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„Haltet den Dieb“ wird zusehends zur wichtigsten Manipulationsmethode. Ein Wochenrückblick.

Veröffentlicht in: Aktuelles, Audio-Podcast, Kampagnen / Tarnworte / Neusprech, Manipulation des Monats, Medienkritik, Militäreinsätze/Kriege

Die vergangene Woche ist wieder eine solche Horrorwoche gewesen, angefüllt von schrecklichen Nachrichten bis hin zu jener von heute früh, dass die USA Syrien mit Raketen angegriffen haben. Alle diese Ereignisse werden von Propaganda begleitet. Und wenn man einigermaßen durchschauen will, was geschieht, dann ist es gut, die Methoden der Manipulation zu kennen. Deshalb, und nicht um Sie zu langweilen, weisen wir immer wieder auf die angewandten Methoden und die damit häufig verdrehten Sachverhalte hin. In der vergangenen Woche wurde die Methode „Haltet den Dieb“ häufig angewendet. Albrecht Müller.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

  1. Die ARD/Tagesschau startete mit einer Sondereinheit zur Analyse und Bekämpfung von sogenannten Fakes.

    Darauf haben die NachDenkSeiten am 4. April hingewiesen: Der Bock „ARD“ macht sich zum Gärtner. Toll, toller, am verlogensten! Die Suche nach Halbwahrheiten, Unwahrheiten, Verdrehungen wird auf das Netz beschränkt. Damit wird der Eindruck vermittelt, als gäbe es in den eigenen Reihen der etablierten Medien nichts zu untersuchen. Das Gegenteil ist richtig. Ich bin ziemlich sicher, dass die Sondereinheit auch deshalb in Szene gesetzt worden ist, um von den zahlreichen und wiederkehrenden eigenen Verdrehungen und Halbwahrheiten abzulenken. „Haltet den Dieb“ funktioniert in diesem Fall dann nicht, wenn viele Menschen darauf hinweisen, was die Tagesschau im Interesse der ARD insgesamt bezweckt.

  2. Machthaber Assad setzt wieder Giftgas gegen das eigene Volk ein. Der Westen hat diese Botschaft sofort und aus verschiedenen Ecken kommend in die Welt gesetzt. Damit ist bei vermutlich sehr vielen Menschen der Eindruck entstanden, dass die Verantwortung für diesen Giftgasanschlag geklärt sei. Wer „haltet den Dieb“ ruft, wäscht sich rein und bringt den Anderen in Verruf. Im konkreten Fall hatte dies noch die schreckliche Nebenwirkung, den offenen Kriegseintritt der USA gegen Syrien abzudecken. Und verständlich zu machen. Vermutlich haben viele Menschen im Westen mit dem Kopf genickt.

    Bei diesem Vorgang kann man auch die Anwendung anderer Methoden der Manipulation gut beobachten und belegen: Die Zuweisung der Verantwortung an Syrien und die unterschwellige Zuweisung der Verantwortung an Russland kam aus verschiedenen Ecken und sie wurde ständig wiederholt. Es wurde visualisiert und emotionalisiert, insbesondere beim Auftritt der UN Botschafterin der USA.

    In den NachDenkSeiten konnten sie am 6. April einen Beitrag zum Thema Syrien und Giftgaseinsatz lesen. Mit Hinweis auf Michael Lüders:

    Giftgaseinsatz zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung im Umfeld von Konferenzen zu Syrien? Zynischer geht es nicht. – Siehe Lüders bei Lanz.

  3. Der Vorwurf, Russland greife in die inneren Angelegenheiten der USA und Europas ein, auch zur Beeinflussung von Wahlen, verdeckt die seit Jahrzehnten gängige Beeinflussung der inneren Angelegenheiten durch die westliche Führungsmacht und durch die NATO und EU zum Beispiel.

    In unseren Ländern tummelt sich eine Heerschar von Politikern und Wissenschaftlern, wie auch Journalistinnen und Journalisten, die auf mannigfache Weise mit den USA und oder mit der NATO verbunden sind. Sie sind Mitglieder von eigens gegründeten Organisationen wie der Atlantikbrücke oder von NGOs der USA. Im Falle der Ukraine ist bekannt geworden, dass die USA 5 Milliarden! – Milliarden, also nicht Millionen – in die innere Meinungsbildung des Landes gesteckt haben, um die Menschen aus dem Einflussbereich Russlands herauszulösen und dem Westen anzunähern.

    Wir konnten im Frühjahr 2014 in Dokumentationen der Anstalt auf der Basis der Forschungen von Uwe Krüger nachschauen, welche Journalisten in Deutschland für die Atlantiker tätig sind. Hier haben wir auf die Sendung vom 29. April 2014 hingewiesen.

    Immer wieder war mir in meinem politischen Leben aufgefallen, dass Kollegen im Deutschen Bundestag eher die Interessen der westlichen Führungsmacht vertraten als eigene. Ein Leser der NachDenkSeiten wies in einer Mail vom Freitag früh darauf hin, dass der Abgeordnete der CDU, Volker Rühe, bei der Ausdehnung der NATO über die 1990 vereinbarte Grenze hinaus eine bedeutende Rolle gespielt hat, und dies nicht im Interesse unseres Landes geschah.

    Ich selbst habe bei Besuchen in Washington erlebt, wie sehr man im State Department beobachtete, was in Deutschland innenpolitisch geschah. 1973 zum Beispiel wollte man von mir genau wissen, ob die Jusos denn bald die Macht übernehmen würden. Im gleichen Jahr hatten die USA in Chile mitgeholfen, eine nicht genehme Regierung zu beseitigen. Und der Westen, im konkreten Fall die Europäische Union und vermutlich im Hintergrund auch die NATO, haben kräftig mitgeholfen dabei, dass die Linke in Griechenland keinen Boden unter die Füße bekam.

    Wenn Putin und Russland insgesamt jetzt unterstellt wird, sie wollten im Westen mitmischen, dann ist das angesichts des dauernden und kräftigen Mitmischens der westlichen Führungskräfte in den Innereien so genannter westlicher Demokratien, eine wirkliche Lachnummer. Haltet den Dieb funktioniert.

Was dagegen tun?

Widersprechen. Aufklären. Auf die Methoden der Manipulation aufmerksam machen. Mit Politikerinnen und Politikern sprechen. Leserbriefe schreiben.

Das tun viele NachDenkSeiten-Leserinnen und -Leser schon. Ein Musterbeispiel ist das Folgende. Sie können den Text des Leserbriefes gerne übernehmen, so ist es gedacht.

Hier ist zunächst die Mail an die NachDenkSeiten und dann der Leserbrief an die Stuttgarter Zeitung:

Mail vom 7.4.2017

Liebe Nachdenkseiten,

ich habe mich gerade bei der Zeitungslektüre so geärgert, dass ich einen Leserbrief verfasst habe. Diesen finden Sie anbei.

Man müsste sich vielmehr der täglichen Berichterstattung widmen und die Fakten auseinandernehmen um gewisse Einseitigkeiten zu beweisen. Leider ist das sehr zeitintensiv. Falls Sie Verwendung für diesen Leserbrief haben, damit ihn noch andere nutzen können, dürfen Sie dies gerne tun.

Herzliche Grüße
Andrea Zeller
70734 Fellbach
 
Von: Zeller
Gesendet: Freitag, 7. April 2017 08:45
An: ‚redaktion@stz.zgs.de‘
Betreff: Kommentar „Eine neue rote Linie“, Ausgabe Freitag 7. April 2017, S. 3

Sehr geehrte Damen und Herren,

im o.g. Kommentar musste ich gerade die folgenden Zeilen lesen: „Im August 2012 hatte der damalige US-Präsident gesagt, ein Einsatz von Chemiewaffen seitens des syrischen Regimes würde seine Haltung zu einem Militäreinsatz verändern. Als Baschar al-Assad knapp ein Jahr später tatsächlich Giftgas einsetzen ließ…“

Die ZDF-Sendung von Markus Lanz vom 5. April 2017 befasste sich ebenfalls mit dem derzeitigen Giftgaseinsatz in Syrien. Hier kommt ab Minute 3:50 Michael Lüders zu Wort. Dieser erklärt, dass zum aktuellen Zeitpunkt niemand wissen kann, wer diesen Giftgaseinsatz zu verantworten hat. Lüders kommt auch auf den Giftgasangriff von 2012 zu sprechen. Dabei sagt er, dass die Urheberschaft bis heute nicht sicher geklärt ist und dass dieser höchstwahrscheinlich der Al-Nusra-Front zuzuschreiben ist. Diese erhielt das Giftgas mutmaßlich vom türkischen Geheimdienst (ab Minute 12:20). Als unter anderem Can Dündar in der Türkei darüber berichtete, wurde er wegen Verrat verurteilt. Anbei der Link zur Sendung.

Bitte erklären Sie mir, warum in der Stuttgarter Zeitung steht, dass Assad 2012 Giftgas einsetzen ließ, obwohl dies nicht bewiesen ist und bis heute angezweifelt wird. Auch die aktuelle Urheberschaft ist derzeit unklar. Und ich möchte mir nicht vorstellen was passiert, wenn die USA den Putin-Verbündeten Assad direkt angreifen sollten.

Die Informationen zu den verschiedenen Kriegsparteien, welche ich zum Beispiel bei „Aus Politik und Zeitgeschichte“ gewinnen konnte, konnte ich bei Ihnen in den vergangenen Jahren leider ebenfalls nicht wiederfinden (z.B. hier).

Was sind die Gründe für Ihre Berichterstattung, die die Rolle des Bösen (Assad, Putin) so klar zuweist, obwohl im Grunde genommen alle Kriegsparteien (u.a. auch die Türkei, Saudi-Arabien, etc.) hier ein schmutziges Spiel spielen? Warum wird über die syrische Tragödie nicht differenzierter berichtet?

Gerade in Zeiten von Fake-News sollte sich eine Qualitätszeitung wie die Stuttgarter Zeitung nicht durch eine derart einseitige Berichterstattung angreifbar machen.

Mit freundlichen Grüßen
Andrea Zeller

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