Gigantische Militärausgaben des Westens, doch Russland ist die Bedrohung?

Gigantische Militärausgaben des Westens, doch Russland ist die Bedrohung?

Gigantische Militärausgaben des Westens, doch Russland ist die Bedrohung?

Ein Artikel von Frank Blenz

Was ist hier los? Die Schlagzeilen überschlagen sich, der Russe steht vor der Tür, fürchtet folglich der Gutgläubige. Allein die Zahlen – Zahlen werden von Mächtigen immer gern genutzt (oder benutzt?) – um ihr Tun zu rechtfertigen, die deuten auf anderes hin als auf eine Bedrohung aus dem Osten. Auf die (militärische) Bedrohung durch Russland lässt sich beim Betrachten von Statistiken über Ausgaben zu Verteidigung und Rüstung nicht schließen. Lügen uns die Mainstreammedien, der NATO-Generalsekretär, die deutsche Außenministerin usw. also die Taschen voll? Dass sie die Brandstifter sein könnten, davon lenken sie ab, indem sie unentwegt und fortwährend auf den „Feind“ zeigen: Russland. Von Frank Blenz.

Was sind das für erschreckend gigantische Zahlen der Militär-Ausgaben ausgewählter großer und gewichtiger Länder wie den USA, die in Tabellen des Internetportals Statista aufgelistet sind? Diese deutsche Institution Statista sammelt Daten aus Wirtschaft und Politik, von Markt und Meinungsforschungseinrichtungen. Das Portal sammelt auch Daten zum Stichwort Rüstung.

Es ist zu lesen: Die höchsten Militärausgaben – diese „Meisterschaft“ gewinnt die USA. Jahr für Jahr. Ein Land mit 330 Millionen Einwohnern gibt für die Verteidigung 778 Milliarden US-Dollar (im Jahr 2020) aus. China landet in der Liste auf dem 2. Platz, das Land mit 1,4 Mrd. Einwohnern gibt 252 Milliarden US-Dollar aus. Den Bronzeplatz der Meisterschaft des Grauens nimmt Indien ein (1,38 Mrd. Einwohner, Rüstungausgaben 72,9 US-Dollar).

Wie im Matheunterricht stellt sich beim weiteren Betrachten der Tabelle heraus, dass beim Vergleich USA – Russland ein enormer Unterschied besteht, der zum Schluss kommen lassen muss, wer wen bedroht und wer wen nicht. Wie kann es sein, dass ein Land wie Russland (144 Millionen Einwohner), das 61,7 Mrd. US-Dollar Militärausgaben verzeichnet, die andere Seite, also die USA und ihre westlichen Verbündeten, bedroht? Man zähle zu den 778 Mrd. US-Dollar einfach weitere hinzu, die der NATO-Staaten wie Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Italien, Kanada – es kommt eine Summe von mehr als einer Billion US-Dollar zusammen. Deutschland (83 Mio. Einwohner/52,8 Mrd. US-Dollar) steht in der Meisterschaft auf dem 7. Platz. Unsere Bundesrepublik müsste eigentlich stets auf die Geschichte zweier Weltkriege verweisen. Doch glänzt sie statt mit Abrüstung, friedlicher Zusammenarbeit und Vorbildwirkung seit Jahren mit steigenden Ausgaben für Rüstung und mit steigenden Zahlen in Sachen Export. So hat die alte Bundesregierung im vergangenen Jahr 2021 den Export von Rüstungsgütern in Höhe von 5,82 Milliarden Euro genehmigt. Und die neue Regierung übernahm den Staffelstab würdevoll:

Nur wenige Tage vor dem Regierungswechsel hat die Regierung Merkel offenbar noch zwei umstrittene Rüstungsexporte nach Ägypten genehmigt. Das berichten die Nachrichtenagentur dpa und der “Spiegel” unter Berufung auf ein Schreiben des damaligen Wirtschaftsministers Peter Altmaier an Bundestagspräsidentin Bärbel Bas. Datiert ist der Brief auf den 7. Dezember – also einen Tag von der Vereidigung des neuen Kabinetts unter Bundeskanzler Olaf Scholz.
Quelle: Tagesschau

Und weitere NATO-Staaten machen mit, das alles, um keine Bedrohung zu sein? Man stelle sich vor, allein Kanada gibt 22,8 Mrd. US-Dollar für Militär aus, wie begründen die Entscheider des nordamerikanischen Landes solche immensen Kosten? Greift Grönland demnächst an? Hat Kanada Angst gar vor dem großen Nachbarn, den USA?

Es liegt womöglich an etwas sehr Logischem, daran, dass Begehrlichkeiten, Ansprüche, Machtfülle in Militärausgaben Ausdruck finden versus Russland, das Riesenreich, das die Welt bedroht mit einem Rüstungsetat, der mehr als zehn Mal kleiner ist als der seiner Kontrahenten. Die wahren westlichen Begehrlichkeiten liegen nahe: Russland ist das größte Land der Welt mit den meisten Bodenschätzen, den vielversprechendsten Ressourcen, der besten Lage auf dem Globus – dieses Land wird wohl bedroht wegen genau der genannten Vorzüge. Bedrohungen werden mit Fakten untermauert, mehrere Nachbarländer Russlands werden näher an die NATO gerückt, den brüderlichen Einfluss der bis unters Dach gerüsteten USA gibt es gratis dazu. Wenn der USA eine Linie eines anderen Landes nicht passt, schreitet sie ein, die mächtigste Führungskraft der Welt, Sanktionen, Regime-Changes, verdeckte und/oder offene Militäreinsätze.

Eine Begehrlichkeit wird indes schon immer befriedigt und wird stets verschwiegen. Der Nutzen riesiger Militärausgaben ist für die genannten Länder nicht gegeben (für die Völker nicht und nicht für den Frieden) – der Nutzen für die Rüstungsindustrie und ihrer Nutznießer schon.

Der US-Politiker Bernie Sanders machte keinen Hehl daraus, wie es um das Land bestellt ist im Würgegriff des militärisch-industriellen Komplexes.

Wenn es darum geht, das Leben unseres Volkes zu verbessern, höre ich: “Oh mein Gott, Bernie! Das Defizit! Die Staatsschulden!” Wenn es um Militärausgaben geht: „Das ist ok, kein Problem.” Die Heuchelei ist außergewöhnlich.“

Ein finaler Blick in die Statistiken (Quelle) von Statista sei noch gestattet:

Die USA verfügten im Jahr 2015 über insgesamt 4.855 militärische Stützpunkte. Der größte Teil der Einrichtungen lag im Gebiet der Vereinigten Staaten, 114 lagen in US-Außengebieten. 587 Stützpunkte waren im Ausland angesiedelt, davon 181 in Deutschland.

Titelbild: morrison/shutterstock.com

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