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Machen wir’s den Argentiniern nach!

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Die argentinische Volkswirtschaft war im Dezember 2001 kollabiert. Hoffnungslos, wie es schien. Jetzt stellen wir fest: zwei Jahre hintereinander wuchs die argentinische Volkswirtschaft um jeweils 8%, die Exporte sind steil angestiegen, die Währung ist stabil, die Arbeitslosigkeit sank von über 20% auf ca. 13%, die Armut – 2002 lebte eine Rekordziffer von 53,4% unterhalb der Armutsgrenze – sank mit dem Aufschwung um 10%. Und dies alles, obwohl (oder weil) sich Argentinien den Auflagen des IMF und den orthodoxen neoliberalen Wirtschaftstheorien widersetzt hat. – Dies berichtet die New York Times in ihrer Ausgabe vom 26.12.2004.

Anders als andere Entwicklungsländer in weniger kritischer Lage hat sich die argentinische Regierung entschieden, den Binnen-Konsum und so die Konjunktur zu stimulieren. Zwei Millionen neue Arbeitsplätze sind so seit der tiefen Krise Anfang 2002 geschaffen worden.

Seltsam: in Argentinien, in den USA, in Österreich und sogar in Großbritannien werden keynesianische Instrumente unter anderen Instrumenten mitverwendet, um aus einer Rezession herauszukommen. Nur in Deutschland nicht. Hier herrschen eine dogmatische Wissenschaft und ihre politischen und publizistischen Ableger. Sie wiederholen z.B. gebetsmühlenhaft, Konjunkturprogramme seien Strohfeuer, sie brächten nichts außer neuen Schulden. Und dabei reiten sie unsere Ökonomie immer tiefer in den Keller und machen selbst mehr und mehr Schulden.

Die Lage in Argentinien war um vieles dramatischer als bei uns. Sie haben es innnerhalb von drei Jahren geschafft, aus einer tiefen Krise heraus zu kommen. Wir stecken nun schon gut 20 Jahre – kurz unterbrochen durch den Boom zwischen 1988 und 1991 – in einer Krise. Und sind zu blöd (man muss es so deutlich sagen), um die richtigen Methoden anzuwenden. Es ist an der Zeit, diese ideologische Fixierung zu nennen, was es – wie das Beispiel Argentinien wieder zeigt – ist: ein Verbrechen an den betroffenen Menschen, an den Arbeitslosen und den vielen Selbständigen, die das Opfer einer bewusst klein gehaltenen Binnenkonjunktur sind.

Zum Dogmatismus und zur tendenziellen Unfähigkeit der deutschen Meinungsführer noch zwei Quotes:

  1. Nobelpreisträger Robert Solow in der „Wirtschaftswoche“ vom 9.September 2004 auf die Frage nach den Perspektiven für Deutschland:

    Die deutsche Wirtschaft schwächelt nun schon seit einer Dekade. Wenn ich ein Manager wäre, würde ich meine Produktion auch nicht ausweiten, solange die Märkte nicht erkennbar expandieren. Klar, Makropolitik beherrscht vermutlich niemand perfekt. Aber mir scheint offensichtlich: in Deutschland könnte man sie wesentlich besser machen.

  2. Jim O Neill, Chefvolkswirt Goldman Sachs in einem Zeit-Interview (Nr. 35/2004) mit dem Titel „Ein absurdes Verständnis von Wirtschaft“: Frage: Wie schafft Deutschland den Aufschwung:

    Nur mit einer undogmatischen Wirtschaftspolitik. Viele deutsche Volkswirte erscheinen dogmengläubig.

Den Artikel über Argentinien mit dem Titel „ Argentina’s Economic Rally Defies Forecasts“ können Sie in der Ausgabe vom 26. Dezember finden, geschrieben von Larry Rohter.

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