The Long Road to Hanoi
The Long Road to Hanoi

The Long Road to Hanoi

Rainer Werning
Ein Artikel von Rainer Werning | Verantwortlicher: Redaktion

Der Weg zum 2. Trump-Kim-Gipfel in Vietnams Hauptstadt wurde durch erstaunliche Entwicklungen auf der Koreanischen Halbinsel seit dem Jahreswechsel 2017/18 geebnet. Sofern diesem jüngsten innerkoreanischen Annäherungsprozess nicht von außen in die Parade gefahren wird, liefert er letztlich auch den Schlüssel für die friedliche Beilegung eines seit Jahrzehnten virulenten Konflikts mit globalen Implikationen. Ein Essay von Rainer Werning[*].

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Vietnam – vor einem halben Jahrhundert noch ein Schlachtfeld, wo der im Lande selbst so genannte „Amerikanische Krieg“ unsägliche Trümmerhaufen und Leichenfelder hinterließ. Mit posttraumatischen Wirkungen auch und gerade für die Aggressoren, die dort einen „unsichtbaren Feind“ oder imaginierten Gegner verfolgten, den sie letztlich nicht militärisch in die Knie zu zwingen vermochten. Sollte Vietnam wie ein Domino-Stein kippen, so die damals im politischen Washington mantrahaft kolportierte Drohlüge vernagelter Kommissköppe und/oder realitätsferner Kriegstechnokraten, würden die Anrainerstaaten in Südost- und Ostasien allesamt um- und dem „Kommunismus“ anheimfallen.

Und heute? Ausgerechnet Vietnams Hauptstadt Hanoi bietet die Kulisse des zweiten Gipfeltreffens von US-Präsident Donald Trump und Kim Jong-Un, dem Staatschef der Demokratischen Volksrepublik Korea (DVRK – Nordkorea). Zwei Staatsmänner, die sich noch um die Jahreswende 2017/18 in egomanischem Wettstreit mit gegenseitiger „Auslöschung“ gedroht und die Welt in Atem gehalten hatten. Die eine Seite wollte mit „Feuer und Zorn“ ein ganzes Land „auslöschen“, während sich die andere Seite qua forcierter Atom- und Raketentests dagegen verwahrte, „von einem Land voller Kannibalen, das überdies von moralischer Lepra befallen ist“, ständig herumgeschubst zu werden. Beide Politiker brüsteten sich in jenen Tagen auch damit, über den jeweils größten Atomknopf zu verfügen.

Vietnam bietet in vielfacher Hinsicht einen geeigneten Konferenzort, um auf gänzlich andere Gedanken zu kommen, Vergangenheiten gehörig Revue passieren zu lassen, sich unaufgeregt auf mögliche Gemeinsamkeiten zu verständigen und – das wäre zumindest ein vorläufiger, wiewohl durchaus realistischer Gipfelpunkt – endlich einen Friedensvertrag zu avisieren, der das noch immer nur bestehende Waffenstillstandsabkommen vom 27. Juli 1953 zur Beendigung des Koreakrieges (1950-53) ablöste. Dort fand nicht nur der erste „heiße Konflikt“ in der Ära des Kalten Krieges statt. Es war dies auch ein Krieg, der vielfach „der Krieg vor Vietnam“ genannt wurde. Auf dem Höhepunkt des „Amerikanischen Krieges“ kämpften immerhin über eine halbe Million GIs für das, was im Westen „freedom & democracy“ genannt wurde. Für die kämpfenden, zumeist bäuerlichen Partisanen unter der charismatischen Führung des glühenden Nationalisten Ho Chi Minh indes bedeutete ihr massiver Widerstand einen legitimen Kampf für Unabhängigkeit und Selbstbestimmung jenseits von französischem Kolonialismus und US-amerikanischem Imperialismus. Für den nordvietnamesischen Staatsmann Ho und seine Gefolgsleute ging es schlicht um die Einlösung der einprägsamen Devise „Nichts ist kostbarer als die Freiheit!“. Bitter indes musste der US-Superfalke, Ex-Fordchef, Ex-Verteidigungsminister und Ex-Weltbankchef Robert McNamara in seinen Memoiren „In Retrospect: The Tragic and Lessons of Vietnam“ (1995) [in deutscher Übersetzung 1997 im Münchener Goldmann Verlag unter dem Titel „Vietnam: Das Trauma einer Weltmacht“ erschienen] konstatieren: „Mit Blick auf Vietnam haben wir uns geirrt, schrecklich geirrt.“ Warum? „Wir wussten zu wenig über das Land.“

Im Schlepptau der GIs kämpften mit den so genannten „Tiger“-Einheiten aus der strikt antikommunistischen Republik Korea ( ROK – Südkorea) unter dem damaligen Militärdiktator Park Chung-Hee nicht nur das größte asiatische Militärkontingent. Die südkoreanischen Verbände galten aus der Sicht der vietnamesischen Partisanen als grausamste Invasionstruppe, deren Kombattanten sich gern selbst damit brüsteten, stets den mit Abstand geringsten „body count“ beklagen zu müssen. Ausgerechnet Südkoreaner in diesem schmutzigen Krieg! Da zeigte sich einmal mehr, wie schnell aus Opfern auch Täter werden können – ein höchst sensibles Thema, dem sich erst seit Kurzem Historiker aus beiden Ländern annähern. Korea und die Koreaner waren als Kellerkind des 20. Jahrhunderts mehrfach geprügelt und gedemütigt worden – von Japan 1910 als Kolonie einverleibt, wurde es nach dem 2. Weltkrieg aufgrund seiner geostrategischen Lage gegen den Willen seiner Bevölkerung geteilt, was einen ursprünglich begonnenen Bruderzwist zu einem brutalen, schließlich internationalisierten Gemetzel mit etwa vier Millionen Toten eskalieren ließ.

Groß war indes die nordvietnamesisch-nordkoreanische Freund- und Waffenbrüderschaft seit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen im Jahre 1950. Immerhin reiste Ho Chi Minh als Staatschef der damaligen Demokratischen Republik Vietnam (DRV – Nordvietnam) im Jahre 1957 in die nordkoreanische Hauptstadt Pjöngjang, was Nordkoreas Staatsgründer und erster Präsident, Kim Il-Sung (der Großvater von Kim Jong-Un), mit zwei Gegenbesuchen in die DRV 1958 und 1964 erwiderte.

Wenn heute der Enkel – und das auf entschleunigte Weise per Zug – die Metropole des seit Mitte der 1970er Jahre wiedervereinten Vietnam bereist, ist das aus zweierlei Gründen bedeutsam und von hohem Symbolcharakter. Ein zentrales Anliegen der nordkoreanischen Staatsführung ist es, im Rahmen der Verhandlungen mit der US-amerikanischen Regierung ihrerseits eine Lockerung der Sanktionen zu bewirken, um das Land wirtschaftlich voranzubringen und zu stärken. Da lohnt sich ein Studium des von Hanoi im Rahmen seiner ab 1986 eingeleiteten Erneuerung (Đổi mới) möglicherweise mehr als die Wirtschaftsentwicklungen im übermächtigen Nachbarland China. Last, but not least: Eine solche Zugreise könnte sogar tatsächlich ihren eigentlichen Ausgangspunkt in Südkoreas zweitgrößter (Hafen-)Stadt Busan nehmen, um sodann über Seoul, Pjöngjang und das transsibirische Eisenbahnnetz als Endpunkte einer solchen alternativen „Seidenstraße“ Stockholm und Paris aufzuweisen.

Eine aberwitzige Vision?

Mitnichten! Ein überdimensionales Poster zierte bereits den Hauptbahnhof der südkoreanischen Hauptstadt Seoul, als Mitte Juni 2000 beide damaligen Staatschefs beider Korea, Südkoreas Präsident Kim Dae-Jung und Nordkoreas Staatschef Kim Jong-Il, anlässlich des ersten innerkoreanischen Gipfeltreffens in Pjöngjang die historische Nord-Süd-Erklärung unterzeichneten. (Nach 1972 und 1991/92 war dies das dritte Mal, dass es überhaupt zu einer Nord-Süd-Annäherung kam!) Mit der Konsequenz, dass über intensive sükoreanische Touristenbesuche in Nordkorea hinaus in dessen südlicher Stadt Kaesong mit südkoreanischem Geld und Know-how der Kaesong Industrial Complex (KIC) entstand, der seinerzeit als „Kronjuwel innerkoreanischer Kooperation“ gepriesen ward.

All das wurde Makulatur, als mit dem Amtsantritt von George W. Bush wenige Monate später auch solchen Politikern wie Donald Rumsfeld, Dick Cheney, Paul Wolfowitz und John Bolton in Washington das Feld überlassen wurde, um von dort aus ein Geflecht aus Lügen, Drohungen, militärischen Interventionen und unipolaren Allmachtsphantasien zu stricken, in dem Nordkorea sukzessiv als ideeller Gesamtschurke und vermeintlich weltweiter Hauptterrorist ins Visier gerückt wurde! Was den langjährigen CIA-Fuchs und eine Old Korea Hand, Donald P. Gregg, zu der trefflichen Feststellung verleitete, dass US-Regierungen keine klare und konsistente Politik vis-à-vis Nordkorea verfolgten, sondern nur zu einer Haltung gegenüber dem Regime in Pjöngjang verleiteten – und die war einzig gespeist aus Hass.

Was im Gegenzug die so Gescholtenen gemäß systemimmanenter Logik und knallhartem Überlebenskalkül in Verfolgung einer überaus rationalen Politik lehrte: Wenn wir denn schon nicht international geachtet werden und auf eine wie immer geartete Anerkennung hoffen können, wollen wir wenigstens auf Augenhöhe geächtet werden! Genau das sollte sich spätestens um den Jahreswechsel 2017/18 bewahrheiten, nachdem sich Pjöngjang nach dem erfolgreichen Start der ballistischen Interkontinentalrakete vom Typ Hwasong-15 als neunte Atommacht bestätigt fühlte.

Das Wunder von Korea?

In seinem lesenswerten Editorial „Das Wunder von Korea“ für die deutschsprachige Ausgabe von Le Monde diplomatique (8.11.2018, S. 4) schrieb deren Direktor Serge Halimi: „Es gibt ein Land, in dem – ganz im Gegensatz zu Brasilien – ehemalige konservative Präsidenten von der Justiz verfolgt, wegen Unterschlagung verurteilt und ins Gefängnis gesteckt werden. Wo Rechte und fundamentalistische Protestanten sich von Donald Trump verraten fühlen. Wo, anstatt an einem Abkommen über nukleare Abrüstung zu rütteln wie dem mit Iran oder an einem Vertrag über Mittelstreckenraketen wie dem mit Russland, der US-Präsident einen Konflikt lösen zu wollen scheint, den keiner seiner Vorgänger aus der Welt schaffen konnte. Auch der letzte nicht, der immerhin Friedensnobelpreisträger war.“

Und Halimi fährt fort: „Es geschieht im Fernen Osten, und es ist zu kompliziert, um seinen Platz in der großen manichäischen Erzählung zu finden, die unseren Blick auf die Welt formt und verformt. Dennoch hätten in der arg finsteren Situation, in der sich unser Planet befindet, die optimistischen Worte des südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-In nicht unbemerkt bleiben dürfen. Am 26. September sagte er vor der UN-Generalversammlung: ‚Auf der Koreanischen Halbinsel ist ein Wunder geschehen.’ Ein Wunder? Auf jeden Fall eine Kehrtwende. (…) Die Koreaner im Norden wie im Süden schreiten mit großen Schritten voran und nutzen dabei die Gunst der Stunde. (…) In dieser Situation muss die atomare Abrüstung Nordkoreas gar keine Vorbedingung für die Umsetzung anderer Verhandlungspunkte sein: Aussetzung der Militärmanöver auf beiden Seiten, Aufhebung der Wirtschaftssanktionen, Friedensvertrag. Denn Pjöngjang wird ohne solide Garantien niemals auf seine Lebensversicherung verzichten.“

Wunder hin, Kehrtwende her: Was seitdem in Korea geschah, waren noch Monate zuvor kaum für möglich gehaltene, ruckartige Bewegungen in der Starrheit. Was zweifellos damit zu tun hatte, dass mit dem Amtsantritt von Südkoreas neuem Präsidenten Moon Jae-In im Mai 2017 die erklärte „Sonnenscheinpolitik“ der Dekade von 1998 bis 2008 vis-à-vis dem Norden wiederbelebt wurde. Hier die Sequenz nur einiger ausgewählter Ereignisse seit Kim Jong-Uns vielbeachteter Neujahrsansprache 2018, in der er den zuvor ausgestreckten Olivenzweig Moon Jae-Ins entgegennahm und demonstrativ die gemeinsame Teilnahme beider Länder an den bevorstehenden Olympischen Winterspielen im südkoreanischen Pyeongchang signalisierte. Was flugs von einer aufgescheuchten bellizistischen Burschenschaft im Westen – voran in Washington – und dessen engstem Verbündeten in der Region, Japan, als „Charmeoffensive“ belächelt und als „billiges Propagandamanöver“ abgetan wurde:

Bewegungen in der Starrheit

2. Januar – Moon Jae-In bietet im Gegenzug sofortige hochrangige Gespräche mit dem Norden an

9. Januar – eine innerkoreanische Gesprächsrunde verständigt sich auf die Teilnahme beider Seiten an den Olympischen Winterspielen

9. Februar – hochrangige Vertreter aus dem Norden reisen eigens zu den Spielen an

27. April – Präsident Moon und Vorsitzender Kim treffen sich zum 3. innerkoreanischen und ersten gemeinsamen Gipfel im Grenzort Panmunjom, wo sie die Panmunjom-Erklärung unterzeichnen

8. Mai – Nordkorea lässt drei inhaftierte US-Bürger frei

24. Mai – Nordkoreas zerstört seine Nukleartestanlage in Punggye-ri

26. Mai – die Staatschefs aus Nord- und Südkorea treffen sich erneut in Panmunjom und vereinbaren u.a. intensivierte gemeinsame Rote-Kreuz-Gespräche

12. Juni – erstmalig kommt es in Singapur zum Zusammentreffen der beiden Staatsoberhäupter aus den USA und der DVRK – dort werden folgende Hauptpunkte vereinbart: 1) Die USA und Nordkorea verpflichteten sich, neue Beziehungen zwischen den beiden Ländern aufzubauen, die dem Wunsch der Völker beider Länder nach Frieden und Wohlstand entsprechen. 2) Die USA und Nordkorea arbeiten gemeinsam auf einen dauerhaften Frieden auf der Koreanischen Halbinsel hin. 3) Nordkorea bekräftigt die Panmunjom-Deklaration, in der es zusicherte, auf eine komplette Denuklearisierung der Halbinsel hinzuarbeiten. 4) Die Vereinigten Staaten und Nordkorea verpflichteten sich, die sterblichen Überreste von Kriegsgefangenen und Vermissten zu suchen und sobald wie möglich der anderen Seite zu übergeben.

5.-7. Juli – US-Außenminister Mike Pompeo trifft sich in Pjöngjang mit Kim Yong-Chol, Vizevorsitzender des Zentralkomitees der Partei der Arbeit Koreas (PdAK) und Chef des United Front Work Department

27. Juli – 65 Jahre nach dem Ende des Koreakrieges werden die sterblichen Überreste von 55 GIs, die während des Koreakrieges starben, vereinbarungsgemäß in die USA ausgeflogen

14. September – in der nordkoreanischen Grenzstadt Kaesong wird das erste innerkoreanische Liaisonbüro eröffnet

18.-20. September – Kim und Moon treffen sich in Pjöngjang zu ihrem dritten Gipfel binnen eines Jahres und unterzeichnen am 19. September die Gemeinsame Erklärung von Pjöngjang, wonach u.a. vertrauensbildende Maßnahmen unter den Militärs beider Seiten vorgesehen sind, um bestimmte Sektionen in der so genannten Entmilitarisierten Zone (DMZ) entlang des 38. Breitengrads zu demilitarisieren

7. Oktober – US-Außenminister Pompeo trifft sich in Pjöngjang erneut mit Kim Yong-Chol

19. Oktober – Südkorea und die USA kündigen ein für Dezember geplantes gemeinsames Militärmanöver auf

25. Oktober – beide Korea und der UN Command erklären die Beseitigung von Schusswaffen und Militärpersonal aus der Gemeinsamen Sicherheitszone (JSA) gemäß der Panmunjom-Erklärung für abgeschlossen

2. November – Nord- und Südkorea erklären, sich gemeinsam für die Ausrichtung der Olympischen Sommerspiele im Jahre 2032 zu bewerben

22. November – Nord- und Südkorea verbinden die Straße innerhalb der DMZ, um gemeinsam Überreste des Koreakrieges auszugraben

29. November – Nord- und Südkorea beginnen mit einer über zwei Wochen währenden gemeinsamen Eisenbahnstudie, wobei nach einem Jahrzehnt erstmals wieder ein Zug aus dem Süden die Grenze überquert

21. Dezember – die USA gestatten Zeremonien zur Einweihung eines innerkoreanischen Eisenbahnnetzes

„Schafft zwei, drei, viele Vietnam?”

Dieses einst vom Revolutionär Che Guevara stammende Diktum dürfte auf gänzlich andere Weise an Bedeutung gewinnen. Ein Blick in die legendäre Glaskugel verheißt mit verhaltenem Optimismus Folgendes: Das mit überwiegender Mehrheit der Koreaner in Nord wie Süd gutgeheißene und begrüßte Treffen in Hanoi wird zwar zu keinem unmittelbaren Durchbruch hinsichtlich der beidseitigen Ziele führen – hier die antizipierte Aufhebung von US- und UN-Sanktionen, ein Friedensvertrag, eine Sicherheitsgarantie sowie die Aufnahme voller diplomatischer Beziehungen seitens der USA und dort die komplette, überprüfbare und unumkehrbare Denuklearisierung Nordkoreas. Doch es ist durchaus denkbar, dass ein nächster Gipfel dieser Art in Schweden oder sogar direkte Treffen zwischen Pjöngjang und Washington in den USA selbst stattfinden. Die schwedische Botschaft in Pjöngjang hat bis dato die diplomatischen Belange der USA in der Volksrepublik wahrge- und übernommen. Sollte es – wie bereits in der Vergangenheit während der US-Präsidentschaft von Bill Clinton avisiert! – dazu kommen, dass man sich in Hanoi als gemeinsamen Nenner und unter Wahrung aller Gesichter der Protagonisten darauf verständigt, als nächsten Schritt im Sinne des altenglischen Tit for Tat (frei übersetzt: „Wie du mir, so ich dir“) Liaisonbüros in den jeweiligen Hauptstädten einzurichten, wäre das zumindest ein Aufbruch, alle noch ungelösten Probleme anzugehen und zu lösen. Einen „quick fix“ wird es jedenfalls mitnichten geben.

Nordkorea ist von seiner früheren Songun-Politik („Das Militär zuerst“) ebenso abgewichen wie von Byungjin, der parallelen Verfolgung von Nukleartechnologie und wirtschaftlicher Entwicklung, und setzt stattdessen schwerpunktmäßig auf Letztere. Gleichermaßen ist man in Washington (möglicherweise zum persönlichen Ärgernis des manisch-repressiven Sicherheitsberaters John Bolton) von einem verfolgten „Regimewechsel“ in Pjöngjang abgerückt. Immerhin hat Präsident Trumps Sondergesandter für Nordkorea, Stephen Biegun, dies kürzlich ebenso versichert wie das Bekenntnis seines Landes zu „simultanen und parallelen Aktionen”, in deren Folge auch Sanktionen gelockert wurden, die humanitäre Lieferungen an Nordkorea behinderten.

Titelbild: Marian Weyo/shutterstock.com


[«*] Dr. Rainer Werning, Politikwissenschaftler & Publizist mit den Schwerpunkten Ost- und Südostasien, befasst sich seit Ende der 1960er Jahre intensiv mit den Regionen. Er ist u.a. (Nord-)Korea-Dozent an der Akademie für Internationale Zusammenarbeit (AIZ) in Bonn-Röttgen und Ko-Autor (mit Prof. Helga Picht) des im Frühjahr 2018 erschienenen Buches Brennpunkt Nordkorea (Berlin: edition berolina).


Quellen & weiterführende Lektüre: