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EU: Autos sollen Autos kaufen

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EU-Industriekommissar Verheugen unterstützt die Forderung der Automobilindustrie nach zinsvergünstigten Krediten in Höhe von 40 Milliarden Euro. Der Absatzkrise auf dem Automarkt soll also mit Subventionen begegnet werden. Glaubt man in Brüssel wirklich, dass mit Geschenken an die Automobilhersteller mehr Autos gekauft würden? Wolfgang Lieb

Zwar verzeichnen Ford (+4,3 %), VW (+3,9 %), BMW (+3,6%), Mercedes (+2,6 %) und Audi (+ 0,7%) bis September immer noch ein Plus an Neuzulassungen in Deutschland und nur Opel (- 4,6 %) und Porsche (-6,5 %) ein Minus. Doch nun bricht der Absatz ein. Daimler macht über Weihnachten an allen Standorten eine vierwöchige Zwangspause, BMW drosselt die Produktion, Ford meldet Kurarbeit an, Opel verhängte an verschiedenen Standorten schon eine Zwangspause. Auch die Zulieferer verhängen Produktionsstopps. Und in der gesamten Branche werden (meist Zeit-)Arbeiter entlassen.

Der Export vor allem der Spritfresser bricht ein, und die Käufer im Inland stellen Neuanschaffungen zurück.
In den USA wollen sich General Motors und Chrysler mit Fusionsplänen Zugang zu dem 700 Milliarden Dollar Rettungspaket der US-Regierung verschaffen. Nun will offenbar die EU mit massiven Zinssubventionen gleichziehen. Begründet wird das allerdings nicht mit der momentanen Absatzschwäche, sondern damit, dass die Hersteller „die erhöhten Aufwendungen, die sie leisten müssen zur Entwicklung umweltfreundlicher, kraftstoffarmer Fahrzeuge“ trotz Finanzkrise bezahlen können sollten.

Daimler hat z.B. trotz Gewinnrückgang immer noch 6 Milliarden Gewinn vor Steuern.

Die Rekordgewinne der vergangenen Jahre haben also den Automobilbauern in Deutschland und Europa nicht ausgereicht, jetzt müssen Finanzkrise und Umweltschutz herhalten, um die Automobilindustrie zu subventionieren.

Es ist makaber, dass gerade die deutschen Automobilhersteller, die seit Jahren gegen die Grenzwerte beim CO2-Ausstoß Sturm laufen und nur wenig unternommen haben, um kraftstoffärmere Autos auf den Markt zu bringen, nun nach Subventionen rufen. Gerade die deutschen Hersteller bräuchten keine Subventionen, sondern andere Modelle mit kraftstoffsparenden Motoren.

Wo bleibt eigentlich der von der EU-Kommission sonst so hoch gepriesene Wettbewerb?

Glaubt EU-Kommissar Verheugen wirklich, dass damit Entlassungen verhindert würden?

Wo bleiben die Subventionen für die Zulieferer, die mindestens so hart getroffen werden wie die Hersteller?

Glaubt er wirklich, dass mit Subventionen an die Hersteller mehr Autos gekauft würden?

Gerade dieser Tage konnten wir wieder lesen, dass die Arbeitnehmer Reallohnverluste hinnehmen müssen und dass die Verunsicherung über die Finanzkrise und die wirtschaftliche Entwicklung die Sparquote der privaten Haushalte in Rekordhöhen treibt. Wie sollten potentielle Käufer in dieser Situation zu Neuanschaffungen von Autos animiert werden?

Es war so und es bleibt eben dabei, dass Autos keine Autos kaufen. Solange die Menschen das Gefühl haben, dass nichts zur Ankurbelung der Konjunktur unternommen wird, damit ihre Arbeitsplätze sicherer werden, solange sie nicht durch höhere Löhne mehr Geld in der Tasche haben und solange nun auch noch der Export stagniert, solange werden eben nicht mehr Autos verkauft werden können.

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