Aktienzukauf beim Rüstungskonzern Rheinmetall, und noch mehr Fracking-Gas
Aktienzukauf beim Rüstungskonzern Rheinmetall, und noch mehr Fracking-Gas

Aktienzukauf beim Rüstungskonzern Rheinmetall, und noch mehr Fracking-Gas

Werner Rügemer
Ein Artikel von Werner Rügemer

BlackRock kauft bei Rheinmetall zu. Hohe Todesrate bei Fracking-Standorten. Von Werner Rügemer. – Kaum hatte der deutsche Regierungschef Olaf Scholz Ende Februar 2022 das zusätzliche 100-Mrd.-Euro-Aufrüstungsprogramm bekannt gegeben: Schon begann BlackRock mit dem Zukauf von Aktien beim größten deutschen Rüstungskonzern Rheinmetall AG (gepanzerte Fahrzeuge, Raketen, Munition).

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

So hat der größte Kapitalorganisator der westlichen Welt Anfang März an zwei Tagen Aktien im Wert von etwa 60 Millionen Euro zugekauft, der Aktienwert stieg – BlackRock ist sowieso schon einer der großen Aktionäre. Aber so viel Aktien stehen gar nicht zum Verkauf, die Nachfrage ist groß. So kaufte etwa der fünftgrößte US-Investor, Fidelity, in derselben Zeit ebenfalls Rheinmetall-Aktien, für etwa 30 Millionen Euro.

Panzer mit Solarbatterie und blau-gelber Flagge

BlackRock-Chef Laurence Fink rückte in den letzten Jahren zum Umwelt- und Nachhaltigkeits-Propheten der westlichen Welt auf. An die Chefs der etwa 18.000 Unternehmen und Banken, an denen BlackRock Aktien hält, richtet Fink seine jährlichen Mahnungen: Die Wirtschaft muss auf Umweltschonung umgestellt werden! Ihr müsst den neuen Wertekanon ESG einhalten: E = Environment, Umwelt! Und S = sozial müsst ihr sein! Und G = ihr müsst Euer Unternehmen gut führen! Und natürlich erfüllen alle brav Finks Mahnungen: Rheinmetall lobt auf seiner Website neuerdings E$G. Und seit April 2021 ist Rheinmetall Mitglied des Global Compact der Vereinten Nationen/UN! Panzer, Raketen, Munition sind also Teil der „Nachhaltigkeit“!

Dieses Greenwashing-Label nach dem Motto „Panzer mit Solarbatterie“ ist jetzt urplötzlich auf die ganze Rüstungsindustrie übergesprungen. Bei der Fachmesse Enforce Tac in Nürnberg Anfang März 2022 verteilte der Ex-Offizier der Bundeswehr Andreas von Büren, jetzt Geschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie BDSV, blau-gelbe Taschen in den Farben der Ukraine: „Sicherheit ist die Mutter aller Nachhaltigkeit“!

BlackRock-Manager in der US-Regierung unter Präsident Biden

Nachhaltigkeits-Champion BlackRock ist in den allermeisten wichtigen Rüstungskonzernen einer der führenden Aktionäre, in den USA z.B. bei Lockheed, Raytheon, General Dynamics, Northrop, in Italiens Leonardo, in Englands BAE Systems, in Deutschland neben Rheinmetall auch bei Airbus…

Und BlackRock ist mit drei hochrangigen Managern in der US-Regierung unter Präsident Biden vertreten. US-Rüstungskonzerne sind schon vor „Ukraine“ die größten Rüstungsproduzenten und Rüstungsexporteure der Welt. Die BlackRock-Manager drängen auch in dieser Funktion die NATO-Mitglieder: Noch mehr Rüstung in den USA kaufen! [1]

BlackRock & Co in der US-Fracking-Industrie

Die Bundesregierung fördert jetzt wegen „Ukraine“ auch das umwelt- und menschenschädliche Fracking-Gas aus den USA als Ersatz für das bisher aus Russland gelieferte Gas. Fracking: Unter hydraulischem Druck werden mithilfe von Chemikalien tiefe Gesteinsschichten aufgesprengt, sodass Gas und Öl entweichen können. Es ist nicht nur schädlich bei der Produktion, sondern zusätzlich durch den transatlantischen Transport. Und es ist noch teurer durch die zusätzlich nötigen Spezial-Terminals, an denen das verflüssigte Gas (LNG) aus den USA aufgenommen, gespeichert, umgewandelt werden muss. Dafür finanziert die Bundesregierung jetzt zwei Terminals in Deutschland.

BlackRock & Co sind auch die führenden Aktionäre in der Fracking-Industrie der USA, etwa bei EOG Resources, Devon Energy und bei den größten Fracking-Ausrüstern Halliburton, Schlumberger und Baker Hughes.

Dass beim Fracking Grundwasser, Flüsse, Seen, Trinkwasser, Luft, Pflanzen, Tiere geschädigt, vergiftet und dass Menschen gesundheitlich geschädigt werden – alles seit Jahren weltweit bekannt. Tausende Bürgerinitiativen, Wissenschaftler, kommunale Räte organisieren seit zwei Jahrzehnten zwischen Kalifornien, Texas, New Mexiko, Louisiana und Wyoming Widerstand – meist vergeblich. Von 2000 bis 2018 wurde die Produktion von 243 Mrd. Kubikfuß auf 3,61 Billionen Kubikfuß mehr als verzehnfacht, Exporte gehen bisher in 33 Staaten. Das ging ständig weiter, unabhängig davon, ob der US-Präsident ein freundlich-demokratischer Grinser war wie Barack Obama oder ein rechtsradikaler Trampel wie Donald Trump.

Wer alt ist und näher an Fracking-Standorten wohnt, stirbt früher

Das ist das Ergebnis einer aufwendigen Studie. Erstellt wurde sie von 10 ForscherInnen der School of Public Health an der Elite-Universität Harvard: Exposure to unconventional oil and gas development and all-cause mortality in Medicare beneficiaries, veröffentlicht am 27. Januar 2022 in der Zeitschrift Nature Energy. Haben das die deutschen Umwelt-Freunde bemerkt? Nee, unwichtig. Oder unser Gesundheitsminister Lauterbach, der an der Harvard School of Public Health seinen zweiten Doktor gemacht hat und dort weiter seine Gastprofessur hält? Nee, das will er nicht hören.

Untersucht wurden die Gesundheitsdaten von 15 Millionen US-Amerikanern, die älter als 65 Jahre sind und vom Medicare-Programm gesundheitlich versorgt werden. Einbezogen wurden die Gesundheitsdaten von mehr als 100.000 Fracking-Standorten. Bisherige Befunde wurden bestätigt: Gesundheitsschäden bei Schwangerschaften, im Atmungssystem, bei Herzmuskeln und erhöhter Krebs.

Neues Ergebnis: Die Sterberate (premature mortality) bei den über 65-Jährigen ist um so höher, je näher sie an den Fracking-Standorten leben.

Auch das kümmert die sozialdemokratischen, grünen, liberalen Mitglieder der deutschen Regierung offensichtlich nicht. Die ach so angeblich wissenschaftsorientierten Leitmedien und zum Beispiel unser doppeltpromovierter Gesundheitsminister – alle schauen bei diesen wissenschaftlichen Erkenntnissen weg. Obwohl sie in diesem Fall sogar sehr einfach zu verstehen sind, also selbst für ach so vielbeschäftigte Politiker und Journalisten, die jetzt den möglichst schnellen Boykott des Gases aus Russland fordern.

Umwelt und Menschenrechte brauchen neue VerteidigerInnen!


[«1] Werner Rügemer: BlackRock& Co enteignen! Auf den Spuren einer unbekannten Weltmacht. Frankfurt/Main 2021, Seite 31ff.

Titelbild: Flying Camera / shutterstock.com

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