennedy ist Präsident der Waterkeeper Alliance. Sein neustes Buch ist “Thimerosal: Let The Science Speak”.

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