Albrecht Müller

Reinhard Marx äußert sich oft und sehr freimütig und kritisiert auch die heimische CSU, so hier zum Beispiel: Kardinal Marx zur CSU: “Nationalist sein und katholisch sein, das geht nicht”. Das ist mutig, wenn manchmal auch etwas schräg. Aber prinzipiell ist gegen solche offenen Worte nichts zu sagen. Aber Marx schweigt zu den Kriegseinsätzen und den Flüchtlingsursachen und er fördert sogar die kriegstreibenden Kräfte, wie zum Beispiel die Münchner Sicherheitskonferenz. Dazu äußert sich der ehemalige Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium Willy Wimmer. Hier als Teil A. sein Brief an Marx. Und dann als Teil B. und als Kontrastprogramm eine Erklärung der Synode der Evangelischen Landeskirche Baden plus Links auf Friedensaktivitäten dieser Kirche. Kardinal Marx sollte sich das mal ansehen. Albrecht Müller.

Teil A.

Schreiben von Willy Wimmer, katholisch und früher Staatssekretär beim Verteidigungsminister:

Eminenz,

was soll ich davon halten, dass Sie als Gast bei der zu einer jährlichen Kriegskonferenz mutierten Münchener Sicherheitskonferenz für jeden Betrachter unübersehbar als Ehrengast anwesend sind und den dort auch jährlich versammelten deutschen, angelsächsischen und allgemein internationalen Kriegstreibern nicht die Leviten lesen für ihr schändliches Tun? Wo waren Ihre persönlichen Worte oder die der von Ihnen vertretenen Deutschen Bischofskonferenz gegen die völkerrechtswidrigen Kriege der NATO seit dem ordinären Angriffskrieg gegen die Bundesrepublik Jugoslawien im Jahre 1999 und die nachfolgenden Mordzüge von Afghanistan über den Irak, Syrien, Libyen bis hin zu anderen Staaten? Ganze Nachbarstaaten von uns wurden durch die amerikanische NATO-Führungsmacht unter den Präsidenten Clinton, Bush den Unsäglichen und Obama in die Steinzeit zurückgebombt. Und Ihr, verehrte Eminenz, Wort dagegen? Fehlanzeige und stattdessen Vollpräsenz unter den uns allen seit 1999 und dem Angriff auf eine europäische Stadt-Belgrad eben- sattsam bekannten Kriegstreibern in einem wohltemperierten Sitzungssaal. Man braucht sich nicht zu fragen, was man davon zu halten hat. Schon vorher kennt man die Antwort auf eine derartige Frage. Seit Jahrzehnten verläuft die Drogenroute zur Versorgung von Rotterdam und Tel Aviv aus dem Hafen von Buenos Aires über Westafrika nach Norden. Darüber wird heute der lukrative Transport von Menschen nach Norden vorgenommen.

Zu Ihrem Sprengel zählt ein oberster ehemaliger europäischer Polizeibeamter, der das beurteilen kann. Buenos Aires ist bekanntlich die Heimat des derzeitigen Heiligen Vaters und gerade unsere Kirche, Eminenz, ist bekannt dafür, wie umfassend Ihre Kenntnis auch der weltlichen Dinge ist. Ein hochrangiger Diplomat aus Asien hat dazu einmal geurteilt, dass die römische Kirche den weltbesten Nachrichtendienst unterhalte. Das war in Sachen „globaler Migration“ noch nicht einmal erforderlich, um eine Ahnung von den damit verbundenen Problemen zu erhalten. Es war die Russische Föderation, die in Zusammenhang mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion erleben musste, wie Millionen Menschen aus einem Nachbarland die Grenzen überquerten. Sie, Eminenz, wissen doch über Ihre Amtsbrüder aus Afrika am besten Bescheid über die verzweifelte Lage von Millionen Menschen in diesen geschundenen Agrargesellschaften, wo multinationale Konzerne Afrika regelrecht plündern und fremde Staaten sich die landwirtschaftliche Fläche unter den Nagel reißen. Den Menschen in Afrika wird jede Hoffnung genommen und diejenigen, die Ihnen helfen müssten, schweigen nachdrücklich. Wo waren die deutschen Bischöfe, als europäische Regierungen, darunter die von Bundeskanzlerin Dr. Merkel, für die Flüchtlingslager in Nah- und Mittelost die Finanzbeiträge zusammengestrichen haben und den Menschen die Alternative: Tod oder Migration nach Europa blieb? Wo ist Ihre, verehrte Eminenz, Unterstützung der größten zivilisatorischen Errungenschaft des modernen Deutschland in der Form des „demokratischen Rechtsstaates“, der es Regierungen verbietet, sich über das Gesetz zu erheben? Es war doch nur ein Steinwurf entfernt von Ihrer Residenz, dass ein Ministerpräsident des Freistaates Bayern von einem „Unrechtsstaat“ gesprochen hat und ein ehemaliger Richter am Bundesverfassungsgericht von einem „offenkundigen Rechtsbruch“, wenn die öffentlichen Berichte darüber zutreffend sein sollten. Wo ist Ihr Einwirken auf Ihre Amtsbrüder in den USA, die dortige Regierung von ihren mörderischen Kriegen seit Jahrzehnten abzuhalten und den Opfern amerikanischer Kriege wenigstens die Aufnahme als Flüchtlinge zu garantieren? Es gibt aus meiner Sicht genug Anlass, die Dinge umfassend zu bewerten.

Für ein abgewogenes Urteil Ihrerseits bin nicht nur ich Ihnen dankbar, wenn ich die heutige Berichterstattung über Ihre jüngsten Einlassungen sehe.

Mit vorzüglicher Hochachtung

Ihr
Willy Wimmer
Staatssekretär des Bundesministers der Verteidigung a.D.

Teil B:

Szenario “Sicherheit neu denken”

Beschluss der badischen Landessynode vom 24. Oktober 2013

Evangelische Landeskirche Baden:

Bitte stöbern Sie ein bisschen auf dieser Seite. „Sicherheit neu denken“ endet nicht im Oktober 2013. Sie werden entdecken, wie anders man als Kirche mit Krieg und Frieden umgehen kann, als Kardinal Marx das tut.

Übrigens wieder typisch: Der Beschluss der badischen Synode fand und findet kaum Widerhall in unseren auf Krieg fixierten Medien.

Dass eine Synode einen solchen Beschluss gefasst hat und auf dieser Linie auch weitergearbeitet wird, ist einer der wenigen „Lichtblicke“ in einer sonst trüben Zeit.

Die Nachdenkseiten würden gerne öfters solche Lichtblicke veröffentlichen. Sollten wir von mehreren positiven Ereignissen erfahren, lohnt sich die Einrichtung einer Rubrik „Lichtblicke“. Falls Sie, liebe Leserinnen und Leser, solche kennen oder neu entdecken, dann leiten Sie diese bitte an Anette Sorg ([email protected]) weiter. Wir sind gespannt.

  • Diesen Beitrag auf Facebook teilen
  • Diesen Beitrag auf Twitter teilen
  • Diesen Beitrag auf Google+ teilen

Die NachDenkSeiten sind für eine kritische Meinungsbildung wichtig, das sagen uns sehr, sehr viele - aber sie kosten auch Geld und deshalb bitten wir Sie, liebe LeserInnen, um Ihre Unterstützung.
Herzlichen Dank!