Leserbriefe zu „Nach Corona anders zusammenleben! Wie? Was soll anders werden?“

Ein Artikel von:

Die Auswirkungen der Coronakrise stellen in unserer Gesellschaft eine Zäsur dar, so oder so. Die Frage ist, ob wir die Chance nutzen, die stets beschworenen Werte wie Solidarität und Sozialstaat nun endlich mit Leben zu erfüllen, oder so weitermachen wollen wie bisher. Auf die Aufforderung an unsere Leserinnen und Leser im Artikel „Nach Corona anders zusammenleben! Wie? Was soll anders werden?“, ihre Vorstellungen und Visionen darzulegen, haben wir eine enorme Resonanz erhalten, die wir hier gern dokumentieren. Zusammengestellt von Lutz Hausstein.

1. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Müller,

ich bin aufmerksame Leserin Ihrer Nachdenkseiten und sehr dankbar, dass es sie gibt. Auch Ihre Aufforderung zum Aufschreiben unserer Gedanken für die Zeit nach Corona habe ich mit Interesse gelesen. Nun hat mir ein Freund, dem ich Ihr Buch zum Geburtstag schenkte, den im Anhang beigefügten Text zugesandt. Da er als Arzt in der gegenwärtigen Zeit alle Hände voll zu tun hat, habe ich es übernommen, Ihnen diesen Text zuzusenden. Vielleicht passt er ja zum genannten Thema. 

Wir würden gerne einen regionalen Hilfsfonds für Vorpommern zur Unterstützung von Kunst, Kultur und Sport gründen. Ich hoffe, wir bekommen das hin, denn sonst geht hier sehr Vieles in diesen Bereichen den Bach runter. Wir sind eine strukturschwache Region, brauchen Kunst und Kultur sowie den Sport für die Menschen hier und auch für den Tourismus, von dem wir hoffentlich auch in Zukunft leben können.

Ich wünsche Ihnen Gesundheit und sende herzliche Grüße von der Sonneninsel Usedom

Dr. Karin Timmel

Aufruf zur Solidarität in der Corona-Krise

Vielleicht liegt es an meiner Ossi-Vergangenheit, dass mir in der jetzigen Krise unseres Landes, nein der Menschheit, vor allem das Wort Solidarität einfällt.

Ich bin aufgewachsen in einem Land, in dem es ganz sicher viele schlechte Dinge gab. Und das wir in seiner damaligen Form nicht wieder haben wollen! Aber zu den guten Erinnerungen und Erfahrungen zählen für mich vor allem das Gefühl der Gemeinschaft, des Zusammenhaltes. Wir war wichtiger als ich; Hilfe untereinander stand vor teuren Statussymbolen, Solidarität – z.B. mit Vietnam- war für mich nicht aufgezwungen, sondern freiwillig!

Heute droht uns neben vielen Kranken und sicher auch Toten durch Corona vor allem eine wirtschaftliche Rezession. Die Folgen werden sehr schwerwiegend sein. Bereits zwei Mal (2001 und 2008) wurden die Folgen von Krisen, die im Grunde durch die Gier der Reichen dieser Welt herbei geführt wurden, durch die große Masse der Normalverdiener „geschultert“. Und auch jetzt ist klar, dass die (zweifelsohne alternativlosen) Hilfsmaßnahmen der Regierung, der EU etc. in den Jahren nach der Corona-Krise wieder von uns, den 98% Nicht-Reichen, Nicht-Mächtigen, gezahlt werden sollen. Ob das ein drittes Mal möglich sein wird, weiß ich nicht, weiß wahrscheinlich niemand mit Sicherheit.

Aber eines weiß ich sehr genau – es ist nicht gerecht! Und spätestens jetzt ist es an der Zeit, die Solidarität der Reichen diese Landes einzufordern. Niemand braucht Hunderte Millionen oder sogar Milliarden EURO, um glücklich zu sein. Und niemand – das ist meine tiefste Überzeugung – hat es verdient, soviel zu besitzen! Bestenfalls wurden beim Anhäufen diese Reichtums die aktuell geltenden Gesetze mehr oder weniger eingehalten. Aber ganz sicher wurde die Yacht auf dem Meer mit dem Minijob der Nachbarn in Deutschland und dem Elend in Afrika bezahlt!

Unsere Fußballnationalspieler haben ein Zeichen gesetzt – ich fordere alle Menschen in unserem Land, die ein Herz in der Brust haben, auf, zur Überwindung dieser Krise der Menschheit (Corona ist doch nur der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte – Klima, Flüchtlinge, Kriege …) ihren Beitrag zu leisten.

Lasst uns Hilfsfonds bilden – sehr Reiche für die Millionen Kleinbetriebe, Freiberufler etc., die alles verlieren im Moment – z.B. gibt jeder, der 10 Mio besitzt 1%

  • ab 100 Mio 2%
  • ab 500 Mio. 3%

In der Summe ergäbe das viele Milliarden, die den Ruin der Wirtschaft aufhalten können.

Jeder andere von uns, der es kann, gibt so viel wie möglich, entlässt keine Mitarbeiter*innen, zahlt die Löhne fort, solange es geht, stundet oder erlässt Mieten etc.

Reiche Künstler bilden einen Fonds für ihre mittellosen Kollegen. Reiche Sportler spenden für den Erhalt der Vereine, Trainerstellen, Sportstätten etc..

Ich appelliere an all die reichen und mächtigen Menschen dieses Landes- zeigt, dass Ihr ein Herz habt! Und wenn ihr nicht an einen Schöpfer und seine ausgleichende Gerechtigkeit nach unserem Tode glauben solltet, so erinnert Euch daran, dass auch die Reichen und Mächtigen in Frankreich 1789 und in Rußland 1917 glaubten, Sie seien unantastbar.

Ich hatte ein glückliches Leben und bin voller Dankbarkeit dafür. Und jetzt erwache ich fast in jeder Nacht mit dem Traum, dass wir unseren Kindern und Enkeln statt der wunderbaren Erde einen Scherbenhaufen hinterlassen. Das darf nicht sein! Lasst uns diese Krise gemeinsam meistern und danach die Welt schrittweise besser machen

  • Mit weniger Egoismus
  • Viel mehr Klimaschutz
  • Ohne hemmungslose Globalisierung
  • Mit viel mehr Solidarität. Die reichen müssen abgeben, damit der soziale Frieden in der Welt wieder hergestellt werden kann!

Die von uns gewählten Politiker fordere ich auf, konkrete Maßnahmen schnell zu ergreifen, um o.g. Ideen umzusetzen. Notfalls auch mit Sperrung von Konten, Besitzpfändungen etc. Das ginge nicht? Natürlich geht das, man muss nur wollen! Mit jeder Betriebsschließung werden Menschen enteignet und ins Elend getrieben.

Freiheit – Gleichheit – Brüderlichkeit: Dafür gingen die Menschen 1789 in den Kampf gegen die Herrschenden.

Heute kämpfen wir um das Überleben der Menschheit, unserer Erde, um die Zukunft unserer Kinder und Enkel gegen die grenzenlose Gier einer kleinen Schicht der Reichen. Es ist eine Minute vor 12 – Wir geben Euch eine Chance, mit uns um unsere Zukunft zu kämpfen, nicht gegen uns.

Ich denke, ich befürchte – es ist für uns Menschen die letzte Chance, die wir haben!

Dr. Mark Wiersbitzky
Arzt Anklam, Vorpommern
27.03.202


2. Leserbrief

Hallo Nachdenkseitenteam,

Zu dem Artikel habe ich folgende Ideen:

  1. Krankenversicherung umbauen zu einer Bürgerversicherung mit vier Regionalzentren (Nord, Süd, West, Ost) ähnlich den Gebietskrankenkassen in Österreich. Der ganz Wasserkopf fällt weg.
  2. Umstellung der Krankenversicherung rein auf die Goä, Goz etc. und Entfall des wirtschaftlichkeitsgebotes im SGB V das hat da nix verloren. Außerdem sind damit alle medizinisch notwendigen Maßnahmen mitversichert. Dann wird ein Index mit Nulljahr 2020 festgelegt und ab da die Gebührenordnungen an die Inflation angepasst. Damit gibt es keine Zweiklassenmedizin mehr und keine Fehlanreize. Es ist auch immer genug Geld im System, da die Lohnabschlüsse direkt einfließen in den Index – wie in anderen Wirtschaftszweigen auch.
  3. Die privaten Krankenversicherer müssen mit vollem Kontrahierungszwang in den Wettbewerb treten mit dem Recht auf die GKV zu fusionieren unter der Voraussetzung dass keine Stellen abgebaut werden. Die Vollkosten und Beihilfetarife schickt man in den RunOff oder bietet den Versicherten einen Wechsel an. Damit umgeht man die verfassungsmäßige Bestandssperre. Die Zusatzversicherung soll bleiben und ausgebaut werden. Das macht Sinn, so dass jeder seine Sonderwünsche nach Bedarf absichern kann. Da braucht man den Staat nicht.

    Beitragsbemmeungsgrundlage sollte das zu versteuernde Einkommen sein. Bei Arbeitnehmern bleibt es bei der paritätischen Finanzierung.

  4. Einführung einer Erwerbsrentenversicherung bei der GRV analog der Schweizer AHV für Alle. Keine beitragsbemessungsgrenzen. Beitragsgrundlage sollte das zu versteuernde Einkommen ohne Ausnahmen bis zum 65 Lebensjahr sein. Somit werden auch alle Kapitaleinkünfte erfasst. Bei Arbeitnehmern, Beamten etc. bleibt es bei der paritätischen Finanzierung.

    Gleichzeitig Ausbau der betrieblichen Altersvorsorge als Pflicht für alle wie in der Schweiz mit Livecyclemodell und paritätischer Finanzierung bei Arbeitnehmern. Über das VAG Einbau eines festen Kostendeckels von 3 % Gesamtkosten des laufenden Beitrages. Konzipiering als reines Rentenprodukt mit maximal 50 % Kapitalisierungsoption zu Rentenbeginn. Wegfall der Finanzoptionen um alternative Investments in der Kapitalanlage zu ermöglichen. Einbau der vollen Vererbbarkeit. Damit schafft man zwei stabile Säulen der Altersvorsorge und nutzt sowohl die Vorteile des Umlageverfahrens, als auch die Vorteile des Kapitaldeckungsverfahrens im Einklang.

    Einbau von 27 Jahren Kindererziehungszeiten analog der Schweiz.

  5. Einführung eines Rentenniveaus von 50 %.
  6. Einführung einer Mindestrente von 1250 €. Einführung einer degressivere abgeflachten Maximalrente undurchsichtig einen Faktor um verfassungskonform zu bleiben.
  7. Kostenlose Kitas, Kindergärten, Schulen und Hochschulen.
  8. Ein 100 Milliardenprogramm auf vier Jahre für den sozialen, genossenschaftlichen Wohnungsbau mit Wiedereinführung von MietkaufModellen gedeckelt auf 50 % je Wohnanlage. Finanziert über zweckgebundene Infrastrukturbonds auf 10 bis 30 Jahre Laufzeit.
  9. Ein 100 Milliarden Klimaprogramm auf vier Jahre zur Gebäudesanierung mit dem Ziel, dass danach kein Gebäude mehr Fossil (Öl, Kohle, Gas etc.) beheizt wird. Nur Biomasse, Fern-/Nahwärme, Erdwärme (Wärmepumpe), Strom oder andere regenerative Energieträger sind zulässig. Das hatte viel mehr Effekt als die ganze Alibidiskussion um den Verkehrssektor mit dem wir unsere ganze Industrie kaputt machen.
    Finanziert über zweckgebundene Klimabonds auf maximal 15 Jahre.
  10. Aufwertung der Pflege durch Schrittweise Akademisierung und Verkammerung des Berufstandes. Allgemeinverbindliche Tarifverträge. Sofortige Abschaffung der Fallpauschalen. Gesetzlicher Personalschlüssel mit schrittweiser Erhöhung drakonischen Strafen von bis zu 10 % des Umsatzes bei Verstößen nach einer Übergangszeit zum Personalaufbau von 5 Jahren.Sofortige Erhöhung der Gehälter in allen Ebenen um 500 € pro Monat und nochmal zum 01.01.2021. Anschließend greifen die normalen Tarifabschlüsse.
  11. Auflegung eines 100 Milliarden Förderprogramms verteilt auf 5 Jahre zum Auf- und Ausbau der medizinischen Infrastruktur, Reservekapazitäten und Pandemievorsorge inklusive Staatlicher Unternehmen in Pharma und Forschung und Schutzausrüstung um unabhängig zu werden vom Ausland. Finanziert über zweckgebundene Gesundheitbonds.
  12. Einführung einer großen Steuerreform mit:
    • Abschaffung der Gewinnfreistellung von Veräußerungsgewinnen bei Unternehmensverkäufen.
    • Anhebung der Erbschaftssteuer bei gleichzeitigen Freigrenzen und Freibeträgen um kleine Betriebsvermögen und Privatpersonen bei der normalen Vererbung von Immobilien etc. nicht zu überfordern.
    • Harte Fortführungsvorgaben bei Betriebsvermögen mit Missmanagementnachhaftung auf 10 Jahre und Durchgriffshaftung auf 50 % des Privatvermögens bei Vorsatz und grober Fahrlässigkeit.
    • Spitzensteuersatz 45 %, aber Abschaffung diverser Ausnahmen um den Effektivsteuersatz auf 35-40% hochzubekommen. Ausgenommen Investitionen in energetische Sanierung Umwelt- und Klimaschutz. Die Anreize müssen bleiben.
    • Abschaffung der Abgeltungssteuer und volle Unterwerfung unter die Einkommenssteuer.
    • Abschaffung der Rechtsformneutralität um die Körperschaftsteuer Schrittweise auf 25 % anzuheben.
    • Koppelung der Steuerpflicht an die Staatsbürgerschaft analog den USA.
    • Koppelung der Gewinnbesteuerung an das Entstehungsland
    • Einführung einer Bodenspekulationssteuer
    • Einführung einer Finanzmarkttransaktionssteuer
    • Eine Vermögenssteuer braucht es dann nicht mehr. Es ist viel zu schwierig zu definieren was ist Vermögen überhaupt? Der ganze Bewertungsansatz etc.
    • Anhebung der Mehrwertsteuer auf 10 und 20 Prozent. Das ist einfach zu rechnen. Im Gegenzug Absenkung der Mehrwertsteuer auf alle Dinge des täglichen Bedarfs, sowie ÖPNV inklusive Taxis. Das macht schon Sinn um auch Geschäftsreisen Nummer mehr auf die Bahn zu bekommen.
  13. Auflegung eines 150 Milliarden Infrastrukturprogramms auf 4 Jahre mit zweckgebundenen Infrastrukturbonds zur Finanzierung. Maximale Laufzeit der Bonds 15 Jahre. Damit werden alle Schulen, Brücken, Straßen erneuert und vor allem das Schienennetz ausgebaut. D. h. Ausbau von drei Nord-Süd-Hochgeschwindigkeitstangenten (Bremen-Düsseldorf-Frankfurt-Freiburg-Basel; Flensburg-Hamburg-Hannover-Fulda-Würzburg-Stuttgart-Friedrichshafen; Rostock-Berlin-Leipzig-Erfurt-Nürnberg-München-Memmingen-Bregenz und Stettin-Berlin) und 5-6 Hochgeschwindigkeitsquertraversen
    (Bregenz-Friedrichshafen-Basel-Besancon-Dijon); (Linz-Salzburg-München-Stuttgart-Karlsruhe-Saarbrücken-Metz);
    (Linz-Passau-Regensburg-Nürnberg-Würzburg-Frankfurt-Trier-Luxemburg);
    (Prag-Dresden-Leipzig-Erfurt-Fulda-Frankfurt-Trier-Luxemburg);
    (Brüssel-Düsseldorf-Hannover-Berlin-Frankfurt-Oder-Posen-Warschau);
    (Amsterdam-Meppen-Bremen-Hamburg-Lübeck-Wismar-Rostock-Greifswald-Stettin)
    Wichtig ist, dass wir der TGV, Railjet auf allen Strecken durchgängig mit 250-300 Km/h gefahren wird mit wenigen Haltepunkten an den Knoten. Ebenso die Anbindung direkt bis ins Ausland an die großen Knoten und Hochgeschwindigkeitszüge dort. Damit würde man wirklich erreichen, die Flüge auf diesen Distanzen uninteressant zu machen. Es ist doch niemand vermittelbar, dass ein ICE zwischen Frankfurt und Nürnberg mit 120 Km/h dahinschleicht.
  14. Auflegung eines 50 Milliarden Digitalinfrastrukturprogramms zum Netzausbau und betrieb in staatlicher Hand. Alternativ Förderung mit knallharten Auflagen an die Anbieter, dass binnen 4 Jahren 100% 5G Netzabdeckung inklusive aller Tunnel bestehen muss. Ebenfalls über zweckgebundene Digitalbonds refinanziert mit max 10 Jahren Laufzeit.
  15. Abbau von Leiharbeit und Werkverträgen. Begrenzung der Subunternehmerkette auf max 3. Volle Haftung des Hauptauftragnehmers für Verstöße aller Subunternehmer. Es gilt Anreize für den Aufbau von eigenen Stammbelegschaften zu schaffen.

Das sind in Summe 500 Milliarden die gut investiert sind und bestimmt als 2500 Milliarden wieder zurückkommen über neue Jobs, Steuern etc.. Mir fallen bestimmt noch ganz viele Maßnahmen ein, aber das sind in meinen Augen die wichtigsten. Wenn wir hier nicht schnell handeln sind wir in 5-10 Jahren abgehängt und wieder der kranke Mann Europas.

Bleiben Sie gesund.

Freundliche Grüße
Jan Susai


3. Leserbrief

Lieber Albrecht  Müller,

danke für die Eröffnung der Debatte. AUch ich teile Ihre und Naomi Kleins Sorge, dass die “Restauration” auch aus dieser Krise profitiert. ABer: Ich glaube, die GEgenkräfte wachsen auch.

Konkret habe ich mich in meinem Buch “Handelt! Appell an Christen und Kirchen die Zukunft zu retten“, veröffentlicht am 20.1.2020, mit allen Ihren Fragen auseinandergesetzt. Ich habe mich zunehmend geärgert, dass die Probleme bekannt, die Ursachen bewertet, die Lösungen vorhanden sind, aber nichts in Richtung Anwendung und Umsetzung geschieht.

Ich denke, die Bausteine für eine alternative Gesellschaft sind ja vorhanden – es gibt über 35 heterodoxe ökonomische Theorien, es gibt viele Unternehmer und Investoren, die den Wandel wollen, viele BürgerInnen, die bereit sind, ihren Beitrag zu leisten. Was fehlt, ist zweierlei:

  1. ein Normativer Kompass, der die Frage beantwortet: “Wohin wollen wir und welche GEsellschaft wollen wir?” Denn davon hängt ab, welche Bausteine und Ansätze ich verfolge, und welche ich vernachlässige.
  2. Best practices, die belegen und Mut machen, dass es anders tatsächlich geht.

Auch ich glaube, angesichts der Politiken der USA, CHina, Brasilien und Russland müssen wir uns auf die Europäische Union als Reformgebiet und Reformtreiber konzentrieren und das, was wir hier umsetzen, auch nach außen absichern, etwa mit Grenzausgleichssteuern. Klar, zunächst muss die EU demokratischer werden, aber auch hier gibts sowohl von Ursula von der Leyen als auch dem EU Parlament gute Ansätze.

Mein Wunsch wäre, und deshalb habe ich das Buch geschrieben, dass  Christen und Kirchen hier aktiver werden. Gerade die katholische Kirche als Global Player mit 1,2 Milliarden Mitgliedern könnte hier treibende Kraft sein.

Das kann natürlich alles ausgeführt werden, aber das habe ich, wie gesagt, in meinem Buch getan. Sollten Aspekte von Interesse sein, kann dies gerne getan werden.

Beste Grüße, Jörg Alt SJ


4. Leserbrief

. . . habe dazu eine Anregung.

Wie wäre es, wenn wir damit in der Familie anfangen würden? Das sollte doch am leichtesten fallen!

Habe mich damals gewundert, als von Norbert Blüm die Pflege “ausgelagert” wurde.

Für uns in der Familie war und ist es eine Selbstverständlichkeit, daß unsere Eltern – die uns mit allem, was sie konnten, unterstützt und geholfen haben – von uns versorgt und gepflegt werden, wenn ihre nachlassenden Kräfte sie “in die Knie” zwangen.

Wir haben unsere 4 lieben Alten zu Hause bis zum Tode gepflegt und versorgt. Das war nicht immer einfach; aber wir haben es aus Dankbarkeit gern getan.

Heute werden die Eltern in einem Heim abgegeben, wo dann einmal/Woche ein Anstandsbesuch gemacht wird…


5. Leserbrief

Sehr geehrte Damen und Herren,

aufgrund Ihres Aufrufs eine mögliche politische, gesellschaftliche und soziale Zukunft zu skizzieren, hier ein paar Anregungen, aus der Sicht eines politischen und ökonomischen Laien:

1. Außenpolitik:

Distanzierung von den USA

Angesichts der Coronakrise ist wieder einmal klar geworden, dass dieser Staat im Ernstfall kein Interesse an weltweiter Solidarität hat. “America first” und “Fake News” erleben mit Donald Trump einen Höhepunkt, existierten aber schon lange vor seiner Amtszeit. Die Medien und insbesondere der öffentlich-rechtliche Rundfunk müssen angehalten bzw. im Fall des ÖR angewiesen werden, über die unzähligen Putsche und Angriffskriege der USA zu berichten. Das die USA dabei auch mit evangelikalen Rechtsextremen wie Jair Bolsonaro paktiert muss aufgezeigt werden. Das Präsidentschaftskandidaten sich mit Millionen von Dollar einkaufen müssen, um überhaupt eine Chance zu haben, zeigt wie hohl die Demokratie dort ist.

Schulterschluss mit China und Russland

Das auch von den NDS sooft skizzierte negative Bild, dass über diese beiden Staaten verbreitet wird, muss aufgelöst werden. Natürlich sind auch in diesen Staaten viele politische Entscheidungen, die Menschen diskriminieren und benachteiligen, vorhanden. Es muss aber klar sein, dass diese zwei größten Länder der Welt (Fläche (RUS) bzw. Einwohner (CHN)) sehr schwer zu regieren sind. Zudem sind die Einwohner nun mal eine andere Kultur gewohnt und kein Land ist gezwungen, die neoliberale Schein-Demokratie anzunehmen. Insbesondere die zügige und verlässliche Hilfe für Spanien und Italien in der Coronakrise muss nach deren Ende hervorgehoben werden. Eine wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit mit diesen grundsätzlich offenen Staaten sollte von der EU angestrebt werden.

Naher Osten, Waffenindustrie, NATO

Die Verteidigungsausgaben in D und Europa müssen zurückgefahren werden. Ein Ausstieg aus der NATO muss zumindest erwägt werden. Es kann nicht sein dass die USA egoistische Interessen mit völkerrechtswidrigen Angriffen im Nahen Osten durchsetzt und Europa dann mit den Scherben zurücklasst (Flüchtlingswelle). Es muss mit Assad und den Rebellen verhandelt werden und zügig Frieden geschlossen werden. Ich kenne mich mit Assad’s Politik nicht so gut aus aber er ist ein anerkannter Präsident in einem anerkannten, souveränen Staat, der selbst entscheiden kann, mit wem er verhandelt und wem er seine Ölquellen zur Verfügung stellt. Flüchtlinge in Europa, die wieder zurück WOLLEN um ihr Land wieder aufzubauen dürfen nicht gehalten werden.

Innenpolitik:

Soziale Berufe, soziales Engagement

Pfleger, Verkäufer, Busfahrer und andere, wirklich systemrelevante Berufe müssen ein viel höheres Ansehen und Würdigung ihrer Arbeit bekommen, sowohl finanziell als auch von den Arbeitszeiten her. Es ist fraglich, ob die warmen Worte der Politik zu diesen Berufsgruppen nach der Krise noch Bedeutung haben. Auch ehrenamtliches Engagement muss die Würdigung erfahren, die momentan unverständlicherweise Banker, Finanzdienstleister, Firmenanwälte u.ä. haben. “Housing First” wie es in Finnland praktiziert wird könnte ein Anstoß sein, um die große Abhängigkeit von Suppenküchen und Obdachlosenunterkünften in den Griff zu bekommen. Generell gilt Armut gar nicht erst entstehen zu lassen und sie dann erst zu behandeln.

Mindestlohn, Hartz 4, soziale Verpflichtung:

Der Hartz 4-Satz muss mit Rücksprache von Vertretern der Kirchen und z.B. des paritätischen ausgehandelt und zügig aufgestockt werden. Der Mindestlohn muss auf das Niveau anderer EU-Staaten steigen. Scheinselbstständigkeit und Sub-Unternehmertum muss gesetzlich unterbunden werden. Zudem müssen amerikanische Digitalunternehme ihren steuerlichen Beitrag leisten, wenn sie weiter die staatliche Infrastruktur in Anspruch nehmen wollen.

Umwelt und Verkehr:

Die Blechlawinen in den Großstädten müssen zumindest eingedämmt werden. Corona zeigt, wie schön diese Städte ohne die Massen an Fahrzeugen sind. S-Bahnen könnten hier ein Mittel sein. Über ein Tempolimit muss in einer direkten Demokratie abgestimmt werden. Deutsche Automobile genießen in der ganzen Welt einen hervorragenden Ruf. Dennoch sind Kolosse wie ein Audi Q7, Mercedes G AMG oder BMW X5 M völlig überflüssig und gefährlich für andere Verkehrsteilnehmer. Wie Herr Berger mal vorschlug, ist mit Verboten kein Erfolg zu erwarten. Stattdessen muss an dem Dienstwagenprivileg angesetzt werden, da nur wenige Privatpersonen einen solchen Koloss besitzen. Kreuzfahrten sind kritisch zu hinterfragen, ebenso dienstliche Inlandsflüge, die durch Corona leicht durch Videochat zumindest in den Großstädten zu ersetzen sind. Das Desaster der Bahn muss einer breiten Öffentlichkeit aufgezeigt werden und ihr Auslandsengagement beendet werden, solange der reibungslose inländische Verkehr nicht gewährleistet ist

Bildung:

Die einzelnen Bundesländer müssen ihr Schulsystem angleichen. Desweiteren ist es unverantwortlich, nach der 4. Klasse Dorfgrundschule bereits den Weg vorzugeben. Private Schulen, insbesondere elitäre, müssen dazu angehalten werden, auch Kinder aus Hartz-4-Familien aufzunehmen, wenn die intellektuellen Fertigkeiten gegeben sind. Ein staatlicher Zuschuss zu den Kosten muss gewährt werden. 

Medien:

Digital-Monopole müssen eingedämmt werden. Steuern müssen konsequent und mit aller Härte des Rechtsstaats eingefordert werden.

Private Sender aber auch der ÖR müssen ihr oftmals diskriminierendes Programm (Nachmitagsprogramm auf RTL oder SAT 1) ebenso hinterfragen wie das Ausstrahlen immer gleicher, oftmals gewalttätiger Action- oder Horrorfilme. Es darf im Fernsehen, Internet und sonstigen Medien keine Gewaltdarstellung stattfinden wenn Jugendliche und Kinder erwartungsgemäß Zeit zum Medienkonsum haben.

Mit freundlichen Grüßen
Benedikt Windisch


6. Leserbrief

Guten Morgen Redaktion,

dieses Thema ist vielen von uns schon so lange eine Herzensangelegenheit. Wie schön, sich darüber so intensiv auszutauschen.

Wie wollen wir denn in Zukunft leben? Wollen wir, dass Geld und Märkte wieder den Menschen dienen statt umgekehrt? Diese wertvollen Fragen sind auch Kern der Gemeinwohl Ökonomie, einer bürgerschaftlichen Bewegung die 2010 in Österreich entstand und sich seitdem über Deutschland und viele andere Länder weltweit ausgebreitet hat. Sie ist ein ethisches Wirtschaftsmodell, welches faires und wertschätzendes Handeln zwischen Menschen untereinander und der Beziehung zur Natur zum Ziel des Wirtschaftens macht.​

Die Gemeinwohl-Bilanz (s. Anhang Matrix) dient dazu, das faire, solidarische Handeln im eigenen Wirtschaftsbetrieb, aber auch in der Gemeinde, Schule etc. zu überprüfen und darzustellen. Ähnlich einer klassischen Finanz-Bilanz wird sie am Ende des Geschäftsjahres erstellt und drückt in Punktzahlen aus, inwieweit demokratische Werte im eigenen Unternehmen und in den Geschäftsbeziehungen gelebt werden: Menschenwürde, Solidarität und Gerechtigkeit, Ökologische Nachhaltigkeit, Transparenz und Mitentscheidung.​

Angenommen, viele Unternehmen und Institutionen würden neben der Finanz-Bilanz eine Gemeinwohl-Bilanz erstellen, an dessen Ergebnis Erleichterungen wie Steuer-Nachlässe für besonders ethisches Handeln gekoppelt wären – wie würde sich das auf unser aller Zusammenleben, auf die Produkte und die Natur auswirken? Ich denke sehr positiv!​

Die Gemeinwohl Ökonomie zeigt Wirkung und hinterlässt erste hoffnungsvolle Spuren: zahlreiche Unternehmen, sowie erste Gemeinden belegen dies bereits mit ihren Gemeinwohl-Bilanzen.

In diesem Geiste können wir unseren Konsum und unsere Kaufentscheidung mehr und mehr an gemeinwohlorientierten Kriterien versuchen auszurichten und damit diejenigen Unternehmer unterstützen die schon lange auf diese Philosophie setzen. Jetzt in der Krise aber gerade auch nach der Krise.

Ganz herzliche Grüße aus Unterfranken!


7. Leserbrief

Lieber Nachdenker*innen,

zuerst ein herzliches Danke an das NachDenkSeiten-Team, das diese Plattform für den Dialog zu Verfügung stellt.

Was mich in diesen Tagen besonders umtreibt, ist die Frage, was kann ich/was können wir tun, um den

Wandel zu unterstützen?

Dazu halte ich es für erforderlich, daß wir uns vernetzten, unterstützen und Informationen austauschen.

So habe ich gestern an die Partei „Die Linke“ eine Anfrage gerichtet, ob eine Liste erstellt wird, aus der ersichtlich wird, welche Unternehmen Anträge auf KfW Hilfen stellen und in welcher Höhe sie genehmigt werden

und wo diese abrufbar sind:

stürzen sich auf die Corona-Hilfen

von 3,18 Milliarden € haben 8 Unternehmen 3,16 Milliarden !!!!! beantragt

spiegel.de/wirtschaft/soziales/corona-krise-olaf-scholz-will-staatsbeteiligungen-spaeter-teils-mit-gewinn-verkaufen-a-2177e113-d519-47cd-b692-babc0951f115

weitere 600 Milliarden!!!!!! an Unternehmen, an welche??? unabhängig von der Fragwürdigkeit der Maßnahme wie vorgeschlagen..

Bundesregierung | Aktuelles | Neues Anleihenprogramm in Milliardenhöhe

bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/ezb-beschliesst-pepp-173241

arbeitsagentur.de/finanzielle-hilfen/kurzarbeitergeld-arbeitnehmer

Ich stelle mir auch heute schon die Frage, wer das am Ende alles bezahlen soll.

In der jetzigen Situation ist es äußerst wichtig, genau zu beobachten, was die „Volksvertreter” wie entscheiden und per Eil-Gesetzen auf den Weg bringen.

Absolute Transparenz ist erforderlich, um ein weiter so zu verhindern….

Das braucht den Einsatz von uns allen, immer wieder bei den Politikern und Abgeordneten nach zu fragen, je mehr Anfragen, desto besser…. und von kritischen Journalisten, wie die, von den NachDenkseiten. 

Drüber hinaus ist es genau so wichtig, was und wie wir Neues entwickeln und umsetzen können….

Abschließend meine persönliche Einschätzung:

das Corona-Virus wird als „Sündenbock“  benutzt, um nicht das Scheitern dieses neoliberalen Systems zugeben zu müssen…

Ich freue mich über einen regen Austausch.

Herzliche Grüße
Renate Mehl

Nachbemerkung der Redaktion: die Aneinanderreihung von Links ist eigentlich nicht besonders zielführend. Wir haben den Leserbrief trotzdem in die Sammlung aufgenommen.


8. Leserbrief

Das wäre mein größter Wunsch an diese Gesellschaft:

Die Börsen zu schließen. Das Pokerspiel um unser Leben endlich zu beenden.

Dann kann sich vielleicht auch eine Wirtschaft entwickeln, die sich nach echtem Bedarf orientiert und mit sozialer Vernunft betrieben wird.

Solange Aufsichtsräte nur einen einzigen Wert kennen: Die Rendite!, der alles andere zu opfern ist, solange haben wir, glaube ich, kaum eine Chance, dass entscheidende gesellschaftliche Veränderungen möglich sind, zumindest werden sie wohl nicht sehr nachhaltig sein.

Danke für die schöne Initiative!
Katrin McClean


9. Leserbrief

Liebe Nachdenkseiten, es sollte unbedingt das bedingungslose Grund Einkommen durchgesetzt werden. Dann hätten wir keine Probleme mit Armut, psychischen Erkrankungen usw. Diese Sch….Banker müssen entmachtet werden. Die braucht kein Mensch, wie man jetzt sieht. Dieses krank gesparte System darf so nicht weiter bestehen!! Mit freundlichen Grüssen Claudia Jahn


10. Leserbrief

Lieber Herr Albrecht Müller und Nachdenkseiten Team,

Bezüglich unserer Zukunft nach Corona und “was soll anders werden?”

Ich befürworte die von ihnen gemachten Vorschläge zu 90-100% aber mir fehlt ein entscheidender Punkt, nämlich die “partizipative und deliberative Demokratie”. Weil Solidarität als auch Verantwortung lässt sich nicht von oben verordnen oder über eine Wunschliste verwirklichen, sie müssen gelebt werden, und das geht aus meiner Sicht nur über den Weg einer echten beziehungsweise fortschrittlichen Demokratie, diese Art von Demokratie haben wir aber nicht. Die Demokratie die wir haben ist eine repräsentative Parteien und Zuschauer Demokratie in der wichtige Weichenstellungen für die Zukunft nicht (mehr) oder viel zu spät möglich sind und in der Normalbürger oder die Zivilgesellschaft bis auf Wahlen im 4- oder 5-Jahresrhythmus von beinahe allen wichtigen Entscheidungen ausgeschlossen sind.

Auf die vielen Schwachstellen von Parteien, Wahlen, Regierungsformen und -bildungen und die Verbandelung von Wirtschaft, Finanzakteuren und Politik werde ich jetzt nicht näher eingehen, obwohl sehr problematisch weil vor allem Ersteres vielen gar nicht bewusst ist. In Kürze kann man sagen das die Machtverhältnisse sehr einseitig sind, erst wenn diese einseitigen Machtverhältnisse überwunden werden sehe ich die Chance für langfristige positive Veränderungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, vor allem auch die Verwirklichung linker Forderungen.

Den vielversprechendsten Weg zur Überwindung sehe ich darum wie bereits erwähnt in der partizipativen und deliberativen Demokratie, in aller Kürze:

  • Bürgerräte
  • Bürgerpanels
  • Bürgerparlamente

Wobei folgendes zu beachten ist:

  • Bürgerräte, Bürgerpanels und Bürger Parlamente sind als Ergänzung zu Parteien, Berufspolitikern und Parlamenten wie wir sie kennen zu verstehen. Es gibt auch Stimmen die meinen das man auf Parteien und Politiker gänzlich verzichten kann, so weit muß man aus meiner Sicht nicht gehen beziehungsweise erachte ich Interessensvertretungen wie Parteien und Berufspolitiker nach wie vor als sehr wichtig.
  • Bürgerräte, Bürgerparlametarier, etc. werden repräsentativ ausgelost (“Sortition”) und sind zeitlich begrenzt. Ich stand der Auslosung anfangs sehr skeptisch gegenüber, je mehr ich mich damit beschäftigt habe umso mehr verfestigte sich aber die Überzeugung das dies die beste Lösung ist.
  • Der persönliche Kontakt unter Bürgerräten, Bürgerparlamentariern, etc, ist sehr wichtig.
  • Bürgerpanels und Bürger Parlamente werden von Fachleuten moderiert. Diskussionen/Debatten werden in wechselnden Kleingruppen durchgeführt.

Empfehlenswerte Links zu partizipativer und deliberativer Demokratie:

Gute Bedingungen für Politik (Nutt Los 1)
wyriwif.wordpress.com/2018/11/04/gute-bedingungen-fuer-politik/

Wie Losverfahren und Bürgerversammlungen die Politik wieder handlungsfähig machen (Nutt Los 1)
wyriwif.wordpress.com/2018/07/21/wie-losverfahren-und-buergerversammlungen-die-politik-wieder-handlungsfaehig-machen/

Gegen das Losverfahren = Gegen Demokratie (Nutt Los 1)
wyriwif.wordpress.com/2018/08/13/gegen-das-losverfahren-gegen-demokratie/

Es ist völlig gleichgültig, wer an der Regierung ist (Nutt Los 1)
wyriwif.wordpress.com/2019/02/14/es-ist-voellig-gleichgueltig-wer-an-der-regierung-ist/

Warum ich gegen Volksentscheide bin (Nutt Los 1)
wyriwif.wordpress.com/2017/10/17/warum-ich-gegen-volksentscheide-bin-obwohl-ich-mir-deutlich-mehr-politische-mitbestimmung-wuensche/

Liberalismus und Demokratie (Nutt Los 1)
wyriwif.wordpress.com/2018/10/01/liberalismus-und-demokratie/

Schaden Wahlen der Demokratie?
deutschlandfunkkultur.de/auslosen-statt-abstimmen-schaden-wahlen-der-demokratie.1270.de.html?dram:article_id=361643

Bürgerpanels (Broschüre, Einführung und Ablauf von Bürgerpanels)
citizensassemblies.org/download/

Wirtschaftsdemokratie statt kapitalistischem Wachstumszwang
awblog.at/wirtschaftsdemokratie-statt-kapitalistischem-wachstumszwang/

How We Can Reinvent Democracy
youtube.com/watch?v=gfxDBcSoXyI

What is Deliberative Polling?
cdd.stanford.edu/what-is-deliberative-polling/

Ein Plädoyer für die Erneuerung der Demokratie (Buch, Philippe Narval)
styriabooks.at/die-freundliche-revolution

(1) Nutt Los (Pseudonym) – Kurz Bio

“Lebt in München, hat Politische Philosophie studiert und in seiner derzeitigen Berufstätigkeit regelmäßig intensiv mit Menschen aus allen Schichten und Milieus zu tun. Seine Erfahrung dabei: Die Menschheit ( = wir) sind im unmittelbaren Kontakt weitaus großartiger als wir uns selber in der Öffentlichkeit erscheinen.”

Nachdem mir die Schwachstellen der repräsentativen Demokratie bei einem Kasperltheater von österreichischen Nationalratswahlen im Jahr 2017 endlich aufgefallen sind war es vor allem Nutt Los der mir mit Hinweisen und seinen eigenen Texten bezüglich echter oder fortschrittlicher Demokratie die Augen geöffnet hat.

Ich bin übrigens der Meinung dass die Philosophie in der Politik viel mehr Aufmerksamkeit verdienen würde, gerade auch in linken Kreisen.

Liebe Grüße,
Karl Heinz Pongratz


11. Leserbrief

Als ehemaliger DDR- Bürger kann ich nur jedem Menschen der halbwegs bei Verstand ist, empfehlen, nicht dem Sozialismus bzw. dem Kulturmarxismus zu verfallen. 

Das ist kein Spaß. 

Wolfgang Korn 
Mainz


12. Leserbrief

Mein Vorschlag ohne viele Details:

BGE (bedingugsloses Grundeinkommen für alle) bei gleichzeitiger Liberalisierung der Märkte

  • existentielle Sicherheit
  • völliges Entfernen von Subventionen und Schutzschirmen
  • Selbstbestimmung/ Eigenverantwortung
  • Umweltschäden durch die Produktion, müssen in die Produktionskosten einfließen d.h. freie Berufswahl

Arbeitsplätze müssen attraktiver gestaltet werden (Betriebskindergarten, Arbeitszeiten z.B.)
Zuverdienst ist ohne Einschränkung möglich, normal besteuert

Steuersystem:
stark vereinfachen: jeder zahlt immer 30-35% ohne Ausnahmen
–> Freisetzung kompetenter Arbeitskräfte mit Deutschkenntnissen ;o)

Staatsapparat:
kann massiv verschlankt werden, wegen Wegfallen des Mikromanagments sowie der Armutsverwaltung
–> Freisetzung “kompetenter” Arbeitskräfte mit Deutschkenntnissen

Staatsaufgaben:
grundsätzlich keine Verbeamtung mehr

  • öffentlicher Nahverkehr, der kostenlos ist (siehe Luxemburg)
  • Gesundheitssystem ohne Renditeansprüche, Gewinne werden in die Verbesserung des Systems (Löhne, Versorgung, Apparate) investiert Krankenkassen: alle zahlen in einen Topf, alle notwendigen Behandlungen werden immer für jeden bezahlt (minimaler Verwaltungsaufwand) Altersvorsorge: alle zahlen in einen Topf, Auszahlung ohne riesigen Verwaltungsapparat (siehe Österreich) ist mit BGE aber auch nicht so wichtig
  • öffentliche Sicherheit (Polizei) gute Bezahlung und Arbeitszeiten
  • Bundeswehr (nur zur Landesverteidigung)
  • wenn nötig Wohnungsbau
  • Grundlagenforschung, Innovationen fördern

Finanzwesen.:

  • Highspeed Trading, Leerverkäufe und sonstige “Tricks” ausnahmslos verbieten
  • Geld, das ewig auf der Bank rumliegt, verliert an Wert –> Investitionen
  • Geldschöpfung aus dem Nichts regulieren
  • da muss sicher noch mehr geschehen, aber da kenne ich mich nicht so aus

Bildung/ Kultur:

  • Schule/ Uni: menschlicher, lebensnäher, kein starres System, Eigenverantwortung und – ermächtigung fördern
  • Museen, Bibliotheken usw. müssen erhalten und gepflegt werden (staatlich)
  • Theater und so würden durch das BGE etwas entlastet, sollten also dem freien Markt unterliegen

Rechtsprechung:

vielleicht etwas vereinfachen z.B. Hinterlegung einer hohen Kaution vor Beginn von Nachbarschaftsstreitigkeiten vom Kläger, die er bei Gewinn des Verfahrens zurückbekommt, aber sonst verliert, um sinnlose kleinklein-Streitigkeiten aus den Gerichten zu halten

Gesetze verständlich, bindend, ohne Schlupflöcher, nicht so viele!

Wahlen:
es werden nicht mehr Parteien gewählt sondern Lösungsvorschläge für Probleme, eventuell muss dann öfter gewählt werden, damit die Probleme und Lösungen vorher objektiv dargestellt werden können das führt zu:

Medien:
freie Marktwirtschaft auch bei den Medien, keine GEZ mehr, die Bevölkerung könnte verpflichtet werden einen Betrag X nach Gusto zu verteilen (Eigenverantwortung gefragt, muss in der Steuererklärung nachgewiesen werden)

Energie:
Dezentralisieren, modernisieren, Diversifizierung

private Mobilität:
da umweltschädliche Autos in der Produktion teurer wären und der öffentliche Nahverkehr kostenlos, würden vermutlich viele auf ein PS-Monster verzichten

Drogen:
entweder alle verbieten oder alle erlauben (Eigenverantwortung!)

Meiner Meinung nach würden Kooperation und Solidarität deutlich besser werden, wenn der existentielle Druck auf dem Arbeitsmarkt, in den Schulen und für Unternehmer wegfällt.

Viele Grüße
Gabriele Rodenburg

Nachbemerkung der Redaktion: Die Kombination eines bedingungslosen Grundeinkommens auf der einen Seite mit weitgehender Entstaatlichung auf der anderen Seite ist schon ein bemerkenswerter Vorschlag. Sehr logisch finden wir das nicht.


13. Leserbrief

Wie soll die neue Gesellschaft/die solidarische Gesellschaft aussehen?

Ganz konkret wünsche ich mir, dass die Menschheit aufgrund der Corona-Krise zu einem kleinen Sprung des Bewusstseins ansetzt und, dass die nachfolgende Zusammenfassung ganz konkret zum Wunsch-Zielzustand einer ausreichend großen Anzahl von Menschen wird, die dafür auch bereit sind zu streiten und sich gewaltfrei und in Gütekraft auseinanderzusetzen und an der Umsetzung mitzuarbeiten!

Das wäre mein Wunsch!

Da die kurze nachfolgende Auflistung der Schrift „Unterwegs in die Zukunft“ von der Akademie Solidarische Ökonomie die Wünsche von mir als Einzelnem auf wunderbare Weise subsummiert.

Der heutige Zustand ist aus meiner Sicht nicht mehr tragbar und der skizzierte künftige Zustand entspricht ziemlich genau dem was ich glaube, was nötig wäre an Veränderungen.

Ich bin davon überzeugt, dass diese Änderungen in der Form oder einer ähnlichen Form umgesetzt werden sollten, wenn wir als Spezies unseren nachfolgenden Generationen eine lebenswerte Mitwelt übergeben wollen.

Zu diesem Ergebnis kam ich, nachdem ich über 150 Aufrufe, Chartas, Manifeste, Kodizes und unterschiedlichste sonstige Handlungsanleitungen religiöser wie säkularer Natur (von Erdcharta, Charta des Mitgefühls, Weltethos, Goldene Regel u.v.m.) durchgearbeitet habe.

Die gemeinsame Schnittmenge all dieser Kodizes in Bezug auf Menschen- und Mitweltwohl ist in den folgenden Zeilen ganz gut subsummiert.

(Für den Fall, dass die erwähnten Kodizes von Interesse sind, hier die Auflistung der Kodizes als PDF DATEI. Alle Texte der Kodizes liefere ich gerne als PDF nach, sofern Interesse besteht.)

Mit freundlichen Grüßen
Franz Weber

Anhang:

Zusammenfassung Aus: „Unterwegs in die Zukunft“ Seite 26/27 von Akademie Solidarische Ökonomie

Heutiger Zustand

Hauptziel des Wirtschaftens ist die Kapitalvermehrung, dazu dient die Bedarfsdeckung des zahlungsfähigen Teils der Gesellschaft. Den Mehrwert aus Wirtschaftstätigkeit vereinnahmen private Kapitaleigner.
 
Die Einkommen aus Erwerbsarbeit liegen teils extrem hoch (z.B. Managergehälter) und zugleich im unteren Einkommensbereich extrem niedrig. Die Einkünfte von Unternehmern und Kapitaleignern sind nach oben unbegrenzt.
 
Vermögen werden schrankenlos angehäuft und vererbt. Im Ergebnis besitzt 1 Prozent aller Menschen so viel wie die restlichen 99 Prozent: es kommt zu einer rasanten Fehlentwicklung der weltweiten Verteilung. Gemeingüter sind oft privatisiert.
 
Weder der Lebensstil noch die Produktion ist nachhaltig, die Umweltschäden steigen dramatisch. Unternehmen unter-liegen einem Wachstumszwang und sind zum Verdrängungswettbewerb gezwungen: sie können nicht nachhaltig agieren.
 
Viele Menschen befinden sich, in einer Konsumspirale bei steigendem Zeitdruck (Übermaß an Konsumangeboten, Überstunden). Zugleich sind andere Menschen wegen Mangel an Geld vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen.
 
Künftiger Zustand

Hauptziel des Wirtschaftens ist die Bedarfsdeckung aller Menschen. Der Mehrwert der Produktion kommt der gesamten Gesellschaft zugute. Der Einsatz von Geld- und Sachwerten ermöglicht keine private Rendite.
 
Die Einkommen aus Erwerbsarbeit richten sich nach demokratisch vereinbarten Höchst- und Mindestbezügen. Kapitaleinkünfte sind nicht mehr möglich. Unternehmer erzielen Unternehmerlohn (maximal bis zu den Höchstbezügen).
 
Die Gesellschaft vereinbart demokratisch eine Vermögensobergrenze, oberhalb derer Vermögen gemeinnützigen Zwecken zufließen. Gemeingüter gehen zurück an die Gemeinschaft. Unterhalb der Obergrenze wird Privatvermögen voll respektiert.
 
Preisanreize dämmen umweltschädlichen Konsum ein, der Anreiz zur nachhaltigen Tätigkeit von Unternehmen wird per Nachhaltigkeitsbilanz erreicht. Kein Erwirtschaften von Kapitalrendite mehr: der Zwang zu Wachstum und Verdrängungswettbewerb entfällt.
 
Es gibt genug für alle –aber ohne überbordenden Güter-Reichtum, stattdessen mehr Raum für Eigentätigkeit und Freizeit. Geringere Wochenarbeitszeiten bei trotzdem auskömmlichen Einkommen.

Aus „Unterwegs in die Zukunft“ Seite 26/27 von Akademie Solidarische Ökonomie


14. Leserbrief

Sehr geehrtes Team der Nachdenkseiten!

Vielen Dank für die Möglichkeit der Partizipation bzw. des Meinungsaustausches und auch der Meinungsfindung. Dies gilt im übrigen nicht nur für diese „Mitmachaktion“, sondern auch für ihr Programm im Allgemeinen.

Bei der Überlegung darüber, wie sich eine „neue“ Gesellschaft gestalten könnte, merke ich, wie ich mich in vielen – auch bereits detaillierten Gedanken – verliere. Ich möchte mich deshalb kurz- und es in ähnlicher Globalität zusammenfassen, wie es Herr Müller in seinem Beitrag auf den Nachdenkseiten tat.

Im Grunde ist für mich bereits Ihre Aufforderung eigene Überlegungen einzusenden die grundlegendste aller Veränderungen, die ich hier anmerken möchte. Es ist die Partizipation des Einzelnen an Prozess einer Meinungs- und Entscheidungsfindung. Man kann sich natürlich über die Möglichkeiten und die Grenzen dieser Teilhabe am grundlegenden Prozess einer freiheitlichen Gesellschaft unterhalten. Man kann die Frage danach stellen, wie freiheitlich ein repräsentativdemokratisches Mehrheitssystem in seinen Grundfesten überhaupt ist. Anarchistische Überlegungen gehen davon aus, dass der Einzelne nicht repräsentierbar ist, dass jede Repräsentation unweigerlich in eine Entfremdung vom Einzelnen und somit in einem konsensgebundenen Mehrheitssystem dazu führt, dass im besten Fall ein größerer Teil der Gesellschaft in seiner Meinung repräsentiert wird. Gleichzeitig wird aber auch immer ein kleinerer Teil der Gesellschaft nicht repräsentiert werden, so dass der Staat in seiner Eigenschaft des Regierenden die Meinung der Mehrheit in Gesetze gießen und diese nötigenfalls auch mit Gewalt durchsetzen müsse. All das führe letztendlich dazu ein freies und selbstbestimmtes Leben des Einzelnen zu verhindern und auch dazu gesellschaftliche Spannungen aufzubauen, statt diese zu lösen. Darüber hinaus führe die die Macht der Institutionen – sogar im Falle der Anwendung von Elementen der direkten Demokratie – stets zu Restauration dieser Machstrukturen, durch deren Legitimation und somit zu einem Erstarken der Macht von Institutionen.

Nun sind anarchistische Gedanken für mich ein Ideal, ähnlich wie es die Gedanken zu einem reinen Kommunismus sind. Dennoch denke ich, dass wir uns diesem Ideal annähern sollten, soweit es unsere Vorstellungskraft hergibt. Dabei sollte man hoch ansetzen, denn ähnlich dem Verhandeln über einen Verkaufspreis, wird es sehr starke Kräfte geben, die diesen zu drücken wissen, so dass am Ende nur ein Teil der Anfangsforderung übrig bleiben wird. Die Vorstellung zu einer – für mich – besseren Gesellschaft sind für mich inspiriert durch Ingeborg Maus. Sie beschreibt in einem Aufsatz über die Erneuerung der Demokratie und die Maximierung der Souveränität des Volkes, dass der Staat nicht mehr länger die Institution des Bundestages als Repräsentanten des Volkes zum Meinungsaustausch, zur Meinungsfindung und der Entscheidungsfindung stellen sollte, sondern vielmehr den institutionellen Rahmen für den einzelnen Menschen, für einzelne Interessengruppen, bereitstellen sollte, in direktem Austausch miteinander die Aufgaben des Bundestages übernehmen sollten. Es soll den Menschen damit eine direkte Teilnahme am politischen Prozess ermöglicht werden, die dazu führt, dass verstärkt auch Meinungen von Minderheiten im letztendlich entstehenden Gesetzeswerk ihren Platz finden, dass Meinungen insgesamt weniger entfremdet durch Repräsentation in ein Gesetzeswerk einfließen können. Ich würde diesen Aspekt noch erweitern bzw. verfeinern wollen, indem ich auffordere diese Institution flexibel zu gestalten. Es darf sich dabei keinesfalls um eine Institution handeln, die sich ausschließlich im öffentlichen Raum abspielt, da die Vertretung einer Meinung im öffentlichen Raum an Hindernisse bzw. Ungleichheiten gebunden ist. Beispielsweise ist die Meinung von Frauen im öffentlichen Raum nach wie vor unterrepräsentiert. Dies hieße auch die Institution in ihrem Charakter derart zu gestalten, dass sie niemals über den Prozess der Meinungsfindung gestellt wird. Sollte eine freie Meinungsfindung an den formellen Grenzen und Regeln der Institution scheitern bzw. dadurch verfälscht werden, muss sie derart hinter ihren Zweck zurücktreten, dass sie sich diesem anpasst.

Dies stellt natürlich auch die An- und Aufforderung an den Bürger den Status als passiver Bürger zu verlassen dar.

Mit freundlichen Grüßen,
Hendrik Körner
Handewitt


15. Leserbrief

Guten Abend Herr Müller,

ich bin in den 80igern groß geworden und hatte mich bis vor ein paar Wochen mäßig bis gar nicht mit der (Welt-) Politik auseinandergesetzt. Ich habe ab und zu mal Nachrichten verfolgt oder eine Schlagzeile mitbekommen. 

Vor ein paar Jahren habe ich mit dem Fernsehschauen aufgehört weil mir die Inhalte schlichtweg zu stupide waren/sind und ich mich frug wer das wirklich schaut und wen das interessiert.

Habe mich als BVB-Anhänger gefragt warum da so viel Geld fließt und warum wir (das kleine Volk) da immer wieder hin pilgern und zig Euros für billig hergestellte Trikots und Fanbedarf ausgeben. Warum kaufen die Leute noch Autos von Firmen die betrügen und der gesamten (Um-)Welt schaden, bzw. noch mehr schaden als sie es ohnehin auf legalem Wege tun?

Ich hinterfrage gerade sämtliche Spielfilme und Zeichentrickserien die ich als Kind oder Erwachsener gesehen habe. Warum kommen alle bzw. das meiste aus den USA? Was wurde mir bzw. ganzen Generationen unterbewusst eingebläut? Und was wird uns und unseren Kindern aktuell gezeigt? 

Wie soll man in dieser Welt noch Kinder groß ziehen oder ihnen die Welt erklären?

Ich bin Krankenpfleger und frage mich schon des längerem ob wir Menschen uns nicht viel zu wichtig auf dieser Erde nehmen?! Und ob das was ich dort tue wirklich sinnvoll ist. Sowohl für die Menschen die ich behandel, als auch für Umwelt. 

Und über die aktuelle Lage könnte ich nur noch lachen wenn es nicht so traurig und offensichtlich wäre.

Wir, die eh schon am Limit waren, stehen jetzt mit leeren Händen einem Virus entgegen und werden noch nicht mal als Mitarbeiter vernünftig geschützt? Ich habe von Krankenhäusern gehört wo es keine Masken mehr gibt. Und dann noch die Personaluntergrenze, da konnte doch teilweise noch mehr Personal gespart werden. Ich habe es selten erlebt das wir mal nicht an der Personaluntergrenze gearbeitet hatten. Die neue Personaluntergrenze wurde die neue Obergrenze. 

Ich würde gerne wissen was ich noch tun kann, außer im kleinen wachsam zu bleiben, meinen Konsum zu reduzieren, die Medien zu hinterfragen usw.

Ideen für die Zukunft hätte ich auch noch ein paar aber da hängt viel von einem Umdenken ab. Weg von der Ellebogengesellschaft, aber weltweit, Einigung auf globale Ziele die die Rettung/Erhaltung der Welt und des gesamtem Ökosystems als oberstes Ziel hat, wo jeder zusammen forscht, Ergebnisse teilt, veröffentlicht, umsetzt, weg vom globalen Handel mit Gütern die nicht (zwingend) nötig sind (z.B. Erdbeeren 365Tage im Jahr braucht meiner Meinung nach kein Mensch), weniger ist mehr, ich denke es könnte die große Chance der Kirche sein hier wieder Position zu vertreten und das eigentlich gute Gedankengut wieder auch so unter die Leute bringt…

Aber leider stecke ich, wie auch viele Menschen mit denen ich über unsere aktuelle Lage und möglichen Szenarien spreche viel zu sehr in unseren Leben drinnen, als das wir noch Zeit oder Kraft hätten uns dagegen aufzulehnen oder uns auch nur damit auseinanderzusetzen. Die Maschinerie hat anscheinend sehr gut funktioniert. 

Viele Grüße und macht bitte weiter so,
Jonas S.


16. Leserbrief

Albrecht Müller sagt sehr richtig:

“Entscheidend ist der Geist, die Philosophie, sind die Werte, die unsere Gesellschaft und unser Zusammenleben prägen sollen.

Soll Egoismus, soll “Jeder ist seines Glückes Schmied” die Leitlinie unserer Gesellschaft sein?

Oder Solidarität und Menschlichkeit?

Wenn es uns nicht gelingt, mit diesem neuen Geist die Leitlinie der Politik, das Zusammenleben in den Familien und die Herrschaft über den Stammtischen zu erreichen, dann wird es nichts mit einer anderen Zukunft.”

Wie eine solidarische Gesellschaft aussehen kann ist nicht am Reißbrett von ein paar vermeintlichen Experten zu entwerfen. Es braucht dazu einen gesamtgesellschaftlichen

Diskurs mit vielen, vielen runden Tischen,  BürgerInnen-Räten, sprich,  mehr Basisdemokratie.  Eine solidarische Gesellschaft ist nicht ohne solidarische Ökonomie denkbar.

Ideen und Impulse in diese Richtung gibt es zuhauf z.B. akademie-solidarische-oekonomie.de/wp-content/uploads/2018/01/Richtungsentwurf-2011.pdf

Beste Grüße
Ute Plass


17. Leserbrief

Eine Weltordnung im Zusammenhang mit dem bedingungslosen globalen Grundeinkommen

Eine Weltordnung (WO) basierend auf einer resourcenbasierten Gesellschaft in Zusammenhang mit einem bedingungslosen, globalen Grundeinkommen
Teil 1

Seit Jahren diskutieren immer mehr Menschen über den Sinn eines Bedingungslosen Grundeinkommens. Das tut man vor allem in den hoch entwickelten Staaten der „ersten Welt“. Die Idee geistert dort vor allem durch die Reihen der sozial Engagierten. Wir erinnern uns – 2016 wollte die „reiche“ Schweiz das bedingungslose Grundeinkommen sogar per Volksentscheid einführen. Man startete damals eine beispiellose Kampagne, doch der Volksentscheid wurde erwartungsgemäß von der Mehrheit der Eidgenossenschaft abgelehnt. Fakt ist jedoch; seither ist das Thema in aller Munde. Danach startete Finnland Anfang 2017 einen lokalen Feldversuch. Auch in Canada hatte man bereits Erfahrung gesammelt. Und in Afrika startete ein weiterer Feldversuch.

Die Zeit ist überreif für eine umfassende, globale Gesellschaftsreform, auch wenn das die Mehrheit in der satten ersten Welt aus mehrheitlich egoistischen Gründen noch nicht richtig wahrhaben will; Siehe am Beispiel Schweiz. Trotzdem ist es sehr erstaunlich, denn seit der groß lancierten Schweizer Volksinitiative wird diese Idee in vielen verschiedenen Ländern der Welt vehement diskutiert. In Deutschland gründete man aus diesem Grund sogar eine neue „Ein-Themen Partei“.

Meiner Meinung nach unterliegt die aktuelle Art der Überlegungen jedoch einem grundlegenden Fehler. Warum ich das glaube, will ich mit diesem Beitrag erklären.

Je höher entwickelt ein Land ist, um so hochwertiger sind Produkte und Dienstleistungen, welche in dem Land produziert und konsumiert werden. Es geht dabei um Angebot und Nachfrage. Es hat mit dem Stand der Ausbildung der Menschen in dem Land oder der Region unserer Welt zu tun. Hochpreisige Produkte wie Luxusautomobile, Hightech, Waffen & Maschinen, Computer, Roboter etc. werden vor allem in den reichen Ländern ge – und verkauft oder konsumiert. Heute werden Hightech Produkte auch in sogenannten Entwicklungsländern hergestellt, um von dort an zahlungskräftige Klientel in aller Welt verkauft zu werden. Arbeitsplätze sind deshalb schon lange einer Art Ware geworden. Durch die fortschreitende Automatisierung z.B. durch Fertigungsroboter und computergesteuerte Maschinen braucht es auch in Entwicklungs – und Schwellenländern immer weniger Menschen, um diese Produkte herzustellen. In den hochentwickelten Industrieländern ist das schon lange so. Reine Handarbeit gibt es fast nicht mehr außer in der Landwirtschaft.

Die den arbeitenden Menschen dadurch abhanden kommende Lohnarbeit ist somit längst kein Länderproblem mehr. Es ist vielmehr ein globales Problem. Immer mehr, aber vor allem hochentwickelte Länder bekommen das in den kommenden Jahren hautnah und direkt zu spüren.

Es ist aber ganz und gar nicht so, dass es keine Arbeit mehr gäbe. Ganz im Gegenteil; Arbeit gibt es sogar immer mehr; bloß nicht mehr für Menschen! Tatsache ist, dass in Zukunft immer mehr qualitativ hochwertige Arbeit von Robotern und computergesteuerten Maschinen erledigt wird. Was noch dazukommt; es spielt darum im Grunde keine Rolle mehr, wo das geschieht.

Eine weitere Tatsache ist, dass es dabei nicht mehr nur um die eintönigen und simplen Arbeiten geht, sondern immer auch mehr und mehr Bereiche betrifft, die im Moment noch von hoch qualifizierten Leuten erledigt wird. Das bedeutet, es trifft auch den noch relativ gutverdienenden Mittelstand in den hoch entwickelten Wirtschaften der westlichen Welt. Das trifft diese Gesellschaften mitten ins Herz.

Intelligente Maschinen erledigen diese anspruchsvollen Arbeiten heute oftmals bereits besser, schneller und vor allem um ein Vielfaches günstiger als wir Menschen. Das einzig Sichere an dieser Entwicklung ist, dass der Prozess nicht umkehrbar ist. das bedeutet, dass wir sehr schnell umdenken müssen, um neue Modelle für die in naher Zukunft noch für Menschen verfügbare Arbeit und vor allem des Zusammenlebens entwickeln müssen, um nicht in einer Zweiklassengesellschaft zu landen. Die Frage lautet klar; Wovon sollen all diese Menschen in Zukunft leben? Und, wer soll ohne Arbeit all die Produkte kaufen?

Aus dieser Überlegung heraus entstand mein Gedankengang zum Thema „globales, bedingungsloses Grundeinkommen in einer resourcenbasierten Gesellschaft“ und ich stelle ihn seit 2017 zur Diskussion. Ich würde mich freuen, wenn eine rege Beteiligung und eine konstruktive Diskussion dabei entstehen würde.

Zuerst das Thema Arbeit

Lohnarbeit machte uns Menschen nur vermeintlich frei, eigentlich geschah jedoch genau das Gegenteil. Für Lohn arbeitende Menschen gerieten von Anfang an und somit schon sehr lange in die totale Abhängigkeit. Es entstand im Grunde mehr gesellschaftliche Ungleichheit, Neid und Missgunst. Selbst wenn eine Mehrheit Arbeit hatte, blieben immer Leute auf der Strecke. Es werden sogar immer mehr.

Selbstständiges Arbeiten hingegen brachte einem ein gewisses Maß an Freiheit, nur das im Verhältnis die wenigsten Leute global die Chance haben oder nutzen, dies auch wahrzunehmen. Es gibt heute vermehrt Sklaverei, Kinderarbeit etc. Es geht nämlich mittlerweile weltweit schon lange nicht mehr um den Erhalt von Arbeitsplätzen. Es geht vor allem um den Erhalt von Branchen und Firmen, deren Produktionsstätten wegen der Gewinnmargen hemmungslos ausgelagert und somit vernichtet werden. Ganze Industrien stehen heute in einem knallharten, globalen Wettbewerb gegeneinander und das hauptsächlich auf dem Rücken der jeweiligen Belegschaften. Dabei ist es völlig egal, wo das auf der Welt das geschieht. Und geschweige denn geht es heute noch um Vollbeschäftigung. Diese wird es wohl für Menschen nie mehr geben.

„Kapitalistisch gesunde“ Volkswirtschaften produzieren nebst Waren in erster Linie Profit für die Besitzer, Teilhaber und Shareholder der Konzerne & Firmen. Entsprechende Steuereinnahmen für den Staat stehen hingegen auf einem anderen Blatt. Nur wenn der Staat die entsprechende Steuer – Gesetzgebung richtig umsetzt, erhält er heute Einnahmen und diese beschränken sich mehr und mehr auf die eingetriebenen Lohn – Steuerabgaben der Angestellten & Arbeiter.

Echte Vollbeschäftigung gab es im Übrigen noch nie außer in Kriegszeiten. Das Ist in unserer hochtechnisierten Welt gar nicht machbar und im Grunde auch nicht nötig. Es kommt noch dazu das der Mensch schließlich nicht existiert, um zu arbeiten… er ist nach wie vor ein Teil der Natur und diese arbeitet auch nicht, sondern ihre oberste Priorität ist, sich zu erhalten. Das alles klingt jetzt vermutlich provokativ, aber ist schlicht eine Tatsache.

In Anbetracht der durch den unaufhaltsamen Fortschritt entstandenen Situation muss man den Begriff Arbeit ganz anders oder neu definieren. Es gab und gibt auf der einen Seite die verschwindende Lohnarbeit, die durch moderne Technik mehr und mehr ersetzt wird. Es gibt aber andererseits sehr viele essentielle Beschäftigungen (auch das ist Arbeit) oder Tätigkeiten, welche im Gegensatz zur Lohnarbeit für uns sogar lebensnotwendig sind. Weswegen? Weil ohne diese Beschäftigungen die herkömmliche aber verschwindende Lohnarbeit gar nicht möglich wäre. Diese Art der Arbeit ist das, was unsere Gesellschaft in sich selbst und sozial zusammenhält. Und das wird wohl auch in Zukunft so bleiben. Klar werden auch hier viele Tätigkeiten durch moderne Technik wegfallen, aber hier steht und stand immer der Mensch im Mittelpunkt.

Darunter fällt z.B. ganz normale Hausarbeit, die Kindererziehung, Seelsorge, private Pflege von Kindern und alten, behinderten oder kranken Menschen. Darunter fällt jede ehrenamtliche, freiwillige und private Arbeit.

Alles, was wir nicht zum eigenen Vergnügen tun, ist im Prinzip Arbeit. Die professionelle Routine in diesem täglichen Tun soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich hierbei auch um Arbeit handelt. Und genau diese Arbeiten werden uns wohl nie ausgehen. Aber anhand der aktuellen Entwicklung werden wir schon bald viel mehr Zeit dazu haben. Die Frage lautet deshalb, wie und von wem all diese im Grunde essentiellen Beschäftigungen in Zukunft entlohnt werden sollen?

Menschen arbeiten für Lohn, um davon leben zu können. Menschen leben aber nicht dafür, um zu arbeiten. Lohnarbeit ist kein Naturgesetz. Trotzdem muss sie erledigt werden, weil sonst das Leben in unserer momentanen Welt und Gesellschaft nicht funktioniert. Wir sind schon lange keine Jäger und Sammler mehr.

In der sogenannten Dritten Welt funktioniert die altmodische Art des Zusammenlebens zum Teil noch. Dort wird so gut wie alles geteilt, die Familie oder Sippe hat dort noch ihren alten Stellenwert und ihre ursprüngliche Bedeutung. Die Menschen dort pflegen ihre eigenen Gärten und produzieren so ihre Lebensmittel zum Teil noch selbst. Die Emanzipation ist dort noch nicht so weit fortgeschritten und die alten Geschlechterrollen haben dort bis jetzt noch ihren Bestand und sorgen so normalerweise für Harmonie im familiären Zusammenleben.

Aber wie sieht es bei uns in der ersten Welt aus? Früher gab der Mann von seinem Lohn das Haushaltsgeld und die Frau kümmerte sich dafür um Haushalt, Kinder, um alles was dort anfällt, damit er selbst ungestört arbeiten und das so nötige Geld verdienen zu können. Dasselbe gilt für übrigens für die moderne, arbeitende und emanzipierte Frau. Heute arbeiten Männer und Frauen und teilen sich diese Kosten. Trotzdem müssen diese Arbeiten erledigt werden. Wer es sich heute leisten kann, sucht sich darum zuverlässige Hausangestellte. Wer das nicht kann, erledigt es notgedrungen selbst und verliert dadurch Lebenszeit und schränkt vor allem moderne Lebensqualität ein, um ein „normales“ und heute in der jeweiligen Gesellschaft angemessenes Leben zu führen. Frage – Kommt schon bald der perfekte Haushaltsroboter?

Der moderne Mensch ist oft unzufrieden und vor allem steht er ständig unter Druck. Wenn er jetzt noch jemand ist, der zum Beispiel unter der Knute von Hartz 4 oder Sozialhilfe leben muss, dann wird das sehr fatal. Welchen Wert hat diese so wichtige Arbeit? Menschen außerhalb der gängigen Norm werden in dieser Gesellschaft immer mehr als minderwertig angesehen. Anscheinend begreifen viele nicht, dass sie womöglich selbst bald auch dazu gehören werden.

Eventuell steht den gut Verdienenden bald ein intelligenter und zuverlässiger Haushaltsroboter zur Verfügung. Diese Investition wird sich für gut Verdienende sicher lohnen, wenn es den Roboter denn gibt. Die Techniker versprechen uns das. Nur verlieren viele Leute auch in der ersten Welt so einen für sie wichtigen Job.

Es geht global mittlerweile genau um diese Art von zum Teil sehr ungeliebten Arbeiten, die trotzdem gemacht werden müssen, um das System am Laufen zu halten (oder um ein völlig neues System zu installieren). Gemeint sind all die sozialen, kommunalen Arbeiten, um das Leben in einer modernen und technisierten Welt am Laufen zu halten…. Wer entsorgt schon gerne den Müll oder putzt und räumt die Straßen? Das wird bald von Putzrobotern erledigt.

Eigentlich ist es gut so, denn diese fleißigen, elektronischen Helfer ersetzen zum Teil unmenschliche Arbeit. Das Problem ist, die Welt oder der Mensch ist scheinbar noch nicht soweit für den anstehenden Wechsel. Denn der kapitalistische Mensch bewertet Arbeit nach der Höhe des erzielten Einkommens. Das ist ein kapitalistisches Relikt, welches für sehr viel Ungerechtigkeit sorgt und unsere Gesellschaft schon heute in verschiedene Klassen spaltet; in oben und unten!

Unsere altmodische Arbeitswelt mit ihren veralteten Werten verabschiedet sich schon eine ganze Weile sukzessiv und das in einem unheimlichen Tempo. Den meisten Menschen ist das jedoch noch gar nicht richtig bewusstgeworden. Sie verharren daher in ihren alten Mustern und klammern sich an diese Auslaufmodelle. Sie haben Angst vor der Zukunft und wissen nicht, wen der unaufhaltsame Fortschritt als nächstes trifft. Heute wird offiziell prognostiziert, dass in den kommenden Jahren Abermillionen oder bis zu 60 % aller Arbeitsplätze auf nimmer Wiedersehen verschwinden werden und es gibt bei dieser Entwicklung im Grunde keine Umkehr. Dafür wird es aber auch viele Neue geben – auch diese kennen wir noch nicht. Somit wird es spannend.

Und darum gilt es, das Beste aus diesem größten und einschneidensten Wechsel zu machen, den wir Menschen seit ca. 300 Jahren erleben werden. Natürlich weiß niemand wirklich, wie unsere Welt in 20 Jahren aussehen wird. Es gibt jedoch verschiedene Szenarien.

Ich beschreibe ab hier in diesem Beitrag nun ein Szenario, welches nicht unbedingt sehr utopisch klingt. Es basiert auf Vernunft und Menschlichkeit. Ich weiß, dass diese Vision eher nicht im Sinn der im Moment entscheidenden Menschen und der jetzigen Profiteure ist. Aber deren Art und Weise, unsere Welt incl. uns Menschen auszunutzen, ist hoffentlich bald ein Auslaufmodell wie die Lohnarbeit selber, mit der einige Wenige auf Kosten von Milliarden von Menschen überhaupt erst so unendlich und unflätig reich werden konnten.

Ob so etwas überhaupt machbar sein wird, liegt leider schon lange nicht mehr in den Händen der vermeintlichen Entscheidungsträger und schon gar nicht bei den Abermillionen oder Milliarden von Menschen, die schon bald keine Lohnarbeit mehr haben werden. Es liegt an humanen Technikern und Konstruktoren, an weitsichtigen CEO’s & Entwicklern, an genialen Programmierern, humanen Finanziers, cleveren Zulieferern und es wird trotzdem hart werden.

Die Welt, wie wir sie jetzt noch kennen, ist seit einer Weile nicht nur arbeitstechnisch im kompletten Umbruch. Sie macht auch politisch und gesellschaftlich derzeit und in naher Zukunft einen großen Wandel durch, der alle Menschen betreffen wird. Das zeichnet sich immer mehr ab und vor allem das ist sehr gefährlich für unsere Spezies Mensch.

Es wird jedoch dafür entscheidend sein, wie es mit der Menschheit im Ganzen weitergehen wird. Es gab in der Geschichte der Menschheit bisher nichts Vergleichbares oder mehr Macht in den Händen Einzelner oder so wenigen Menschen. Auch das ein Relikt, welches total überholt ist. Eine gemeinsame Zukunft kann nicht ausschließlich in den Händen einzelner oder weniger liegen. Das geht alle Menschen etwas an.

Die Grenzen verschieben sich.

Ohne das die Mehrheit der Menschen unserer Welt groß etwas mitbekommt, polarisiert sich die Welt und man spricht heute längst von einer kommenden, neuen Weltordnung. Man spricht mittlerweile auch von der Bargeldabschaffung. Man spricht von totaler, technischer Überwachung. Dazu wurde die Hype des globalen Terrorismus geschaffen, vor welcher man sich schützen müsse. Sprich, hinter vorgehaltener Hand bildet sich längst ein globaler Faschismus, gesteuert von einigen wenigen sehr reichen und skrupellosen Menschen. All das ist nicht von der Hand zu weisen. Und all das dient dazu, das die Macht in den Händen noch weniger Leute landet und auch dort bleibt, die dann über das Schicksal aller Anderen nach ihren eigenen Vorstellungen entscheiden können. Wollen wir das?

TEIL 1 Ende

Teil 2 – Meine eigene Vision ist eine Andere

Ich selber habe eine menschliche oder eine humane Vision von unserer gemeinsamen Zukunft. Menschlich im Sinne von gelebter Humanität. Meine Vision findet ebenfalls in einer hochtechnisierten Welt statt, in welcher aber der Mensch als humanistische Gemeinschaft das Sagen hat. Es geht auch hier um ein hochtechnisiertes aber trotzdem humanistisches System im Gegensatz zum faschistisch/kapitalistischen NWO – Traum ein paar Weniger.

Was für Arbeit wird es in Zukunft eigentlich noch geben?

Wenn es sich bewahrheitet, was die IT – Branche uns verspricht, werden so gut wie alle technisch /praktischen Berufe von Maschinen ersetzt werden. Das gilt ebenso für die Produktion von fast allen Waren, technischen Geräten, der Bauindustrie, der Lebensmittelindustrie, der Agrarindustrie, der Chemieindustrie und allen Anderen. Des Weiteren fallen so gut wie alle mit Algorithmen arbeitende, mathematische Tätigkeiten und viel Andere darunter. Das bedeutet das letztlich ca. 60% aller Arbeitsplätze auf Dauer von Maschinen und Robotern erledigt werden können. Das ist für viele ein beängstigendes Szenario oder es wird die große Freiheit, von der wir Menschen so lange träumen.

Die Arbeit der Zukunft, welche uns noch bleibt und die ich meine, beinhaltet alles was es braucht, damit Menschen angemessen und in Einklang mit Anderen und vor allem in ihrem angestammten Umfeld leben können. Das setzt jedoch voraus, in einer Gesellschaft zu leben, die ihre Mitglieder nicht danach bewertet, ob sie zur Kaste derjenigen gehören, welche noch einer bezahlten Arbeit nachgehen, Arbeit, die vor dem großen Wechsel so gut wie jeder hatte. Das geht dann nicht mehr. Wenn die allgemeine Wertschätzung in einer Gesellschaft von der Höhe des monatlichen Einkommens abhängt, dann läuft in dieser Gesellschaft etwas „megaverkehrt“. Eine postkapitalistische Gesellschaft braucht andere Indikatoren.

Die Begriffe „Gemeinschaft und Gesellschaft“ muss darum völlig neu überdacht und definiert werden. Es geht um gelebte Solidarität, um Integration, um Gemeinsamkeiten, Interessen und Aufgaben und es geht auch darum, welches die zukünftigen „NoGos“ für so eine Gemeinschaft sein werden. Und ganz wichtig ist, der alte Begriff „Heimat“; er wird einen völlig neuen Stellenwert erhalten.

Was meine ich damit? Trotz unserer heutigen Mobilität leben die meisten Menschen am liebsten dort, wo sie sich zuhause fühlen. Dort, wo ihre Freunde, ihre Familie und wo ihre mentalen Wurzeln sind. Der Mensch ist bekanntlich sehr neugierig, er bereist gerne andere Länder oder andere Teile unserer Welt. Aber am wohlsten fühlt er sich trotzdem zuhause.

Die Welt ist immer noch ein statischer Ort. Er bewegt sich zwar im Verbund seines Sonnensystems mit unwahrscheinlicher Geschwindigkeit quer durch das Universum. Aber trotzdem ist jeder Punkt auf unserer Welt mehr oder weniger statisch. Wer aus Paris kommt ist gerne ein Pariser. Erst danach ist er heute noch ein Franzose doch letztlich ist er jedoch wie wir alle ein Erdenmensch.

Alles hat seine Wurzeln. Man kann eine Pflanze zwar ausreißen und eventuell wächst sie auch an einem anderen Ort weiter; Eventuell aber auch nicht. Eventuell richtet sie an einem anderen Ort sogar Schaden an, weil sie dort nicht hinpasst. Das gleiche gilt für Tiere und Menschen oder einfach für alles. Nur der Mensch hat die Angewohnheit, alles verpflanzen zu wollen. Das ist eigentlich keine gute Angewohnheit, denn es ist wider die Natur. Der Mensch veränderte so die ganze Welt und er fügt seiner Welt so großen Schaden zu. Das erleben wir jeden Tag.

Er sollte darum entweder besser wissen, was er tut oder er sollte es einfach lassen, denn unsere Welt hat ihre eigenen Bedürfnisse und ohne diese Welt können wir schlicht nicht existieren. Unsere lebenserhaltende Welt hat wegen uns Menschen mehr und mehr dringenden Bedarf an Hege und vor allem an Pflege; denn unsere Welt ist schon lange krank und schuld daran sind ausschließlich wir selber. Das ist eine Art von essentieller Arbeit in der Zukunft, für die wir uns genug Zeit nehmen müssen, nachdem die von Computern gesteuerten Maschinen und Roboter für uns arbeiten werden. Sie können uns auch dabei helfen, unsere Welt wieder in das zu verwandeln, was sie eigentlich sein sollte. Unsere aller Heimat.

Wie konnte es soweit kommen?

Im Lauf der Geschichte hatte das bis jetzt im Grunde so gut wie niemand begriffen. Die Menschen lebten und starben und ihre Welt war das jeweilige Drumherum. Wir haben uns jedoch im Lauf unserer Vorherrschaft soweit entwickelt, das wir eigentlich begreifen sollten, was wir mit der uns eigenen Gier und dem mittlerweile globalen Raubbau auf unserem Planeten anrichten. Leider ist dem aber offenbar ganz und gar ich so. Die Menschheit hat sich stattdessen bis jetzt verhalten, als lebt sie in einer Art globalem Gratis – Supermarkt. Das ist im Grunde völlig Absurd. Aber mehr und mehr bekommen wir nun die fatalen Folgen unseres bisherigen Tuns zu spüren. Mit Ausnahme weniger hatte das bisher wirklich so gut wie niemand begriffen; Wie auch? Denn man machte immer genauso weiter. Die Herren der Welt sind und waren somit alle hochkriminell. Das muss ein Ende haben.

WENIGE BEISPIELE:

  • Immer mehr Tierarten sterben weltweit menschbedingt aus,
  • Sauberes Trinkwasser wird global knapp oder unser Wasser ist bereits durch Pestizide, Microplastik, oder durch den Zusatz von Chemie global verunreinigt.
  • Das Klima verändert sich offensichtlich und dabei spielt es keine Rolle, ob der Mensch die Schuld daran trägt oder ob das ein zeitlich bedingter, natürlicher Wandel ist. Es ist jedoch eine Tatsache und wir alle sind global davon betroffen.
  • Die Meere sind mehr und mehr verdreckt, verstrahlt und vor allem maßlos überfischt.

Das, um nur einige Symptome und Beispiele zu nennen. Die Ursache zu all dem sind wir selber. Wir stoßen in allen Bereichen längst an unsere Grenzen und trotzdem glauben viele, dass es immer so weitergehen kann. Andere haben schlicht keinen Schimmer, worum es eigentlich geht. Ich sage, das geht so nicht. Gottseidank bin ich damit nicht ganz alleine. Siehe die Warnungen wie zum Beispiel dem berühmten Naturwissenschaftler STEPHEN HAWKINS.

welt.de/wissenschaft/article151197869/Stephen-Hawking-sieht-Menschheit-in-groesster-Gefahr.html

Wahrscheinlich finden viele Leser diesen ganzen Beitrag sehr anmaßend. Was will er denn jetzt schon wieder? Das könnt ihr übrigens halten wie ihr wollt. Für mich kann ich sagen, dass ich mir meine Gedanken mache und diese hiermit teile. Wir Menschen haben uns bis jetzt vor allem durch Raubbau und Zerstörung an der Natur hervorgetan.

Sorry, Ich schweife ab. Ich habe mir nur als kleiner aber denkender Mensch meine eigenen Gedanken gemacht.

Wie also könnte es trotzdem funktionieren?

Den Lohn dafür bestimmt in meinem eigenen „WO – Modell“ kein Arbeitgeber, wie es bis heute geschah, sondern einzig die Nachfrage & die Notwendigkeit, die praktizierte Neuorientierung und deren daraus resultierender Erfolg. Die Natur wird uns dafür kein Geld geben, sondern hoffentlich wieder richtig funktionieren.

Da wir bis jetzt ständig zu viel von der Welt und der Natur nahmen, bekommen wir entsprechend weniger davon oder eine Ressource neigt sich schlicht dem Ende zu. Zuviel Arbeit bringt uns im Zusammenhang mit der Natur eigentlich nichts außer einerseits extremem Überfluss für wenige verhältnismäßig wohlhabende Menschen im Vergleich zur großen Masse oder dem Rest. Dieser Überfluss ist im Grunde wie menschliches Übergewicht und das ist bekanntlich ungesund. Warum, das erklärt sich im Grunde von selbst.

Unsere heutige moderne Welt ist ein menschgemachtes System. Früher war unsere Welt einfach die Welt oder die Natur. Es gab bekanntlich zu jeder Zeit Naturkatastrophen aber keine menschgemachten Katastrophen globalen Ausmaßes wie heute. Unsere Welt würde ohne uns auch in Zukunft wie immer normal weiter funktionieren, aber erst wir haben diese menschgemachten Probleme kreiert, weil wir die Welt restlos in unser eigenes System eingebunden haben. Somit sind alle unsere aktuellen Probleme selbstgemacht. Wir haben bisher bloß genommen und der Welt so gut wie nichts zurückgegeben außer unserem Müll; Ursache und Wirkung! Darum braucht es von nun an einen nachhaltigen Systemwechsel und nicht die weitere hirnlose Zerstörung unserer eigenen Umwelt und Natur.

Jeder und Alles, wer oder was gegen den Erhalt unserer Welt verstößt ist somit schlicht kriminell. Und darum sind nachhaltige Umweltschäden die höchsten und schlimmsten Vergehen, die wir gegen uns und die Welt begehen können. Um uns selbst und unserer Welt einen essentiellen Dienst zu erweisen muss alles, was wir in Zukunft tun, zuerst immer auf den globalen Machbarkeit – & Verträglichkeitsprüfstand. Denn zuallererst kommt der Erhalt der Natur oder der Welt in der wir leben. Wer sich daran in irgendeiner Form mutwillig vergeht, hat im Grunde die Höchststrafe verdient.

Bis jetzt gibt es jedoch kein spezielles globales Gericht und auch keine spezialisierten Richter, die sich explizit um diese Art von Vergehen kümmern. Sprich, es braucht dringend eine unabhängige, unparteiische und globale Umweltpolizei und eine globale Umwelt -Behörde, ausgestattet mit den entsprechenden Vollmachten und Befugnissen. Eine solche Behörde muss darum das Recht haben, global und jegliche geografische und politische Grenze überschreitend zu agieren, genau wie es derzeit die internationalen Konzerne ungefragt und einfach auch tun. Genau diese haben sich zuerst an die Bestimmungen und Gesetze zu halten; und das ohne Ausnahme. Das ist der missing Link.

So könnten wir innerhalb kürzester Zeit unsere Welt wieder verbessern. Das ist ein erster und wichtiger Schritt in eine für alle greifende Weltordnung. Nicht einzelne Machthaber, Politiker oder Konzernchefs haben global das sagen, sondern eine globale, humane, Frieden stiftende Institution und deren Exekutive. Wir alle haben sich bedingungslos an die Regeln zu halten – jeder Mensch, egal in welcher Position, Funktion oder Religion.

Was hat das alles mit einem bedingungslosen Grundeinkommen zu tun?

Nun, im Grunde ist ein Grundeinkommen gar nicht bedingungslos. Es geht vielmehr um eine bindende Weltordnung*, sprich um einen globalen Verhaltenskodex oder eine verbindliche Verordnung, die für alle Menschen ohne Ausnahme gilt. Bis jetzt ist das nicht machbar. Jeder Staatslenker egal welcher Fraktion, beansprucht zumindest in seinem Territorium das alleinige Sagen. Es gibt zwar bilaterale, länderübergreifende Verträge und Vereinbarungen. Diese richten sich im Prinzip aber stets gegen Andere. Somit gab und gibt es auch nie etwas wirklich Verbindliches.

Hier braucht es jedoch ein ebensolches Regelwerk oder eine Charta. So etwas wie eine Garantie wird es sonst niemals geben. Es geht in meinem Szenario oder Modell darum, das alle Menschen unserer Welt sich an diesen Codex halten müssen. Nur wenn sie das tun, erhalten Sie ein globales, bedingungsloses Grundeinkommen.

*ich mag den Begriff „Neue Weltordnung“ absolut nicht. Denn der Begriff setzt voraus, dass es bereits eine alte Weltordnung gab. So etwas gab es aber noch nie. Es gab stattdessen viele verschiedene Ansätze; ob gut oder schlecht; das lasse ich jetzt dahingestellt. Aber es kam bisher nie zu einer Art Weltordnung. Auch die UNO ist bis jetzt nur eine nette und gute Idee, die jedoch nicht funktioniert und alle Beteiligten nur sehr viel Geld kostet.

Zurück zu meinem Ansatz. Jeder Mensch in unserer zukünftig zu 100% technisierten Welt hat ein Anrecht auf ein Grundeinkommen, wenn er sich an die globalen Regeln hält. Er kann frei in seiner selbstbestimmten Heimat oder anderswo leben, wenn das für ihn oder sein Umfeld Sinn macht. Er kümmert sich dabei verantwortungsvoll gemeinsam mit allen anderen um sein soziales Umfeld, welches im Gegenzug ihn, seinen Nachbarn, Freunden, seine Familie und somit alle dort lebenden Mitmenschen erhält. Das ist der Deal.

Es wäre unsere gemeinsame Aufgabe, all den bis dahin noch unbedarften Menschen klar zu machen, wie das funktioniert. So etwas muss nicht mit Zwang oder Gewalt geschehen, sondern es führt kein Weg daran vorbei. Dazu braucht es eine neue Art von Lehrern, die weltweit die Menschen in dieser neuen Art des Zusammenlebens unterweisen. Denn nur das Verstehen warum und wofür und entsprechende Aufklärung und Bildung kann all die Menschen weiterbringen. Alleine diese wichtige Aufgabe schafft global unzählige neue Arbeitsplätze und das überall auf unserer Welt. Ein Großteil wird das verstehen, andere werden glauben, dass man ihnen unberechtigt etwas wegnimmt. Es sind vor allem die Leute der alten und vermeintlich wohlhabenden Welt. All das passiert jedoch nicht von heute auf morgen obwohl es sehr viel zu tun gibt. Oberste Priorität ist die Erhaltung unseres Planeten; wir haben keinen anderen.

Die notwendige Technik dazu haben wir bereits. Das Smartphone, die modernen elektronischen Medien & das Internet. Damit können wir diese anspruchsvollen Aufgaben global angehen. Aber zuerst braucht es eine globale Resolution und auch eine Art Revolution, welche nicht unbedingt blutig sein muss. Sie ist jedoch notwendig. Nennen wir Sie die erste Cyberrevolution. Danach ist alles anders!

Was ändert sich?

Das ist keine Science-Fiction, sondern die Konsequenz eines fundamentalen Wandels im Verhalten der Menschen. Jeder Wandel braucht seine Zeit und kommt nicht von Heute auf Morgen. Wir haben nicht mehr viel Zeit. Je konsequenter die Menschen und die Verantwortlichen sind, welche hinter der Idee stehen, um so einfacher wird es für alle.

Jeder Wandel verlangt Opfer und die Frage ist, wie wir Menschen damit umgehen. Wenn wir auf die Welt von heute schauen, so leben heute mehr als 7,8 Milliarden Menschen auf unserer Welt. 2050 werden es ca. 9.7 Milliarden sein. Das sind im Moment mehr als 7800 Millionen. Von all diesen Menschen lebt mehr als die Hälfte in relativer Armut. Ca. 800 Millionen oder 11 % leben dagegen in Wohlstand. Aber genauso viele und mehr am anderen Ende der Skala leben sogar in bitterster Armut. Pro Stunde verhungern auf unserem Planeten ca. 60 Kinder. In den kommenden 20 Jahren verlieren ca. 60 % ihre derzeitige Arbeit durch den Wandel – aber viele, neue und anspruchsvolle Aufgaben können diese ersetzen. Es braucht somit ein Umdenken! Daran führt kein Weg vorbei.

TEIL 2 Ende.

Teil 3 – Werfen wir einen Blick in eine solche Welt

Ab hier ist mein Beitrag reine Fiktion. Nehmen wir an, der Wandel hat stattgefunden. Die ehemals Kapitalistische Welt ist jetzt eine Welt mit einer *resourcenbasierten Gesellschaft. Lassen wir uns gemeinsam sehen was da passiert ist.

* Was bedeutet eigentlich resourcenbasierte Wirtschaft?

Den Begriff „ressourcenbasierte Wirtschaft & Gesellschaft“ kreierte Jaques Fresco, geboren am 13. März 1916 und gestorben am 18. Mai 2017. Jaques Fresco war ein viel beachteter US-amerikanischer Futurist und Designer.

Was Ressourcen sind, sollte man wissen. Es sind die Dinge, die uns die Welt schenkt – es sind all die Bodenschätze, die Luft zum Atmen, das Wasser zum Trinken, alle Tiere und Pflanzen, so wie die Welt sie erschuf und uns selbst. Ressourcen sind endlich und wenn etwas endlich ist, muss man es richtig einsetzen, verwerten, wiederverwerten und vor allem sehr gut bewaren.

Fresco arbeitete bis zum Ende seines Lebens viele Jahren mehr oder weniger autark an seinem „Venus Projekt“ in den USA. In diesem so entstandenen, realen Zukunftsmodell gibt es kein Geld mehr, Seine Städte und Siedlungen sind zwar sehr futuristisch. Sie erscheinen mir von außen jedoch relativ steril oder gar lieblos. Aber alles in seinem Modell ist sehr praktisch und bis ins Letzte durchdacht. Seine Begeisterung für Technik ist unübersehbar. Ich selbst mag Science-Fiction, aber mir fehlt bei Jaques etwas die menschliche Komponente. Er war eben durch und durch in erster Linie ein Ingenieur. Mehr Infos zu Fresco siehe Link.

faszinationmensch.com/2011/05/30/ist-eine-resourcenbasierte-wirtschaft-die-losung-fur-eine-menschlichere-welt/

Was passiert in meiner resourcenbasierten Wirtschaft mit dem Geld?

Geld existiert zwar noch, aber in Form von einer Weltwährung. In einer solchen Welt gibt es keine Währungsspekulationen mehr. Der Mensch braucht jedoch etwas Greifbares wie Geld oder einen entsprechenden Wert. Geld funktionier hier digital und real. Bargeld ist jedoch auf kleine Einheiten reduziert. Bargeld fungiert als eine Art Taschengeld.

Private Banken gibt es nicht mehr. Es gibt stattdessen die sogenannte Weltbank und deren vor allen digitale Geschäftsstellen bis in jedem Distrikt. Bezahlt wird via Smartphone und App und Kleinigkeiten sogar bar.. Bisher übliche Kredite mit Zins und Zinseszins gibt es nicht mehr. Es braucht keine Kredite an Privatpersonen mehr. Jeder Mensch bekommt monatlich das bedingungslose Grundeinkommen.

Es gibt stattdessen ein privates und gesellschaftliches Groundfunding. Wenn jemand eine gute Idee hat, eine Erfindung macht oder an einem eigenen und neuen Projekt arbeitet und dazu Geld oder Mittel braucht, um dieses zu realisieren, wendet er sich an die entsprechenden Spezialisten in seinem Lebensraum oder Distrikt. Lebensraum bedeutet Nachbarschaft. Der persönliche Lebensraum ist sozusagen die kleinste Verwaltungseinheit. Man könnte es mit einer Dorfgemeinschaft oder einer Quartierverwaltung oder einer Betriebsbelegschaft vergleichen. Jeder Lebensraum hat einen Verwaltungsrat. Dieser setzt sich nach den jeweiligen und dort vorherrschenden Schwerpunkten zusammen. Eine Person präsidiert den demokratisch gewählten Verwaltungs – Rat für eine gewisse Zeit. Normalerweise besteht der Rat aus 7 Personen, die sich um die verschiedenen Fachbereiche im jeweiligen Lebensraum kümmern. Die Räte erhalten neben dem Bedingungslosen Grundeinkommen einen aufwandbedingten Zuschlag in ihrer gewählten Ratszeit. Zu den Räten im nächsten Teil mehr.

Wenn die Idee oder das Projekt eines Mitglieds oder einer Gruppe von den Räten als sinnvoll & brauchbar – und vor allem als machbar beurteilt wird, bekommt der oder die Initianten nach ordentlicher Prüfung die notwendige Hilfe zur Verwirklichung via Weltbank. Das gilt im Großen wie im Kleinen und solche Projekte können aus den verschiedensten Thematiken kommen. Es beinhaltet auch die Thematik Bildung & Kultur. In der Regel kennt jeder Bürger den für ihn zuständigen Rat persönlich.

Wie funktionieren Politik & Staat?

In einer solchen resourcenbasierten Welt gibt es keine Nationalstaaten oder politische Blöcke mehr. Diese Welt funktioniert nach demselben, nachhaltigen System. Es gibt an Hand der Geographie verschiedene große, geographische Distrikte als überschaubare Verwaltungsratsbereiche. Bereits bestehende Ballungsgebiete und Megastädte werden von einem dezentralen Distrikt – und den untergeordneten Stadt – oder Bezirksräten geleitet. Die Strukturen sind sehr flach gehalten, da es keine politischen Parteien mehr gibt.

Ehemalige Ethnien leben großteils wieder in ihren ursprünglichen und angestammten Gebieten. Sie sind dorthin freiwillig zurückgekehrt. Jeder Bürger hat jedoch die freie Wahl seines Wohnorts, wenn er an einem Ort auf Dauer willkommen ist. Das entscheiden die dortigen Bürger und der jeweilige Verwaltungsrat.

Es gibt eine Weltsprache und daneben noch all die alten Sprachen, die vermehrt und vor allem untereinander gepflegt werden. Es gibt eine Art Postdemokratie wie weiter vorne beschrieben, welche aber nicht mit der korrupten Art der manipulativen, jetzigen Demokratie zu vergleichen ist.

Es gibt überall die unparteiischen Verwaltungsräte, bestehend aus verdienten Männern und Frauen, die auf gewählte oder wiedergewählte Zeit zu 100 Prozent an und in der Gemeinschaft arbeiten und wirken. Sie werden von wahlberechtigten, jedoch parteilosen Bürgern durch regelmäßige, elektronische Wahlen bestimmt. Die gewählten Verwaltungsräte, die den unparteiischen übergeordneten Gremien unterstehen, leiten je nach Funktion oder Abteilung einen Bezirk, eine Stadt oder einen Distrikt. Es gibt keine großen Hierarchien, keine wertenden Ränge etc.; alle sind normale Bürgerinnen und Bürger.

Es liegt an jedem selber, wie er oder sie sich einbringt, wie sehr er oder sie geschätzt wird. Jemand, der nicht die nötige Begeisterung oder Liebe zu seiner Aufgabe mitbringt, wird das anhand der Reaktionen aus der für ihn zuständigen Bevölkerung merken und kann bei Diskrepanzen entweder von sich aus von der oder den Aufgaben zurücktreten oder es wird ihm oder ihr von der Gemeinschaft durch einen Misstrauensantrag klargemacht.

Es gibt keine Präsidentschaft von Einzelpersonen mehr, sondern immer ein demokratisch gewähltes, Gremium von sogenannten Fachräten genannt Councelers. Jedes Major – Departement stellt seine Fach – Counceler. Das höchste Amt in jedem Departement entscheidet sich durch Wahlen und Wiederwahl. Das System ist auf allen Ebenen dasselbe. Vorschläge zur Wahl von Personen dieser Gremien kommt zu gleichen Teilen aus den bestehenden Gremien und zu Hälfte von den wahlberechtigten Bürgern oder den Mitarbeitern des jeweiligen Departements. Das oberste Gremium wird zur Hälfte von allen wahlberechtigten Bürgerinnen und Bürgern bestimmt und die andere Hälfte wird durch die entscheidenden Gremien gewählt. Durch die moderne Kommunikationstechnik hat der wahlberechtigte Bürger jederzeit die Möglichkeit, eventuelle Beschwerden oder seine Anerkennung auszudrücken. Auf dieser Basis funktionieren Wahlen, Abstimmungen, Misstrauensanträge und alle Entscheidungen in einer komplett vernetzten Welt. Es ist kein starres System, sondern äußerst flexibel und effektiv.

Wer darf wählen?

Wahlberechtigt sind nur Bürger, welche entsprechende Schulungen und Prüfungen absolviert haben. Noch einmal zu betonen ist, dass es keine politischen Parteien mehr gibt. Es gibt lediglich Projekt, Sach & Fachbereiche und es gibt gesellschaftlich verdiente und darum besonders angesehene Bürger. Jeder Bürger hat das Recht, die entsprechenden Prüfung zur Wahlberechtigung und für eine fachliche Counceler – Tätigkeit zu absolvieren. Jeder Bürger hat auch das Recht, sich um einen beratenden Posten zu bewerben und der jeweils Beste erhält so die Möglichkeit, sich persönlich und entsprechend einzubringen. Er kann innerhalb der Gremien aufsteigen bis zum höchsten Gremium.

Zu jedem Posten gibt es spezielle Fach – Trainings und nur wer diese erfolgreich absolviert hat, kann ein entsprechendes Amt übernehmen. Das komplette System wird elektronisch durch entsprechende Algorithmen unterstützt, entsprechende fachliche Literatur gestellt und die Trainingsprogramme sind immer auf dem neusten Stand. Es herrscht absolute Transparenz.

Es ist klar, dass gewisse Ämter oder entsprechende Stellen auch mit gesellschaftlichen Privilegien verbunden sind, ohne jedoch dabei die Bodenhaftung zu verlieren. Das schlimmste Amtsvergehen ist Korruption, Amtsmissbrauch oder Misswirtschaft.

Jedem Bürger oder Amtsinhaber kann dieses Recht somit auch aberkannt werden, wen er sich dementsprechend fehlverhalten hat. Es liegt an jedem selber, aber er verliert nicht das Recht auf das bedingungslose Grundeinkommen. Gesichtsverlust ist die schlimmste Demütigung in solch einer Gesellschaft ohne besondere Hierarchien.

Wie funktioniert Gesetzgebung, Recht und Ordnung und auch Bestrafung?

Das neue, globale Recht und die Rechtsprechung basiert aus dem Besten, was es bisher an humanistischer Rechtsprechung gab. Auch hier spielen Algorithmen eine entscheidende Rolle. Das Recht beinhaltet aber weder religiöse noch politische Doktrin oder Werte aus vergangenen Zeiten, sondern basiert auf reinem Humanismus. Es gibt nicht nur das humane Zivilrecht. Über allem steht der Einbezug der Umwelt –, Ressourcen -, Nachhaltigkeit – und Naturschutzrechts. Darauf basiert das neue Recht in jeder Hinsicht. Die neue Ethik und die Achtung der lebenswichtigen Natur ersetzt alle kapitalistischen, ideologischen oder religiösen Aspekte.

Wie funktioniert die Bildung?

Bildung ist kein Privileg mehr, sondern ein Werkzeug. Sie ist der Schlüssel für eine solche Gesellschaft. Bildung ist Pflicht aber funktioniert absolut ohne Zwang. Der Grad der Bildung ist darum absolut individuell bis auf gewisse Basics, die jeder Bürger kennen muss. Es gibt verschiedene Bildungseinrichtungen, die aber nicht vergleichbar mit den Schulen oder Universitäten von heute sind. Der Basic – Standard für alle Menschen ist weltweit absolut gleich. Aus den Datenbanken wie Wikis ist so ein globales Netzwerk entstanden, in das all das erarbeitete Wissen eingespeichert ist und immer global abgeglichen wird und zu dem jeder Zugang hat. Nachdem man die Wikis von aller Propaganda, Doktrin, falschen Informationen bereinigt hat, gilt es als globaler Wissensstandart.

Was ist mit der Emanzipation?

Private Interessen sind gleichwertig wie gesellschaftliche Ansprüche an die Menschen. Die Emanzipation ist kein Thema mehr, die Genderfragen gibt es nicht mehr, Bildung ist jeden freien zugänglich. Es gibt kein geheimes Wissen. Jeder Mensch kann alles lernen und werden. Es gibt kein Müssen, sondern nur ein Können oder Dürfen.

Verkehr und Transport?

Der Verkehr wird nicht mehr mit fossilen Brennstoffen, sondern nur noch mit erneuerbarer Energie betrieben. Privaten Verkehr auf öffentlichen Straßen wie früher gibt es nicht mehr. Stattdessen transportiert eine Flotte selbstfahrender autonomer Fahrzeuge aller Kategorien jeden Bürger oder Waren zu jeder Zeit. Fern – und Überlandverkehr findet via kontinentalen Hyperloopsystemen & großräumigen Luftfähren und umweltfreundlichen Schiffen statt. Auf den Weltmeeren verkehrt eine automatische Flotte von riesigen Transportschiffen, die ebenfalls keine fossilen Brennstoffe mehr verbrauchen. Es gibt nach wie vor spezielle Pisten oder Parcours für individuelles Fahren & sportliche Wettbewerbe mit elektrischen Fahrzeugen statt Verbrennungsmotoren. Defekte Fahrzeuge werden anhand der total vernetzten Elektronik sofort separiert und repariert. Jeder Mensch hat das Recht zu reisen. Der globale öffentliche Verkehr ist entweder gratis und berufliche & spezielle Reisen werden im Einzelnen genehmigt oder abgelehnt. Alle Fahrzeuge werden entsprechend recycelt und alle Rohstoffe werden wiederverwertet.

Wohnen & Leben

Slums gibt es nicht mehr. Privates Wohneigentum ist abgeschafft. Alle Städte werden saniert und sukzessiv in Smart Citys umgewandelt. Das gilt bei allen zukünftigen Baumaßnahmen. Alte und historische Bauten werden erhalten, entsprechend saniert und alle neuen Bauten werden nach modernsten Richtlinien smart und öffentlich erstellt. Individuelles und privates Bauen gibt es nur noch nach ganz speziellen Bewilligungen und wenn es Sinn macht. Jeder Mensch hat das Recht auf zeitgemäßen, modernen und angenehmen Wohnraum, den der Bürger sich soweit machbar persönlich gestalten und ausstatten kann. Jeder Mensch hat das Recht auf entsprechende Naherholungsgebiete, Sportstätten und genügend öffentlichen Raum, Museen, Konzerthallen und auch Restaurants für alle Bedürfnisse.

Die Wirtschaft

Die Industrie – und Agrarproduktionen wird nach Vorbild der Gigafarmen & Gigafactorys wenn möglich großflächig ausgelagert und nach umweltverträglichen Standpunkten neu organisiert.

Da es keine konkurrenzierende, klassisch – kapitalistische Wirtschaft mehr gibt, fällt finanzieller Wettbewerb komplett weg. Es geht um die Machbarkeit unter den jeweils gegebenen und bestmöglichen Umständen. Es gibt lediglich den qualitativen oder innovativen Wettbewerb. Der wird aber nicht wie bisher mit nahezu gleichen Produkten von verschiedenen Herstellern auf einem freien Markt ausgetragen. Jedes Produkt, das zum Endbenutzer kommt, ist wenn möglich das derzeit Beste und in ausreichender Stückzahl für den Weltmarkt, was in seiner jeweiligen Kategorie zu der Zeit machbar ist. Es geht darum, in jedem Bereich das bestmögliche Produkt oder die effizienteste Lösung oder Leistung zu erbringen. Neue Geräte und Innovationen werden von Bürgern vor der offiziellen Einführung ausführlich getestet, bevor sie in Serie gehen.

Es gibt in jedem Fachbereich globale Innovation – Wettbewerbe, die mit besonderen Preisen, Anerkennungen für die Entwickler gefördert werden. Die Forschung ist die wichtigste Beschäftigung oder die Königsdisziplin der Menschheit in einer resourcenbasierten Gesellschaft. Das Hauptaugenmerk in der Forschung liegt in der Effektivität, der Nachhaltigkeit und der praktisch bestmöglichen Umsetzung. Es gibt nicht wie früher jedes Jahr ein neues Smartphone. Diese Geräte funktionieren über längeren Zeitraum ohne Probleme.

Gewinnorientierte Konzerne, Fabriken oder Produktionen gibt es nicht mehr. Die verschiedenen globalen Industriekomplexe & Produktionen sind aus den ehemaligen Konzernen und Fabriken hervorgegangen. Viele Konzerne wurden komplett zerschlagen, sinnvoll aufgeteilt und neu strukturiert. Die so neu entstandenen Produktionen sind 100% technisch modernisiert und stehen unter 100%iger Berücksichtigung aller umweltverträglichen Auflagen und Aspekte. Das gleiche gilt für die globale Energiewirtschaft und die Mobilität.

Wo immer es möglich ist, arbeiten Roboter und Maschinen. Der Mensch tut das, was es für ihn zu tun gibt; er kontrolliert die Produktion soweit das nötig ist und forscht nach Verbesserungen. Alle Produkte sind auf Langlebigkeit, Funktionalität und 100%ige Wiederverwertbarkeit ausgelegt. Jeder Mensch hat Anspruch und Recht auf diese Produkte, welche er zum sorgenfreien Leben benötigt.

Wie finanziert sich das alles?

Der größte Teil der global erarbeiteten Einnahmen geht an das globale Grundeinkommensdepartement. Es ist die Weltbank. Diese hat in jeder Gemeinschaft seine Filialen und diese wiederum regeln die verschiedenen Innovationsfonds. Das gilt für jede einzelne Produktionsstätte, die mit allen anderen Produktionen global vernetzt ist.

Wir reden hier von einer Welt, in der Roboter und Computer gesteuerte Maschinen so gut wie jede Arbeit erledigen. Das tun sie in jedem machbaren Bereich. Jedes Produkt hat einen Preis. Da die Auswahl an Produkten sich aber immer auf die besten und machbaren Kriterien beschränkt, gibt es keine Überproduktion und auch keine minderwertigen Produkte oder Waren mehr. Qualität ist somit kein Luxus, sondern die absolute Regel. Trotzdem gibt es immer noch eine Steigerung.

Will jemand trotzdem noch bessere, speziellere, modische oder ausgefallenere Produkte erwerben, zahlt er einfach den entsprechenden Preis. Aber auch diese Produkte unterliegen den allgemeinen Umwelt – und Produktionsauflagen und werden entweder in den selben Betrieben oder in Co – Unternehmen erstellt.

Nicht alles ist industriell

Das Gleiche gilt für Kunst und Kultur. Die gibt es mehr als zuvor. Jeder Mensch, der etwas machen kann oder will, soll es auch tun dürfen. Das entsprechende und benötigte Material kann er auf dem geregelten und vernetzten Weltmarkt erhalten oder beziehen. Er zahlt die entsprechenden, offiziellen Preise und seinem Tun oder der Kreativität steht im Grunde nichts im Wege. Er kann seine Produkte, Waren, & Dienstleistungen entweder verschenken oder verkaufen. Wenn jemand etwas gewerblich verkauft, bezahlt er den entsprechenden Anteil wie jede andere Produktion an das Grundeinkommensdepartement. Früher waren das die Steuerbehörden. Man kann für alles keine Fantasiepreise verlangen. Man kann zwar etwas daran verdienen, aber richtig reich wird im Grunde niemand mehr, denn das macht keinen Sinn. Es geht eher um die Anerkennung einer Leistung.

Das gleiche gilt für die Produktion von Lebensmitteln. Jeder, der die entsprechenden Möglichkeiten hat, kann sich auch selbst versorgen. Entweder in Gemeinschaften mit Gleichgesinnten oder auch für sich selbst. Jeder Mensch kann Lebensmittel produzieren und diese auch verkaufen. Das ist besonders wichtig für die nach wie vor vielen existierenden Ethnien. Diese Volksgruppen pflegen nach wie vor ohne große Einschränkungen ihre eigenen Kulturen und Bräuche, solange diese nicht gegen nicht erlaubten Auflagen verstoßen. Das gilt vor allem im Umgang mit Tieren, diverse Bodenschätze & Mineralien und Pflanzen. Alle Tiere sind geschützt und haben ein Recht auf ihren natürlichen Lebensraum. Dieser Schutz unterliegt den globalen Umweltbehörden und Zoologen.

Jeder Produzent, egal ob privat, gemeinschaftlich oder professionell muss sich an die umweltbedingen Auflagen halten. Wichtig ist, dass die Natur dabei nicht unnötig in Mitleidenschaft gezogen wird und die geschützten Bereiche und Zonen nicht betroffen sind. Verstöße gegen die Umwelt / Natur egal ob auf dem Land, im Wasser unter der Erde oder in der Luft werden am höchsten bestraft. Es droht der Ausschluss aus der Gesellschaft.

Aus den ehemaligen Rüstungsindustrien wird die globale Recyclingindustrie

Die globale Recyclingindustrie ist mit die wichtigste Industrie in einer Post – kapitalistischen Welt. Wirklich alles wird recycelt und wiederverwertet. Alle ehemaligen Müll – und Schutthalden werden global systematisch abgebaut und nach wiederverwertbarem Material durchsucht. Danach wird das Gelände renaturalisiert. Das gleiche gilt für die Weltmeere. Die Recyclingindustrie arbeitet global mit der Rohstoffindustrie zusammen und jeder neu geförderte Rohstoff oder Bodenschatz unterliegt einer globalen Kontrollgemeinschaft. Illegalen Abbau und Produktion gibt es nicht mehr und wenn doch, gehört das ebenfalls zu den schlimmsten Verbrechen und wird entsprechend geahndet.

Es gibt ein globale Zentralregistrierung aller möglichen und vorhandenen Rohstoffe in einem globalen Katasteramt.

Es gibt kein Militär mehr.

Die Welt wird global entwaffnet. Alle Armeen und paramilitärische Gruppen werden aufgelöst. Es gibt eine globale Gerichtsbarkeit und schuldige Menschen werden für ihre Taten verurteilt. Das betrifft nicht nur korrupte, ehemalige Militärs, Staatschefs, Politiker, Beamte, Geheimpolizisten fast aller Geheimdienste weltweit. Vor dem Tribunal landen viele ehemalige, verantwortungslose Wirtschaftsbosse, gierige Bankster und korrupte Oligarchen und deren Helfer. Auch viele uneinsichtige, religiöse „Würdenträger“ nahezu aller Konfessionen werden ihrer Ämter enthoben, die Besitztümer der Glaubensgemeinschaften wird enteignet und geht in das Allgemeineigentum über. Alle Verurteilten erhalten eine zweite Chance und jeder kann sich nach verbüßter Strafe gerne in die Gesellschaft einbringen. Die Devise lautet “Menschen können sich ändern, wenn man ihnen die Möglichkeit gibt“.

Alle Kriegswaffen, deren zivile und militärische Produktionsstätten werden weltweit entweder komplett recycelt oder umgewandelt. Das gleiche passierte mit allen militärischen und paramilitärischen Einrichtungen, Kasernen, Lagern, Depots etc. Daraus entstehen entweder gemeinnützige Einrichtungen wie Heime, Zentren und medizinische Einrichtungen. Religiöse Bauten werden so ebenfalls genutzt. Vor allem diese werden in kulturelle Einrichtungen umgewandelt.

Ehemalige Banken, moderne Fabrikationsstätten aller Art sind die Basis für die neuen, resourcenbasierten Produktionen und die Landwirtschaft. Viele umweltschädliche Förderstätten für fossile Energie, jede Art von Bergbau & Minen, Tagebau, etc. werden entweder stillgelegt und wenn immer möglich der Natur zurückgeführt. Viel Landschaft wird renaturalisiert und der Natur ebenfalls wieder zurückgegeben. So entsteht global wieder natürlicher Regenwald und spezielle Klimazonen und Reservate. Alle Tiere stehen unter Schutz. Modernes Geoingeneering ist einer der wichtigsten Forschungsbereiche neben der Raumfahrt.

Die gesamte Welt wird so stückweise bereinigt und wiederhergestellt. Die Menschen erkennen, dass es so nicht weitergehen kann und speziell Soldaten aller ehemaligen Länder legen ihre Waffen nieder Sie melden sich in speziell gebildeten, weltweiten Zentren und werden umgeschult als Ranger. Das gleiche gilt für ehemaligen Polizisten aller Länder.

Wie entsteht etwas Neues in dieser Gesellschaft?

Etwas Neues beginnt in den lokalen Interessen – Gemeinschaften. Das kann jeden Bereich betreffen. Lokalen Interessen, die das örtliche Zusammenleben betreffen, Nachbarschaftshilfe, Kultur, Bildung, soziale oder gemeinsame Arbeit, etc. Da eine Interessengemeinschaft oftmals zeitlich und nach Aufgabenbereich begrenzt ist, werden zuerst die Ziele und Aufgaben genau definiert. Wenn die Aufgabe erfüllt und das Ziel erreicht ist, wird die IG beendet. Andere wandeln sich in gesellschaftlich anerkannte, öffentliche Institutionen, wie z. B. in soziale und offiziell geförderte Stiftungen, gemeinnützige Thinktanks etc.

Wer sucht der findet. Intelligente Datenbanken machen das Suchen einfach.

Alles ist global protokolliert wie alle Rohstoffe, alle Ressourcen und alles ist vernetzt. Das dient aber nicht mehr der Überwachung, sondern der Zusammenfassung von Daten. Wir alle kennen Ebay und Co. So entstehen wirklich globale Datenbanken aller Ressourcen des Planeten. Das betrifft die Naturelle Vielfalt und gilt für alle Rohstoffe. Jeder Interessierte hat Zugriff darauf und Spekulationen wie früher haben keine Basis mehr. Der Abbau von Rohstoffen unterliegt strengen Kontrollen und der Raubbau wird nicht mehr toleriert. Da es keinen privaten Landbesitz mehr gibt, gehören alle Rohstoffe allen Menschen und trotzdem niemand. Das gilt für alle Ressourcen. Jeder Abbau dient der Produktion von Produkten und Waren, die allen zugutekommen. Waren werden entweder gekauft oder sie dienen diversen Projekten der Allgemeinheit. Erzielte Gewinne werden taxiert und kommen wiederum dem Grundeinkommensfond zu Gute.

Als Beispiel will eine private Bürger – oder eine Arbeitsgemeinschaft eine ehemalige Fabrik umgestalten oder eine neue gründen. Damit das Projekt gefördert wird, wird eine offizielle Projektgruppe zu diesem Ziel gegründet. Wenn das Projekt für gut befunden und genehmigt wird, kann man mit der Arbeit beginnen. Wenn das Projekt umgesetzt ist, löst sich die Gruppe entweder wieder auf oder sie verwandelt sich in eine Stiftung, je nach dem, um was es in dem Projekt geht. Ansonsten kümmert sich nach der beendeten Umsetzung die lokale Verwaltung um die sachgerechte Abwicklung.

Illegale Interessengemeinschaften wie früher Logen, geheime Vereine, Zirkel, subversive Thinktanks sind verboten. Sie gelten als kriminell und werden entsprechend geahndet. Transparenz in einer solchen Gesellschaft ist das höchste Gut.

Was bedeutet eine resourcenbasierte Gesellschaft für die Menschen

Jeder hat Anspruch auf alle essentiellen Leistungen wie die bestmögliche Medizin, jegliche Bildung, angenehmes Wohnen, freie Ausbildung, bestmögliche Altersversorgung, gesunde Lebensmittel, öffentlichen, lokalen und zum Teil globalen Verkehr, öffentliche und private Kultur – und Interessengemeinschaften, freien Zugang zu Medien und Internet. Jeder bezahlt eine seinem Einkommen entsprechende Pauschale an den globalen Grundeinkommensfond, wenn er mehr verdient als das bedingungslose Grundeinkommen.

Wenn man bessere, private nicht subventionierte Leistungen in Anspruch nehmen möchte, zahlt man den entsprechenden Preis, der wiederum einer Taxierung unterliegt, die dem globalen Grundeinkommensfond zugutekommt.

Wer einer bezahlten Arbeit nachgeht, erhält wie jeder trotzdem das Grundeinkommen. Er finanziert mit seinen regulären und fairen Abgaben auf seine zusätzlichen Einnahmen den globalen Grundeinkommensfond. Die Preise für alle Waren sind global einheitlich, die Währung ist eine Weltwährung, Männer und Frauen bekommen den selben Lohn und erhalten die gleichen Zulagen oder Abzüge.

Jede gewerbliche Maschine, jeder gewerbliche Roboter, mit dem Waren produziert werden, unterliegt einer Besteuerung. Wie früher praktisch jeder Mensch. Die Besteuerung ist fair und leistungsabhängig. Alle Steuern gehen an den globalen Grundeinkommensfond.

Das globale Migrationsproblem wird durch die resourcenbasierte Weltordnung und das globale Grundeinkommen größtenteils friedlich gelöst. Wenn ein Mensch in seiner angestammten Heimat friedlich leben kann, hat er keinen besonderen Grund, dieselbe zu verlassen. Es sei denn, er hat eine bezahlte und spezielle Arbeit in Aussicht, die einen Ortswechsel verlangt oder es handelt sich um einen familienbedingten Wechsel. Familie und Verwandtschaft bestehen nach wie vor und ist durch den Wegfall der Genderproblematik noch vielseitiger geworden. Niemand braucht seine Heimat mehr aus Mangel verlassen. Es herrscht globale Reisefreiheit für jeden, es sei denn er hat sich etwas Einschränkendes zuschulden kommen gelassen.

Die Verfolgung von Menschen aus politischen oder religiösen Gründen gibt es in meinem Modell nicht mehr. Herkömmliche Politik in einer globalen Welt ohne offizielle Grenzen ist genauso Überflüssig wie Religionen, die zwar nicht generell verboten wurden, aber sich der neuen Weltordnung unterzuordnen haben. Ansonsten sind sie wie jede andere illegale Vereinigung aus gutem Grund verboten.

Es handelt sich um eine Welt ohne Militär, aber mit einer global organisierten Polizei, die sich aus verschiedenen Departements zusammensetzt. Eine der wichtigsten Abteilungen ist die globale Umweltbehörde mit der ihr unterstellten Umweltpolizei. Die Rechtsprechung ist ebenso global.

Bildung und Forschung sind die höchsten Ideale in einer postdemokratischen und postkapitalistischen Gesellschaft. Jeder Mensch, egal welcher Ethnie, welchem Geschlechts oder Alter, der man angehört, hat freien Zugang zu allen Bildungseinrichtungen und wird dort bestmöglich gefördert, wenn er die entsprechenden Voraussetzungen dazu erfüllt. Es gibt keinen Leistungsdruck. Die Menschen Lernen und Arbeiten in allgemein zugänglichen Industrie – oder Agrarkomplexen, Schulen und Universitäten, frei zugänglichen Forschungszentren und in der jedem zugänglichen Verwaltung oder in subventionierten Interessengemeinschaften oder Stiftungen. Aus den Interessengemeinschaften entstehen oft neue Co – Unternehmen oder Manufakturen oder neue öffentliche Einrichtungen oder sie schließen sich mit bereits bestehenden zusammen.

Menschen, die in einem entsprechenden Umfeld leben, dürfen oder sollen sich auch selbstversorgen können, wenn sie das wollen. Eine entsprechende globale Landreform schafft dazu weltweit die Möglichkeit. Menschen können mit Lebensmitteln privaten Tauschhandel betreiben oder schließen sich ähnlich wie im industriellen Bereich zu kleinen Produktion – Gemeinschaften zusammen und geben den entsprechenden Teil an den globalen Grundversorgungsfond ab. Das gilt besonders in Städten, wo jede geeignete Dachfläche landwirtschaftlich oder zur Energiegewinnung genutzt werden soll.

An erster Stelle jeglicher Produktion stehen Qualität und Nachhaltigkeit, die Vermeidung von Umweltschäden oder von Überproduktion. Alle hergestellten oder angebauten Produkte unterliegen den strengen Auflagen des Umweltdepartements. In der Landwirtschaft gibt keine gefährlichen Pestizide mehr, Massentierhaltung im herkömmlichen Sinn wurde komplett eliminiert, Fleisch & Fischkonsum wurde entsprechend eingeschränkt oder neue Techniken wie Fleisch aus der Retorte ersetzten die ehemalige Massentierhaltung. Lebensmittelforschung ist ein Hauptforschungsfeld unter humanitären und ethnischen Gesichtspunkten. Die Lebensmittelindustrie wird mit der Produktion lokaler Spezialitäten & ethnischer Besonderheiten abgestimmt und findet jeweils so dezentral als möglich statt, um lange Transportwege zu vermeiden. Die globale, elektronische Logistik funktioniert ohne großes Zutun von Menschen und so werden keine Lebensmittel mehr sinnlos von einem Ende der Welt ans Andere transportiert.

Privates Eigentum und Geld ist in dieser Post – kapitalistischen Welt nicht verboten. Es kann aber nicht mehr wie bisher an die Nachkommen vererbt werden. Das gilt nicht für persönliche & familiäre Dinge. Aber herkömmliche Wertgegenstände gehen nach dem Tod eines Bürgers / Bürgerin an die Gesellschaft, welche sie bei keinem Eigenbedarf weiterverkauft oder recycelt.

Jeder Mensch in dieser postkapitalistischen Gesellschaft fängt bei null an. Jeder Mensch kann sich durch eigenes Zutun in diese Gesellschaft einbringen und entsprechend Karriere machen oder sogar ein Star werden. Das gilt besonders für Schriftsteller, Schauspieler, Musiker, gestaltende Künstler, Architekten, Designer oder Modeschöpfer und andere. Einen sehr hohen Stellenwert haben jedoch Forscher, Ärzte, Wissenschaftler, Mathematiker und Philosophen. Eine große Herausforderung ist die Raumfahrt und die damit einhergehende Suche nach wertvollen Rohstoffen im All.

Ausufernder Reichtum ist in dieser Gesellschaft verpönt. Großzügige Gönner der Gesellschaft stehen dagegen in hohem Kurs…. Wohlhabend aus eigenem Zutun zu sein, ist bei entsprechenden Abgaben oder Leistungen für die Gemeinschaft sogar erwünscht. So trägt jeder zum Wohlergehen der Gemeinschaft bei.

Ende

Nachwort:

Ich würde das Geld noch nicht abschaffen, aber es läuft darauf hinaus, wenn wir etwas Gleichwertiges entwickelt haben. Ich würde auch den gerechten Lohn und privaten Besitz ausser Immobilien nicht abschaffen, denn wir sind immer noch Menschen und weder Bienen, Ameisen noch sonst eine Herde von Tieren und schon gar keine Roboter. Wir sind nach wie vor individuelle Wesen, jeder von uns ist verschieden und jeder hat andere Wünsche und Ziele, die ich niemandem absprechen möchte, solange sie im Rahmen bleiben. Ich bin für eine bessere, eine freie und kreative Welt, die zwar von Robotern bearbeitet wird, aber von zufriedenen Menschen belebt sein soll. Ich wünsche mir, dass niemand mehr etwas arbeiten braucht, was er nicht mag oder will. Das nenne ich Freiheit. Ich bin nach wie vor dafür, dass den Menschen ihre Arbeit nach ihrer erbrachten Leistung bezahlt wird und nicht nach künstlichem Renommee. Falls es in nicht allzu ferner Zukunft noch Arbeiten gibt, die trotzdem nicht beliebt sind, dann sollen sie auch entsprechend gut bezahlt werden. Da normale Arbeitsplätze in einer komplett technisierten Welt eher selten sind, sollen diese unter denjenigen geteilt werden, welche das am besten können.

Denn nebst der heutigen Lohnarbeit existiert daneben weiterhin all die andere Arbeit, oder nennen wir es die persönliche Selbstverwirklichung und andererseits unser soziales Engagement. Der Maler malt und der Forscher forscht. Der Musiker macht Musik und der faule Mensch ist eben faul. Das ist dann sein Problem und wie seine Mitmenschen das auffassen, damit muss er selber leben. Denn jeder Mensch hat in meiner Vision den Anspruch auf ein gleichwertiges, bedingungsloses Grundeinkommen, wovon er problemlos leben kann.

Ein langer Text und ich hoffe es ist für jedermann verständlich und vor allem nachvollziehbar. Ich selber werde so etwas sicher nicht mehr persönlich erleben. Viele Menschen machen sich global Gedanken zum Thema und ich hoffe, dass mein Beitrag nachvollziehbar und inspirierend ist. Ich erhebe keinerlei Anspruch auf irgendetwas, sondern habe einfach bloß sehr lange über das Thema nachgedacht. Ich stehe aber zu 100 % zu dieser Idee und fände es natürlich sehr schön und spannend, wenn es Gleichgesinnte gibt und dieser Beitrag so geteilt wird und Anklang findet.

Bernd Appel, Las Galeras den. 5.01.2017 / komplett überarbeitet im März 2020

Links zum Thema:


18. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Müller,

als langjährige Leserin (und Unterstützerin) der NachDenkSeiten möchte ich gern Ihre Einladung annehmen, einige Ideen zur künftigen Gestaltung unserer Gesellschaft beizutragen. Ich bin Sozialwissenschaftlerin und Historikerin und u. a. freiberuflich in der politischen Bildung tätig, auch forschend, referierend und als Buchautorin. Meine Hauptthemen sind seit vielen Jahren: Soziale Ungleichheit, Sozialstaat mit Schwerpunkt Gesundheitswesen (mehrere Publikationen, darunter zur Privatisierung und Ökonomisierung), Europäische Union (Teilbereiche), Neoliberalismus, Transnationale Konzerne und Finanzkapitalismus (als zentrale Elemente der Globalisierung).

Aktuell bereite ich für den Herbst 2020 ein Wochenseminar zum Thema „Gestaltung der sozial-ökologischen Transformation“ vor, und dazu kommt Ihre Einladung natürlich wie gerufen. Hier also einige Ideen und praktische Beispiele aus Deutschland und der EU, die Ihre Stichwörter in Ihrem Beitrag auf den NDS vom 25.03.2020 aufgreifen und weiterführen (auf Basis etlicher nationaler und internationaler Analysen und Publikationen), s. Anlage und weitere Anlagen als pdf-Dateien. Das extrem wichtige Politikfeld der Friedens- und Außenpolitik habe ich hier weggelassen, sonst wird es zu viel.

Ich hoffe, Sie können mit den Stichwörtern etwas anfangen. Vielleicht ist es hilfreich, die Ideen und Vorschläge der NDS-Leser/-innen in Form einer Mindmap grafisch darzustellen. Jedenfalls freue ich mich sehr auf das Ergebnis Ihrer „Umfrage“.

Mit den besten Grüßen, alles Gute Ihnen und Ihrem Team wünscht Ihnen

Dr. Doris A. Zimmermann

Anhang:
Dr. Doris A. Zimmermann
Bad Staffelstein-Stublang, 29.03.2020

NachDenkSeiten: Artikel von Herrn Albrecht Müller vom 25.03.2020
„Nach Corona anders zusammenleben! Wie? Was soll anders werden“
Dazu im Folgenden einige Ideen und Vorschläge:

1. Wir brauchen dringend ein neues Wirtschaftssystem. Übrigens, dies wussten Friedens-bewegte Frauen bereits vor mehr als 100 Jahren. Wohin uns die neoliberale Ideologie (seit Anfang der 1980er Jahre im „Westen“, ab 1990/91 global) als „Extremform des Kapitalismus“, wie Rainer Mausfeld es nennt, geführt hat, ist hinlänglich bekannt: in die Katastrophe, jedenfalls für die allermeisten Menschen dieser Welt. Nun gibt es ja einige Konzepte zu Alternativen, hier ausgewählte Beispiele:

  • Gemeinwohl-Ökonomie – Konzept von Christian Felber, er selbst nannte es kürzlich in einem Interview „Soziale Marktwirtschaft ohne Kapitalismus“. Dazu gibt es zahlreiche nationale und auch europäische praktische Beispiele (an der Uni Valencia, Spanien, gibt es sogar seit letztem Jahr einen Lehrstuhl für Gemeinwohl-Ökonomie). Übrigens, in der Bayerischen Landesverfassung Art. 151 Abs. 1 heißt es:

    Die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit dient dem Gemeinwohl …

  • Auf weitere Konzepte wie „Kreislauf-Wirtschaft“, u. a. von Ulrike Herrmann vertreten, „Postwachstums-Ökonomie“, u. a. von Nico Paech (teile ich aus verschiedenen Gründen nicht) gehe ich hier nicht näher ein. Aber interessant finde ich andere, neue Konzepte wie:
  • Partizipativer Sozialismus, wie Thomas Piketty es nennt in seinem neuen gerade erschienenen Wälzer von über 1.300 Seiten im Beck-Verlag auf Basis einer fast 1000-jährigen historischen Forschung aus einer globalen Perspektive – explizites Ziel: Überwindung des Kapitalismus. Besonders interessant sind seine konkreten Vorschläge zu einem neuen progressiven Steuerkonzept, das wir ebenfalls dringend benötigen (s. Anlage). Vgl. dazu auch das neue Buch der (französischen) US-amerikanischen Ökonomen Emmanuel Saez und Gabriel Zucman, Universität of California, Berkeley, Titel: „Der Triumph der Ungerechtigkeit. Steuern und Ungleichheit im 21. Jahrhundert. Berlin 2020, suhrkamp-Verlag.
  • Foundational Economy, in Deutsch: Fundamental-Ökonomie. Publikation dazu: Foundational Economy Collective: Die Ökonomie des Alltagslebens. Für eine neue Infrastrukturpolitik. Berlin 2019, suhrkamp-Verlag. Hier geht es um die (lokale) Infrastruktur: (1) physische Infrastruktur und (2) soziale Infrastruktur, die in der Mainstream-Ökonomie stark unterbelichtet oder (fast) komplett vergessen wird, obwohl dies für eine Gesellschaft, vor allem in Kommunen, von grundlegender Bedeutung ist, auch, damit Wirtschaft überhaupt funktionieren kann. Ich selbst habe dies mal schlichter genannt: „Soziale Politik weiter denken und demokratisch gestalten“. Und, ganz wichtig: Diese physische und soziale Infrastruktur (s. Anlage) gehört in öffentliche Verantwortung und Kontrolle! Diese Ideen könnten verknüpft werden mit der aus meiner Sicht extrem wichtigen Neuausrichtung der Ökonomie wie: Regionalisierung und De-Globalisierung. Anmerkung: Schon vor fast 10 Jahren hat der US-Ökonom, Harvard-Prof., Dani Rodrick, auf die Konsequenzen der „Hyper-Globalisierung“ verwiesen (s. sein Buch aus 2011).

    Dazu ein Zitat des berühmten Ökonomen John Maynard Keynes (1883-1946):

    Ideen, Kunst, Wissen, Gastfreundschaft und Reisen sollten international sein. Dagegen sollten Waren lokal erzeugt werden, wo immer dies vernünftig möglich ist; vor allem aber die Finanzen sollten weitgehend im nationalen Kontext verbleiben.

    Ein interessantes praktisches Beispiel ist die Stadt Preston im Nordwesten von England. Diese Stadt war aufgrund der neoliberalen Privatisierungsorgie von M. Thatcher und dem Austeritätsdiktat von D. Cameron nach der Finanzkrise praktisch pleite. 2011 haben sie unter Matthew Brown (Labour) eine völlig andere Wirtschaftspolitik verfolgt: lokale Orientierung und lokale Ressourcen genutzt, Einbindung von Klein-Unternehmen, Abkehr von globalen Konzernen etc. (Dazu gibt es einige Artikel in Englisch, u. a. im Guardian). Wie es scheint, ist das „Preston-Model“ sehr erfolgreich und inzwischen über die Grenzen Englands hinaus bekannt.

    Ein ebenso interessantes internationales Projekt ist „cittaslow“ (langsame Stadt), an dem sich inzwischen auch 21 deutsche kleine Städte und Kommunen beteiligen, auch in Bayern (s. Internet-Seite).

  • Wir brauchen dringend ein anderes, demokratisches Finanzsystem (!). Dazu haben die NDS ja schon etliche Artikel publiziert, vgl. die zahlreichen Beiträge nach dem Finanzcrash von 2007/08 und vor allem das neue Buch von Jens Berger „Wer schützt die Welt vor den Finanzkonzernen?“ Siehe dazu die Anlage (kurzer Überblick zu Vorschlägen, dar. von Sahra Wagenknecht 2016, Buch „Reichtum ohne Gier. Wie wir uns vor dem Kapitalis retten“). Gerade jetzt, in Zeiten der Corona-Panik, wird (absichtlich) verdeckt, dass das globale Finanzsystem vermutlich vor dem finalen Kollaps steht und womöglich einen letzten Versuch unternimmt, aus dem was da ist, noch das Letzte herauszupressen – möglicherweise auch die Enteignung der normalen Bürger/innen o. Ä. Jedenfalls: Dies wird zu einer weiter steigenden Ungleichheit führen, nämlich die (drastische) Umverteilung von unten nach oben (vgl. Finanzcrash von 2007/08 und anschließende „Bankenrettung“, mit dem das Vermögen der Reichen gerettet wurde).

    Im Zusammenhang damit steht die Frage nach neuen Eigentumsformen, die ja Sahra Wagenknecht in ihrem Buch von 2016 beschrieben hat (s. Anlage), vgl. dazu auch Piketty 2020 „Eigentum auf Zeit“. Und man könnte damit auch gut (wieder) die Diskussion zum Thema „Demokratisierung der Wirtschaft“ aufnehmen, das ja bereits in der Weimarer Republik konzipiert wurde. Aus meiner Sicht ist die „Mitbestimmung“ in (großen) Unternehmen dazu bei weitem nicht ausreichend. Und, man müsste ebenfalls die Neuordnung des Stiftungsrechts angehen, wie es z. B. Jens Berger in einem seiner Bücher erwähnt hat.

Hier einige ausgewählte Politikfelder, die dringend anders gestaltet werden müssten:

  • Agrarwende – von der industriellen/konventionellen Landwirtschaft zur ökologischen Landwirtschaft. Dazu gibt es zahlreiche praktische Beispiele, auch hier in Bayern. Dringend geändert werden muss auf EU-Ebene die fatale, ja perverse GAP Gemeinsame Agrarpolitik. Und: Die sehr mächtigen Lobbygruppen auf europäischer, nationaler und regionaler Ebene müssen aufgedeckt und entmachtet werden.
  • Verkehrswende – u. a. Stärkung und Ausbau des ÖPNV: Auch dazu gibt es etliche praktische Beispiele: Zürich, Wien, Luxemburg (hier ist der ÖPNV seit kurzem sogar kostenfrei).
  • Energiewende – dazu gibt es viele Anregungen, Beiträge, Beispiele. Wichtig: Die physischen Netze gehören in öffentliche Regie, Verantwortung und Kontrolle, und soweit möglich: dezentral.
  • Wohnen, Bauen etc. – (wieder) sozialer Wohnungsbau, strikte Begrenzung von Wohneigentum (z. B. Vorschläge nicht mehr als 2 bis 3 Wohnungen), ökologische Sanierung des Baubestandes. Hier gibt es viele praktische Beispiele, darunter kleine und mittlere Unternehmen wie Thoma-Holzhäuser (D), Jenni Solartechnik (Solarpionier in der Schweiz), FASA AG (D) etc. Oder: Als praktisches Beispiel für den sozialen Wohnungsbau vgl. die Stadt Wien. Oder: In der gesamten EU steigen die Zahlen der Wohnungslosen drastisch an. Wie es anders geht, zeigt das Projekt „Housing first“ in Helsinki (Finnland): Als einziges EU-Land nimmt hier die Zahl der Wohnungslosen ab (s. dazu Artikel im Guardian).
  • Gesundheitswesen (s. o. Teilbereich der sozialen Infrastruktur): Es muss unbedingt (wieder) in öffentlicher Regie und Verantwortung liegen. Ökonomisierung und Privatisierung müssen sofort gestoppt und rückgängig gemacht werden (s. dazu z. B. meine Publikationen). Die Finanzierung muss geändert werden, dar. Änderung des Fallpauschalen-Systems (DRG), progressive Beitragsgestaltung (anders als heute), Anhebung oder Wegfall der Beitragsbemessungsgrenzen etc. Stichwort: Bürgerversicherung (unbedingt „dran bleiben“). Dazu gehört natürlich auch die Abschaffung der PKV (ein absurdes Doppelsystem).
  • Gesundheit, Pflege und Familie: In der DDR gab es Gemeindeschwestern, die sehr gute Arbeit gemacht haben. Dies wurde bei der sog. Wiedervereinigung leider komplett gestrichen. Das gilt im Übrigen auch für die Polikliniken. Kurz: Wir sollten prüfen, ob wir diese Elemente nicht wiederbeleben, ich würde es sehr begrüßen.
  • Rentensystem: Hierzu haben Sie, Herr Müller, ja schon viele Hinweise und Vorschläge erarbeitet, mit denen ich übereinstimme. Wie z. B. in Österreich (schon seit 1988) sollten wir in D die Erwerbstätigenversicherung einführen, d. h. alle Erwerbstätigen zahlen in die Gesetzliche Rentenversicherung ein. Wie gut dieses System funktioniert, ist in zwei Studien nachgewiesen: WSI-Studie und FES-Studie. Siehe dazu auch die aktuellen Publikationen. Eine aktuelle ILO-Studie zeigt, wie katastrophal private Rentensysteme für die Rentner/-innen sind. Das gesamte Rentensystem muss auf die Gesetzliche Rentenversicherung ausgerichtet sein, d. h. alle Formen privater und betrieblicher Renten (bis auf die klassische betriebliche Rentenversicherung, z. B. in Form der Zusatzversorgung im ÖD) müssen abgeschafft werden. Da der „Rententopf“ der GRV fast 310 Milliarden € enthält (ca. 9 % vom BIP), ist verständlich, dass gigantische US-Finanzkonzerne wie BlackRock & Co. sich davon ein dickes Stück vom Kuchen abschneiden wollen. Dies muss auf jeden Fall verhindert werden. Hinzu kommt: Die stark steigende Altersarmut, von denen Frauen besonders betroffen sind, muss gestoppt und rückgängig gemacht werden – dazu gibt es ja etliche Vorschläge. Und: Alle versicherungsfremden Leistungen müssen aus Bundesmitteln und nicht aus der GRV gezahlt werden.
  • Pflege: Die Soziale Pflegeversicherung muss als jetzige „Teilkasko-Versicherung“ auf eine Vollversicherung erweitert werden. Überall fehlt zudem Pflegepersonal, wir wissen, welche Gründe das hat. Also: Mehr Personal (in Gesundheit und Pflege), bessere (humane) Arbeitsbedingungen und gute Bezahlung – statt Anwerbung (brain drain) aus Osteuropa oder aus Fernost. Und, ganz wichtig: Auch die Pflege gehört in die öffentliche Verantwortung! Es kann/darf nicht sein, dass immer mehr Konzerne und Hedgefonds Pflegeheime aufkaufen und Profite daraus schlagen – das ist nur noch purer Irrsinn!
  • Arbeit: Arbeit darf, wie Karl Polanyi in seinem berühmten Buch „The Great Transformation“ aufgezeigt hat, ebenso wie Boden (Natur insgesamt) und Geld, nicht marktförmig organisiert sein, sondern muss (wieder) in die Gesellschaft eingebettet werden. Aufgrund der Digitalisierung und massiven Veränderungen der gesamten Ökonomie werden die Beschäftigungsverhältnisse noch zersplitterter als sie es ohnehin schon sind – Beispiel: Gig-Ökonomie, Crowd-Working etc. Das bedeutet zumeist auch: sehr geringe Einkommen, keine soziale Absicherung. Und, es muss dringend die Care-Arbeit berücksichtigt werden, die ja oft von Frauen erledigt wird.
  • Bildung: In kaum einem OECD-Land hängt der Bildungserfolg der Kinder so stark von der sozialen Herkunft ab wie in Deutschland. Im OECD-Vergleich investiert Deutschland viel zu wenig in Bildung und ist zuletzt sogar noch gesunken (gemessen am prozentualen Anteil des BIP). Weiter: Die extrem frühe Selektion der Kinder in verschiedene Schularten muss geändert werden. Ein Beispiel ist Finnland, das sein Bildungssystem schon vor Jahrzehnten reformiert hat – übrigens weitgehend übernommen von der DDR, aber das dürfen die Finnen ja so nicht sagen.
  • Wissenschaft und Forschung: Auch hier sind ja mittlerweile im neoliberalen Wahn Ökonomisierungs- und Privatisierungstendenzen festzustellen. Beispiele: Drittmittel, Stiftungsprofessuren (von privaten Konzernen) etc. Das heißt: Das gesamte Wissenschafts- und Forschungssystem gehört in öffentliche Regie und Verantwortung. Alle privaten „Eindringlinge“ sind aus dem Wissenschaftsbereich zu entfernen, natürlich aus deren Lobbys (und davon gibt es viele). Im Übrigen gibt es etliche Ideen zur öffentlichen Netzinfrastruktur, z. B. indem die EU eigene Netze aufbaut und dies nicht US-Konzerngiganten aus dem Silicon Valley überlässt. (Dies würde zur physischen Netzinfrastruktur gehören, s. o. Fundamentalökonomie).
  • Medien: (Wiederbelebung) des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks, und zwar unabhängig von privaten Konzernen und staatlichen Einflüssen (Beispiel: Rundfunkrat). Dazu haben Sie, Herr Müller, ja schon viel publiziert.

Und: Alle diese Bereiche müssen (wieder) demokratisch gestaltet und reguliert werden – vgl. dazu beispielsweise die Vorträge und Publikationen von Rainer Mausfeld. Ganz wichtig ist aus meiner Sicht, dass wir genau die globalen, europäischen und nationalen Machtzentren untersuchen, die ja allesamt undemokratisch sind (ich habe mal ansatzweise versucht, diese Machtzentren im Überblick darzustellen). Davon spricht Herr Mausfeld ja auch, aber er benennt sie nicht genauer. Und wenn wir diese Machtzentren kennen, können wir auch dagegen halten. Ja, Sie haben Recht: „Die Restauration ist mächtig und medial präsent“, wie Sie in Ihrem Artikel vom 25.03.2020 schreiben. Nun, wir müssen uns eben mit diesen Machtzentren „anlegen“, und wir sind viele. Nur müssen wir uns mit unseren europäischen Nachbarn zusammentun und Netzwerke bilden, um diese Machtzentren genauer zu untersuchen. Die Politikwissenschaft und Soziologie z. B. tun es nicht, schon gar nicht die sog. Wirtschaftswissenschaften.

Nun zur Kernfrage: Wie geht man dieses „Veränderungsprojekt“ an? Dazu habe ich z. B. verschiedene Zukunfts-Workshops und Seminare durchgeführt, mit Bezugnahme auf internationale Abkommen, Konventionen, UN-Institutionen etc. Ähnlich wie Sie, Herr Müller, würde ich von vorhandenen Leitwerten ausgehen – hier eine knappe Skizze:

(1) Leitwerte: UN-Charta, Menschenrechte, UN-Konventionen etc., europäische Leitwerte (verschiedene Erklärungen, Vereinbarungen etc.), und auf nationaler Ebene Grundgesetz, SGB I etc. Christian Felber nennt diese Werte-Ebene „Verfassungswerte“. Dazu gehören z. B. Werte wie Menschenwürde, Friedensgebot, Völkerrecht, Demokratie, Sozialstaatlichkeit etc. (steht ja alles auch im deutschen Grundgesetz).

(2) soziale Leitwerte – oder nach Chr. Felber „Beziehungswerte“: Zum Menschenbild: Menschen sind soziale Wesen. Bereits Säuglinge/Kleinkinder haben ein ausgeprägtes Gerechtigkeits- und Kooperationsgefühl – was dem gesamten neoklassischen/neoliberalen Menschenbild vom „homo oeconomicus“ vollkommen widerspricht. Man sollte diesen gefährlichen Unsinn viel stärker als solchen entlarven. Zu solchen sozialen Leitwerten gehören z. B.: Empathie oder Mitgefühl (compassion hat Willy Brandt das mal genannt, wie Sie schreiben), Gerechtigkeit, Humanismus, Kooperation, Respekt (oder Toleranz), Großzügigkeit, Solidarität, Teilen, positives Freiheitsverständnis etc.

(3) ökologische Leitwerte – ggf. als dritte integrale Ebene: Schutz der Natur (nicht nur der sog. Umwelt) wie Boden, Wald, Klima, Bodenschätze, Ressourcen wie Wasser etc., Artenvielfalt etc. Auch dazu gibt es ja viele praktische Beispiele, Institutionen, Gruppen, auch sehr informative Dokumentationen, dar. von ARTE, oder auch Kinofilme.

Und dann – oder zu Beginn – könnte man fragen: Welche Grundbedürfnisse haben Menschen? Was ist wirklich wichtig zum guten Leben? Oder: Wie wollen wir in Zukunft leben? Hier würde das Stichwort „Lebensqualität“ wiederbelebt (ist ja leider im neoliberalen Wahn der letzten Jahrzehnte fast untergegangen). Und dann müsste man schauen, wie das Ganze demokratisch organisiert und gestaltet wird. Warum nicht ein solches System „partizipativen Sozialismus“ nennen, wie es Thomas Piketty in seinem neuen Buch vorschlägt. Ich stimme ihm völlig zu: Wir sollten den Begriff „Sozialismus“ nicht ad acta legen. Und wir müssen uns gegen die üblen Verleumder wehren, die im Sozialismus den Untergang der Welt sehen (ein Beispiel dafür ist dieser unsägliche Typ namens Dr. Markus Krall, s. auch Kenfm-Interview kürzlich). Über den Begriff „Neo-Sozialismus“ im neuen Buch von Klaus Dörre kann man ja diskutieren (Quelle: Klaus Dörre, Christine Schickert Hrsg.: Neosozialismus. Solidarität, Demokratie und Ökologie vs. Kapitalismus. München 2019, oekom-Verlag).

Noch ein kurzes Wort zu den ökonomischen Werten: Einige Branchen würden ebenso wie „Moderne Sklaverei“ u. Ä. verboten/abgeschafft werden müssen. Dazu gehören sicherlich Atomkraftwerke, Rüstungsproduktion (vgl. Diskussion um Rüstungskonversion Anfang der 1990er Jahre), Verbot menschenunwürdiger Arbeit wie „Sklaverei“, Organhandel etc. – aber das steht ja alles schon in den Leitlinien. Ich würde dazu auch zählen: Gentechnik, Synthetische Biologie, einige Bereiche in der sog. Medizinforschung etc. All dies ist keineswegs der in aller Regel völlig unkritisch verwendete Begriff vom sog. „Technischen Fortschritt“. Der ist eben nicht „wertneutral“, wie behauptet, sondern zuweilen hochgradig gefährlich und so gar nicht „fortschrittlich“.


19. Leserbrief

Recht herzliche Grüße an Sie, Herr Albrecht Müller,
und an das Team der NachDenkSeiten.
Vielen Dank an sie alle für ihre Arbeit.

Sie stellen eine gute Frage und nennen dazu auch gleich eine Reihe von Themen die Sie zurecht für wichtig halten. Leider sind die wirklich großen Probleme ganz andere, besonders in der sogenannten westlichen Welt.

Worauf es Ihnen ankommt ist vollkommen richtig. Es sind aber nur Einzelheiten, Programme und Regeln die jedes Land für sich und seine Umstände selbst ausarbeiten muß. Wie schon angedeutet, die wirklich großen Probleme finden wir auf weltweiter Ebene und die überschatten inzwischen alles was im eigenen Land getan werden kann und darf; so gut wie alle Länder sind davon betroffen. Erst wenn diese weltweiten Probleme beseitigt oder gelöst werden, oder wenn zumindest ein echter Ansatz dazu gemacht wird, kann man neuen Mut schöpfen und erst dann können Einzelheiten wie in Ihrer Liste in Angriff genommen werden, im Sinne wie es das jeweilige Land für richtig hält.

Was sind denn diese so großen Probleme?

Krieg

Es ist purer Wahnsinn, daß wir in unserem Zeitalter immer noch Kriege haben und führen, wie wir sie derzeit ohne Nachlaß immer wieder mit ansehen müssen. Das ist so frustrierend, da fehlen einem die Worte. Das Leid, das Elend und die Zerstörung durch Krieg dient allzuoft nur noch zu Bildern in den Medien – zur Meinungsmache.

Der Normalbürger will überhaupt keinen Krieg, in keinem Land.

Krieg wollen nur die, die davon profitieren.

Wenn wir heutzutage immer noch Kriege haben, dann ist das ein absolutes Versagen der internationalen Politik. Anders ausgedrückt, Außenminister und Diplomaten verfehlen die Hauptaufgabe ihrer Arbeit, oder zumindest machen sie ihre Arbeit nicht gut genug.

Die Großmächte (besonders die größte davon), wenn sie ehrlich wären und tatsächlich keinen Krieg wollten, könnten alle kleineren Länder in eine Welt ohne Krieg lenken. Wenn solch eine Welt das echte Bestreben wäre, dann ließe sich das mit genügend Nachdruck und ohne Gewalt & Waffen auf diplomatischen Wegen erreichen.

Es fehlt allein der Wille …

(Für das gesparte Geld könnte man zu gegebener Zeit Bananen in der Sahara anpflanzen, und Obst und Gemüse in den restlichen Wüsten.)

Gesetzwidrigkeit

Beim Anarchismus spricht man davon, daß der Staat als Feindbild angesehen wird. Was aber, und wie nennt man es, wenn der Staat große Teile der eigenen Bevölkerung als Feindbild ansieht?

Wie kann es sein, daß Regierungen und ausführende Staatsorgane sich teilweise völlig über die Gesetze im eigenen Land hinwegsetzen, und alle gucken zu?

Es darf einfach nicht sein, daß der Staat selbst nicht die eigenen Gesetze befolgt!

Dazu könnte man noch hinzufügen, daß die Transparenz bei Regierungen stetig abnimmt, wärend wir gleichzeitig exponentiellen Wachstum in den Methoden zur Überwachung von Bevölkerungen sehen; und das weltweit. Und alle gucken zu …

Würden allein diese beiden Punkte von Regierungen beachtet und befolgt werden, dann wären wir schon einen sehr großen Schritt weiter zu dem wofür sich auch die NachDenkSeiten einsetzen.

Da wären eine ganze Reihe von Angelegenheiten und Themen, die einzig und allein dem Willen der Bevölkerung des jeweiligen Landes unterliegen sollten.

Um nur mal zwei Beispiele zu nennen …

Privatisierung

Alle lebensnotwendigen Institutionen wie Trinkwasserversorgung, Elektrizität, Telefonnetzwerke, Eisenbahnen, Straßennetzwerke, Krankenhäuser, Müllabfuhr und viele, viele solcher Institutionen & Services sollten grundsätzlich in staatlicher Hand sein und bleiben, also dem Volk gehören.

Finanzwelt

Es ist ein Irrsinn, daß sich souveräne Staaten Geld auf den Finanzmärkten leihen (müssen) – in der eigenen Währung. Die Ausgabe von Kredit sollte grundsätzlich Staatsrecht sein und bleiben, aber nicht das Recht von Finanzmärkten nach deren Gutdünken, um nicht Profitgier zu sagen.

Beim Euro ist das vielleicht nicht so einfach, könnte aber auch entsprechend geregelt werden.

Gewinne aus ‚Geldmachen mit Geld‘ sollten bis zu 95% versteuert werden.

Unter dieser Rubrik könnte man es vielleicht auch unterbringen, daß Regierungen alles dransetzen sollten um das berühmte Verhältnis, 1% versus 99%, weitestgehend zurückzufahren.

Obszöner Verdienst oder Anreicherung sollte mit entsprechenden Steuergesetzen geahndet werden.

Da wären noch viele, viele andere solche Probleme, die ebenfalls gelöst werden müßten. Zum Beispiel das absichtliche Vermischen von Kulturen, gegen den Willen der eigenen Bevölkerung. Meines Erachtens nach ist auch das nur ein Wunschziel derer die davon profitieren. Ansonsten ist es ein echtes und zunehmendes Problem. Was die große Breite der Bevölkerung eigentlich will, das interessiert die Obrigkeit nicht.

Aber, wie auch schon erwähnt, viele solcher Probleme sind reinweg Einzelheiten, Details, die nur von jedem Land in eigener Regie gelöst werden können und müssen, ohne, daß eine Großmacht mit ‚Regime Change‘ droht oder das sogar durchführt.

Wenn weltweit eine andere Mentalität herrschen würde, wie z.B. kein Krieg, Gesetze einhalten und dergleichen, dann wäre das schon ein Riesenschritt zur Besserung.

Die Umwelt habe ich hierbei noch gar nicht mal erwähnt.

Mit freundlichen Grüßen an Sie und Ihre Leser,
Peter.


Anmerkung zur Korrespondenz mit den NachDenkSeiten

Die NachDenkSeiten freuen sich über Ihre Zuschriften, am besten in einer angemessenen Länge und mit einem eindeutigen Betreff.

Es gibt die folgenden Emailadressen:

Weitere Details zu diesem Thema finden Sie in unserer „Gebrauchsanleitung“.