Kiesewetter (CDU) sagt die Unwahrheit. Allerdings sehr geschickt. Die total manipulierte Meinungsbildung (II.)

Kiesewetter (CDU) sagt die Unwahrheit. Allerdings sehr geschickt. Die total manipulierte Meinungsbildung (II.)

Kiesewetter (CDU) sagt die Unwahrheit. Allerdings sehr geschickt. Die total manipulierte Meinungsbildung (II.)

Albrecht Müller
Ein Artikel von: Albrecht Müller

Hier kommt das nächste Beispiel für in den letzten Tagen ins Haus gespülte totale Manipulation. Nutzen Sie bitte auch dieses Beispiel, um in Ihrem Freundeskreis zu zeigen, wie manipuliert die Meinungsbildung in Deutschland zurzeit ist. Hauptverantwortliche: die etablierten Medien und die etablierte Politik. Im konkreten Fall geht es um ein Interview bei ZDF Berlin Direkt vom vergangenen Sonntagabend. Dort werden in 5 Minuten und 14 Sekunden vom Außen- und Sicherheitspolitiker der CDU und Mitinitiator der sogenannten Gegenrede Halbwahrheiten und Unwahrheiten über den Sender geschickt. Albrecht Müller.

Das Interview ist übrigens auch deshalb interessant, weil daran sichtbar wird, dass die CDU zu Unrecht zu jenen Parteien gezählt wird, die als seriös gelten. Es gibt keinen Unterschied zwischen der Seriosität und demokratischen Qualität von CDU und AfD. Wer systematisch die Wahrheit verdreht, kann nicht zu den demokratischen Kräften gezählt werden.

Nun aber zum Kern, den Halbwahrheiten und Unwahrheiten des Herrn Kiesewetter:

Hier ist noch einmal der Link zum Stück.

Einschlägige Aussagen des CDU-Politikers werden zitiert und kommentiert:

Minute 0:55: „Wenn Russland aufhört zu kämpfen, ist der Krieg vorbei, wenn die Ukraine aufhört zu kämpfen, ist das Land vorbei“. – Deshalb wendet sich der CDU-Politiker gegen eine Waffenruhe bzw. einen Waffenstillstand. Kiesewetters Behauptung ist schlicht unwahr. Selbstverständlich ist die Ukraine noch vorhanden, wenn sich die beiden Kriegsparteien auf einen Waffenstillstand verständigen würden. Die Argumentationsweise ist typisch: maßlose Übertreibung.

Minute 1:30: Kiesewetter behauptet zunächst, im Aufruf von Wagenknecht/Schwarzer würden Täter und Opfer gleichgestellt. Kiesewetter nennt die beiden „Friedenskünstler“, ein Etikett, das abwerten soll. Und dann bringt er, typisch für diese Art der Argumentation, eine Analogie aus dem privaten Bereich. Die Gleichstellung von Täter und Opfer wäre so, als würde bei Ihrem Nachbarn der Mann getötet, die Kinder entführt, die Frau vergewaltigt und ihr dann befohlen, Platz in ihrem Haus zu machen.

Minute 1:49: An die letzte Passage direkt, wenn auch nicht logisch angefügt, folgt die Behauptung, Sahra Wagenknecht führe links und rechts zusammen. Und sie missbrauche mit dem Wort Frieden die Mitte der Gesellschaft. – Diese Passagen sind auch deshalb interessant, weil hier einfach ohne logische Verknüpfungen stigmatisierende Worte zusammengefügt werden. Kiesewetter ist ein Meister der Demagogie und dies alles im bürgerlichen Gewand.

Bei Minute 2:08 geht es um die Intervention von Jürgen Habermas. Immerhin weist die Moderatorin auf die Verdienste von Habermas hin und darauf, wie übel mit ihm umgegangen wird.

Minute 2:39: Es gehe darum, meint Kiesewetter, ob die Ukraine als Staat überlebt. Wenn wir die Ukraine zu einem einseitigen Waffenstillstand aufrufen, dann gewinne Russland.

Minute 2:42: Russland habe klargemacht, dass der Krieg weitergetragen wird und wenn der Krieg gewonnen wird, dann gehe es gegen Moldau – nach meiner Kenntnis eine glatte Lüge.

Minute 3 ff: Es gehe darum, dass die Ukraine gewinnt und die Russische Föderation verlieren lernt, ihre kolonialen Ansprüche aufgibt und auch aufgibt, Menschen zu vergewaltigen, und Frauen zu vergewaltigen und 100.000 Kinder – „nachgewiesen“ – zu entführen. Darum gehe es und nicht darum, ob Herr Habermas sich beleidigt fühlt. – Kiesewetter erweckt mit diesen Tiraden den Eindruck, als würden Kriegsverbrechen nur von russischer Seite begangen. Außerdem unterstellt er Russland koloniale Ansprüche. Das ist eine der typischen Unterstellungen, die wir von deutschen Medien bezogen auf Russlands Absichten in Bezug auf Moldau oder bezogen auf die baltischen Staaten immer wieder aufgetischt bekommen. Kiesewetter macht sich zum Kronzeugen dieser Unterstellungen. Sie sind die wesentliche Begründung für die Fortführung des Krieges.

Minute 3:50: Die Moderatorin bescheinigt der CDU indirekt, eine Partei der „Mitte“ zu sein. Das ist das übliche Spiel. Eine Partei, die sowohl in der Wirtschafts- als auch in der Friedenspolitik reaktionäre Positionen vertritt, wird als Partei der Mitte bezeichnet.

Ab Minute 4:00 erklärt Kiesewetter die Kriegsziele. Die Ukrainer müssen so viele Waffen bekommen, dass sie ihr Territorium befreien können, Russland müsse „die Waffen strecken“, die Krim will Kiesewetter nicht befreien, aber die Versorgungswege der Krim müssten „zerschlagen werden“. – Aus meiner Sicht ist diese Aussage interessant, weil sie sichtbar macht, wie gefährlich die Gedanken und Strategien von Menschen wie Kiesewetter sind. Wahrscheinlich ist er aber auch hier nur Sprachrohr der USA.

Minute 4:25: Kiesewetter unterstellt Wagenknecht „unterlassene Hilfeleistung“. – Diesen Begriff aus dem bürgerlichen Strafrecht hier einzuführen, ist eine der typischen Tricks dieses Demagogen.

Minute 4:31: „Der Dialog über Friedensverhandlungen ist von Russland abgelehnt worden.“ – Nach meiner Kenntnis eine Unwahrheit.

Minute 4:35: Die Ukraine wollte die Krim aufgeben, sie wollte die NATO-Mitgliedschaft nicht weiter anstreben und die Antwort Russlands seien die Kriegsverbrechen von Butscha und Mariupol gewesen, so Kiesewetter. – Hier erweist er sich wirklich als grandioser Verdreher der Tatsachen. Er macht das rhetorisch ausgesprochen geschickt. Man kann der Zusammenfügung von Behauptungen kaum mehr folgen. Aber die Sprechblasen tun ihre Wirkung.

Minute 5:00: Wenn die Ukrainer aufhören zu kämpfen, dann sei unsere Freiheit bedroht. – Eine Lüge, die wir unentwegt aufgetischt bekommen.

Soweit die Wiedergabe des Interviews. Eigentlich fast schon eine Zumutung, sich dieses Interview noch einmal zu Gemüte zu führen.

Trotzdem möchte ich Sie darum bitten, in Ihrem Umfeld diese 5 Minuten und 14 Sekunden vorzuführen und gemeinsam darüber kritisch zu beraten.

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