• Blog abonnieren

    Beim Erscheinen eines neuen Artikels erhalten Sie eine Benachrichtigung per E-Mail.

  • Archive

Der elfte September. – Wir sitzen auf einem Pulverfass und die Verantwortlichen sind unberechenbar wie noch nie.

Veröffentlicht in: Aufrüstung, Gedenktage/Jahrestage, Militäreinsätze/Kriege, Neoliberalismus und Monetarismus, Terrorismus

Marco Wenzel – thailändischer Mitarbeiter der NachDenkSeiten – hat zusammengetragen, was sich alles schon an einem Tag wie heute, am 11. September, ereignet hat. Hier sein interessanter Rückblick. Albrecht Müller.

Teil 1: Chile

Der 11. September 1973 war ein Dienstag. An diesem Dienstagmorgen, dem Morgen des letzten Tages in seinem Leben, war Präsident Allende von einem Telefonanruf geweckt worden. Verrat lag in der Luft. Die Putschisten bewegten sich auf die Hauptstadt zu. Allende begab sich sofort zu seinem Amtssitz, um die Gefahr abzuwehren.

Gegen acht Uhr morgens melden sich die Putschgeneräle zum ersten Mal öffentlich über einen Radiosender. Sie fordern Salvador Allende, den Präsidenten Chiles und Hoffnungsträger der Armen, auf, sich zu ergeben. Ein Flugzeug stünde für ihn bereit, das Land zu verlassen. Allende lehnte ab. Er wolle keinen Verrat begehen wie seine Generäle, so seine Antwort. Er würde kämpfen. Daraufhin fuhren Panzer vor dem Amtssitz des Präsidenten auf und begannen, den Präsidentenpalast, die Moneda, zu beschießen. Gegen Mittag bombardierten Militärflugzeuge das Gebäude.

Allende kämpfte bis zur letzten Patrone, nur mit einem Gewehr bewaffnet. Er stellte es jedem seiner Getreuen und seiner Mitarbeiter frei, sich zu ergeben und das Haus zu verlassen. Dann koordiniert er die Verteidigung zusammen mit denen, die sich den Verrätern des Vaterlandes nicht ergeben wollen. „Allende ergibt sich nicht, mierda“, waren seine letzten Worte. Er stirbt als Held. Pablo Neruda, sein Freund, der Dichter, stirbt wenige Tage später, untröstlich, in einem Krankenhaus in Santiago. Ob er einem Krebsleiden erlag oder auch er einem heimtückischen Giftmord zum Opfer fiel, ist bis heute nicht geklärt.

Nach dem Putsch begann eine Welle von Mord und Totschlag, wie Chile sie vorher noch nicht erlebt hatte. Die Militärjunta ernannte General Augusto Pinochet zu ihrem Vorsitzenden. In diesem düsteren September des Jahres 1973 hat Chile seine Besten verloren. Sie wurden ermordet von einer Allianz aus Kapital, Armee und den USA.

Ein Blick zurück. Im Jahr 1953 hatten die USA bereits im Iran Präsident Mossadegh gestürzt und das Regime des Shah dort installiert, weil Mossadegh die Ölindustrie und die Ölfelder des Landes verstaatlicht hatte. Damals war der Iran der größte Ölproduzent der Welt.

In Guatemala hatte Präsident Jacobo Arbenz Guzman im Jahr 1953 eine Landreform durchgeführt und Ländereien des größten Landbesitzers in Guatemala, der amerikanischen United Fruit Company, enteignet und an kleine Bauern verteilt. Das ging in den Augen der USA zu weit und so organisierte die CIA 1954 einen Putsch und installierte eine neue Regierung, die umgehend die Landreform wieder rückgängig machte.

1970 wurde Salvador Allende in Chile zum Präsidenten gewählt. Allende verstaatlichte 1971 alle Erzbergwerke, Chiles wichtigste Einkommensquelle. Die amerikanische Anaconda Coppermining Company betrieb damals in Chile die größte Kupfermine der Welt. Die ausländischen Konzerne transferierten traumhafte Gewinne ins Ausland. Allende bereitete noch weitere Verstaatlichungen vor, darunter auch das chilenische Telefonnetz, das zu 70% im Besitz des amerikanischen Konzerns ITT war, sowie die Verstaatlichung der Banken. Auch eine Landreform war vorgesehen. Daneben wurde der Mindestlohn um 66% angehoben, Mieten und Pachten dafür eingefroren.

Das aber wollten die USA, die CIA und die „Investoren“, allen voran ITT, nicht hinnehmen. Bereits vor 1970 hatten sie mit allen Mitteln versucht, den Wahlsieg von Allende zu verhindern. Nun boykottierten sie die chilenische Wirtschaft, um die Unzufriedenheit in der Bevölkerung anzuheizen. Sie verbanden sich zur Sabotage mit den Rechten in Chile und knüpften Kontakte zum chilenischen Militär an. Gewaltige Geldmengen wurden ins Ausland geschafft. Die Betriebe investierten nicht mehr. Die Inflation stieg an. Die Versorgungslage der Bevölkerung verschlechterte sich. 1973 aber wurde Allende trotz allem, trotz Sabotage und Intrigen gegen seine Regierung, erneut und mit noch größerer Mehrheit wiedergewählt. Nun wies US-Präsident Nixon die CIA an, einen Staatsstreich vorzubereiten.

Aber weiteres Unheil bahnte sich von anderer Seite aus an: Mitte der 1950-er Jahre hatte die neoliberale Chicagoer Schule begonnen, in Chile tätig zu werden. Es wurden Austauschprogramme für Studenten organisiert und die Studenten entsprechend indoktriniert. In Chile selber wurden die Studenten der Chicagoer Wirtschaftsfakultät die „Chicago Boys“ genannt. Sie sollten bald eine unheilvolle Rolle übernehmen.

Die Chicagoer Schule predigte Privatisierung in allen Bereichen, freie Märkte, Senkung der Staatsausgaben, Abbau des Sozialstaates. Niemand wollte ihnen damals zuhören, geschweige denn ihre Rezepte für die Wirtschaft umsetzen. Der Wind blies gerade aus einer anderen Richtung. Aber Augusto Pinochet, der nichts von Wirtschaft verstand und der einen Wirtschaftsplan für die Zeit nach dem Umsturz brauchte, gefielen die Vorstellungen der Chicago Boys zum Umbau des Landes und seiner Wirtschaft. Hier hatte er, was er brauchte. Zudem entsprachen diese Pläne voll und ganz den Vorstellungen der Kapitalbesitzer und der ausländischen Investoren. Und so bahnte sich eine unheilvolle Allianz zwischen dem Militär und seinen neuen Wirtschaftsberatern an.

Am Morgen des 11. September lag ein 500-seitiges, neoliberales Programm zum Umbau der chilenischen Wirtschaft, verfasst von den Chicago Boys, druckfrisch auf dem Schreibtisch von Augusto Pinochet. Die Chicago Boys bestimmten von nun an die Wirtschaftspolitik. Sie führen in Chile das erste Experiment ihrer neuen Wirtschaftsdoktrin durch. Dabei konnten Demokratie und Freiheit nur stören, die Militärdiktatur lieferte das ideale Umfeld.

Der Wohlfahrtsstaat wurde demontiert, die Preise freigegeben, der Mindestlohn wurde aufgehoben. Die Betriebe wurden privatisiert, die Regulierungen im Finanzmarkt aufgehoben und es entstand ein entfesselter Kapitalmarkt mit wilden Spekulationen, der bald zu einer erneuten Wirtschaftskrise führen sollte. Die Regierungsausgaben wurden gekürzt, es entstand ein vollkommener „Freihandel“. Das Gesundheits- und das Bildungswesen wurden privatisiert. Als Folge all dieser Maßnahmen entstanden Massenarmut und Massenarbeitslosigkeit auf der einen Seite und sinnloser Reichtum auf der anderen.

Die Herrschaft von Pinochet dauerte 17 Jahre. Die meisten von Allendes Gefährten überlebten den Terror nicht. Die Unidad Popular wurde zerschlagen und mit ihr die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Die USA war in den Putsch mit eingeweiht und hat ihn unterstützt. Chile aber leidet bis heute unter den Folgen des 11. September 1973.

Der Putsch in Chile war eine Zäsur. Er war der erste Sieg des Neoliberalismus. Es war der erste Sieg der Gegenrevolution, der erste Sieg der Chicagoer Schule gegen den Keynesianismus. Die nächsten Siege folgten Schlag auf Schlag: Die Chicago Boys gingen nach Brasilien, wo bereits eine Militärjunta herrschte und „beriet“ auch sie in Wirtschaftsdingen. Uruguay und Argentinien folgten bis 1976.

Es war der Vorgeschmack auf die zukünftige Entwicklung auch in Europa. Seit 1973 ist der Neoliberalismus überall auf dem Vormarsch und hat seine desaströsen Spuren hinterlassen.

Teil 2: USA

Auch der 11. September 2001 war ein Dienstag. Nach offizieller Version entführten an diesem Dienstagmorgen 19 mit Teppichmessern bewaffnete islamische Terroristen vier amerikanische Zivilflugzeuge und ließen sie an drei verschiedenen Orten in den USA abstürzen. Zwei Flugzeuge flogen nach Manhattan und krachten in die beiden Zwillingstürme des World Trade Center. Ein weiteres Flugzeug flog in das Pentagon in Washington und ein viertes stürzte in Shanksville, Pennsylvania, in einen stillgelegten Kohleacker, angeblich nach einer Revolte der Passagiere und mutmaßlich auf dem Weg zum Weißen Haus. Kein Passagier und kein Besatzungsmitglied überlebte. Die Flugschreiber wurden nie gefunden.

Auch hier ein Rückblick. Am 9. November 1989 wurde die Berliner Mauer geöffnet. Am 1. Juli 1991 wurde der Warschauer Pakt, das Gegenstück zur Nato, aufgelöst. Am 25. Dezember 1991 trat Gorbatschow als letzter Präsident der Sowjetunion zurück. Die Fahne der UdSSR wurde eingeholt und die Fahne der neugegründeten Russischen Föderation gehisst, deren erster Präsident Boris Jelzin wurde. Damit war der Kalte Krieg vorbei.

Was wie ein Glück für die Völker schien, war für die Rüstungsfirmen, die Nato und die USA eine Katastrophe. Plötzlich gab es keine glaubhafte Bedrohung mehr. Fast 50 Jahre lang waren riesige Geldsummen in den Rüstungshaushalt, in die Armee und in die Kassen der Rüstungsfirmen geflossen mit der Begründung, sich vor einem Angriff aus dem Osten schützen zu müssen. Jetzt war der „Iwan“, der angeblich die ganze Zeit grimmig vor der Tür gestanden hatte, weg. Man hätte erwarten sollen, dass jetzt auch die Nato aufgelöst würde und die Gelder für Rüstung sinnvoller verwendet werden könnten. Weit gefehlt!

Die Verantwortlichen, vor allem in der US-Regierung, gerieten in Panik. Die Rechtfertigung für den militärischen Haushalt und für die bisherige Außenpolitik der USA waren verschwunden. Verzweifelt suchte man nach neuen Begründungen für die Nato. Die USA war die einzige, verbliebene Großmacht und wollte ihre Position als Imperium gerade jetzt, wo die Stunde günstig schien, noch weiter ausbauen, den angeblichen Sieg über den Ostblock einkassieren. Das ging aber nur, wenn ihre militärische Präsenz überall eher ausgebaut als abgebaut würde. Wie aber sollte man dem Volk das schmackhaft machen? Nur eine erneute glaubwürdige Bedrohung könnte das Volk zu weiteren Opfern für das Militär als Verteidiger des Vaterlandes bewegen.

Dafür wäre eine neue auswärtige Bedrohung der USA notwendig gewesen, viele Verantwortliche in den USA wünschten sich sehnsüchtig eine solche neue Bedrohung herbei und sie sprachen auch offen davon. Ein neues „Pearl Harbor“ sollte, müsste es sein. (Der Angriff der Japaner auf den hawaiianischen Stützpunkt der US-Marine am 7. Dezember 1941 ließ die bis dahin vorwiegend pazifistische Stimmung in den USA zu Gunsten des Kriegseintritts umschlagen.) Warteten diese Leute nur geduldig auf einen erneuten Angriff auf die USA, auf eine neue weltweite Bedrohung, oder führten sie ihn vielleicht selber herbei? Die Anschläge vom 11. September passten jedenfalls in ihr Konzept.

Die Anschläge des 11. September waren das größte Verbrechen, das seit langem in den USA begangen wurde. Kein Pappenstiel also. Es war vorsätzlicher Mord an ungefähr dreitausend Menschen, die an diesem Tag in NY und anderswo gestorben sind, es geht um Massenmord und es geht darum, wer dafür die Verantwortung trägt. Waren es wirklich die 19 Muslime und handelten sie im Auftrag von Bin Laden?

Es gibt inzwischen ganze Heerscharen von Wissenschaftlern, Architekten, Bauingenieuren und Insidern in Washington und NY, die die offiziellen Darstellungen bezweifeln und klar sagen: So kann es nicht gewesen sein.

Welches Detail man sich in Bezug auf 9/11 auch anschaut, überall stößt man auf Ungereimtheiten. Nichts ist geklärt, nichts ist bewiesen. Die offiziellen Darstellungen der US-Regierung erweisen sich bei näherer Betrachtung als unbewiesene Behauptungen. Kriminalistisch ist rein gar nichts bewiesen, noch nicht einmal, ob tatsächlich Flugzeuge abgestürzt sind und wenn ja, ob die angeblichen Attentäter überhaupt an Bord der Flugzeuge waren. Die Ermittlungen der Behörden grenzen eher an Vertuschung denn an Aufklärung.

Der Terroranschlag und der Zusammensturz der Bürotürme in Manhattan am 11. September 2001 waren der Anlass für alle von den USA seither angezettelten „Kriegen gegen den Terrorismus“. Auf der Basis von 9/11 wurde eine neue Doktrin für Präventivkriege entwickelt. 9/11 war der Beginn des Krieges gegen den Terrorismus. Die Russen hatten, so gesehen, in den Terroristen ihre ebenbürtigen Nachfolger gefunden.

Ganze Länder liegen bereits für den Krieg gegen den Terrorismus in Schutt und Asche. Mit Millionen von Toten und Flüchtlingen. Die Flüchtlinge sind unterwegs aus allen Ländern, vornehmlich aber aus dem Nahen Osten. Viele davon kommen bis nach Westeuropa. Die Überlebenden der Kriege gegen den Terrorismus aus den zerbombten Dörfern und Städten werden zunehmend radikalisiert, die Gewaltspirale rotiert immer schneller.

Die Gesetzgebung wurde in allen Ländern verschärft. Die Bevölkerung ist verunsichert, fühlt sich bedroht. Die Bürgerrechte wurden eingeschränkt, die Überwachung der Zivilbevölkerung wurde intensiviert. Alles das geschah im Namen der Bekämpfung des Terrorismus und der Vorbeugung vor neuen Terroranschlägen. Oder geschieht es etwa, um einen Orwellschen Staat zu errichten?

Bei alledem wird man doch zumindest Klarheit darüber verlangen können, was denn nun genau dort passiert ist, am fraglichen 11. September 2001. Der Terroranschlag vom 11. September ist bis heute ungeklärt, die Schuldigen wurden nie gefasst, kein Gerichtsverfahren hat je ein Urteil gefällt. Müsste man aber nicht zuerst aufklären, wer da was gemacht hat am 11. September 2001, bevor man dafür in den Krieg zieht?

Wenn die Anschläge, wie viele behaupten, ein Insiderjob war, ausgeführt im Auftrag der US-Regierung, dann ist auch die Begründung für den Krieg gegen den Terrorismus gelogen. Wenn es stimmt, dass dieses Verbrechen im Auftrag der US-Regierung begangen wurde, so müssen wir daraus epochale politische Schlussfolgerungen nicht nur für die Außenpolitik, sondern auch für die Innenpolitik ziehen. Und weiter: Wenn 9/11 Staatsterrorismus war, ähnlich den Operationen der Geheimarmeen der Nato in Europa in den 70-er und 80-er Jahren, waren dann die Anschläge in Paris, Madrid, Barcelona usw. nicht vielleicht auch verdeckte Anschläge des tiefen Staates, die man Terroristen in die Schuhe schieben will?

Die neue Bedrohung erfordert schärfere Gesetze und Einschränkungen der bürgerlichen Freiheit, so wird argumentiert. Gladio II also, um die Bevölkerung in Zeiten des neuerstarkten Widerstandes gegen Staat und Kapitalismus mit neuen, scharfen Anti-Terror-Gesetzen besser kontrollieren zu können? Vorbereitung des Staates auf zukünftige Unruhen gegen die immer offensichtlicher werdende Ungerechtigkeit in der Gesellschaft? Wie das Beispiel Chile oben lehrt, funktioniert Neoliberalismus am besten unter einer Militärdiktatur.

Geht unsere Phantasie hier zu weit? Kaum. Die Phantasie des tiefen Staates geht noch viel weiter.

Fazit:

Der 11. September 1973 war ein Wendepunkt in der Wirtschaftspolitik, der 11. September 2001 war ein Wendepunkt in der Militärpolitik. Der 11. September ist ein schwarzer Tag in der Geschichte der arbeitenden Menschen.

Dieses Jahr ist der 11. September wieder ein Dienstag. Und die Lage ist weltweit so angespannt wie seit der Kuba-Krise 1962 nicht mehr. Wir sitzen auf einem Pulverfass und die Verantwortlichen sind unberechenbar wie noch nie.

nach oben

Die NachDenkSeiten sind für eine kritische Meinungsbildung wichtig, das sagen uns sehr, sehr viele - aber sie kosten auch Geld und deshalb bitten wir Sie, liebe LeserInnen, um Ihre Unterstützung.
Herzlichen Dank!

Online spenden
Fördermitglied werden

Vorheriger Beitrag:

Nächster Beitrag:

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Mehr dazu.

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen