Eine Woche ohne Massen-Medien – Ein Selbstversuch
Eine Woche ohne Massen-Medien – Ein Selbstversuch

Eine Woche ohne Massen-Medien – Ein Selbstversuch

Ein Artikel von: Tobias Riegel

Der vorübergehende Verzicht auf den Konsum großer deutscher Medien hat widersprüchliche Folgen: zum einen Erlösung – zum anderen Beunruhigung: Ohne die tägliche medial verabreichte Dosis Angst erscheint die „Neue Normalität“ noch grauenhafter. Von Tobias Riegel.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Propaganda wirkt. Sie wirkt auch auf medienkritische Menschen, zumindest unterschwellig: Allein durch die stetige Wiederholung von aus dem Zusammenhang gerissenen Informationen wirkt Meinungsmache mehr oder weniger stark auch auf Bürger, die sich ihres Einflusses bewusst sind und die möglicherweise diesen Einfluss bestreiten würden. Die Wirkung der Medienkampagnen steht und fällt mit den Strukturen zur massenhaften Verbreitung der gewünschten Inhalte sowie mit der Unterdrückung und Diffamierung von seriösen Stimmen, die diese Inhalte infrage stellen könnten und mit der Herausstellung unseriöser Vertreter der „Gegenseite“.

Medienkampagnen eskalieren seit Corona

Nochmals gesteigert sind die Bürger seit Beginn der Corona-Episode einem steten Strom dieser medialen Einflussnahme ausgesetzt. Aber deutsche Medienkonsumenten waren bereits vor dem Ausrufen der „Pandemie“ einiges gewöhnt an fehlender journalistischer Seriosität: etwa von den Kampagnen (unter vielen anderen) zu Syrien, zur Ukraine, zu den USA, zu Streiks, zu Mindestlöhnen, zu Krieg und Aufrüstung oder zur „liberalen“ Wirtschaftsordnung.

Aber die Gleichförmigkeit der Inhalte, die Feindschaft gegenüber Andersdenkenden und die Bereitschaft vieler Redakteure, eine verwerfliche Panikmache langfristig und fortgesetzt zu unterstützen, haben seit März noch einmal massiv zugenommen: der Umgang mit absoluten und aus dem Zusammenhang gerissenen Zahlen. Mit irreführenden Begriffen wie „Neuinfektionen“ und „mit Corona verstorben“. Der deutlich sichtbare Wille zur Übertreibung und Panikmache. Der giftige Umgang mit begründeten Bürger-Sorgen vor Überwachung und einem Umbau der Gesellschaft. Der aggressive Umgang mit Skeptikern. Die moralischen Posen, die der Realität nicht standhalten. Die Ignoranz gegenüber Verhältnismäßigkeiten. Die unhaltbare Darstellung einer „Alternativlosigkeit“.

Die Medien und die „Neue Normalität“

Positive Ausnahmen und einzelne seriöse Beiträge bestätigen diesen Befund zum Verhalten der großen deutschen Medien seit Corona. Zu beobachten ist eine weitere Verengung des „erlaubten“ Debattenraums: Wer sich außerhalb dieses Raums bewegt, muss mit der Diffamierung als Spinner oder Nazi rechnen. Innerhalb dieses Raumes werden die Emotionen dagegen möglichst stark angefacht: Emotionale Debatten – wie über den zu recht hoch umstrittenen Maskenzwang – versperren die Sicht auf die momentan bewegten, gigantischen Geldströme oder die langfristigen Tendenzen zur großflächigen Überwachung der Bürger.

Diesem weitgehend gleichförmigen Strom der Meinungsmache in den großen deutschen Medien kann man „in Corona-Zeiten“ noch schwieriger entrinnen als ohnehin schon: Durch die „Flutung“ aller Kanäle mit der „einzig wahren Corona-Lehre“ werden die Skeptiker zu „Leugnern“ einer alternativlosen (und radikalen) Heilslehre erklärt. Die weitere Erosion journalistischer Standards in den großen deutschen Medien – öffentlich-rechtlich und privat – ist dringende Voraussetzung für die Errichtung einer „Neuen Normalität“. Manche Redakteure sind noch unseriöser als viele Politiker, teils hat man den Eindruck, „die Politik“ werde getrieben.

Eine Woche ohne Massenmedien – der Selbstversuch

Um von diesem Strom der großen Medien („Mainstream“) nicht gedanklich entwurzelt und mitgerissen zu werden, muss man sich hin und wieder aktiv um Distanz bemühen. Um der Indoktrination zeitweise ganz zu entrinnen, muss man sich regelrecht abschirmen. Diese Abschirmung habe ich nun in einem Selbstversuch getestet: eine Woche konsequent ohne den Konsum von großen Medien.

Das Ergebnis dieser Isolation ist in seiner Widersprüchlichkeit verblüffend – denn es ist beileibe nicht so, dass der Schritt nur positive Folgen hätte. Denn eine Pause von dem steten und „ideologisch gefestigten“ Info-Strom der großen Medien ruft zwei gegensätzliche Gefühle hervor. Zum einen eine Erlösung und Gelassenheit – denn wie gesagt sind auch Medienkritiker nicht gefeit vor den destruktiven und mindestens unbewusst beunruhigenden Wirkungen der täglich wiederholten Panikmache. Fällt diese weg, entfällt auch der Nachschub für die abgeschwächt auch auf Medienkritiker wirkende Angst.

Abstinenz von der Dauerberieselung durch große Medien ist auch eine Chance für einen Wiedereinzug der Kultur in den eigenen Alltag – wenn schon draußen die Kinos und Orchester schweigen müssen: Immerhin zu Hause kann man sich dann immer wieder den Luxus gönnen, statt der „Tagesschau“, der „Süddeutschen Zeitung“ oder dem Deutschlandfunk zu folgen, ein Stück von Bach oder den Beatles aufzulegen. Eine völlige Realitätsflucht soll hier aber nicht empfohlen werden – dazu später mehr.

Medien-Panik kann auch beruhigen

Das andere Gefühl ist aber eine rasant steigende Besorgnis. Denn ohne die tägliche Indoktrination mit aus dem Zusammenhang gerissenen Zahlen erscheinen die sich leidenschaftlich selber maskierenden Mitbürger noch befremdlicher, erscheint die sich abzeichnende Überwachung noch bedenklicher. Ohne die tägliche Dosis Virus-Angst erscheint der aktuelle Umgang mit unseren Kindern noch inakzeptabler. Und auch die neue gesellschaftliche Stille erscheint ohne den sie übertönenden Propagandachor noch lauter also sonst in dieser scheußlichen „Neuen Normalität“, in der Musik und Protest verboten sind.

Ken Jebsen hat dieses Phänomen kürzlich im gegenteiligen Selbstversuch erforscht und dabei eine Woche nur Massenmedien konsumiert – danach sei man ein „anderer Mensch“:

„Der Konsum von Medien, die nicht den offiziellen Faktencheck bestanden haben, führt unweigerlich in gesellschaftliche Abseits. Ist das gesund? Natürlich nicht. Gibt es einen Weg zurück? Ja, aber sicher. Ken Jebsen hat den Selbstversuch gewagt und ist begeistert. Eine Woche Dauerkonsum von klassischen Qualitätsmedien haben ihre Wirkung nicht verfehlt. Seine Welt ist wieder in Ordnung! Aber auch Du kannst es schaffen! Wähle die KenFM geprüfte Exit-Strategie und werde wieder Teil der Masse. Propaganda macht Happy. Die Welt wird einfacher. Und es fühlt sich verdammt gut an!“

Auf dieses „verdammt gute Gefühl“ muss man bei der Abstinenz verzichten. Das wirkt härter, als man sich das vorher denkt. „Propaganda macht happy“: Sie federt ab. Wer die Massen-Medien in der letzten Woche ignoriert hat, der hat etwa die medial-politische Dramaturgie zum neuesten Lockdown verpasst. Auch wenn diese Tendenz zur vorher abgestrittenen Verschärfung zu erwarten war: Der Lockdown erscheint gravierender, wenn man nicht die „pädagogische“ Hinführung durch große Medien durchlaufen hat.

Medien, die sich überflüssig machen

Beim Verzicht auf große Medien merkt man andererseits aber noch deutlicher, wie überflüssig sich viele Journalisten mittlerweile selber gemacht haben. Was in vielen großen Medien zeit- und wortgleich abgebildet wird, ist oft nur noch als Studienobjekt relevant. Und insofern, als es einen Überblick über den ganz offiziell freigegebenen Debattenraum gibt.

In der Corona-Debatte steht und fällt vieles mit der Beurteilung des Gefahrenpotenzials des Virus einerseits und der Abwägung mit hohen gesellschaftlichen Werten andererseits: Stehen dieses Gefahrenpotenzial und die Bedrohung gesellschaftlicher Strukturen in einem akzeptablen Verhältnis zueinander? Diese Frage wird in großen Medien nicht angemessen gestellt. Eine unverzichtbare gesellschaftliche Debatte wird abgewürgt, indem Andersdenkende beschimpft und schikaniert werden. In diesem Text wird nicht die Verkündung einer „alternativen“ oder gar endgültigen Wahrheit gefordert – das machen ja viele große Medien bereits. Gefordert wird Selbstverständliches: die (ergebnisoffene!) Abbildung einer Debatte mit ihrem Für und Wider. Das Verhindern dieser Debatte ist ein Skandal. Dieses Verhalten nährt auch den Verdacht, dass die offizielle und mediale Version zu Corona auf sehr tönernen Füßen steht: Wer sich seiner Argumentation sicher ist, muss keinen öffentlichen Austausch fürchten und muss diesen also auch nicht pauschal, durchschaubar und unseriös als „rechts“ abkanzeln.

Die Diffamierung trifft aber nicht nur skeptische „normale Bürger“, sie trifft auch die momentan allseits zitierte Wissenschaft und teils angesehene Wissenschaftler. Mit aller Macht wird verhindert, dass diese Wissenschaftler in eine öffentliche und gleichberechtigte (ergebnisoffene!) Diskussion mit ihren Widerparts eintreten. Dieses Verhindern von wissenschaftlichen Streitgesprächen verhöhnt wissenschaftliche Prinzipien ebenso wie der unseriöse Umgang mit absoluten Zahlen.

Geradezu obszön ist es, wenn diese wissenschaftsfeindlichen Journalisten dann der Gegenseite „Wissenschaftsfeindlichkeit“ vorwerfen. Immer wieder muss betont werden, dass das aktuelle Verhalten vieler großer deutscher Medien kein Kavaliersdelikt ist: Panikmache ist ein schweres Vergehen.

„Hinterfrage alles“

Durch Verzicht auf den Konsum großer Medien wird Platz geschaffen für die Nutzung von Alternativ-Medien – auch diesen Inhalten muss man skeptisch begegnen. Aber durch sie stößt man oft überhaupt erst auf Sachverhalte, die in großen Medien gar nicht vorkommen – etwa Äußerungen von zum Regierungskurs „oppositionell“ eingestellten Ärzten und anderen Wissenschaftlern. Hier erfährt man Denkanstöße, die in den großen Medien gerade verhindert werden sollen. Das bedeutet noch lange nicht, dass diese alternativen Denkanstöße dann einer Überprüfung standhalten. Um Skepsis und Überprüfung kommt man bei keinem Medium der Welt herum – auch nicht bei den NachDenkSeiten.

Wer die Möglichkeit hat, sollte sich immer wieder Auszeiten vom großen Medienstrom gönnen. Übertreiben sollte man es aber auch nicht. Denn zum einen gibt es auch in den großen Medien immer wieder lohnende Beiträge. Zum anderen fehlt einem bei totaler Abstinenz das Rüstzeug, um unsere Gegenwart zu begreifen und jene Journalisten zu erkennen, die sie prägen.

Titelbild: local_doctor / shutterstock.com

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