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Ausge-Strzok-t, Lisa Page legt die Karten offen

Veröffentlicht in: Kampagnen / Tarnworte / Neusprech, USA
Ray McGovern

Die Bedeutung einer wichtigen SMS, die zwei FBI-Beamte austauschten, ist offiziell entschlüsselt. Und das ist keine gute Neuigkeit für alle Russiagate-Gläubigen. Die ehemalige FBI-Anwältin Lisa Page sagte vor dem gemeinsamen Ausschuss des Repräsentantenhauses aus, dass die SMS, die der FBI-Spionageabwehrbeamte Peter Strzok ihr am 19. Mai 2016 schickte mit dem Wortlaut „there’s no big there there“, bedeutete, es gibt keine Beweise für eine geheime Zusammenarbeit zwischen der Trump-Kampagne und Russland. Von Ray McGovern, aus dem Englischen von Josefa Zimmermann.

Für Strzok war es eindeutig ein Unglückstag, als Page am Freitag, dem 13. diesen Monats, gegenüber dem gemeinsamen Ausschuss des Weißen Hauses die SMS erläuterte und damit ihren Liebhaber Strzok in Schwierigkeiten brachte.

Am Freitag berichtete John Solomon im Kommentarteil von The Hill über Strzoks Eingeständnis gegenüber Page über das “there’s no big there there“ und er stützte sich auf mehrere Quellen, die bei der geheimen Anhörung persönlich anwesend waren.

Strzoks SMS kam nicht von ungefähr. Zehn Monate hatten er und seine FBI-Untergebenen alles daran gesetzt, das „there“ – vorzugsweise ein großes „there“ – aufzuspüren, waren aber kläglich gescheitert. Wenn das zutrifft, was Solomons Quellen behaupten, sieht es immer mehr danach aus, dass ihnen nur noch eins blieb: eine Lügengeschichte zu erfinden und dann den Stab an Sonderberater Robert Mueller weiterzugeben.

Die „no there there”-SMS kam nur zwei Tage, nachdem der frühere FBI-Direktor James Comey seinen Freund Robert Mueller erfolgreich in die Position des Sonderermittlers gehievt hatte, wo er die angebliche Verschwörung untersuchen sollte, an deren Nichtexistenz Strzok kaum Zweifel hatte.

Robert Parry, der verstorbene Gründer und Herausgeber von Consortium News, der mir Solomon letztes Jahr als sein Vorbild für journalistischen Mut und Professionalität beschrieb, konnte schon im März 2017 die Umrisse des heutigen Deep-State-Gate erkennen und nicht zufällig war er der Erste, der über die Implikationen zu berichten wagte.

Parry schrieb den Artikel zweieinhalb Monate vor Strzoks beweiskräftiger SMS an Page, dass es dort „nichts Großartiges” gäbe. Ein Musterbeispiel für professionellen Journalismus. Schon sein allererster Satz nahm praktisch Strzoks SMS vorweg. „Die Hysterie über Russiagate wächst weiter… aber im Kern ist vielleicht „no there there“. (Hervorhebung des Autors.)

Was die „Hexenjagd” angeht, so waren Bob und seine Kollegen von Consortiumnews.com tatsächlich kurz davor, auf dem Scheiterhaufen zu landen, denn sie waren nicht vom HWHW-Virus (Hillary would have won) infiziert und verschmähten den Zaubertrank aus den Trögen des Deep State. Wie üblich blieb Bob sich selbst treu: Er brachte ein Organ zum Einsatz (das es bei der etablierten Presse kaum noch gibt), das sich durch die Beweisakten fraß, sie verdaute und am anderen Ende wieder ausspuckte.

Diejenigen von uns, die dem Beispiel von Bob Parry folgen, werden immer noch stark angeschossen, auch von Leuten von ehemals seriösen – sogar progressiven – Webseiten. Wir erwarten jetzt keineswegs einen Waffenstillstand, auch nicht nach Pages’ Eingeständnis (über das die etablierten Medien auch zehn Tage nach der Befragung ängstliches Schweigen bewahren). Viel zu viel steht auf dem Spiel.

Um Mark Twain zu zitieren: „Es ist einfacher, die Menschen zum Narren zu halten als sie davon zu überzeugen, dass sie zum Narren gehalten wurden“. Und wie wir in den letzten Jahren gesehen haben, gilt das auch für Russiagate. Viele von uns, die objektiv darüber nachgedacht und unvoreingenommen darüber geschrieben haben, sind sich bewusst, dass wir, was dieses Thema angeht, als mit Präsident Donald Trump konform angesehen werden.

Blinder Hass auf diesen Mann scheint jegliche Offenheit dafür zu zerstören, dass er auch einmal etwas richtig machen könnte – egal was. Das ist ausgesprochen hinderlich. Schreibe um der Wahrheit Willen, ganz gleich, wer dir am Ende applaudiert!

Solomons Artikel verdient eine vollständige und sorgfältige Lektüre. Hier sind die wichtigsten Absätze. „Es stellte sich heraus, dass Strzok und Lisa Page an diesem Tag [19. Mai 2017] darüber diskutierten, ob sie beim FBI bleiben sollten, versuchen sollten, Karriere zu machen und zum Assistant Direktor (AD) aufzusteigen oder in Muellers Sonderberater-Team zu wechseln.“ [Page hat danach das FBI verlassen.] „Wen interessiert das schon, noch ein AD mehr wie [Name geschwärzt] oder wer auch immer?“, schrieb Strzok, die Vorteile einer Beförderung abwägend, bevor er eine scheinbar attraktivere Rolle vorschlug: „Eine Untersuchung, die zu einer Amtsenthebung führt?…“

Ein paar Minuten später schrieb Strzok über sein Problem mit den spärlichen Beweisen für Russiagate: „Du und ich, wir wissen beide, dass wir keine Chance haben. Wenn ich es für wahrscheinlich hielte, wäre es keine Frage. Ich zögere teilweise wegen meines Bauchgefühls und wegen meiner Sorge, dass ‘there’s no big there there’.“

“Also wussten die FBI-Agenten, die dazu beigetragen hatten, das Narrativ von der geheimen russischen Verschwörung zu stützen – genau wie Rosenstein mit seiner Entscheidung, Mueller zu ernennen – offensichtlich die ganze Zeit, dass die Beweise zu ‘nichts’ führten, und dennoch machten sie weiter, weil sie dachten, es bliebe noch die Möglichkeit der Amtsenthebung.”

Solomon fügt hinzu: “Wie sehr einem dieses Verhalten Sorgen bereitet, hängt weitgehend davon ab, ob man Trump liebt oder hasst. Aber stellen Sie sich vor, Sie säßen selbst auf dem Heißen Stuhl gegenüber diesen FBI-Ermittlern und es wird wegen einer Tat gegen Sie ermittelt, von der die Ermittler glauben, dass sie nie stattgefunden hat, aber die Ermittlung wird fortgesetzt, denn das Ziel ist, Sie aus Ihrem Job zu entfernen. Können Sie mit einem solchen FBI leben?“

Das Timing

Wie erwähnt, verfasste Strzok die SMS zwei Tage vor der Ernennung von Mueller am 17. Mai 2017. Am Tag davor, dem 16. Mai, publizierte die New York Times einen gezielt lancierten Artikel, den Comey ihr, wie er drei Wochen später vor dem Kongress zugab, durch einen Mittelsmann zugespielt hatte und der zur Ernennung eines Sonderermittlers zur Untersuchung der geheimen Absprachen zwischen der Trump-Kampagne und Russland führte.

Hmmmmm.

Hatte Strzok vergessen, seinem Chef zu sagen, dass er nach zehn Monaten intensivster Ermittlungen legaler und illegaler Art kein “there there” hatte entdecken können?

Comeys Artikel handelte, nebenbei bemerkt, davon, dass Trump angeblich Druck auf ihn ausgeübt hatte, den Ball flach zu halten in Sachen General Michael Flynn, der bei einem improvisierten Verhör gelogen hatte, das – Sie ahnen es schon – von dem allgegenwärtigen, unentbehrlichen Peter Strzok geführt wurde.

Auf jeden Fall verlief die Operation wie ein Wunder – zumindest auf den ersten Blick. Und – ohne die Enthüllung der Strzok-Page-SMS hätte es vielleicht weiterhin geklappt. Denn nachdem Generalstaatsanwalt Rod Rosenstein einen von Comeys besten Freunden, Robert Mueller, zum Sonderermittler ernannt hatte, ernannte dieser im Gegenzug Strzok zum Leiter des Russiagate-Ermittlerteams – bis zum Sommer, als der Generalinspekteur des Justizministeriums die gesammelten Strzok-Page-SMS erhielt und nicht vorhatte, auf ihnen sitzen zu bleiben.

Die Zeitleiste

Hier sehen sie eine Liste des zeitlichen Ablauf, die hilfreich sein könnte.

2017

  • 16. Mai: Comey spielt der NY Times einen Artikel zu mit dem Ziel, einen Sonderermittler einzusetzen.
  • 17. Mai: Robert Mueller wird zum Sonderermittler ernannt.
  • 19. Mai: Vertrauliche SMS von Strzok an seine Freundin Page: „there’s no big there there“.
  • Juli: Mueller ernennt Strzok zum Leiter der FBI-Ermittlungen über geheime russische Absprachen.
  • August: Mueller entlässt Strzok, nachdem er von seinen Anti-Trump-SMS an Page erfahren hat.
  • 12. Dez.: DOJ–Untersuchungsausschuss übergibt einige, aber keineswegs alle relevanten Strzok-Page-SMS an den Kongress und die Medien, die erstmals berichten, dass Strzok im August entlassen wurde.

2018

  • 14. Juni: Veröffentlichung des Berichtes des Justizministeriums
  • 15. Juni: Strzok wird aus dem FBI-Hauptquartier eskortiert.
  • 21. Juni: Generalstaatsanwalt Jeff Sessions gibt bekannt, dass Strzok seine Sicherheitsfreigabe verliert.
  • 12. Juli: Strzok sagt vor Ausschuss des Weißen Hauses aus. Solomon berichtet, dass er sich weigerte, Fragen nach der „there there”-SMS zu beantworten.
  • 13. Juli: Lisa Page wird von demselben Ausschuss befragt. Sie beantwortet die Fragen.

Das Vorspiel: Bob Parry in Aktion

Am 12. Dezember 2017 verglichen Bob Parry und ich unmittelbar nach der Veröffentlichung der ersten Nachrichten über die Strzok-Page-SMS telefonisch unsere Notizen. Wir waren uns einig, dass es sich um ein Riesending handelte und Russiagate sich offenbar in so etwas wie FBI-Gate verwandelt hatte. Es kam selten vor, dass Bob mich vor dem Verfassen eines Artikels anrief. Im Nachhinein schien es sich lediglich um eine Plausibilitätsprüfung gehandelt zu haben.

Der Artikel, den Bob am nächsten Morgen veröffentlichte, war typisch für ihn. Beim Anklicken des Links werden Viele überrascht feststellen, dass er bereits im vergangenen Dezember den größten Teil der Geschichte zusammengetragen hatte. Leider sollte dies Bobs letzter wichtiger Artikel sein, bevor er ernsthaft erkrankte. Anfang letzten Jahres hatte er erfolgreich andere mit Russiagate in Verbindung stehende Falschmeldungen aufgedeckt, was den etablierten Medien nicht gelungen war – Facebook-Gate zum Beispiel.

Es ist bemerkenswert, dass der Kongress und die Medien ein halbes Jahr brauchten, bis sie zögernd und in verächtlichem Ton auf die Bedeutung des Deep-State-Gate hinwiesen, obwohl es einfach war, die Handlung zu analysieren und die Hauptakteure zu identifizieren. Nachdem Bob mit seinem Artikel vom 13. Dezember den Weg bereitet hatte, folgte ich ein paar Wochen später mit “The FBI Hand Behind Russia-Gate” und machte mir damit keine Freunde unter denen, die immer noch unter dem hoch resistenten HWHW-Virus litten.

VIPS

Große Anerkennung gebührt auch Parrys Wertschätzung der Expertise und der analytischen Integrität unserer Organisation Veteran Intelligence Professionals for Sanity (VIPS), die bei Consortium News einen anerkannten und sicheren Platz gefunden hat.

Es ist fast genau ein Jahr her, seit Bob mit der Veröffentlichung dessen, was schnell zum umstrittensten und zugleich vielleicht wichtigsten Memorandum des VIPS-Präsidenten wurde, ein großes Risiko auf sich nahm, nämlich das Anzweifeln der Beweise für ein russisches Hacking.

Kritiker konnten den Kernpunkten des Memorandums nichts anhaben, da es sich weitgehend auf die Art von forensischen Beweisen stützte, bei denen Comey nicht sicherstellen konnte, dass das FBI sie lieferte, weil es den DNC-Server nie beschlagnahmt hatte. Unsere Schlussfolgerungen werden durch weitere Beweise bestätigt, die seit einigen Monaten vorliegen und in Kürze auf Consortiumnews.com veröffentlicht werden.


Ray McGovern arbeitet bei Tell the Word, einem Verlag der ökumenischen Church of the Saviour in der Innenstadt von Washington. Er war 27 Jahre lang CIA-Analyst und im Ruhestand Mitbegründer von Veteran Intelligence Professionals for Sanity.

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