Corona-Demo, Nawalny, Krieg und Frieden: Der unterirdische Zustand deutscher Medien
Corona-Demo, Nawalny, Krieg und Frieden: Der unterirdische Zustand deutscher Medien

Corona-Demo, Nawalny, Krieg und Frieden: Der unterirdische Zustand deutscher Medien

Ein Artikel von: Tobias Riegel

Eine nochmalige Verschärfung der Meinungsmache der vergangenen Jahre ist aktuell zu beobachten: Seit dem Ausrufen der „Corona-Pandemie“ stehen viele große deutsche Medien noch unseriöser an der Seite von Entscheidungsträgern. Der gesteigerte journalistische Herdentrieb mündet in eine absurde mediale Eintönigkeit. Die bezieht sich nicht nur auf Corona. Von Tobias Riegel.

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Die NachDenkSeiten haben bereits vor geraumer Zeit in diesem Artikel beschrieben, dass ein „medialer Schutz vor politischen Kampagnen und so aufwendigen wie durchschaubaren Inszenierungen“ schon lange nicht mehr existiert: „Die Bürger sind in dieser Hinsicht auf sich allein gestellt und müssen sich dementsprechend mit Medienkompetenz wappnen.“ Doch seit Veröffentlichung des Beitrags hat sich diese Dynamik nochmals erheblich gesteigert – für politische Orientierung sind die großen deutschen Medien mittlerweile einer der ungeeignetsten Orte überhaupt. Dieses Phänomen wird durch aktuelle Kampagnen belegt: Wer sich (unter anderem) bei den Themen Corona-Politik, Corona-Demo, „Reichstags-Sturm“, Nawalny, Russland, Belarus, Linkspartei oder Krieg und Frieden nur in den großen deutschen Medien informiert, wird massiv in die Irre geführt.

Wir erleben aktuell nochmals eine Verschärfung der verzerrenden, eintönigen und angepassten Meinungsmache, wie sie bereits in den vergangenen Jahren und besonders extrem seit den manipulativen Kampagnen zum „Maidan“ 2014 zu bezeugen war: Seit dem Ausrufen der „Corona-Pandemie“ stehen viele große deutsche Medien noch unseriöser und enger an der Seite von politischen und wirtschaftlichen Entscheidungsträgern als ohnehin schon. „Ausreißer“ aus der medial hergestellten Corona-Deutung, oder jener zu Russland und anderen Themen, werden mit harter sozialer Ausgrenzung bestraft. Ein nochmals gesteigerter journalistischer Herdentrieb mündet in eine absurde mediale Eintönigkeit, die seit dem Ausrufen der „Pandemie“ geradezu exzessiv betrieben wird: In einer Zeit, die eine kritische Debatte extrem nötig hätte, haben viele Redakteure großer Medien ihren Dienst am Bürger endgültig eingestellt.

Wie man die „Reichsbürger“ medial groß macht

Und alle reden jetzt von den „Reichsbürgern“. Eine solche traumhafte Mega-PR hätte sich diese Splitter-Truppe noch vor Kurzem nicht träumen lassen. Aber die radikale Formation erfüllt den Zweck der medialen Nebelkerze perfekt. Das Vorhaben, die Corona-Demo durch eine Überbetonung der Rechten bei weniger informierten Bürgern zu verteufeln, hat teilweise sicher funktioniert, aber mit dem hohen Preis, dass einmal mehr die Rechten medial übergroß gemacht wurden – angeblich beim Versuch der Redakteure, sie klein zu halten. Zu diesem destruktiven Medienphänomen gab es im DLF ein (streckenweise) interessantes Interview.

Weitere Fragen zu dem Vorgang, der für die Gegner der Corona-Demo – vorsichtig formuliert – wie bestellt erscheint, werden in diesem Artikel gestellt. Wer ist verantwortlich, wer schlachtet es jetzt aus, wie relevant ist der Vorfall in Bezug auf die Aussagen der Corona-Demo? Fragen, die in großen Medien, wenn überhaupt, nur unangemessen behandelt werden. Das massive und sehr fragwürdige Medienecho auf die Demo vom Samstag haben die NachDenkSeiten etwa in diesem Artikel beschrieben.

Kritik an der unseriösen Berichterstattung über die Corona-Demo bedeutet selbstverständlich nicht, dass man sich dadurch mit allen Inhalten der Corona-Demo gemein macht: Auch wenn ich die Demos gegen Verbot und Verteufelung in Schutz nehme, bedeutet das nicht, dass ich den Veranstaltungen distanz- oder kritiklos gegenüberstehe. Auch eine scharfe Abgrenzung nach rechts soll hier nochmals betont werden – auch wenn die Mediendarstellung von einer rechten Dominanz über die Corona-Demo falsch ist und mutmaßlich eine Auseinandersetzung mit den teils sehr relevanten Argumenten der Corona-Skeptiker überflüssig machen soll.

Nawalny, LINKE, Krieg und Frieden

Die NachDenkSeiten haben die mediale Verweigerung beim Thema Corona in zahlreichen Artikeln analysiert und kritisiert: den absolut unwissenschaftlichen Umgang mit „Infiziertenzahlen“ und anderen Daten, die giftige Diffamierung der Skeptiker, das Totschweigen unbequemer Experten. Aber auch andere Themen sind ganz aktuell vom forcierten medialen Niedergang betroffen: So wird das Thema Russland schon seit Jahren von deutschen Medien in einer fragwürdigen bis verwerflichen Weise durch Verkürzungen bis zur Unkenntlichkeit verzerrt. Die Affäre Nawalny und die Unruhen in Belarus werden aktuell genutzt, um selbst diese Meinungsmache nochmals zu übertrumpfen.

Ein anderes, stets von Propaganda begleitetes Thema ist das von Pazifismus, Krieg und Frieden. Auch in diesem Bereich erleben die Bürger in den letzten Monaten nochmals eine Verschärfung der medialen Agitation pro Militär und Rüstung – Stichwort „europäische Verteidigung“. Das bezieht sich auch auf die in den letzten Wochen erneut gesteigerten medialen und politischen Angriffe auf den Pazifismus der Linkspartei, die die NachDenkSeiten gerade in diesem Artikel oder in diesem Artikel oder in diesem Artikel beschrieben haben.

Was tun?

Die Frage ist: Was folgt aus diesen nicht neuen Befunden? Die wiederholten Klagen über die unterirdische Verfassung weiter Teile der deutschen Medienlandschaft sind wichtig, aber nicht ausreichend. Wie kann der inakzeptable Zustand der Presselandschaft und der dadurch massiv eingeschränkten Meinungsvielfalt verändert werden? Eine Gegenöffentlichkeit durch die Alternativmedien ist ein Anfang, aber noch nicht wirkungsvoll genug. Und wie schafft man die Gratwanderung, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk inhaltlich hart zu kritisieren, ohne in die falschen Rufe nach einer Abschaffung einzustimmen? So haben die NachDenkSeiten den öffentlich-rechtlichen Rundfunk stets scharf kritisiert, etwa in diesem Artikel. Aber sie haben sich auch immer gegen eine Abschaffung gewandt, etwa in diesem Artikel.

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Titelbild: Lightspring / Shutterstock