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12. Dezember 2017
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Die Tagesschau will den NachDenkSeiten ans Leder und macht sich dabei nur selbst lächerlich

Veröffentlicht in: Aktuelles, Audio-Podcast, Kampagnen / Tarnworte / Neusprech, Medienkritik

Gestern berichteten wir über eine Falschmeldung von SPIEGEL Online und forderten dabei – leicht ironisch – die „Faktenfinder“ der Tagesschau auf, der Sache doch mal nachzugehen. Das haben die Kollegen heute getan und kommen dabei nicht nur zu einem erstaunlich grotesken Ergebnis, sondern können es auch nicht sein lassen, anstatt mit Argumenten, lieber mit haltlosen Schmähungen zu antworten. Dabei kommt auch die altbekannte „Verschwörungstheoretiker-Keule“ zum Einsatz. Das Ziel ist klar: Die NachDenkSeiten sollen mittels der üblichen Methoden der Branche diskreditiert werden. Diese Schmutzkampagne fällt jedoch auf den Absender zurück. Nutzen Sie dieses Beispiel bitte, um auch im Freundes- und Bekanntenkreis auf die NachDenkSeiten und die Methoden der Meinungsmache von Tagesschau und Co. aufmerksam zu machen. Von Jens Berger.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Eigentlich ist die Frage, ob SPIEGEL Online im gestern beschriebenen Fall eine Falschmeldung verbreitet hat, gänzlich ungeeignet für eine kontroverse Diskussion. Die Sachfragen sind durch die von uns verlinkte Antwort der Bundesregierung glasklar beantwortet und es geht allenfalls noch darum, ob SPIEGEL-Online-Journalist Matthias Gebauer fahrlässig oder vorsätzlich gehandelt hat. Dass die Faktenfinder, verkürzt ausgedrückt, zu dem Ergebnis kommen, dass die Sache schon so in Ordnung ist, weil die Bundeswehr dies damals gesagt hat, ist ein journalistischer Offenbarungseid. Aber machen Sie sich als mündige Bürger doch ruhig selbst ein Bild und lesen Sie die drei Beiträge:

Die zentralen Vorwürfe hatte ich im gestrigen Artikel extra gefettet und es ist für jedermann ersichtlich, dass es vor allem darum geht, dass SPIEGEL Online eine „konzertierte Kampagne“ erfindet, wo es nur eine einzige Mail gab und russische Täter bzw. sogar russische Regierungsstellen als Verantwortliche ausmacht, ohne dafür ein Indiz oder gar einen Beweis zu haben.

Interessanterweise geht Tagesschau-Faktenfinder Patrick Gensing auf diese Punkte überhaupt nicht ein, sondern arbeitet sich an Nebensächlichkeiten ab. Und sogar dabei macht er grobe Fehler, die zeigen, dass er den Text – wenn überhaupt – nur sehr oberflächlich gelesen hat. So behauptet Gensing beispielsweise, wir hätten „nicht genau ausgeführt“, wer die Empfänger besagter Mail waren, nur um uns danach nahezu wörtlich mit der gewünschten Angabe zu zitieren („an den litauischen Parlamentspräsidenten, die litauische Polizei und einige Abgeordnete“). Wenn man so was liest, weiß man nicht, ob die Tagesschau-Redaktion ihre Leser veräppeln will oder ob man darauf zählt, dass die Leser ohnehin die Originalquelle nicht aufrufen und den öffentlich-rechtlichen Rechercheuren einfach alles glauben. Einen Link auf die NachDenkSeiten haben Gensing und Co. nämlich nicht gesetzt. Auch dies dient nicht eben der Wahrheitsfindung.

Ob es dem Tagesschau-Team überhaupt um die Wahrheitsfindung geht, darf ohnehin bezweifelt werden. Denn der gesamte Artikel ist durchzogen von Einsprengseln, die zwar überhaupt nichts mit dem konkreten Text zu tun haben, dafür aber sehr genau ausgesucht wurden, um die NachDenkSeiten indirekt als Quelle zu diskreditieren. So verweist man – diesmal auch mit Link – auf das in diesem Zusammenhang komplett irrelevante Abschiedsschreiben des ehemaligen NachDenkSeiten-Mitherausgebers Wolfgang Lieb und einen Schmähartikel des FR-Redakteurs Steven Geyer, der von uns und von Kollegen wie dem Handelsblatt-Redakteur Norbert Häring bereits ausgiebig thematisiert wurde. Gensing geht es dabei freilich nur darum, den von Geyer vorgebrachten Vorwurf, wir hätten „keine Berührungsängste mit rechten Personen und Positionen und Verschwörungstheorien“, elegant und vor allem indirekt unterzubringen. Denn so muss sich ein Herr Gensing für diesen an Rufmord grenzenden Unsinn nicht rechtfertigen – er zitiert ja nur einen Kollegen. Man kennt diese Methode. Der unbedarfte Leser, der die NachDenkSeiten nicht kennt, packt uns in die vorgesehene Schublade und die Tagesschau darf sich über ihre Deutungshoheit als Qualitätsmedium freuen.

Ganz ehrlich – wie finden Sie eigentlich dieses Gebaren der gebührenfinanzierten „Faktenfinder“? Wir möchten uns ja nicht auf das Niveau dieser Kollegen herabbegeben und unsererseits mit Schmutz werfen. So was fällt in der Regel stets auf den Absender zurück und ist zudem kindisch. Sie können dieses Beispiel gerne aktiv verwenden, wenn Sie in der alltäglichen Debatte mit Freunden, Kollegen oder anderen Internetnutzern mal einen Beleg dafür brauchen, mit welchen Mitteln die Qualitätsmedien sich selbst gegen berechtigte Kritik verteidigen. Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus, stattdessen wird lieber der Überbringer gerechtfertigter Kritik verunglimpft. Selbstverständlich können Sie auch gerne das Team der Faktenfinder oder Patrick Gesing persönlich (Twitter @PatrickGensing) fragen, wie sie zu dieser überraschenden Beurteilung des SPIEGEL-Online-Artikels kommen und warum sie die NachDenkSeiten derart diskreditieren. Auch wir sind gespannt, womit man sich bei der Tagesschau rechtfertigt.

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