Außer der Reihe 2 Sonntagshinweise: auf Leschs Machwerk beim ZDF und zur Corona-Lage in Frankreich
Außer der Reihe 2 Sonntagshinweise: auf Leschs Machwerk beim ZDF und zur Corona-Lage in Frankreich

Außer der Reihe 2 Sonntagshinweise: auf Leschs Machwerk beim ZDF und zur Corona-Lage in Frankreich

Albrecht Müller
Ein Artikel von: Albrecht Müller

Wir bringen im Teil B die Übersetzung eines Artikels aus Le Monde zur Ausgangssperre in Teilen Frankreichs, unter A noch einmal den Hinweis auf Harald Lesch und Terra X über Verschwörungstheorien. Auf die heute Abend um 19:30 Uhr vom ZDF geplante Sendung weisen wir noch einmal hin, weil sie ein Musterbeispiel der Agitation eines etablierten Mediums gegen alles, was sich im Netz tut, darstellt. Sie ist Teil der Kampagne, die unter der Überschrift „Verschwörungstheoretiker“ gegen die Kritiker der herrschenden Verhältnisse in Politik und Medien läuft. Wir weisen vor allem auch deshalb darauf hin, weil es diese Sendung im Netz schon gibt und weil NachDenkSeiten-Leserinnen und -Leser diese Sendung nutzen könnten, um im Freundes-, Bekannten- oder Familienkreis beispielhaft und gemeinsam zu analysieren, wie die etablierten Medien arbeiten, um Kritiker mundtot zu machen. Albrecht Müller

Hier zunächst die Angaben zum Video der Sendung von heute Abend:

Ein Fall für Lesch & Steffens
Die Wahrheit über die Lüge

“Alternative Fakten” haben Konjunktur. Die Wahrheit kommt dabei unter die Räder. Harald Lesch und Dirk Steffens verfolgen Verschwörungsideologien und entdecken immer die gleichen Muster. 43 min 18.10.2020 Video verfügbar bis 17.10.2025
Quelle: ZDF

Noch ein paar Anmerkungen und ein treffender Leserbrief:

  • Es geht pauschal gegen die „sozialen Medien“ und das Internet. Mit dieser Methode werden Medien in einen Topf verrührt, die nichts miteinander zu tun haben.
  • Es werden ausgelutschte Beispiele für Verschwörungstheorien aufgeführt: die Erde ist eine Scheibe, Chemtrails usw.. Der Hinweis auf relevante Internet-Medien, die solche Theorien verbreiten, fehlt. Auf den NachDenkSeiten werden sie jedenfalls nicht verbreitet, aber wir sollen selbstverständlich von der Kampagne gegen die Verschwörungstheoretiker genauso getroffen werden.
  • Die beiden Macher Lesch und Steffens ziehen dann zur Stützung ihrer Kampagne eine junge Frau heran, die seit Jahren im Internet gegen Verschwörungstheorien angeht: Guilia Silberberger. Diese ist einschlägig im Netz unterwegs und wird von der Bundeszentrale für politische Bildung gefördert: Giulia Silberberger über Chemtrails, Illuminaten und die NWO und hier.
  • Wenn man sich das Wirken dieser Dame und leider auch der Bundeszentrale anschaut, dann gewinnt man auch einen Einblick in das „Recherchepotential“ des sogenannten Wissenschaftlers Harald Lesch. Großenteils abgekupfert.
  • In der Sendung fehlt auch nicht der Hinweis, dass die Verschwörungstheorien etwas mit Antisemitismus zu tun haben würden.
  • Insgesamt ist diese Sendung wie auch die geplante Fortsetzung mit Lesch am 3. November (siehe P. S.) Teil des groß und breit angelegten „Kampfes der Etablierten gegen die aufkeimende Kritik“. Für Besitzer meines Buches „Die Revolution ist fällig. Aber sie ist verboten“ hier noch der Hinweis, dass diese Kampagne dort im Kapitel III. beschrieben ist.

P.S.: Die Kampagne läuft weiter

Lesch tritt mit der gleichen Agitation am 3. November bei ZDFneo auf:

Unglaublich aber wahr?
Sie sind nicht aus der Welt zu schaffen: Verschwörungstheorien. Die Amerikaner waren nicht auf dem Mond. Außerirdische haben die Erde besucht und uns Botschaften hinterlassen.
Im TV-Programm: ZDFneo, 03.11.2020, 04:55 – 05:10 Video verfügbar ab 02.11.2020, 10:00
Quelle: ZDF

Der Leserbrief zur Sendung an die NachDenkSeiten:

Liebes NDS-Team,

ich besitze seit vielen Jahren kein Fernsehgerät, da ich Besseres zu tun habe, als mir „Kinderkram“ anzusehen. Aber heute bin ich eurem Hinweis nachgegangen und habe mir via Internet die ZDF-Sendung „Ein Fall für Lesch & Steffens – Die Wahrheit über die Lüge“ angesehen, denn Harald Lesch ist mir aus etlichen YouTube-Videos bekannt.

Es hat geradezu körperlich weh getan, sich diese Sendung anzusehen – sie ist an Peinlichkeit kaum zu überbieten. Das soll Wissenschaft sein, Herr Lesch?!

Min. 40: „… und jetzt kann man die natürlichen Ursachen da reinrechnen und dann drüber die Kurve legen.“

Min. 41: „… und das ist ja kinderleicht, das Gegenteil zu beweisen. Komm ich zeig dir mal was …“

Und weiter geht es: „Die Wärmelampe ist ein Modell für die Erde. Die Erde strahlt Wärme ab, die Strahlen der Sonne werden von ihr reflektiert – und wohin? In die Atmosphäre! Im Experiment ist die Atmosphäre eine Dose. Und die wird von der Erde, also von der Wärmelampe bestrahlt. Und so stellt sich hier ein Gleichgewicht ein. Das ist der normale Vorgang, jedenfalls bis das CO2 dazukommt. Und jetzt erzeugen wir auf natürliche Art und Weise Kohlendioxid, indem wir Zitronensäure und Natronpulver zusammenmischen …“

Eine Minute später ist alles „bewiesen“, denn das Thermometer zeigt eine steigende Temperatur.

Mir graut vor solcher Art von „Wissenschaft“, wie sie Herr Lesch via ZDF betreibt. Komplexität scheint für ihn ein nie gehörtes Fremdwort zu sein. Und dass CO2 deutlich schwerer als Luft ist und in höheren Schichten der Atmosphäre kaum noch vorkommt – geschenkt. Es gäbe VIEL dazu zu sagen, aber eine Sendung, die davon lebt, dass plakative Bilder aus dem Mittelalter, unterlegt mit dramatischer Musik, ein wenig Unterhaltung bieten sollen, sollte man einfach als das sehen, was sie ist: Eine „Sendung mit der Maus“, gemacht für Kinder. Harald Lesch tut der Wissenschaft garantiert keinen Gefallen mit solch plumpen Spielchen. Man könnte fast zum Verschwörungstheoretiker werden und überlegen, warum er das wohl macht …

Wolfgang Süß
A 4180 Zwettl an der Rodl

Der 2. Sonntagshinweis

zur Information über ein Musterbeispiel einer abstrusen politischen Tat. Was soll die Ausgangssperre zwischen 21:00 Uhr und 6:00 Uhr? Aktionismus.

B. Übersetzung des Artikels „Covid-19 : le couvre-feu est entré en vigueur en Ile-de-France et dans 8 métropoles“ in Le Monde vom 16.10.2020

Übersetzung von Marco Wenzel.

Covid-19: Ausgangssperre in der Ile-de-France und in 8 Großstädten in Kraft

Seit Mitternacht an diesem Freitag gilt sie für mindestens vier Wochen und für 19,2 Millionen Menschen, d.h. fast 30% der französischen Bevölkerung.

Paris, seine Region und acht weitere Metropolen haben den letzten Abend vor dem Inkrafttreten der Ausgangssperren verbracht. Um eine zweite Welle der Epidemie einzudämmen und um eine Überlastung der Krankenhäuser, vor allem auf den Intensivstationen, zu vermeiden, sind an diesem Freitag um Mitternacht in der Region Ile-de-France und in acht Großstädten (Aix-Marseille, Lyon, Lille, Toulouse, Montpellier, Grenoble, Saint-Etienne und Rouen) Ausgangssperren in Kraft getreten. Sie betrifft 19,2 Millionen Menschen, d.h. fast 30% der französischen Bevölkerung.

Es wird also “jeder von 21.00 bis 6.00 Uhr zu Hause bleiben” in den betroffenen Gebieten, wie Premierminister Jean Castex es zusammenfasste, es sei denn, Sie verfügen über eine spezielle Bescheinigung – die auf der Website der Regierung zur Verfügung gestellt wird -, um aus gesundheitlichen Gründen zur Arbeit zu gehen oder von der Arbeit zurückzukehren, um einen abhängigen Verwandten zu besuchen oder Ihr Haustier auszuführen.

Die Ausgangssperre gilt zunächst für einen Zeitraum von vier Wochen und vielleicht noch länger, falls das Parlament zustimmt, wobei Emmanuel Macron bereits auf den 1. Dezember verwiesen hat.

12.000 Polizisten und Gendarmen im Einsatz

In der Region Île-de-France und in den Ballungsräumen Lyon, Lille, Toulouse, Montpellier, Saint-Etienne, Aix-Marseille, Rouen und Grenoble sollen rund 12.000 Polizisten und Gendarmen zusätzlich zu den städtischen Polizeieinheiten eingesetzt werden.

Sie werden “jede Nacht zwischen 21.00 Uhr und 6.00 Uhr speziell damit beauftragt, Verbote zu kontrollieren”, kündigte Innenminister Gérald Darmanin an. Jeder Zuwiderhandelnde wird in der Nacht von Freitag auf Samstag mit einer Geldstrafe von 135 Euro bestraft und im Falle eines doppelten Vergehens (insgesamt drei Vergehen) mit sechs Monaten Gefängnis und einer Geldstrafe von 3.750 Euro bestraft.

Die Polizeibeamten wurden aufgefordert, “Pädagogik” und “Unterscheidungsvermögen” zu zeigen, indem sie den “guten oder bösen Willen” der überprüften Personen beurteilen, teilte eine Polizeiquelle der Agence-France-Presse mit. “Die Idee ist, dass, wenn man das Restaurant um 21:02 Uhr verlässt und zehn Minuten zu Fuß von zu Hause entfernt ist, das nicht dasselbe ist wie eine Party”, so eine Quelle.

Die Rückkehr des Zertifikats

Die Strafverfolgungsbehörden müssen auch die Gültigkeit von Bescheinigungen über abweichende Bewegungen nach dem Muster der während der Haft geltenden Bescheinigungen überprüfen, die ordnungsgemäß ausgefüllt werden müssen, um während der Dauer der Ausgangssperre die Wohnung verlassen zu können. Die Bescheinigung kann ausgedruckt, auf dem Mobiltelefon gespeichert oder auf Normalpapier kopiert werden.

Ausnahmen gelten für Personen, die von der Arbeit oder von einem Studienort zurückkehren, zur Arbeit oder zum Studium reisen, oder die aus gesundheitlichen Gründen gezwungen sind, einen abhängigen Verwandten zu besuchen, Kinder zu betreuen, einer gerichtlichen oder behördlichen Vorladung nachzukommen oder ihr Haustier im Umkreis von einem Kilometer zu Fuß zu führen.

Die Gerichte haben die Wiederöffnung der Bars in Toulouse genehmigt

Die Verwaltungsgerichtsbarkeit hat am Freitag die seit Dienstag geltende Anordnung des Präfekten zur vollständigen Schließung von Bars in Toulouse und der 17 Gemeinden der Großstadt in der “Zone der höchsten Alarmbereitschaft” ausgesetzt und den Präfekten ermächtigt, neue restriktive Maßnahmen zu ergreifen.

In seiner in einem Schnellverfahren getroffenen und von der Zeitung La Dépêche veröffentlichten Entscheidung ist das Gericht der Ansicht, dass das “strenge und kontrollierbare Sanitärprotokoll”, das die Gaststätten in Toulouse angenommen haben und das “offenbar nicht eingehalten wird”, ausreicht, um das Risiko einer Kontamination mit dem neuen Coronavirus zu verhindern.

Darüber hinaus kommentierte das Gericht, dass “kein Herd einer Kontamination festgestellt wurde, der von einer aufgetretenen Kontamination herrührt”, und zwar in den Betrieben, die der Berufung zugrunde lagen, da mehrere Gastronomen, Barbesitzer und Berufsverbände beschlossen hatten, die Angelegenheit vor das Verwaltungsgericht zu bringen.

Die Aussetzung der Barschließungen erfolgt nur wenige Stunden vor Inkrafttreten der von der Regierung beschlossenen Ausgangssperre, die am Freitag um Mitternacht beginnt. “Dies ist wahrscheinlich eine Reaktion auf die Verschlechterung der Gesundheitssituation”, sagte der Richter in einem Schnellverfahren, um die Aussetzung der bisher geltenden Anordnung des Präfekten zu rechtfertigen. Die Bars der Metropole werden somit abends, freitags und samstags bis 21 Uhr öffnen können.

Die Auswirkungen der Ausgangssperre auf den Verkehr

Ein erlaubter Ausgang nach der Sperrstunde erfolgt aus gesundheitlichen Gründen, um einem geliebten Menschen in einer Abhängigkeitssituation, aus beruflichen Gründen oder aus Transportgründen (z.B. Zug oder Flugzeug) zu helfen und um Ihr Haustier auszuführen. Die Person, die aus einem dieser Gründe das Haus verlässt, muss im Besitz einer Bescheinigung sein:

Auf dem Weg zu oder von Bahnhöfen und Flughäfen werden die Flug- und Bahntickets als Nachweis dienen.
Bei berufsbedingten Reisen wird zusätzlich zur Bescheinigung eine Firmenquittung oder Visitenkarte verlangt.
Bei nicht berufsbedingten Reisen ist die Bescheinigung nur für eine Stunde gültig.
Für Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln aus anderen als den oben genannten Gründen ist es hingegen notwendig, “vor 21 Uhr zu Hause anzukommen”, schrieb der stellvertretende Verkehrsminister, Jean-Baptiste Djebbari, auf Twitter.

Ablehnung von Ausnahmeregelungen für Kinos und Theater

In allen betroffenen Städten werden die Restaurantabende verkürzt werden müssen, was den Zorn des Berufsstandes auslöst.

Auch für Ausstellungen gibt es keine Ausnahmen. “Die Regeln müssen für alle gleich sein”, sagte Premierminister Jean Castex bei seinem Besuch im Universitätskrankenhaus Lille am Freitag, als er zu einer von Kulturministerin Roselyne Bachelot unterstützten Bitte um Lockerung befragt wurde, die es Theater- und Kinobesuchern erlaubt hätte, nach 21 Uhr nach Hause zurückzukehren.

… und für den Amateursport

Die Ministerdelegierte für Sport, Roxana Maracineanu, schloss am Freitag auf Franceinfo eine Ausnahme von der Ausgangssperre für Amateursportler aus. “Wir müssen in dieser Situation Verantwortung übernehmen, wir müssen das medizinische Personal und die Menschen, die mit dem Coronavirus erkranken werden oder bereits erkrankt sind und sich in Krankenhäusern befinden, voll unterstützen”, sagte Maracineanu auf die Frage nach einer Lockerung der Ausgangssperre, ähnlich der von Frau Bachelot geforderten.

“Der Sport wurde seit Beginn dieser Krise sehr gut behandelt, es ist uns gelungen, Ausnahmen für bestimmte Zielgruppen zu erreichen, darunter auch Kinder, die weiterhin in Vereine gehen können”, sagte der Minister. Und selbst wenn die Proficlubs “in großen finanziellen Schwierigkeiten stecken, (…) kann das Spektakel des Sports weiterhin stattfinden”, sagte sie.

Quelle: Le Monde

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